„Bio-Politik“, Antizionismus oder doch Antisemitismusforschung?
Die Nachfolge am ZfA gestaltet sich schwierig
Von Dr. phil. Clemens Heni
Antisemitismus ist auch 65 Jahre nach der Befreiung Europas und der Welt vom Nationalsozialismus eine große Gefahr. Heute sieht sich Israel einer existentiellen Bedrohung durch einen nach Atomwaffen strebenden Iran gegenüber, einer Islamischen Republik Iran, welche gleichzeitig seit Jahren die Zerstörung des jüdischen Staates Israel fordert. Die Wissenschaft, sowohl die Antisemitismusforschung als auch die Islam- und Nahostforschung in Deutschland haben sich dieser Herausforderung so gut wie nicht gestellt. Das Problem des Islamismus wird klein geredet und von islamischem Antisemitismus reden nur einige Aktivisten, sehr wenige Publizisten und noch weniger Wissenschaftler.
Ein Grund dafür ist auch die wissenschaftliche Schwerpunktsetzung am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) an der Technischen Universität Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Benz. Als einziges Zentrum für Antisemitismusforschung in Deutschland hat es eine herausgehobene Stellung bezüglich der Forschung zu historischem und aktuellem Antisemitismus, zu antizionistischem Antisemitismus, der Israelfeindschaft und dem Islamic Jihad. Sein Renommee nutzt das ZfA derzeit um kritische Forscherinnen, Forscher und Publizisten zu diffamieren. International hat das ZfA mit seinem Vergleich von Islamophobie bzw. Islamkritik und Antisemitismus kaum Unterstützung gefunden.
Es gibt im wesentlichen vier Institute zur Antisemitismusforschung, in Jerusalem das Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism (SICSA), in Berlin das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA), in Tel Aviv das Stephen Roth Institute for the Study of Contemporary Antisemitism and Racism, und in New Haven, Connecticut, die Yale Initiative for the Interdisciplinary Study of Antisemitism (YIISA).
Bei keinem genannten Institut wurde der Fokus der Forschung international so sehr in Frage gestellt wie beim ZfA seit Dezember 2008, als es seine Konferenz „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“ veranstaltete. Im Kern wird das ZfA kritisiert, Antisemitismus zu verharmlosen und die Gefahr des politischen Islam zu minimieren bzw. zu derealisieren. Benz versucht seit 2008 den Begriff Islamophobie salonfähig zu machen[i], wenngleich „Islamophobie“ schon zuvor von seinem Kollegen Wilhelm Heitmeyer[ii] in den sozialwissenschaftlichen Mainstream mit eingeführt worden war.
Kein anderes Land der Welt wird wiederholt öffentlich mit Vernichtung bedroht wie Israel von der Islamischen Republik Iran. Das ZfA hingegen vergleicht Antisemitismus mit „Islamophobie“ und setzt gar Islamkritiker mit Islamisten auf eine Stufe, sie seien beide „Hetzer mit Parallelen“, wie es in einem Text in der Süddeutschen Zeitung Anfang 2010 heißt.[iii]
In dem neuen Buch – „A Lethal Obsession. Anti-Semitism from Antiquity to the Global Jihad“ – von einem der weltweit führenden Antisemitismusforscher, Prof. Dr. Robert Wistrich, Leiter von SICSA und Professor an der Hebräischen Universität Jerusalem, wird Benz erwähnt und scharf kritisiert; nach einem Bezug auf die (herkömmliche) Kritik von Benz aus dem Jahr 2003 an Martin „Hohmanns judenfeindliche[m] Diskurs“ schreibt Wistrich:
„Since then, Benz’s equation of anti-Semitism and ‚Islamophobia‘ has come under some heavy criticism.“[iv] („Seither hat Benz‘ Gleichsetzung von Antisemitismus und ‚Islamophobie‘ einige heftige Kritik erfahren“)
Nun geht der Leiter des ZfA Benz in Rente. Für die Nachfolge, welche offenbar am Sonntag, 9. Mai 2010 vorentschieden werden soll, stehen sieben Kandidatinnen und Kandidaten zur Auswahl. Im Folgenden werden sie ganz kurz vorgestellt:
1) Frau Dr. Stefanie Schüler-Springorum aus Hamburg, Professorin und Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden. Sie hat viel und aufschlussreich zu deutsch-jüdischer Geschichte geforscht. Ihr neuestes Buch handelt vom Spanischen Bürgerkrieg und der deutschen Unterstützung für die Faschisten. Ihre einzige Publikation, welche explizit mit Antisemitismus zu tun hat, ist ein Heft der Werkstatt Geschichte, Nr. 38, aus dem Jahr 2004, welches Schüler-Springorum edierte.[v] Sie selbst schreibt darin das Editorial und eine Rezension über ein Buch zu „Fundamentalismus“, worin sie u.a. meint, dass „bombenwerfende Männer“ sich damit auch gegen einen „inneren Feind“ richten[vi]. Antisemitismusforschung ist bislang kein Schwerpunkt der Forschung von Schüler-Springorum.
