„Winkeladvokaten“, „Trotzkisten aus New York City“,
Antizionismus und der „ewige Jude“
Antisemitismus und deutsche Medien, Teil 2:
Kulturzeit, Leviathan, Die Welt und Freitag
Von Dr. phil. Clemens Heni
Diesen Text gibt es auch als PDF: Deutsche Medien und Antisemitismus Teil 2 .
Das ZfA, Antizionismus und die „ewigen Antisemiten“
Am 26. Mai 2010 kam in der Fernseh-Sendung Kulturzeit auf 3sat ein Bericht über die dänische Künstlergruppe Surrend, welche in Berlin jüngst Plakate verklebte, auf denen sie sich einen Spaß über eine mögliche „Endlösung“ Israels macht – das Staatsgebiet Israels ist einfach ausgelöscht und heißt jetzt „Ramallah“.[i] Solche antisemitischen Fantasien sind seit 1948 in der arabischen und muslimischen und sodann westlichen (zuvor östlichen, UdSSR-hörigen) Welt gang und gäbe.
Dieses Plakat mit der Überschrift „Endlösung“ wurde vom Simon Wiesenthal Center und anderen als antisemitisch kritisiert, Zeichen für den Antizionismus als „konformistische Rebellion“.[ii] Das dänische Künstler-Duo von „Surrend“ hingegen sieht sich bestätigt, dass Kritik an Israel „Tabu“ sei. Dabei ist so ein Plakat keine Kritik, vielmehr Agitation – nicht nur im Nahen Osten wird Israel ohnehin nonstop als inexistent präsentiert, man schaue sich Kartenmaterial arabischer Staaten oder auch der Palästinenser der letzten Jahrzehnte an. Oder man denke an den Iran mit seiner Drohung, Israel von der Landkarte zu wischen. Ressentiment wird als „Kunst“ verkauft und vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen honoriert.
Nun hat 3sat[iii] für seine Verteidigung der dänischen Israelfeinde den Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA), Prof. Wolfgang Benz, aufgesucht und mit ihm und den beiden Künstlern zusammen das zweite Plakat in dieser spezifisch antizionistischen Serie in Berlin, auf einem Stromverteilerkasten oder einem ähnlichen Kasten geklebt, betrachtet. Darauf werden u.a. Kritiker von Surrend wie das Simon Wiesenthal Center oder Lala Süsskind, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, lächerlich, der Journalist Benjamin Weinthal als Autor von „Der Stürmer“ auf widerwärtige Weise vom Juden zum Nazi gemacht. Was sagt Benz in der 3sat-Sendung dazu, dieses Plakat betrachtend?
„Antisemitismus ist zunächst etwas Anderes als Antizionismus. Diese Plakate sind unfreundlich gegenüber Israel, deshalb müssen sie nicht antisemitisch sein, aber es ist so praktisch, alles als antisemitisch zu denunzieren, was einem nicht gefällt. Das ist das ärgste politische Schlagwort.“
Drei Passagen von ganz unterschiedlichen Forschern zu Antisemitismus mögen verdeutlichen, dass Benz zwar die österreichische und deutsche politische und akademische Kultur widerspiegelt, aber die internationale Forschung zu anderen Resultaten kommt.
Zuerst sei der französische Philosoph und Kämpfer in der Résistance gegen die Deutschen Prof. Vladimir Jankélévitch (1903-1985)[iv] zitiert, der 1971 Folgendes schrieb:
„Dieses schändliche Geheimnis, das wir nicht benennen können, ist das Geheimnis des Zweiten Weltkrieges und in gewisser Weise das Geheimnis des modernen Menschen: Auf unserer Moderne lastet nämlich der ungeheure Holocaust wie ein unsichtbares Schuldgefühl, selbst wenn man nicht darüber spricht. Comment s’en débarrasser? Dieser Titel eines Stücks von Ionesco mag recht gut die Beunruhigungen des sichtlich guten zeitgenössischen Gewissens kennzeichnen. Das Verbrechen war zu schwer, die Verantwortung zu schwerwiegend, bemerkt Rabi mit bitterer Klarheit. Wie werden sie sich von ihrem latenten Schuldgefühl befreien? Der ‚Antizionismus‘ ist in dieser Hinsicht ein ungesuchter Glücksfall, denn er gibt uns die Erlaubnis und sogar das Recht, ja selbst die Pflicht, im Namen der Demokratie Antisemit zu sein! Der Antizionismus ist der gerechtfertigte, schließlich jedermann verständlich gemachte Antisemitismus. Er ist die Erlaubnis, demokratischerweise Antisemit zu sein. Und wenn die Juden selbst Nazis wären? Das wäre wunderbar. Es wäre nicht länger nötig, sie zu bedauern; sie hätten ihr Los verdient. So entlasten sich unsere Zeitgenossen von ihrer Sorge.“[v]
Das nächste Zitat aus dem Jahr 2004 ist von Prof. Alvin Rosenfeld, bis vor kurzem langjähriger Direktor des Borns Jewish Studies Program an der University of Indiana (UI), sodann 2010 Gründer und Direktor des Center for the Study of Contemporary Antisemitism an der UI, zudem Irving M. Glazer Chair in Jewish Studies und Professor of Jewish Studies and English.[vi] Rosenfeld analysiert Antizionismus und bezieht sich auf weitere Kritiker eines gleichsam seit Jahrzehnten mehr und mehr salonfähigen Antisemitismus:
„More than a quarter of a century ago, the Holocaust survivor und writer Jean Améry published a strongly-argued exposé entitled ‘Anti-Semitism on the Left.’ Améry noted that, through anti-Zionism, ‘anti-Semitism is becoming what it has not been and could not be since the discovery of the Nazi horrors: respectable.’ He named several reasons why it should not be so regarded, preeminent among them the certainty that ‘anti-Zionism will inevitably lead to anti-Semitism, and for every Jew, no matter where he lives and what political persuasion he adheres to, it is a mortal threat.’ In issuing this warning, Améry hoped to make anti-Zionism once more disrespectable among his colleagues on the left and thereby forestall the threat that he was certain would accompany its propagation. To reinforce his point, he quoted the influential Marxist literary scholar Hans Mayer:
‘Whoever attacks Zionism, but by no means wishes to say anything against the Jews, is fooling himself or others. The State of Israel is a Jewish state. Whoever wants to destroy it, openly or through policies that can effect nothing else but such destruction, is practicing the Jew-hatred of yesterday and time immemorial.’
Améry bore his arm the tattoo of Jew-hatred and devoted much of his post-Auschwitz life as a writer to battling the ugly passions of anti-Semitism, especially when they erupted among his colleagues on the left. His rebuke of ‘the respectable anti-Semites’ among them was sharp, for he foresaw how their politics of ‘anti-Zionism’ would turn the Middle East question into a ‘new Jewish question.’ His words were valid when he wrote them almost thirty years ago and remain valid today. If only they would be heeded.”[vii]
Als dritter Historiker und Forscher zu Antisemitismus sei Prof. Robert Wistrich, Leiter des Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism (SICSA) an der Hebrew University in Jersualem und Neuburger Professor of European and Jewish history dortselbst herangezogen. Wistrich[viii] schreibt 2010 zur deutschen Version von Antizionismus/Antisemitismus:
„The purportedly antifascist German Democratic Republic (GDR) marginalized the whole subject of anti-Semitism and the Holocaust until the late 1980s. From the beginning the regime decried Zionism as a form of ‘racial exclusiveness,’ chauvinism, and bourgeois ideology – as did most Communist states and movements.”
“Since the late 1960s, the German radical Left had become increasingly obsessed with Zionism. In an open letter to his leftist comrades published in 1980, the German journalist Henryk Broder (himself of Polish-Jewish background) challenged their preconceptions and what he saw as the phony ‘good conscience’ of the postwar West German generation. He described their anti-Zionism as ‘nothing more than a left-wing version of anti-Semitism’ – the same logic, methodology, and vocabulary, only with the word ‘Jew’ replaced by ‘Zionist.’ Israel, he trenchantly observed, was ‘the Super-Jew,’ judged by entirely different standards from other non-Jewish states.”[ix]
Soweit der international Forschungsstand zu der Tatsache, dass der heutige Antizionismus antisemitisch ist bzw. der heutige, modischste Antisemitismus antizionistisch argumentiert.
Die Verharmlosung (oder Affirmation?) des Antizionismus durch Benz und die Exkulpation des Antizionismus von der Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus im 3sat Beitrag sind Teil der Analyse von Medien und Antisemitismus. Dabei geht es in den nächsten drei Abschnitten um Prof. Werner Bergmann vom ZfA, sowie den Welt Redakteur Alan Posener und die freie Journalistin Sabine Pamperrien.
Israelhass und Antizionismus sind wie analysiert seit Jahrzehnten bekannte Formen des post-Holocaust Antisemitismus und sie sind in vielen Medien, in unterschiedlicher Tonlage und Intensität erkennbar. Das Zentrum für Antisemitismusforschung hingegen vergleicht „Islamophobie“ und „Islamkritik“ mit der Geschichte des Antisemitismus und verharmlost nicht nur den Antisemitismus im späten 19. Jahrhundert, vielmehr relativiert es auch die Hetze gegen Juden im späten Kaiserreich/Ersten Weltkrieg (Judenzählung 1916), in der Weimarer Republik (man lese den „Nazi-Sozi“ von Joseph Goebbels von 1926, wo er Juden als „Flöhe“ bezeichnet[x]) und vor allem derealisiert es die Geschichte des eliminatorischen deutschen Antisemitismus im Nationalsozialismus bis hin zur Shoah.
Erst jüngst hat der Historiker Peter Schäfer[xi], Ronald O. Perelman Professor of Jewish Studies and Professor of Religion, Princeton University und Director, Program in Judaic Studies, Princeton University[xii], in seiner Studie über Antisemitismus in der Antike noch einmal darauf hingewiesen, dass das ZfA, hier vertreten durch Christhard Hoffmann und Werner Bergmann, (auch) den antiken Antisemitismus verharmlost und Antisemitismus nicht als Phänomen sui generis wahr- und ernst nimmt, vielmehr politische Konflikte als ursächlich für Attacken auf Juden sieht. Antisemitismus wird dabei eher nach dem cui bono Prinzip betrachtet und nicht als irrationaler Wahn.
Die Analyse der antiken Judenfeindschaft und des antiken Antisemitismus kann somit erhellen, ganz grundsätzlich, unter welchen methodischen und theoretischen Prämissen Bergmann, Hoffmann und das ZfA insgesamt Antisemitismus analysieren. Peter Schäfer schreibt 2010:
„Unter dieser Voraussetzung bleibt die Kernfrage, ob die Anerkennung der politischen Dimension des Konflikts (wozu natürlich die politische Dimension der Beziehungen zwischen Rom und seinen griechischen und jüdischen Untertanen genommen werden muß) ausreicht, um alle Aspekte des Streits zu erklären. In ihrem Aufsatz Kalkül oder ‚Massenwahn‘? Eine soziologische Interpretation der antijüdischen Unruhen in Alexandria 38 n.Chr. haben Werner Bergmann und Christhard Hoffmann gegen fast die gesamte einschlägige Forschungsliteratur genau diesen Standpunkt vertreten. Wieder und wieder beharren sie darauf, in Alexandria sei es um ‚reale Interessenkonflikte‘ gegangen, um eine ‚konkrete politische Konkurrenzsituation‘, um ‚ganz klar umrissene politische Ziele‘, um ‚rationales politisches Handeln‘ und ‚gezielte politische Aktion‘ im Gegensatz zu angeblichem ‚Massenwahn‘, um ‚reale Macht- und Interessenkollisionen‘. Antisemitismus erscheint in dieser Darstellung als die Folge ‚realer Interessenkonflikte‘ und nicht als ihre Ursache. Er ist nicht motiviert durch einen ‚grundlegenden kulturell-religiösen Gegensatz‘, sondern durch eine ‚konkrete politische Konkurrenzsituation‘; Antisemitismus ist die Folge, nicht die Ursache der Spannung in Alexandria. Von diesem Standpunkt aus ist die Annahme eines ‚tiefverwurzelten Hasses‘ oder ‚eines verbreiteten Antisemitismus‘ unter der griechischen Bevölkerung Alexandrias unnötig.“[xiii]
Nicht nur methodisch ist diese Analyse von Peter Schäfer von Relevanz: ist Antisemitismus ein abgeleitetes Phänomen, als keine Ursache, nur Folge politischer etc. Konflikte, oder ist doch eher ein bestimmtes Ressentiment bzw. ein „Hass“ auf das Spezifische des Judentums (in der antiken Welt z.B. der neue Monotheismus) die Ursache für Antisemitismus? Antiker Antisemitismus wird häufig unterschätzt oder ausgblendet, dabei ist er grundlegend für alle späteren Formen von Antisemitismus, inklusive dem christlichen Antijudaismus.
Es ist frappierend, wie viel heutige Antisemitismusforschung von Schäfers Schachzug lernen kann und es ist sicher kein Zufall, dass sein Buch, 1997 bereits auf Englisch erschienen, jetzt auch ins Deutsche übersetzt wurde.
Praktisch kann man diese Kritik auf heutige Phänomene anwenden: als im Januar 2009 viele tausend Muslime, Araber, Palästinenser und andere während des Gaza-Krieges in Deutschland auf die Straße gingen und Parolen skandierten wie „Olmert ist ein Hunde-Sohn“ oder „Tod, Tod Israel“, meinte Bergmann das sei keineswegs Antisemitismus, da solche Parolen ja von ‚Betroffenen‘, z. B. Palästinensern, die um ihre Angehörigen im Gazastreifen besorgt seien, gerufen worden seien. Hätten Linke oder Rechte dieselben Hass- und Hetzparolen gerufen, wäre es antisemitisch.
Völlig un-analytisch derealisiert der ZfA-Professor damit den arabischen und muslimischen Antisemitismus. Auch auf die Frage, was abstoßende antisemitische Rufe, die Juden mit Hunden gleichsetzen, mit Sorge um Angehörige zu tun haben soll, bleibt der Antisemitismusforscher die Antwort schuldig, was ihm international heftige Kritik eingebrachte.[xiv]
Die Kritik am ZfA von Schäfer ist nur ein Puzzleteil einer umfangreicheren Analyse der Forschungsleistung dieses Instituts und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Jahrzehnte hinweg. Die wohl folgenreichste Tagung des ZfA in jüngerer Zeit fand im Dezember 2008 statt – „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“ – und zauberte die heutige Gefahr des Islamismus weg um dafür über Parallelen von Judenfeindschaft im 19. Jahrhundert (und später) und heutiger Kritik am Islamismus zu reden.
Die Diffamierung von substantieller Kritik am Antisemitismus hat dabei Methode. Als grundlegend für die Tagung von 2008 sowie für die Forschungsrichtung am ZfA insgesamt kann ein Artikel von Werner Bergmann aus dem Jahr 1988 gelten. In diesem Sonderheft der Zeitschrift Leviathan heißt es:
„Auch Henryk Broder nimmt an, daß es einen ‘Antisemitismus wegen Auschwitz’ gibt (1986, S. 11). Doch wird diesem keine spezifische Dynamik zuerkannt, sondern er wird in den ‚ewigen Antisemitismus‘ eingereiht als eine neue Variante im endlosen Strom seiner Erscheinungsformen. Broder geht es vor allem darum zu zeigen, daß auch nach dem Holocaust – obwohl in der Nachkriegszeit tabuisiert – ein ‚normaler‘ oder ‚sauberer‘ Antisemitismus existiert (ebd., S. 12), der nicht als abweichendes Verhalten von Randgruppen anzusehen ist. Indem er die Permanenz und die Allgemeinheit des abendländischen Antisemitismus hervorhebt, der im Gegensatz zur Fremdenfeindlichkeit ganz ohne konkrete Objekte auskommt, entpolitisiert Broder den Antisemitismus und macht alle Versuche lächerlich, ihn theoretisch auf soziale, psychische oder kulturelle Zusammenhänge zurückzuführen (ebd., S. 214ff.): Kaum haben die Forscher eine Erklärung formuliert, schon sind die flexiblen Antisemiten ein Stück weiter und die Forschung hinkt hinterher (ebd., S. 219). Diese Kritik an der Antisemitismusforschung arbeitet mit einem Trick: Für Broder gibt es den Antisemitismus schon von jeher (und es wird ihn weiter geben), und er unterstellt der Wissenschaft, Erklärungsmodelle für eben diesen ‚ewigen Antisemitismus‘ zu suchen, was jedoch gar nicht der Fall ist. Auf diese Weise kann Broder alle Modelle als nur partikular und damit letztlich irrelevant abqualifizieren. Will man sich nicht der Mühe historisch-partikularer Forschung unterziehen, dann bleibt als typischer Ausweg der Ruf nach einer ‚anthropologischen Konstante‘, in den Broder denn auch einstimmt (ebd., S. 217). In Anlehnung an Hermann Bahr und Jean Paul Sartre rückt er die emotionale Qualität des Antisemitismus in den Vordergrund: Einziger Zweck des Antisemitismus ist der Antisemitismus selbst, verstanden als Begierde nach dem Rausch der Leidenschaft (ebd., S. 28f.). Gegenüber dem Bedürfnis, die Juden nicht zu mögen, sind alle weiteren sozialen und ökonomischen Gründe sekundär. Aber auch wenn der Antisemitismus sicherlich ein integraler Bestandteil des abendländischen ‚Kulturerbes‘ und emotional stark besetzt ist – wie jedes Vorurteil -, so steckt im Begriff des ‚ewigen Antisemiten‘ doch die gleiche falsche Anthropologisierung und Naturalisierung wie im ‚ewigen Juden‘.“[xv]
Der ubiquitären Weigerung Antisemitismus als spezifisches Phänomen und als „longest hatred“ (Prof. Robert Wistrich) zu untersuchen, entspricht bei Bergmann die Floskel vom „Vorurteil“ und die Abwehr der zionistischen Position bezüglich des immer währenden Antisemitismus. Letzteres ist für den Zionismus der Grund einen Staat für Juden zu haben, der Schutz bietet – was sich mit der Geschichte und den historischen Ansprüchen von Juden auf Israel als Staatsgebiet verbindet.