2) Sodann gibt es Dr. Constantin Goschler, Professor für Zeitgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Seine selbst formulierten Arbeitsschwerpunkte sind: „Transitional Justice und Kriegsfolgenbewältigung; Biopolitik und Zwillingsforschung; Geschichte der Juden in Deutschland nach 1945“. Man könnte vielleicht denken, dass Benz und das ZfA eventuell dachten, dass die „Zwillingsforschung“ von Goschler passen könnte, denn sind nicht Antisemitismus und „Islamophobie“ Zwillinge? Goschler hat außerdem viel zu „Zwangsarbeiterentschädigung“ geschrieben und zur sog. „Wiedergutmachung“ (siehe dazu unten mehr). Es findet sich aber keine Publikation zu Antisemitismus in seinem Publikationsverzeichnis. In einem seiner zeitgeschichtlichen Artikel zu Einstellungen gegenüber Juden in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg wird Antisemitismus thematisiert. Goschler ist zudem der einzige der sieben Kandidaten, welcher von Wistrich in dessen voluminösem Buch mit über 3000 Fußnoten zitiert wird.[vii] Auch das ein Zeichen, dass international keiner der sieben Kandidaten größeren Einfluss oder eine herausragende oder irgend eine Bedeutung für gegenwärtige Antisemitismusforschung hat, wenn wir das beeindruckende Werk von Wistrich als maßgeblich für die gegenwärtige Forschung zu Antisemitismus ansehen. Das fällt zumal deshalb auf, weil die crème de la crème internationaler Antisemitismusforschung von Frankreich über Großbritannien, Russland, USA, Israel, Deutschland und Italien und anderen Ländern von Wistrich herangezogen und zitiert wird.
In einem von Goschler im Jahr 2000 herausgegebenen Band geht es um „Wissenschaft und Öffentlichkeit in Berlin, 1870-1930“, auch hier keine Antisemitismusforschung. Goschler beschreibt seine „Forschungsschwerpunkte“ als in der „Zeitgeschichte sowie der Wissenschafts- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts“ liegend. Auch in dem neuesten Buch von Goschler, welches er zusammen mit seinem Mitarbeiter Rüdiger Graf publizieren wird, geht es um Zeitgeschichte in Europa nach 1945, ohne dass Antisemitismus im Inhaltsverzeichnis auftauchte. In einer Rezension des heftig umstrittenen und skandalösen Buches „Holocaust Industry“ von Norman Finkelstein verharmlost Goschler im Jahr 2000 nicht nur den Antizionismus von Finkelstein, vielmehr scheint Goschler selbst es abzulehnen, dass der Holocaust ein präzedenzloses Verbrechen war.[viii] Er erwähnt, dass die Tötung von „Geisteskranken“ der industriellen Vernichtung der Juden vorangegangen sei, ohne den kategorialen Unterschied der Aktion T 4 und der Shoah anzusprechen, wie es die internationale Forschung zum präzedenzlosen Charakter der Shoah von Prof. Yehuda Bauer, Dr. Manfred Gerstenfeld, Prof. Steven Katz oder Alex Grobman kennzeichnet.[ix] Schließlich wurde Goschler auch wegen seiner affirmativen Verwendung des Wortes „Wiedergutmachung“ von der Historikerin Jael Geis kritisiert:
„Kurz ein Wort zum Gebrauch des Wortes ‚Wiedergutmachung‘. Ich kann Goschler nicht folgen, der zwar die Problematik thematisiert, aber glaubt, das Wort benutzen zu können, da es nach dem Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm seit Jahrhunderten im Sinn von ‚ersetzen‘ und ‚bezahlen‘ und bei Freiherr von Knigge Ende des 18. Jahrhunderts im Sinne von ‚sühnen‘ benutzt werde. Ich halte es nicht für zulässig, den Sinn eines Wortes in einem gegebenen Moment der Geschichte nur aus der Vergangenheit dieses Wortes herzuleiten, ohne es zu dem Sachverhalt in Beziehung zu setzen, den es bezeichnen soll. Das Wort ist nicht nur in Bezug auf das Geschehen vollkommen inadäquat, auch der Prozess selbst, das jahrzehntelange Tauziehen um jeden Pfennig, das selbst über 50 Jahre nach Kriegsende nicht abgeschlossen ist, lässt mir ‚ersetzen‘, ‚bezahlen‘ und ‚sühnen‘ als Euphemismen erscheinen.“[x]
3) Als drittes haben wir Dr. Nicolaus Berg, Historiker am Simon-Dubnow-Institut in Leipzig. Berg hat eine sehr lesenswerte und wichtige Dissertation über „Der Holocaust und die westdeutsche Geschichtswissenschaft“ publiziert. Allerdings ist auch dieses Werk kein Beitrag zur engeren Antisemitismusforschung, vielmehr zur deutschen Historiografie der Shoah. Ob Bücher mit dem Titel „Kapitalismusdebatten um 1900. Über antisemitisierende Semantiken des Jüdischen“ helfen, Antisemitismus historisch adäquat einzuordnen bleibt abzuwarten.