Ein einziges Zitat aus dem Film „der ewige Jude“ aus dem Jahr 1940 ist ausreichend um zu zeigen, wie ungeheuerlich es ist, dass ein staatlich bezahlter Forscher die Kritik von Broder mit dieser widerwärtigen Hetze auf eine Stufe stellt:
„Wo Ratten auch auftauchen, tragen sie Vernichtung ins Land, zerstören sie menschliche Güter und Nahrungsmittel. [...] Sie sind hinterlistig, feige und grausam und treten meist in großen Scharen auf. Sie stellen unter den Tieren das Element der heimtückischen, unterirdischen Zerstörung dar – nicht anders als die Juden unter den Menschen.“[xvi]
Broder hat seine Kritik am „ewigen Antisemiten“ begründet:
„Kann es denn eine antisemitische Erbanlage geben? Kommt ein Kind schon als Antisemit zur Welt? Solche Einwände, die umso heftiger vorgetragen werden, je stärker der Antisemitismus zu einem Problem mangelnder Aufklärung oder ‚Toleranz‘ reduziert wird, gehen am Kern der Sache vorbei. Wenn vom ‚Kulturerbe‘ zum Beispiel die Rede ist, bedeutet das nicht, dass ein Erstklässler, der ‚Alle meine Entchen‘ auf der Blockflöte übt, ein paar Begabungsreste von Bach in seinen Chromosomen mit sich herumschleppt. Natürlich gibt es keine antisemitischen Gene, aber es gibt eine antisemitische Disposition, die in der Tat vererbt oder, wie Silbermann es im soziologischen Fachjargon sagt, ‚tradiert‘, von Generation zu Generation weitergegeben wird. Gerade wenn man unter ‚Vererbung‘ nicht einen biologischen Mechanismus versteht, sondern die Pflege und Weitergabe gemeinschaftlicher Haltungen, kann man von einem ‚antisemitischen Erbe‘ sprechen, ist der Begriff ‚anthropologische Konstante‘ genau und richtig.“[xvii]
Broder ist Forscher, Journalist, Polemiker und Publizist, der Antisemitismus untersucht und aus zionistischer Perspektive zu der historisch belegten These gelangt, dass Antisemitismus offenbar kaum wegzudenken ist von dieser Welt. Neben der historischen (und religiösen) Begründung des jüdischen Staates braucht es deshalb den jüdischen Staat Israel zum Schutz der Judenheit.
Der theoretischen Hilflosigkeit Bergmanns entspricht dabei die Unverfrorenheit einem Juden, der sich wie kaum sonst jemand (nicht nur) in der damaligen BRD gegen Antisemitismus wandte, vorzuwerfen zu übertreiben, nicht zu differenzieren und „kaum theoretische Anstöße“[xviii] zu geben.
Diese Analyse von Bergmann aus dem Jahr 1988 kann als typisch für den Ansatz des ZfA gesehen werden: Antisemitismus ist demnach nichts als ein x-beliebiges „Vorurteil“ und habe immer einen politischen bzw. ökonomischen Grund oder Hintergrund.
Die internationale Antisemitismusforschung kommt zu anderen Erkenntnissen.
„Trotzkist aus New York City”
Zwei Verteidiger des Ansatzes des ZfA seit 2008 sind der Welt-Redakteur Alan Posener und die freie Journalistin Sabine Pamperrien.
Zuerst geht es um ein online einsehbares Video Poseners vom 8. Dezember 2009, in dessen damaliger Serie „Bullshit“ („Scheißdreck“)[xix]; mittlerweile scheint es übrigens so, als ob dieser Video-Blog eingestellt wurde oder inaktiv ist.[xx]
Posener kritisiert einen Bericht über den neuen „Expertenkreis“ der Bundesregierung zu Antisemitismus. Nach einem Bericht von Benjamin Weinthal in der Jerusalem Post sowie in den Nürnberger Nachrichten hatte sich eines der Mitglieder darüber geäußert, dass „Juden“ nicht „objektiv“ seien, wenn es um Antisemitismus geht. In abschätzigem Ton redet der Welt-Redakteur von den „Nürnberger Nachrichten“, obwohl doch diese Regionalzeitung eine höhere Auflage hat als die weltweit vertriebene Welt.[xxi]
Posener sieht eine „Kampagne“ gegen diesen übrigens bis heute (für die Öffentlichkeit) eher inaktiven Expertenkreis. Seine Lösungsvorschläge, welche er tags zuvor auf einem Blog kundgetan hatte, lassen erahnen, dass Posener in den 1970er Jahren einmal K-Gruppen-Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschland / Aufbau Organisation (KPD/AO – das AO fiel 1971 weg) war[xxii]:
„Was ist zu tun?
Erstens: Die Quelle, die Journalisten mit Interna versorgt, im Wissen, dass diese sie im Rahmen einer Kampagne gegen den Expertenkreis veröffentlichen werden, muss gefunden werden. Wer das auch immer sei – ein Mitglied des Expertenkreises oder ein Beamter des Innenministeriums – muss entfernt werden.
Zweitens: Dem Expertenkreis sollte die Ruhe gegönnt werden, die er braucht, um vernünftig zu arbeiten.
Drittens: Die Strippenzieher der Kampagne gegen den Expertenkreis – Henryk M. Broder, Benjamin Weinthal und Levi Salomon – haben selbstverständlich jedes Recht, ihre Agenda zu verfolgen, so schädlich diese auch für den Kampf gegen den Antisemitismus und das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland sein mag. Jedoch haben sie nicht das Recht, sich als unabhängige Journalisten (im Falle Weinthals), unabhängige Experten (im Falle Salomons) oder unabhängige beleidigte Leberwürste (im Falle Broders) auszugeben. Sie sind Partei, und sie sollten das offen bekennen.“[xxiii]
Eine Person, hier „Quelle“ genannt, soll „entfernt“ werden, so Posener. Was für einen Begriff von Pressefreiheit hat der Welt-Redakteur, wenn er zudem einem Kollegen abspricht, „unabhängiger Journalist“ zu sein? Ist es nicht Basis demokratischer Willensbildung, dass freie Meinungsäußerung herrscht? Und wie kommt ein festangestellter Redakteur dazu, prekär arbeitenden Journalisten bzw. Aktivisten (Weinthal bzw. Salomon) eine „Kampagne“ anzudichten? Noch einmal: wer noch im 21. Jahrhundert von „entfernen“ spricht, wenn es um Menschen geht, sollte zumal als Journalist die Etymologie und die politische Geschichte, welche mit diesem Verbum verbunden sind, studieren.
In dem „Bullshit“-Video, das seinem Namen alle Ehre macht, redet Posener im Sinne von „ich könnte nun sagen, dass…tue es aber nicht…“, um gleichwohl zu sagen: es gehe um einen „gewissen Benjamin Weinthal“, welcher von Broder geschickt sei, um die „Drecksarbeit“ zu machen. Doch wie führt der ambitionierte Welt-Redakteur, der allerdings bereits vor einiger Zeit seine Stellung als Chef der Meinungsseite der Welt abgeben musste, Herrn Weinthal ein? Ein „junger Trotzkist aus New York City“ …
Es gibt nirgends Anhaltspunkte, dass Weinthal Trotzkist ist oder sich als solcher bezeichnet. Noch weniger verständlich ist die Bezeichnung „New York City“. Weinthal lebt seit vielen Jahren in Deutschland.