Ich habe versucht solche „Kapitalismusdebatten“ des Kaiserreichs an Hand des antisemitischen Soziologen Werner Sombart zu analysieren, um diese Analyse über anti-Mammonismus bis in heutige Zeiten zu führen, damit die gesellschaftliche und politische Relevanz von Antisemitismusforschung deutlich wird.[xi]
Jedenfalls betreibt Berg seinen Publikationen nach zu urteilen nur am Rande Antisemitismusforschung. Seine Schwerpunkte sind die Historiografie und Formen des Gedenkens an die Shoah. Berg hat sich auf innovative Weise mit den Desideraten bisheriger Historiografie zum Holocaust in Deutschland befasst. Das ist ein sehr wichtiges Forschungsfeld, hat jedoch mit der derzeitigen internationalen Forschung zu Antisemitismus kaum Berührungspunkte.
Es scheint hier eine große Lücke zwischen der deutschen und internationalen Antisemitismusforschung zu geben, welche die letzten Jahre verstärkt islamischen Antisemitismus untersucht hat. Wistrichs Buch von 2010 und seine Forschungen die letzten Jahrzehnte wiederum indizieren, dass sich historische Forschung zu Antisemitismus von der Antike über das europäische Mittelalter, die Neuzeit, die islamische Welt, den Holocaust, und vor allem zu Formen des Antisemitismus nach 1945 bis heute erstrecken kann. Deutsche Forschung zu Antisemitismus hat jedoch häufig einen sehr engen Blickwinkel und so gut wie kein Forscher aus dem akademischen Mainstream befasst sich gleichermaßen mit dem Holocaust oder dem Antisemitismus im 19. und frühen 20. Jahrhundert und zugleich mit antizionistischem und auch islamischem Antisemitismus, speziell seit dem 11. September 2001. Das war der Grund für die Heftigkeit der Auseinandersetzung mit dem ZfA und seiner Tagung „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“, welche jede Spezifik des Antisemitismus, der zur Shoah führte und auch heute in genozidaler Absicht Juden und den Staat Israel bedroht, negiert und derealisiert. Zu dieser Thematik hat sich Berg so weit ich sehe nicht geäußert.
4) Dann gibt es den Historiker Dr. Ulrich Sieg, Professor an der Universität Marburg, er publizierte zu Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich, vor allem zu Paul de Lagarde. Sieg promovierte über den „Marburger Neukantianismus“, welche eine um „Platon, Descartes, Leibniz“, „Kant“ sowie „Galilei, Kepler und Newton“ kreisende „eindeutige Schuldoktrin“ erarbeitet habe.[xii] Unabhängig vom philosophischen Gehalt der Studie fällt zumindest auf, dass er gleich zu Beginn die Tatsache, dass so viel über die „Frankfurter Schule“ geforscht sei, aber wenig bis gar nichts zu anderen „Schulen“, bemängelt und sich vielmehr an die Studie „Politische Philosophie in Deutschland“ von Hermann Lübbe anlehnt, die „glänzend geschrieben“ sei.[xiii] Wie auch immer, Lübbe war als junger Mensch Mitglied der NSDAP[xiv] und hat das natürlich vergessen, was Sieg noch nicht wusste oder jedenfalls nicht darauf eingeht. Bei Lübbe ist das ein beachtlicher Vorgang, da er 1983 in einem nationale Wellen verursachenden Artikel gerade das „kommunikative Beschweigen“ der NS-Vergangenheit lobte.[xv] Sieg kritisiert die Heidegger-Studie von Victor Farias, der von einer „Entlarvungspsychologie“ getrieben sei, gar einer „allzu eindimensional“ vorgehenden. Seit 2006 ist Sieg Mitglied im „Wissenschaftlichen Rat der Brüder Grimm-Gesellschaft“, interessant wäre zu wissen, was diese Grimm-Gesellschaft von einer internationalen Antisemitismusforschung hält, die sich mit dem Antisemitismus der Märchen der Grimms befasst, siehe dazu Dr. Steven Baum, Mitgründer und Herausgeber des Journal for the Study of Antisemitism in JSA 2, 2010. Auch zu sekundärem Antisemitismus nach dem Holocaust finden sich kaum Texte und Passagen bei Ulrich Sieg, dabei ist auch das ein herausragendes Forschungsfeld heutiger Antisemitismusforschung, zumal in Deutschland.