Es ist ein Code, den Posener gezielt bedient. In der Neo-Nazi und rechtsextremen Szene, aber keineswegs nur dort, ist die „Ostküste“[xxiv] seit Jahrzehnten zum Symbol für Juden, Macht, Zionismus und Weltherrschaft geworden. „USrael“ ist nur ein Beispiel und scheint hier durchaus zu passen, da ja Posener Weinthal und den anderen unterstellt, mit unlauteren Mitteln gegen Antisemitismus zu kämpfen.
Woher jedoch kommt das (bzw. eines der vielen) Feindbild(er) Trotzki? Posener war Maoist und er benutzt ein Stereotyp, welches er nicht erfunden hat. Der ‚jüdische Trotzki aus New York‘ bzw. dessen vorgebliche Beziehung zu New York haben eine lange Tradition, wie der Historiker Ulrich Herbeck in seiner Dissertation heraus arbeitete:
„Eine Weiterentwicklung des bisherigen Konzepts vom Judäobolschewismus ist die Behauptung von einer Finanzierung der russischen Revolution durch US-amerikanische jüdische Finanziers. Diese Idee tauchte erstmals im Jahr 1919 in den Pamphleten der weißen Antisemiten auf, und zwar in Form des angeblichen Sisson-Dokuments. Vinberg zitiert die schon oben angeführte antisemitische Agitationszeitung V Moskau vom 23. September 1919 als Quelle. Diese habe das von einem ‚höchsten Kommissar der Französischen Republik in den USA‘ zusammengestellte Dokument veröffentlicht: Als im Februar 1916 offensichtlich wurde – so dessen Text – , dass in Russland die Revolution heranreift, sollen sich wichtige jüdische Finanziers verschworen haben, diese Revolution zuwege zu bringen. Darunter an erster Stelle Jakob Schiff, daneben das Handelshaus Kuhn, Loeb und Co., deren Direktor Schiff sei, Felix Warburg u.a. Schiff habe im April 1917 auch öffentlich zugegeben, dass die Russische Revolution aufgrund seiner finanziellen Unterstützung Erfolg gehabt habe. Die Gelder seien, unter Beihilfe der New Yorker jüdischen Zeitung Vorwärts, von Schiff an Trockij geflossen und gleichzeitig in Stockholm über Felix Warburg und weitere deutsch-jüdische Unternehmen, ebenfalls ans ‚Trockij und Co.‘ (womit hier wohl allgemein Bolschewiki gemeint sind).“[xxv]
Neben dem post-Holocaust Stereotyp der einflussreichen und alles beherrschenden amerikanisch-jüdischen Ostküste ergänzt das ältere antikommunistisch-antisemitische Stereotyp dieses bis heute beliebte Ressentiment gegen Juden, Kommunisten, Kapitalisten und Amerika („New York City“).
Posener erhält zudem in seiner Kritik an der „Achse des Guten“, Weinthal oder Broder und anderen von obskuren und teils antisemitischen Seiten im Internet Zustimmung[xxvi] und das stellt den vom Selbstanspruch her anti-antisemitischen und pro-israelischen Springer-Verlag sicher vor eine Herausforderung. Auf einer Bundestagsanhörung zu Antisemitismus im Januar 2008 wurde gefordert, einige der (in den Fußnoten) genannten Internet-Seiten zu verbieten[xxvii]; Staatsanwaltschaft, Justiz, Polizei und Politik sollten diese Aufforderung prüfen und ähnlich wie gegen Neo-Nazi-Seiten auch entsprechend aktiv werden.
„Winkeladvokaten“
Sodann sei die Journalistin Sabine Pamperrien etwas näher beleuchtet. Sie hat in der Wochenzeitung Freitag einen Kommentar geschrieben, der sich gegen jede Form substantieller Kritik am Antisemitismus ausspricht.
Am 7. Mai 2010 hat sie ihren Text „Feindbild Vorurteilsforschung. Fragliche Deutungshoheit in Sachen Antisemitismus – Zum Streit um die Nachfolge von Wolfgang Benz“ publiziert.[xxviii] Der Text setzt gleichsam mythisch ein:
„Das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung genießt einen hervorragenden Ruf.“
Eine kühne Behauptung. Weiter:
„Kaum wurde der Öffentlichkeit demonstriert, dass Benz an seinem Institut den Antisemitismus mit der Kritik am Islam gleichsetzt und den Holocaust trivialisiert, wurde auch schon bewiesen, dass der Forscher selbst Antisemit ist.“
Nun hat soweit ich sehe niemand Herrn Benz vorgeworfen Antisemit zu sein. Er schweigt u.a. zu der Tatsache, dass sein Doktorvater ein aktiver Nationalsozialist und Antisemit war, der noch 1964 vor dem Bund der Vertriebenen die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei mit der Shoah gleich setzte.[xxix] Und darüberhinaus sagt Benz Folgendes zu Antisemitismus und Islamkritik:
„Die Wut der neuen Muslimfeinde gleicht dem alten Zorn der Antisemiten gegen die Juden.“[xxx]
Wolfgang Benz setzt also sehr wohl und eindeutig Kritiker am politischen Islam, die er als die „neuen Muslimfeinde“ diffamiert, mit dem „alten Zorn der Antisemiten“ gleich.
Die völkische und nationalsozialistische (und andere antisemitische) Hetze gegen Juden schon vor 1933 und dann bis zur Shoah – denn diese Zeiträume („dem alten Zorn“) sind in diesem Satz alle inkludiert – als bloßen „Zorn“ zu bezeichnen, ist zudem bemerkenswert.
Noch merkwürdiger ist dieser Satz des Leiters des ZfA, da viele der schärfsten Kritikerinnen des politischen Islam selbst Musliminnen sind wie Necla Kelek[xxxi] oder Seyran Ates.
Pamperrien scheint eine Art Vertraute von Posener zu sein, sie hat seinerzeit mit dem Welt Redakteur gesprochen und ein Interview mit ihm gemacht, als Posener vom publizistischen Online-Netzwerk „Die Achse des Guten“ hinaus katapultiert worden war[xxxii], und sie hat auch Poseners letztes Buch positiv rezensiert und greift nun neben anderen vornehmlich Broder und Weinthal persönlich an.[xxxiii]
Sie schreibt:
„Die Protagonisten des seltsamen Tribunals sind engagierte Privatforscher wie der Berufsschullehrer Mathias Küntzel und der Post-Doktorand Clemens Heni, die es geschafft haben, in vorwiegend rechten Zirkeln so etwas wie wissenschaftliche Reputation zu erwerben.“
Wissenschaftliche bzw. journalistische oder publizistische Kritik wird als „Tribunal“ bezeichnet, und es ist pure Einbildung, dass „rechte Zirkel“ hierbei eine Rolle spielten. Vielmehr wird ja Kritik am Antisemitismus von „rechten Zirkeln“ abgelehnt. Auch wenn meine Person hier nur am Rande eine Rolle spielt gilt zu konstatieren: ich habe erstens eine Dissertation über die „Neue Rechte“ geschrieben (und die Salonfähigkeit vieler seiner Theoreme im Mainstream), bin zudem kein „Post-Doktorand“, vielmehr war ich bis August 2009 Post-Doctoral Researcher an der Yale Initiative for the Interdisciplinary Study of Antisemitism (YIISA) an der Yale University, wie man unschwer im Internet finden kann. Dort kann man ebenso leicht Informationen darüber finden, dass ich gegenwärtig an einem Forschungs-Projekt über „German Middle Eastern Studies and Islamism after 9/11“ arbeite, unterstützt vom Middle East Forum Educational Fund (MEFEF) in Philadelphia; das Middle East Forum mit seinem Gründer und Direktor Dr. Daniel Pipes ist ein weltweit bekanntes Think Tank. Das alles verschweigt Pamperrien, doch unsaubere Recherche und politische Diffamierung gehen oft Hand in Hand.
Folgender Satz in Pamperriens Text im Freitag jedoch lässt besonders aufhorchen und ist der eigentliche Skandal:
„Tatsächlich aber sind publizistische Winkeladvokaten am Werk.“
Die von ihr namentlich attackierten Broder, Weinthal, Küntzel und Heni seien also „Winkeladvokaten“. Was heißt das?
Sabine Pamperrien ist promovierte Literaturwissenschaftlerin, sie hat zudem Rechtswissenschaften studiert. Vor diesem Hintergrund sollte man einen einigermaßen vorsichtigen Umgang mit Worten zumindest erwarten könnten.[xxxiv]
Ein deutscher Bestseller-Autor im frühen 20. Jahrhundert war Paul Keller.[xxxv] In seinem 1915 geschriebenen Roman „Ferien vom Ich“ steht:
„Nun, diese Aufgabe paßte zu mir, zumal sich Stefenson bereit fand, unser Glück zunächst in Schlesien zu probieren. Ich bestimmte die Ausrüstung. Schaftstiefel, englische Lederhosen, eine Joppe aus grauem Tuch mit Hirschhornknöpfen und grüner Tascheneinfassung, ein Vorhemd ohne Schlips, ein seidenes Tüchlein um den Hals, eine Lodenmütze, das war meine Ausrüstung. Solcher Kleidung bringen die Bauern Zutrauen entgegen, da vermuten sie keine verkniffenen Städter, keine ‚Juden oder Winkeladvokaten‘, die sie übers Ohr hauen wollen.“[xxxvi]
Auch eine andere Stelle bei Keller ist für heutige Zeiten von Bedeutung. Er lässt eine seiner Figuren, einen „Amtsgerichtsrat“ sagen, als es in einem Dorf um das Engagement eines Juden als „Propagandachef“ für den touristischen Wert des Ortes und ein Bad ging:
„‘Jude hin, Jude her! Es ist ‚n alter Witz, daß in den ganzen Antisemitismus nicht eher ‘n richtiger Schwung kommen wird, ehe ihn nicht die Juden selbst machen. Wenn die Neustädter ihre faule Sache deichseln wollen, mußten sie ‘n Juden nehmen, ‘n Christ ist viel zu dämlich dazu.‘“[xxxvii]
Das hat sich natürlich zumal die taz Jahrzehnte später – und vor allem: nach Auschwitz – zu Herzen genommen.
Juden werden nicht nur bei Paul Keller 1915 als Winkeladvokaten (bzw. Winkeladvokaten als Juden) gesehen. Heute sprechen Neo-Nazis und Linksradikale in derselben Tonlage, wenn sie den Politiker der Partei Die Linke Gregor Gysi als „Winkeladvokaten des Zionismus“ bezeichnen, wie der Journalist Karl Pfeifer in einer Kritik dieser „rot-braunen“ Allianzen schreibt.[xxxviii]
Viele Lexikoneinträge belegen den pejorativen Gehalt des Wortes Winkeladvokat.[xxxix] Interessant ist, dass zumindest im Frankfurter Raum Winkeladvokat auch mit „Ferkelstecher“[xl] synonym gebraucht wurde, womit angedeutet werden soll, dass diese Art von Advokaten nur kleine Fische als Fälle in die Kanzlei bekämen. Warum jedoch für Leute (Winkeladvokaten), die ohnehin oft, wenn nicht immer als Juden gesehen wurden, gerade das Ferkel aus der Tierwelt herangezogen wurde, verwundert kaum. Religiöse Juden essen gerade kein Schwein und schlachten auch keine Ferkel. Dafür ist die „Judensau“ ein bekannter Topos des Antisemitismus bis heute.[xli]
In der Forschung zur Geschichte der Jurisprudenz im Nationalsozialismus wurde analysiert, wie der Ausschluss jüdischer Anwälte im wesentlichen in zwei Schritten sich vollzog[xlii]:
„Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933, das die Entlassung aller politisch Missliebigen und ‚Nichtarier‘ aus dem öffentlichen Dienst anordnete“
machte den Großteil der Juden unter den Anwälten arbeitslos, die wenigen, welche noch arbeiten konnten, wurden sodann im Dezember 1935 mit dem „Rechtsberatungsgesetz“ ausgeschaltet. Das „Rechtsberatungsgesetz“ richtete sich dezidiert gegen die ‚Winkeladvokaten‘ („jüdische Advokaten“), also die nicht mehr offiziell zugelassenen Anwälte:
„Da die Anwaltskammern die Übernahme ‚nichtarischer‘ Kanzleien für standeswidrig erklärt hatten, konnten die einst blühenden Praxen nicht verkauft werden. Mit dem Verbot, entlassene jüdische Anwälte in untergeordneter Position, zum Beispiel als Bürovorsteher oder juristischer Hilfsarbeiter, zu beschäftigen, war denen, die ihre Lebensstellung verloren hatten, auch fast jede andere Möglichkeit genommen, ihren Unterhalt zu verdienen. Selbst der Ausweg, sich als Repetitor durch die Abhaltung von Vorbereitungskursen für Jurastudenten den Broterwerb zu sichern, wurde ihnen verwehrt. Am 25. November 1935 gab der Reichswissenschaftsminister in einem Erlaß bekannt: ‚Es verstößt gegen Würde und Ansehen der Hochschule, wenn Studenten deutscher Abstammung bei jüdischen oder jüdisch versippten Repetitoren hören. Zuwiderhandlungen werde ich gemäß der Strafordnung für Studenten vom 1. April 1935 ahnden.‘ (…) ‚Deutscher Rechtswahrer‘ zu sein, worauf sich ein Teil der Anwaltschaft soviel zugute hielt, bedeutete angeblich mehr, als Interessenvertreter einer Partei zu sein; der immer wieder von der Ehrengerichtsbarkeit herausgestrichene Gegensatz zwischen ‚Rechtswahrer‘ und ‚jüdischem Advokaten‘ sollte den Unterschied verdeutlichen.“[xliii]
Wenn nun heute, 2010, Pamperrien als Journalistin des Mainstream gegen zwei jüdische Publizisten und zwei nicht-jüdische obendrein agitiert und diese als „Winkeladvokaten“ bezeichnet, steht sie in einer bemerkenswerten Tradition. Es hört sich gar fast so an, als ob Pamperrien die beiden nicht-Juden zu Juden herbei fantasieren möchte, da das Wort „Winkeladvokat“ sich häufig, wie beim Bestseller-Autor Keller oder heutigen Antisemiten, gegen Juden richtet.
Neben dem antisemitischen Gehalt des Wortes Winkeladvokat selbst fällt zudem auf: für wen sollen die vier denn Anwalt sein? Soll da eine ‚jüdische Macht‘, eine ‚Israellobby‘, eine ‚anti-ZfA-Lobby‘ imaginiert werden, welche gar Aufträge erteilt an Anwälte? Der Wortgebrauch ist also nicht nur etymologisch ein Fall für die kritische Antisemitismusforschung, vielmehr auch der Einsatz des Wortes Anwalt in diesem konkreten Kontext.
Die hier behandelten Fälle sind nur ein weiterer Blick auf heutige Medien und Forschungszentren in Deutschland und ihren Anteil am Generieren, Produzieren oder Verharmlosen von Antisemitismus. Die Islamophilie, die a priori-Abwehr der Analyse eines spezifisch islamistischen Antisemitismus, wäre ein weiteres wichtiges Analysefeld.
Antisemitismus ist eine große Gefahr. Der Iran baut an der Atombombe, droht Israel mit Vernichtung und die wenigen Leute, welche darauf hinweisen und den Iran mit ihren bescheidenen Mitteln bekämpfen, werden auch noch antisemitisch attackiert.
Noch ein Wort zu Sabine Pamperrien, die hier nur pars pro toto für die übergroße Mehrheit der Antisemitismusverharmloser steht, und ihrem ersten Satz, dass das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) einen „hervorragenden Ruf“ genieße. Der oben bereits eingeführte Prof. Robert Wistrich kritisiert Benz‘ Gleichsetzung von Antisemitismus und „Islamophobie“ in seinem neuen Werk „A Lethal Obsession. Anti-Semitism from Antiquity to the Global Jihad“ explizit.[xliv]
Die Monatszeitschrift Merkur attestiert Wolfgang Benz im April 2010, dass er offenbar „realitätsgestört“ ist – kein sonderlich lobender Befund am Ende einer langen Karriere:
„Antisemitismus: Die islamische Judenfeindschaft ist im Koran und den Hadithen vorgegeben und wurde mittlerweile, unter anderem auch durch die Väter des Islamismus, auf den Stand des nazistischen Antisemitismus gebracht – Mein Kampf ist neben den Protokollen der Weisen von Zion ein oft angebotenes Buch in vielen islamischen Ländern. Nirgendwo herrscht heute ein so brutaler, mordlustiger Antisemitismus wie unter den Muslimen in der islamischen und außerislamischen Welt. Wer hätte sich vorstellen können, dass Die Protokolle als eine ‚aktualisierte‘ einundvierzigteilige Fernsehserie, zur besten Sendezeit 2003 in Ägypten verbreitet, an mehr als zwanzig andere arabische Sender verkauft wird? Wo sonst würde noch die Mär vom mit dem Blut nichtjüdischer Kinder gebackenen Matzebrot verbreitet? Wo sonst wird der Holocaust laut und öffentlich selbst von den Spitzen des Staates geleugnet? Schon 1992 schrieb Daniel Easterman, es verbreite sich in der arabischen Welt ‚eine Form des Antisemitismus, die sich meiner Ansicht nach nur mit den Vorgängen im Dritten Reich . . . vergleichen lässt. Politischer Antizionismus wird zunehmend von primitivster antijüdischer Polemik verdrängt.‘
Das hindert die islamische Propaganda keineswegs, das Entsetzen und die Schuldgefühle über den Holocaust im Westen für sich zu instrumentalisieren und die Muslime als die »neuen Juden« darzustellen, als die prospektiven Opfer des anstehenden nächsten Holocaust in Europa. Es gibt anscheinend Leute, die so etwas ernst nehmen. Wenn, um einen Namen zu nennen, ein Antisemitismusforscher wie Wolfgang Benz Islamkritikern eine Verwandtschaft mit dem Antisemitismus unterstellt (und allein der Antisemitismus in der Welt des Islam wäre schon Grund genug, diesen zu kritisieren), anstatt sich um die virulenteste Form des Antisemitismus in der heutigen Welt zu kümmern, drängt sich das Wort ‚realitätsgestört‘ auf. So will man heute an den Muslimen gutmachen, was damals an den Juden verbrochen wurde.“[xlv]
Damit bringt Merkur-Autor Siegfried Kohlhammer die Debatte um das ZfA auf den Punkt.