5) Die Historikerin Dr. Angelika Königseder machte mit ihrer Bewerbung Schlagzeilen, weil sie als „externe“ Kandidatin vorgestellt wird, welche an einem „Institut für Vorurteils- und Konfliktforschung“ in Berlin arbeite. Offiziell gibt es dieses Institut, wie Gudrun Eussner und Matthias Küntzel herausgefunden haben, tatsächlich, es ist aber kaum öffentlich in Erscheinung getreten. Wiederum ist festzustellen, dass Königseder sehr wenig speziell zu Antisemitismus forscht. Ihre angegebenen Forschungsschwerpunkte sind: „Nationalsozialismus; Verfolgungsgeschichte der Juden; deutsche Nachkriegsgeschichte; Displaced Persons; Genozidforschung.“ Königseder ist seit Jahrzehnten vertraute Mitarbeiterin von Benz und vertritt wie er die These der strukturellen Ähnlichkeit bzw. Gleichheit von Antisemitismus und Islamkritik. Die dänischen Mohammed-Karikaturen bezeichnete sie im Einklang mit dem jihadistischen Mob seinerzeit als „Hetzwerk“.[xvi] Königseder ist die einzige Bewerberin aus dem engsten Umfeld von Benz, sie steht repräsentativ für den Unwillen des ZfA, der Gefahr des heutigen Antisemitismus auch nur ansatzweise zu begegnen. Es ist zu fragen, ob Königseder nicht vielmehr den Antisemitismus, der zur Shoah führte, verharmlost, wenn sie die antisemitische Agitation gegen Juden zu Ende des 19. Jh. mit heutiger Kritik an islamistisch motivierten Moscheebauten, wie sie auch von vielen liberalen Muslimen wie Necla Kelek scharf kritisiert werden, gleich setzt.[xvii]
6) Als vorletzter der hier vorzustellenden Kandidaten sei Dr. Peter Longerich erwähnt. Er ist Historiker und ein bekannter Holocaust-Forscher, derzeit arbeitet er an der Royal Holloway University in London. Auch Longerich ist nicht als Antisemitismusforscher bekannt und sagt, dass Antisemitismusforschung nicht zu seinen Schwerpunkten gehört, die wären: „the history of the Weimar Republic, the Third Reich, the Second World War and the Holocaust, Heinrich Himmler“.
In seinem Buch „Davon haben wir nichts gewusst!“, über die Deutschen und den Holocaust, negiert er, dass es einen tiefen Antisemitismus der Deutschen gegeben habe, vielmehr sei dieser zunehmend vom Regime, den Nazis, den „Unwilligen“ (Deutschen) aufgezwungen worden. Longerich lehnt die Analyse von Daniel J. Goldhagen aus dem Jahr 1996 ab, wie eine taz-Rezension zu Longerichs neuer Studie schreibt:
„Sorgfältig beschreibt Longerich noch etwas anderes: das Bemühen des NS-Regimes, die zunehmend gleichgeschaltete Öffentlichkeit auch im Bereich der “Judenpolitik” auf Linie zu bringen, die Bevölkerung zu einem aggressiv ausgrenzenden Verhalten, zum “Hass auf Juden” anzustacheln. Und er beschreibt das Scheitern dieser massiven Indoktrinationsversuche. Es ist also kein Wunder, das Daniel Goldhagen für diese Studie nur Verachtung übrig hatte, denn von einem verbreiteten, in der deutschen Gesellschaft tief verwurzeltem “eliminatorischen Antisemitismus” findet sich nichts bei Longerich.“
Longerich wurde außerdem jüngst wegen seiner Forschung zu Paul Carell kritisiert. Carell, der während des Nationalsozialismus unter seinem wirklichen Namen „Paul Karl Schmidt“ nationalsozialistische Propaganda betrieben hat und als SS-Obersturmbannführer von Außenminister Joachim von Ribbentrop Karriere machte, ist ein interessantes Beispiel für die Karrieren von Nazis weit über 1945 hinaus. Der Journalist Christian Plöger schreibt darüber in seiner Dissertation und zeigt sich verwundert, warum Longerich auf Vorschläge Schmidts, die Ermordung der ungarischen Juden im Sommer 1944 als Re-Aktion auf inszenierte ‚Vorfälle‘ zu ‚begründen‘, „inhaltlich“ nicht eingehe.[xviii] Der Historiker und Lehrer Wigbert Benz hat Plögers Kritik an Longerich untermauert.
7) Als letzter der Kandidaten kommt Dr. Klaus Holz an die Reihe, derzeit Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland. Holz ist Soziologe und tatsächlich auch ein Antisemitismusforscher. Umso frappierender sind seine Publikationen: Holz bezichtigte Israel im Jahr 2002 des „Staatsterrorismus“ und Kritiker des antisemitischen Antizionismus wurden von ihm in pejorativer Absicht als „Sharon-Linke“ bezeichnet. Mit seinen beiden Ko-Autoren schrieb er im Walser-Stil von einer „Sichtblende Auschwitz“, welche den Blick der kritischen Antisemitismusforscher, pro-israelischen Publizisten, Akademiker und Aktivisten trübe. Der Text von Holz, Elfriede Müller und Enzo Traverso wurde in der linken Wochenzeitung Jungle World unter dem Titel „Schuld und Erinnerung. Die Shoah, der Nahostkonflikt und die Linke“ am 13. November 2002 publiziert. Es wird gerade im Jahr 2002 postuliert, es liege „heute primär am israelischen Staat, die Gewalt im Nahen Osten zu beenden“. Stärker kann man den arabischen und islamischen Antizionismus kaum derealisieren. Heute ist Holz oberster Herr der Evangelischen Akademien in Deutschland und es scheint ihn nicht zu irritieren, dass die Ev. Akademie Bad Boll eine Terrororganisation wie die Hamas zum Gespräch einladen möchte und deutsche Politiker offenbar gerade deswegen auch noch zusagen, was ein unglaublicher Skandal ist. Gegen diese Kollaboration mit einer Terrororganisation, welche sich als Ziel die Vernichtung Israels in die Charta geschrieben hat, protestierte u.a. die NGO Akademiker für Frieden im Nahen Osten (Scholars for Peace in the Middle East, SPME).[xix] Nur als Frage: Welcher deutsche Politiker würde hochoffiziell zu einer Veranstaltung gehen, wo eine verbotene rechtsextreme Wehrsportgruppe eingeladen ist? Holz schweigt zu dem Skandal um Bad Boll, obwohl diese evangelische Akademie ihm als Generalsekretär aller Ev. Akademien in Deutschland untergeordnet ist.