Zentren für Antisemitismusforschung und die ihnen verfallenen Medien in Deutschland sollten lieber Antisemitismus analysieren und kritisieren, und nicht die Antisemitismuskritiker, vom Tagesspiegel jüngst als „Antisemitenentlarver“ belächelt, attackieren.
Die heute „virulenteste Form des Antisemitismus“ in Deutschland ist die islamische. Die Demonstrationen gegen Israel und Juden in Berlin, Duisburg, Frankfurt am Main und vielen anderen Orten im Januar 2009 haben das gezeigt.[xlvi] Die Verteidigung des ZfA und der Gleichsetzung von Antisemitismus und Kritik am politischen Islam unter Verwendung antisemitischer Unwörter wie „Winkeladvokat“ oder „Trotzkist aus New York City“ belegen nachdrücklich, dass Antisemitismus in allen Medien vorkommt. Kritik am Antisemitismus hingegen ist Aufgabe der gesamten Gesellschaft: Die herkömmlichen Mainstream-Medien und Mainstream-Institute sind dabei eher ein Objekt der Analyse denn ein Subjekt der Aufklärung.
[i] Kunst gegen Tabus. Die Gruppe Surrend und die Provokation, in: Kulturzeit, 26.05.2010, der TV-Beitrag ist als Video hier zu sehen: http://www.3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=18764 (28.05.2010).
[ii] „The Danish street art duo ‘Surrend’ started to blanket selected Berlin neighborhoods on Wednesday with maps of the Middle East in which the State of Israel does not appear, with the term ‘Final Solution’ at the top. According to critics, the artists, Jan Egesborg and Pia Bertelsen, are stoking genocidal anti-Semitism with their provocative ‘art in hot spots’ tactics, by employing Nazi terminology. Klaus Wowereit, the Social Democratic Party mayor of Berlin, told The Jerusalem Post on Thursday that ‘there cannot be any doubt regarding Israel’s right to exist. This form of satire is not what I like.’ Dr. Shimon Samuels, head of the international department of the Simon Wiesenthal Center in Paris, told the Post that the ‘artists should be sued for genocidal incitement,’ and that they are ‘talking like Ahmadinejad.’ It is unclear if the Berlin public prosecutor will invoke Germany’s anti-hate law barring incitement to violence against minority groups. The exhibit’s call to abolish Israel also meets the European Union’s definition of anti-Semitism, outlining a rejection of Israel’s right to exist as a modern expression of Jew-hatred. The Austrian news outlet Vienna Online and the English-language Copenhagen Post reported that Egesborg identifies himself as a Jew, and regards Israel as a ‘historical mistake.’ The artists renamed the Jewish state “Ramallah” on the maps. ‘As a Jew, I always thought it was problematic that Israel was built on stolen land. The way the Israeli state treats the Palestinians today is terrible. There is no other answer but for the Jews of Israel to find a new homeland, perhaps in the USA, Germany or Denmark,’ Egesborg said“ (Benjamin Weinthal (2010): Danish artists in Berlin wipe Israel off the map, in: Jerusalem Post, 30.04.2010, http://www.jpost.com/International/Article.aspx?id=174350 (28.05.2010). Siehe auch die Analyse auf dem Blog LizasWelt: “Sollte sich Egesborg mit der öffentlichen Meinung hierzulande tatsächlich ernsthaft auseinandergesetzt haben, dann müsste er wissen, dass die „Israelkritik“ für die erdrückende Mehrheit der Deutschen eine Herzensangelegenheit ist und Surrend mit seiner spitzen Nadel nur die kleine Minderheit der Israelfreunde getroffen hat, die nach Kräften vor einer Endlösung der Nahostfrage warnt, wie sie auf dem Plakat dargestellt ist. Wenn er trotzdem das Gegenteil behauptet, reiht er sich ein in die Phalanx derjenigen, die in paranoider Verkennung der Wirklichkeit glauben, ein pro-israelisches Meinungskartell dominiere die deutsche Nahostdebatte. Mit ihrem vermeintlichen Tabubruch haben die dänischen Künstler lediglich sich selbst demaskiert – und sich als konformistische Rebellen zu erkennen gegeben, die exakt auf einer Linie mit vierschrötigen Israelfeinden wie Lorenz Jäger liegen“ (http://www.lizaswelt.net/2010/05/judenjager.html (28.05.2010)). Insbesondere der Begriff des „konformistischen Rebellen“ passt bezüglich „Israelkritiker“ wie Surrend und deren Fans und Verteidigern gut, vgl. ebenso die Analyse von Thomas Haury aus dem Jahr 1992: Zur Logik des deutschen Antizionismus, online verfügbar auf http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/Zur-Logik-des-deutschen.html (28.05.2010): „So ist der Antizionismus gleichsam eine ’doppelt verschobene’ und damit doppelt konformistische Rebellion. Er verschiebt nicht nur alles Böse auf das Abstraktum mit dem Namen ’Zionismus’, sondern delegiert auch noch den Widerstand an die Palästinenser, die als Brückenkopf nationalrevolutionärer deutscher Bedürfnisse Israel von der Landkarte tilgen sollen (und sind diese zu derlei Selbstaufopferung nicht bereit, wird eben auch die PLO des kleinbürgerlichen Verrats geziehen).“
[iii] 3sat passt in die Serie „deutsche Medien und Antisemitismus“; wenngleich auch die Länder Österreich und Schweiz beteiligt sind, vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/3sat (29.05.2010).
[iv] http://www.jankelevitch.fr/pages/accueil.html (29.05.2010).
[v] Vladimir Jankélévitch (1971)/2006: Verzeihen?, Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 9f.
[vi] http://www.indiana.edu/~jsp/rosenfeld.html (29.05.2010).
[vii] Alvin H. Rosenfeld (2004): Anti-Zionism in Great Britain and beyond: A ‚Respectable‘ anti-Semitism?, New York City: The American Jewish Committee, S. 42f.
[viii] http://sicsa.huji.ac.il/wistrich.html (29.05.2010).
[ix] Robert Wistrich (2010): A Lethal Obsession. Anti-Semitism from Antiquity to the Global Jihad, New York: Random House, S. 249 bzw. 253.
[x] Zur Analyse des Goebbelschen Nazi-Sozi vgl. Clemens Heni (2007): ‚Nationale Identität‘, Antisemitismus und Antiamerikanismus in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland 1970 – 2005: Henning Eichberg als Exempel, Marburg: Tectum Verlag, S. 145. Zudem: „Spätestens 1926 war somit die antisemitische Parole des Nationalsozialismus, die später am Eingang von Konzentrations- und Vernichtungslagern angebracht wurde – ‚Arbeit macht frei‘ – , durch Goebbels und die ‚NS-Linke‘ mitentwickelt und popularisiert worden: ‚… die Arbeit frei machen‘. Diese Parole war zwar schon früher, 1872 und 1922 aufgetaucht, wie der Volkskundler Wolfgang Brückner darstellt, unzweifelhaft sind auch Elemente christlicher, antijudaistischer, lutheranischer und abendländisch-kapitalistischer Arbeitsontologie in dieses Konzept ‚Arbeit macht frei‘ eingeflossen, die Verbindung zum Nationalsozialismus jedoch formulierte Goebbels 1926 im Nazi-Sozi“ (Heni 2007: 142). Zur Kritik an der verharmlosenden und den Antisemitismus derealisierenden Rezeption der ‚linken‘ Nazis um Gregor Strasser oder auch den frühen Goebbels durch Reinhard Kühnl (Teil der von Wolfgang Abendroth begründeten ‚Marburger Schule‘ der Politikwissenschaft) und Reinhard Opitz vgl. Heni 2007: 147-149.