Holz negiert in seinem Büchlein „Die Gegenwart des Antisemitismus“ von 2005, dass es einen spezifisch islamischen Antisemitismus gibt, vielmehr seien quasi alle Formen des Antisemitismus „national“, so auch die Grundthese von Holz‘ Habilschrift. Holz verwendet den Kampfbegriff „Islamophobie“ und suggeriert, muslimischen Antisemitismus heute (wie in Frankreich) gebe es gar nicht an und für sich, vielmehr sei alles durch die „Erfahrungen im Einwandererland“ bestimmt. Holz wurde von vielen Seiten scharf kritisiert, im akademischen Normalbetrieb hingegen gelobt. Sein zutiefst anti-israelischer Text aus dem Jahr 2002 hat ihn keineswegs überall desavouriert.
Für Klaus Holz sind Israel, dessen imaginierter „Staatsterrorismus“ und die „Besatzung“ Ursache (!) allen Übels, und keineswegs z.B. eine spezifisch islamische „Todesindustrie“[xx], wie sie ideologisch in einem Aufsatz von Hassan al-Banna im Jahr 1938 zum Ausdruck kam. Entgegen der internationalen Forschung zu anti-israelischer Ideologie und Praxis seit der Ablehnung des UN-Teilungsplans im Jahr 1947 durch die Araber, postuliert Holz faktenresistent, dass es ein realer Konflikt sei, der Palästinenser, Araber und Muslime zu Antisemitismus gleichsam ‚reize‘, sprich: die antisemitische Weigerung, eine jüdische Heimstätte in Israel zu akzeptieren, wird geleugnet.[xxi]
Resümee:
Kein einziger Bewerber von außerhalb Deutschlands ist in die engere Auswahl zur Nachfolge Benz‘ als Leiter des ZfA gelangt. Ob sich außer Prof. Dr. Lars Rensmann von der University of Michigan, USA (der es nicht in die engere Auswahl geschafft hat), überhaupt international renommierte Antisemitismusforscher beworben haben – wir wissen es nicht.
Alle sieben Bewerberinnen und Bewerber welche es in die engere Auswahl für die Nachfolge Benz‘ als Leitung des Zentrums für Antisemitismusforschung geschafft haben, sind bislang kaum, gar nicht oder in eher merkwürdiger Weise als Antisemitismusforscher in Erscheinung getreten. Für die zukünftige Leitung (!) eines Instituts für Antisemitismusforschung ist das nicht unbedingt ein gutes Zeichen.
Bei einem Erfolg von Frau Königseder respektive von Herrn Holz hingegen würden die Sektkorken derjenigen Forscher, Aktivisten, Journalisten und Politiker knallen, welche die Analyse und Kritik des Islamic Jihad und des europäischen Islamismus, sowie insbesondere des islamischen Antisemitismus und anderer Formen des Antizionismus nicht schätzen und Israels Kampf für Sicherheit und Frieden im Nahen Osten nicht unterstützen oder gar torpedieren.
[i] Wolfgang Benz (2010): Aufklärung statt Ausgrenzung. Interview mit Wolfgang Benz in Qantara: „Islamfeindschaft, die sich selbst Islamkritik nennt und von manchen als Islamophobie bezeichnet wird, ist immer dann im Spiel, wenn keine Argumente mehr stattfinden, sondern nur noch gehasst wird“ (http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-469/_nr-1183/i.html 08.05.2010). Programmatisch hatte Benz diesen Wortgebrauch im Jahrbuch des ZfA 2008 festgelegt, viele Beiträge waren Basis der Dezember-Konferenz am ZfA. Nicht die Opfer islamistischer Gewalt werden bedauert, vielmehr andersherum, so die einleitenden Sätze von Benz in diesem Jahrbuch 17 des ZfA: „Antiislamische Ressentiments haben seit dem 11. September 2001 weltweit Konjunktur. Die Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh im November 2004 löste emotionale Reaktionen im Publikum aus, die sich zu einem Phänomen steigerten, das man mittlerweile Islamophobie bezeichnet“ (Wolfgang Benz (2008): Vorwort, in: Jahrbuch Antisemitismusforschung 17, Berlin: Metropol Verlag, S. 9-14, hier S. 9). Explizit setzt Benz Antisemitismus und Islamophobie gleich, wenn er kurz nach dem obigen Zitat schreibt: „Die Wut der neuen Muslimfeinde gleicht dem alten Zorn der Antisemiten gegen die Juden.“ Die völkische und nationalsozialistische (und andere antisemitische) Hetze gegen Juden schon vor 1933 und dann bis zur Shoah – denn diese Zeiträume („dem alten Zorn“) sind in diesem Satz alle inkludiert – als bloßen „Zorn“ zu bezeichnen, ist bemerkenswert.
[ii] Vgl. Wilhelm Heitmeyer und das Buchprojekt „Deutsche Zustände“ sowie sein Forschungskonzept „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ („GMF“). Dabei wird Antisemitismus mit „Islamophobie“ und auch mit der „Abwertung von Obdachlosen“, mit „Sexismus“, „Langzeitarbeitslosen“ und anderen „Gruppen“ analogisiert.
[iii] Wolfgang Benz (2010a): Hetzer mit Parallelen. Antisemiten des 19. Jahrhunderts und manche “Islamkritiker” des 21. Jahrhunderts arbeiten mit ähnlichen Mitteln an ihrem Feindbild, in: SZ, 04.01.2010, http://www.sueddeutsche.de/politik/837/499119/text/ (09.05.2010). „Das Feindbild “Westen” im arabischen Kulturkreis wird von Populisten im Westen mit dem Feindbild “Islam” erwidert. Es folgt den gleichen Konstruktionsprinzipien“ (ebd.). Spontan stellt man sich die Frage: wo haben „Populisten im Westen“ in jüngster Zeit Flugzeuge entführt, sie in zwei Hochhäuser gesteuert und 3000 Menschen qualvollst ermordet?
[iv] Robert Wistrich (2010): A Lethal Obsession. Anti-Semitism from Antiquity to the Global Jihad, New York: Random House, S. 922, Anm. 122 (zu Kapitel sieben). Das Buch von Wistrich hat 1184 Seiten und 3292 Anmerkungen. Benz wird nur noch ein weiteres Mal zitiert als Herausgeber eines Bandes „Dimension des Völkermords“ (S. 1066, Anm. 28 zu Kapitel 19). Keine Monografie und kein einziger wissenschaftlicher Artikel von Benz aus den letzten 20 Jahren als Leiter des ZfA werden von Wistrich herangezogen und zitiert, so weit ich sehe. Ist das ein Indiz für die internationale Reputation des ZfA und ihres Leiters?
[v] WerkstattGeschichte 38, 13. Jg., Dezember 2004, Titel „Antisemitismus“, „Herausgeberin des Thementeils – Stefanie Schüler-Springorum“.
[vi] Stefanie Schüler-Springorum (2004a): Rezension von Mark Juergensmeyer, Terror im Namen Gottes. Ein Blick hinter die Kulissen des gewalttätigen Fundamentalismus“, in: WerkstattGeschichte 38, S. 122f., hier S. 123. Dabei werden entgegen jeder empirischen Evidenz die „religiösen Legitimationsstrategien christlicher, jüdischer, islamischer, sikhistischer und buddhistischer Gewalttäter“ (ebd.: 122) analogisiert und das Spezifische des islamischen Jihad seit dem 11. September 2001 verwischt. Der Direktor des Think Tanks Middle East Forum (MEF) in Philadelphia, USA, Dr. Daniel Pipes, hat jüngst wieder betont, dass es eine schier unglaublich hohe Zahl von islamistisch motivierten Terroranschlägen gibt, seit dem 11. September 2001 15.247, siehe http://www.danielpipes.org/8336/why-blow-up-times-square (07.05.2010). Bei diesen Anschlägen sei eine verschwindend kleine Zahl von geistig Verwirrten involviert gewesen, fast alle Mörder in dieser Kategorie jedoch seien islamistisch geschult und handelten aus Überzeugung, sie sollten als Islamisten wahr- und ernst genommen werden.
[vii] Wistrich 2010: 980, Anm. 18 (zu Kapitel sechs).
[viii] http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=478 (07.05.2010). „Die Forschungen der letzten Jahre zeigten nicht allein, dass das ‘industriell’ betriebene Töten zuerst an Geisteskranken erprobt wurde, sondern hoben vor allem den Umfang des sozusagen ‘manufakturmäßigen’ Tötens hervor, mit dem Millionen von Juden, aber auch andere Menschengruppen vor allem im Osten ermordet wurden. Damit verbunden wurden Opfer wie Täter plötzlich wieder individuelle Gestalten, während sie zwischenzeitig in den Debatten über die “Ambivalenzen der Moderne” gänzlich verloren gegangen waren. An diesem Punkt tauchte aber auch die alte Kontroverse zwischen einer universalistischen Deutung, wie sie Christopher Browning vertrat, und einer Deutung, welche die Einzigartigkeit des Genozids an den Juden durch das Motiv des ewigen Judenhasses zu bewahren hoffte, wie es Goldhagen unternahm, wieder auf. Finkelstein stellt sich dezidiert auf die universalistische Position, was gewiss legitim ist“ (ebd.).