[xi] „Peter Schäfer (* 1943 in Mülheim an der Ruhr) ist ein deutscher Judaist. Er gilt als einer der führenden Judaisten für die Zeit der Antike und des frühen Mittelalters. Schäfer ist der einzige Wissenschaftler, der den Mellon Award und den Leibniz-Preis erhalten hat“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Sch%C3%A4fer_%28Judaist%29 (24.05.2010).
[xii] Vgl. Schäfers Curriculum Vitae: http://www.princeton.edu/religion/people/data/p/pschafer/CV.pdf (29.05.2010).
[xiii] Peter Schäfer (2010): Judenhass und Judenfurcht. Die Entstehung des Antisemitismus in der Antike. Aus dem Englischen von Claus-Jürgen Thornton, Berlin: Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag, S. 227f.
[xiv] Vgl. zur Kritik an Bergmanns Bewertung der anti-israelischen und antisemitischen Demonstrationen in Deutschland die erste Ausgabe des Journal for the Study of Antisemitism (JSA), Oktober 2009, S. 37f.
[xv] Werner Bergmann (1988): Politische Psychologie des Antisemitismus. Kritischer Literaturbericht, in: Helmut König (Hrsg.), Politische Psychologie. Leviathan. Zeitschrift für Sozialwissenschaft, Sonderheft 9/1988, S. 217-234, hier S. 230f.
[xvi] http://de.wikipedia.org/wiki/Der_ewige_Jude (24.05.2010).
[xvii] Henryk M. Broder (1986)/2005: Der ewige Antisemit. Über Sinn und Funktion eines beständigen Gefühls, Berlin: Berliner Taschenbuch Verlag, S. 246.
[xviii] Bergmann 1988: 231.
[xix] http://www.welt.de/videos/debatte/article5463973/Bullshit-ueber-Antisemitismus.html (22.05.2010).
[xx] http://www.welt.de/videos/debatte/article3110852/Bullshit-fuer-ein-Deutsches-Ding.html (22.05.2010). Man findet, soweit ich sehe, keine Videos der letzten Wochen in dieser Rubrik „Bullshit“ von Posener.
[xxi] Im ersten Quartal 2010 hatte demnach die Welt eine verkaufte Auflage von 256.185, während die Nürnberger Nachrichten es auf 284.767 Auflage bringen, vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Welt bzw. http://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%BCrnberger_Nachrichten (22.05.2010).
[xxii] http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands_%28Aufbauorganisation%29 (20.05.2010).
[xxiii] Alan Posener (2009): http://starke-meinungen.de/blog/2009/12/08/was-ist-los-in-der-antisemitismuskommission-des-bundestags/ (20.05.2010).
[xxiv] Vgl. das Kapitel „Wo ist eigentlich die „Ostküste“? von Johannes Radke/Henning Flad (2010), in: Holger Kulick/Toralf Staud (Hrsg.) (2010): Das Buch gegen Nazis. Rechtsextremismus – Was man wissen muss, und wie man sich wehren kann, Köln: Kiepenheuer & Witsch, S. 113-116.
[xxv] Ulrich Herbeck (2009): Das Feindbild vom „jüdischen Bolschewiken“. Zur Geschichte des russischen Antisemitismus vor und während der Russischen Revolution, Berlin: Metropol Verlag, S. 120.
[xxvi] Alle genannten Seiten beziehen sich mehr oder weniger positiv auf Posener und zumal dessen Attacken auf Broder und Weinthal. Obskur sind diese Seite allemal, zum Antisemitismus einer der Seiten vgl. die folgende Anmerkung; als Quelle siehe z. B. die Seiten http://www.steinbergrecherche.com/08weinthal.htm (24.05.2010); http://arnehoffmann.blogspot.com/2009/07/alan-posener-achse-des-guten-ist-eine.html (24.05.2010); http://von-den-einzigwahren-freunden-israels.blogspot.com/2009/12/alan-posener-auf-hiram7-review.html (24.05.2010); http://www.steinbergrecherche.com/islamophobie.htm (24.05.2010); http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=4443:l (24.05.2010); http://www.arendt-art.de/deutsch/Henryk_m_broder/henryk_m_broder.htm (24.05.2010).
[xxvii] Dabei geht es insbesondere um den letzten Hinweis in vorheriger Anmerkung, arendt-art.de; „The demonization of Israel as an “apartheid state” or as “Nazisreal” has now a long tradition in “anti- Zionist” or allegedly “pro-Palestinian” publications (with or without links to “the left”). This includes cartoons portraying Israeli politicians as revenants of Nazis, as exemplified in the portrayal of the Israeli prime minister, Ehud Olmert, in Nazi-uniform on the website “Das Palästina Portal” (erhard-arendt.de; arendt-art.de; Document 2)“ sowie die Aufforderung an Justiz und Politik aktiv zu werden und antisemitische Seiten zu verbieten: “Attached you find three examples of antisemitic propaganda distributed by German websites (documents 1-3) which should be subject to legal scrutiny according to the German criminal code. Publications which downplay or ridicule the Holocaust and the memory of the deceased, or which instigate racist hatred and civil unrest, should meet the full force of the law. While taking into account the high value of freedom of speech granted by Article 5 of the Basic Law, radically anti-Jewish publications and websites, which portray Jews as ticks or vermin and praise such forms of antisemitic hatred, should be prohibited under the existing rule of law“ (Expert Forum on Combating Antisemitism – Challenges and Successful Strategies German Bundestag, Berlin Marie-Elisabeth Lüders Building, Conference Room 25 January 2008 Contributions from the Experts, publiziert auf: http://spdnet.sozi.info/bawue/rhn/gweiss/dl/FINAL_Vorab-Doku.pdf (24.025.2010), Zitate auf Seite 55 bzw. 61).
[xxviii] Sabine Pamperrien (2010): Feindbild Vorurteilsforschung. Fragliche Deutungshoheit in Sachen Antisemitismus – Zum Streit um die Nachfolge von Wolfgang Benz, in: http://www.freitag.de/kultur/1018-kulturkommentar (20.05.2010).
[xxix] Clemens Heni (2010): Ein Nazi und sein Schüler: Karl Bosl und Wolfgang Benz, in: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ein_nazi_und_sein_schueler_karl_bosl_und_wolfgang_benz/ (22.05.2010); Clemens Heni (2010a): Mitgliedsnummer 1884319, in: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/mitgliedsnummer/ (22.05.2010).
[xxx] Wolfgang Benz (2008): Vorwort, in: Jahrbuch Antisemitismusforschung 17, Berlin: Metropol Verlag, S. 9-14, hier S. 9.
[xxxi] Am Ende ihres neuen Buches „Himmelsreise“ schreibt Kelek: „Muslime aller Länder, bekennt euch zum Ich, ihr habt nichts zu verlieren außer der Scharia“ (zitiert nach Clemens Heni (2010b): Necla Kelek und die Kritik „metaphysischen Dopings“, in: http://clemensheni.wordpress.com/2010/04/23/necla-kelek-und-die-kritik-metaphysischen-dopings/ (22.05.2010).
[xxxii] http://www.freitag.de/kultur/0929-posener-achse-des-guten (22.05.2010), vgl. auch diesen Text von Pamperrien zu achgut/Posener http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0824
/media/0027/index.html (22.05.2010).
[xxxiii] http://www.ullsteinbuchverlage.de/ullsteintb/buch.php?id=16527&page=buchthemen&sort=autor&aus
wahl=A&pagenum=1 (22.05.2010).
[xxxiv] Sabine Pamperrien (2003): Ideologische Konstanten – Ästhetische Variablen. Zur Rezeption des Werks Heiner Müller, Frankfurt am Main: Peter Lang. Dissertation an der FU Berlin, Institut für Literaturwissenschaft. Fachgebiet Neuere Deutsche Philologie aus dem Jahr 1999. Pamperrien bezieht sich am Rande auch auf ein interessantes Buch von Hannes Stein und Richard Herzinger über die „Endzeit-Propheten oder Die Offensive der Antiwestler“ (Pamperrien 2003: 203, Anm. 26), hat das aber offenbar verdrängt oder vergessen: jedenfalls schreiben die beiden Autoren Stein und der Welt-Redakteur Herzinger entgegen Pamperrien auch noch 2010 gegen die Antiwestler und zumal gegen die Verharmlosung der Gefahr des auch antiwestlichen Jihadismus und Antisemitismus und der Gefahr aus dem Iran.