[ix] Vgl. Manfred Gerstenfeld (2009): The Abuse of Holocaust Memory. Distortions and Responses, Jerusalem: Jerusalem Center for Public Affairs (JCPA), S. 80f.
[x] Jael Geis (2000): Übrig sein – Leben „danach“. Juden deutscher Herkunft in der britischen und amerikanischen Zone Deutschlands 1945-1949, Berlin/Wien: Philo, S. 337.
[xi] Siehe meine Analyse von Ahasver, Mammon und Moloch von 1602 bis in die post-9/11 Welt: „Das Christentum bietet die Folie für diese Säkularisierung des Antisemitismus im Bild von Mammon. Hier zeichnete sich eine deutsche Volksgemeinschaft, noch ohne Einheitsstaat, den es erst seit 1871 gibt, ab, die es für Juden unerheblich erscheinen ließ, ob der antisemitische Angriff von rechts, links oder aus der Mitte kam. Gegen Intellektuelle, Warenhäuser oder Urbanität waren ja später keineswegs nur die Völkischen und die NSDAP der Weimarer Republik sondern bereits die frühen Antisemiten um den Hofprediger Adolf Stoecker und seiner Christlich-Sozialen Partei, sowie breite Strömungen der deutschen Gesellschaft, was sich in immer wiederkehrenden Debatten um eine »Warenhaussteuer « bzw. schon seit den 1890er Jahren in Form einer fortwährenden »Warenhausdebatte« äußerte, die weit mehr aussagte über deutsche Befindlichkeiten als alltägliches Konsumverhalten, das sich mitunter des Warenhauses bediente. Vor allem ist auf die Kombination von Moloch, Mammon und Warenhaus zu reflektieren, mehrere antijüdische Diskursstränge (von denen hier nur ein paar genannt wurden) konnten sich hierbei gegenseitig verstärken. Das antisemitische Wort von Werner Sombart von deutschen »Helden« und englischen »Händlern« zu Beginn des I. Weltkrieges im Jahr 1915 bringt diese Ressentiments auf den Punkt. Dass Händler ganz prinzipiell »jüdisch« seien, hatte Sombart 1911 festgestellt, als er »jüdischen Rationalismus« mit »kapitalistischem Geist« in eins setzte“(http://www.lulu.com/items/volume_66/6473000/6473190/17/print/3_etzte_neueste_fassung_as_d_heni_1.pdf 08.05.2010). Sodann: „Dabei wird zusehends der Nationalsozialismus mit den USA oder Israel verglichen oder gleichgesetzt. Zudem wollen solche ›Engagierten‹ die Welt vom ›zügellosen Kapital‹, von ›turbokapitalistischen Finanzjongleuren‹ befreien und reinigen“ (ebd.).
[xii] Ulrich Sieg (1994): Aufstieg und Niedergang des Marburger Neukantianismus. Die Geschichte einer philosophischen Schulgemeinschaft, Würzburg: Königshausen & Neumann, S. 473.
[xiii] Sieg 1994: 11.
[xiv] Lübbes Mitgliedsnummer in der NSDAP war 9 952 954, (http://www.focus.de/kultur/buecher/nsdap-mitgliedschaft_aid_131416.html 08.05.2010).
[xv] „Der Philosoph Hermann Lübbe hatte uns schon 1983 mit dem Aufsatz ‚Der Nationalsozialismus im deutschen Nachkriegsbewußtsein‘ in der Historischen Zeitschrift auf den ‚Historikerstreit‘ vorbereitet: Er meinte, die Verdrängung der Nazivergangenheit – eine These, die er für falsch hält -, die Weigerung, sich mit ihr auseinanderzusetzen, sei das Rezept für die Heilung gewesen, ‚diese gewisse Stille‘, das ‚sozialpsychologisch nötige Medium der Verwandlung unserer Nachkriegsbevölkerung in die Bürgerschaft der Bundesrepublik Deutschland‘“ (Heinrich Senfft (1990): Kein Abschied von Hitler. Ein Blick hinter die Fassaden des „Historikerstreits“, Hamburg: Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts/Volksblatt Verlag, S. 41). Siehe auch die Analyse von Werner Konitzer (2007): „Weil Lübbe darauf verzichtet, die normative Grundlage seines Urteils deutlicher zu machen, wird in seiner Argumentation die Grenze zwischen demokratisch-pragmatischer Vernunft in Bezug auf den Aufbau einer Demokratie in Deutschland und Komplizenschaft bei der Verdeckung der Massenverbrechen nicht deutlich; sie zu verwischen war und ist bis heute Lübbes wesentlicher Beitrag zur Diskussion über die Aufarbeitung von NS-Verbrechen geblieben“ (http://www.fritz-bauer-institut.de/rezensionen/nl31/08-Konitzer_3.pdf 08.05.2010).
[xvi] Angelika Königseder (2008): Feindbild Islam, in: Jahrbuch Antisemitismusforschung 17, Berlin: Metropol Verlag, S. 17-44, hier S. 32: „In demokratischen Staaten mit einer ausgeprägten Zivilgesellschaft kann Pressefreiheit gerade nicht die Veröffentlichung jedweden Hetzwerkes bedeuten, sondern muss einen verantwortungsvollen Umgang mit Minderheiten beinhalten.“
[xvii] In einem Abschnitt unter der Überschrift „Reizthema Moscheebau“ schreibt sie: „Ähnliche Diskussionen gab es im 19. Jahrhundert bei der Errichtung von repräsentativen, deutlich im Stadtbild erkennbaren Synagogen“ (Königseder 2008: 25, Anm. 20). Vgl. ebd.: 26, Anm. 23. Zur Kritik von Necla Kelek an heutigen Moscheebauten in Deutschland vgl. http://clemensheni.files.wordpress.com/2010/04/necla-kelek-und-die-kritik.pdf (08.05.2010).
[xviii] Christian Plöger (2009): Von Ribbentrop zu Springer. Zu Leben und Wirken von Paul Karl Schmidt alias Paul Carell, Marburg: Tectum Verlag, S. 167: „Mehr als unverständlich ist vor diesem Hintergrund die Einordung der Schmidtschen Vorschläge durch Longerich. Inhaltlich geht er auf diese in seiner grundlegenden Arbeit über die Presseabteilung des AA [Auswärtigen Amtes, C.H.] gar nicht ein, obwohl er von ihnen Kenntnis hatte. Dies belegt eine Fußnote in Longerichs Arbeit, in der er lediglich schreibt, die Reaktion auf einen Artikel im Magazin ‚Der Spiegel‘, der Schmidts Notiz referiert hat, sei in der Öffentlichkeit von ‚erheblichem öffentlichen Lärm‘ geprägt gewesen.“ Mit „Vorschläge“ sind jene von Schmidt vom 27.05.1944 gemeint, die als „Geheime Reichssache“ deklariert waren und an den „Herrn Staatssekretär“ gerichtet waren: „Aus einer recht guten Übersicht über die laufenden und geplanten Judenaktionen in Ungarn entnehme ich, dass im Juni eine Großaktion auf die Budapester Juden geplant ist. Die geplante Aktion wird in ihrem Ausmaß im Auslande große Beachtung finden und sicher Anlaß zu einer heftigen Reaktion bilden. Die Gegner werden schreien und von Menschenjagd usw. sprechen und unter Verwendung von Greuelberichten die eigene Stimmung und auch die Stimmung bei den Neutralen aufzuputschen versuchen. Ich möchte deshalb anregen, ob man diesen Dingen nicht vorbeugen sollte dadurch, daß man äußere Anlässe und Begründungen für die Aktion schafft, z. B. Sprengstoffunde in jüdischen Vereinshäusern und Synagogen, Sabotageorganisationen, Umsturzpläne, Überfälle auf Polizisten, Devisenschiebungen großen Stils mit dem Ziele der Untergrabung des ungarischen Währungsgefüges. Der Schlußstein unter eine solche Aktion müßte ein besonders krasser Fall sein, an dem man dann die Großrazzia aufhängt“, zitiert nach Plöger 2009: 165, C.H.
In der dazugehörigen Fußnote schreibt nun Plöger: „[Wigbert] Benz weist darüber hinaus noch auf den Zusammenhang hin, daß Schmidt in den 1970er Jahren unter dem Pseudonym ‚Vocator‘ Leitartikel für die ‚Norddeutsche Rundschau‘ geschrieben hat. Deren Chefredakteur war zu diesem Zeitpunkt Longerichs Vater Heinz. Schmidt stellte sich Peter Longerichs Angaben zufolge Anfang der 1980er Jahre insgesamt 12 Stunden für Interviews zur Verfügung“ (ebd.: 167, Anm,. 315).
[xix] http://www.spme.net/cgi-bin/articles.cgi?ID=6703 sowie eine zweite Stellungnahme zum Skandal in Bad Boll http://www.spme.net/cgi-bin/articles.cgi?ID=6741 (08.05.2010).
[xx] http://www.matthiaskuentzel.de/contents/djihad-und-judenhass-j-a (07.05.2010).
[xxi] Siehe auch die Kritik von Wistrich an dem Theorem, dass „Judeophobia“ davon abhinge, wie intensiv gerade der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern geführt werde. Er kritisiert dabei den Islamwissenschaftler und Historiker Alexander Flores: „he simplisticly reduces the spread of anti-Semitic attitudes to the intensity level of the Israeli-Palestinian conflict” (Wistrich 2010: 1080, Anm. 73 zu Kapitel 21).