[xxxv] „Keller gehörte zu den meistgelesenen Autoren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, was sich in einer Gesamtauflage seiner Bücher 1931 bei 5 Millionen widerspiegelt und wurde in 17 Sprachen übersetzt“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Keller (21.05.2010)).
[xxxvi] Paul Keller (1915): Ferien vom Ich. Roman, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft, S. 137.
[xxxvii] Keller 1915: 26.
[xxxviii] Karl Pfeifer (2008): Rot-braune Allianz gegen Gregor Gysi, in: http://www.hagalil.com/01/de/Antisemitismus.php?itemid=2169 (22.05.2010).
[xxxix] 1895 steht unter „Winkeladvokatur“ siehe „Winkelschriftstellerei“: „im Rechtsleben die Thätigkeit solcher Personen, welche ohne Zulassung zum Anwaltsberufe ein Geschäft aus der Anfertigung von Schriften und der Vertretung von Rechtssachen für andere machen. Die Deutsche Zivilprozeßordnung (§. 143) sucht der W. dadurch entgegenzuwirken, daß sie dem Gericht die Befugnis beilegt, Winkeladvokaten von der Verhandlung zurückzuweisen. Die Frage, inwieweit die W. unbefugt und strafbar ist, entscheidet sich nach §. 132 des Deutschen Strafgesetzbuches in Verbindung mit den Bestimmungen der Landesgesetze“ (Brockhaus‘ Konversations-Lexikon. Vierzehnte vollständig neubearbeitete Auflage. In sechzehn Bänden. Sechzehnter Band, Leipzig/Berlin/Wien: F.A. Brockhaus, 1895, S. 773; Das Schwäbische Wörterbuch, Ausgabe 1924, spricht von „Winkeladvokat“, siehe (veraltet) „Winkel-arzt“, oder „Pfuscher, Quacksalber, ‚Landfahrer, Winkelärzte, offene Zahnbrecher und Schreier‘“ (so hieß es 1594), Schwäbisches Wörterbuch. Auf Grund der von Adelbert v. Keller begonnenen Sammlungen und mit Unterstützung des Württembergischen Staates, bearbeitet von Hermann Fischer, weitergeführt von Wilhelm Pfleiderer, Sechster Band. Erster Halbband, Tübingen: Verlag der H. Laupp’schen Buchhandlung, 1924, S. 852f.; in einer weiteren Ausgabe des Schwäbischen Wörterbuches (Angaben wie oben) von 1936 steht als „Nachtrag“ unter dem Stichwort „Winkelarbeit“, S. 3424f.: „Pfuscharbeit. ‚Mit solcher W. Betrug und Gefahr geübt‘“ (1588); ‚Die W.-arbeiter begert er abzuschaffen, denn sy ime vief Schad thuen‘“ (1555); „Winkel-beck“, „unzünftiger Bäcker. ‚Dass die Winkelsbckhen abgethan unnd das liederlich Verderben des Broths… verhütet werde‘“ (1592); „Winkeladvokat“, „‘unqualifizierte, fragwürdiger Advokat, der juristischen Rat erteilt‘, abschätzig“ (Pfälzisches Wörterbuch, Band VI Lieferung 46, 1995, Stuttgart: Franz Steiner Verlag, S. 1386; „Winkeladvokat“, „abwertend: ‚Anwalt, Rechtsberater, der (ohne rechtliche Befugnis) mit fragwürdigen Mitteln (ohne die erforderlichen Kenntnisse) arbeitet‘“ (Jochen Splett (2009): Deutsches Wortfamilienwörterbuch. Analyse der Wortfamilienstrukturen der deutschen Gegenwartssprache, zugleich Grundlegung einer zukünftigen Strukturgeschichte des deutschen Wortschaftes, Band 14, Berlin/New York: Walter de Gruyter, S. 248; das „Deutsche Wörterbuch“ von Jacob und Wilhelm Grimm schreibt in seiner online-Ausgabe: „WINKELADVOKAT, m., volksläufige bezeichnung für einen, ‘der das amt eines sachwalters … unbefugt und geheim ausübt’ SCHÖPF tirol. 817; FISCHER schwäb. 6, 1, 853; wenkelaffekot wb. d. luxemburg. ma. 484a; BAUER-COLLITZ waldeck. 238a. seit dem 18. jh. bezeugt: sie hatten einen winkeladvokaten gefunden AUERBACH schr. (1892) 13, 141; ein winkeladvokat hatte ihm auf seine vorsorgliche erkundigung die auskunft gegeben, dasz spielschulden nicht klagbar wären BEYERLEIN Jena oder Sedan (1903) 1, 309; gewöhnlich mit dem ausdruck des abschätzigen: ihn vor den entenmaiern zu bewahren, den winkeladvokaten, Bd. 30, Sp. 365 die der leute verderben sind H. KURZ der sonnenwirth 2, 90 (zu entenmaier s. FISCHER schwäb. 2, 727); die schule erzieht auf dem lande nebst vortrefflichen menschen auch winkeladvokaten, hetzer, selbst taugenichtse ROSEGGER schr. I 4, 100; blätter, in denen … verlogene winkeladvokaten ihre weisheit zu markte bringen FONTANE ges. w. I 6, 9. daher auch als schimpfwort, s. L. PANSNER schimpfwb. (1839) 78b. –“ (http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&mode=hierarchy&textsize=600&onlist=&word=Winkel&lemid=GW21335&query_start=1&totalhits=0&textword=&locpattern=&textpattern=&lemmapattern=&verspattern=#GW21335L0 (22.05.2010)).
[xl] „Ferkelstecher“, „scherzhaft. A) Winkeladvokat. Des war nämlich e Winkeladvokat odder Ferkelstecher“ (1891), Frankfurter Wörterbuch, 4. Lieferung, 1974, Frankfurt am Main: Verlag Waldemar Kramer, S. 658. Siehe auch: „auch in Frankfurt heißt der Winkeladvokat ‚Ferkelstecher‘“ (Alexander Askenasy (1904): Die Frankfurter Mundart und ihre Literatur, Frankfurt am Main: Verlag und Druck von Gebrüder Knauer, S. 95).
[xli] „Im Oktober 1998 während der öffentlichen Debatte zwischen Martin Walser und Ignatz Bubis um die angebliche ‚Moralkeule Auschwitz‘ trieben Neonazis ein Ferkel mit einem aufgemalten Davidstern und dem Namen von Ignatz Bubis über den Alexanderplatz in Berlin“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Judensau (20.05.2010)).
[xlii] Es gibt noch unzählige weitere antisemitische Verordnungen, Erlässe und Gesetze etc., auch in Bezug auf Rechtsanwälte, welche hier aus Platzgründen nicht erwähnt werden können.
[xliii] Ingo Müller (1987): Furchtbare Juristen. Die unbewältigte Vergangenheit unserer Justiz. Mit einem Vorwort von Professor Martin Hirsch Richter am Bundesverfassungsgericht a.D., München: Kindler, S. 68 bzw. 71.
[xliv] „Since then, Benz’s equation of anti-Semitism and ‚Islamophobia‘ has come under some heavy criticism“ („Seither hat Benz‘ Gleichsetzung von Antisemitismus und ‚Islamophobie‘ einige heftige Kritik erfahren“), Wistrich 2010: 922, Anm. 122 (zu Kapitel sieben). Das Buch von Wistrich hat 1184 Seiten und 3292 Anmerkungen. Benz wird nur noch ein weiteres Mal zitiert als Herausgeber eines Bandes „Dimension des Völkermords“ (S. 1066, Anm. 28 zu Kapitel 19). Keine Monografie und kein einziger wissenschaftlicher Artikel von Benz aus den letzten 20 Jahren als Leiter des ZfA werden von Wistrich herangezogen und zitiert. Ist das ein Indiz für die internationale Reputation des ZfA und ihres Leiters?
[xlv] Siegfried Kohlhammer (2010): Das Ende Europas? Ansichten zur Integration der Muslime, in: http://www.online-merkur.de/seiten/lp201004ab.htm (20.05.2020).
[xlvi] http://www.focus.de/politik/deutschland/zentralrat-der-juden-empoerung-ueber-polizeieinsatz_aid_361621.html (22.05.2010).