Deutsch-Arabische Freundschaft – Qatar, FIFA, Albert Speer

Deutsch-Arabische Freundschaft –

 

Qatar, FIFA, Albert Speer

 

Wie soll man heute noch als Kabarettist in Deutschland reüssieren? Die besten Witze oder Pointen schreibt dieses Land doch selbst.

Man könnte meinen es sei Polemik oder Kabarett wenn man sagt: „Albert Speer ist heute noch als Architekt für antisemitische Länder aktiv“.

Albert Speer (Jg. 1905) war ein alter Nazi (NSDAP-Mitglied seit 1931), enger Vertrauter von Hitler und Architekt für großdeutsche Träume, er ließ Sklavenarbeiter für sich arbeiten, plante u.a. Baracken in Auschwitz[i], war von 1942 an „Reichsminister für Bewaffnung und Munition“. Er war einer der Angeklagten im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher (1945-1946), wurde zu läppischen 20 Jahren Zuchthaus verurteilt und starb im Jahr 1981.

De facto jedoch ist Albert Speer immer noch für antisemitische Länder als Architekt aktiv – Albert Speer junior, geboren 1934, Sohn des Hauptkriegsverbrechers mit dem gleichen Namen, baut für Qatar Fußballstadien für die Fußballweltmeisterschaft 2022.[ii]

Qatar ist bekannt für seinen Antisemitismus und Islamismus. Der wohl derzeit weltweit einflussreichste islamistische Prediger im sunnitischen Islam ist Scheich Yusuf al-Qaradawi, ein mittlerweile weit über 80 Jahre alter Hetzer. 2009 forderte er „Allah“ auf „alle Juden zu töten, bis auf den letzten“.[iii]

Qaradawi möchte den jüdischen Staat Israel zerstören und findet Selbstmordattentate in Israel prima. Er erlaubt Frauen ausnahmsweise – ist ja für ‚einen guten Zweck‘ – unverschleiert solche Mordaktionen durchzuführen. Er wird von deutschen und anderen Forscherinnen und Forschern als „moderat“ bezeichnet.

Qatar ist durch al-Qaradawi weltweit bekannt geworden, da der islamistische Vordenker dort seit den 1960er Jahren lebt und von dort aus seine Propaganda im Sinne der Muslimbruderschaft verbreitet.

Der derzeitige Emir von Qatar hat 3 Ehefrauen und 24 Kinder. Polygamie ist in Qatar erlaubt, was nicht verwundert, ist doch der Islam Staatsreligion und die Scharia Pflicht.

Am 3. Dezember 2010, einen Tag nach der FIFA-Entscheidung die Fußball-WM 2022 von Antisemiten und Frauenverachtern veranstalten zu lassen, gab al-Qaradawi seine Freitagspredigt. Darin attackierte er die USA und Präsident Obama, weil dieser sich enttäuscht zeigt ob der FIFA-Entscheidung. In der letzten von vier Abstimmungsrunden für den WM-Austragungsort hatte Qatar über die USA gesiegt. Al-Qaradawi sieht darin ein Fanal für den Sieg Arabiens und der Muslime über Amerika (Fußball ist ihm hingegen reichlich wurscht, was kaum verwundert).

Eine deutsch-arabische Freundschaft, wie sie traditionsreicher nicht sein könnte. Albert Speer war Hitler’s Busenfreund und Architekt, während der Großmufti von Jerusalem, Amin al-Hussaini in Berlin residierte und die Deutschen antijüdische Propaganda in den Nahen Osten sendeten wie mit Radio Zeesen; Albert Speer junior plant nun Stadien der FIFA Fußball-WM 2022 für das islamistische und antisemitische Emirat Qatar und dessen bekanntestem Scheich Yusuf al-Qaradawi.

Deutschland ist wieder wer – und muss dafür nicht mal den Namen ändern.


[i] „Speer billigte den Kauf von Baumaterialien (in Höhe von 13700000 Reichsmark) zur Errichtung von 300 Baracken mit Raum für 132000 Häftlinge in Auschwitz.“ (Raul Hilberg, 1961/1999: Die Vernichtung der europäischen Juden, Frankfurt am Main, Fischer Taschenbuch, Band 2, S. 995).

[ii] „Nach der überraschenden Entscheidung der FIFA, die WM 2022 in Katar auszurichten, hat der Frankfurter Architekt Albert Speer Grund zum Freuen. Sein Büro hat nicht nur die Bewerbungsunterlagen des Emirats erarbeitet, sondern auch bereits den Zuschlag für den Bau von mindestens zwei Stadien erhalten“ (Fußball-WM 2022. Albert Speer baut Stadien in Katar, HR-online, 3. Dezember 2010,  http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp?rubrik=5986&key=standard_document_40315971 ).

[iii] „On January 9, 2009, Qatar based Yusuf al-Qaradawi said on al-Jazeera TV (translation via MEMRI): “Oh Allah, take this oppressive, Jewish, Zionist band of people. Oh Allah, do not spare a single one of them. Oh Allah, count their numbers, and kill them, down to the very last one.“ A country like Qatar which is hosting such a Nazi-style anti-Semite has no right to host the soccer World Cup or any other huge, international event. However, FIFA has decided: Welcome to the Islamist and anti-Semitic propaganda show in Qatar in 2022, called FIFA soccer World Cup!” (Clemens Heni, Soccer World Cup 2022: FIFA Embraces Qatar’s Polygamy and Anti-Semitism, December 3, 2010, NewsRealBlog, http://www.newsrealblog.com/2010/12/03/soccer-world-cup-2022-fifa-embraces-qatars-polygamy-and-anti-semitism/2/ ).

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Deutsche mögen nur tote Juden, Islamisten gar keine

Deutsche mögen nur tote Juden,

 

Islamisten gar keine

 

Über den Umgang mit Muslim-Markt  2002 bzw. 2010

Im Frühjahr 2002 protestierte eine “Initiative gegen Antizionismus und Antisemitismus” (Berlin/Bremen/Esslingen/Hamburg/Tübingen) unter anderem gegen Internet-Links zu der Seite „www.muslim-markt.de“, welche auf der Homepage einer großen, staatlich geförderten Ausstellung über „ex-oriente“ in Aachen zu finden waren. Es ging bei dieser Ausstellung vorgeblich um die mittelalterliche Reise eines deutschen Kaisers in den Nahen Osten.

Muslim-Markt ist eine führende, einschlägig bekannte, pro-iranische, islamistische Internetseite in Deutschland. Seit Jahren ist sie Vorbild für die Aktivisten der Boykott-Kampagne gegen Israel in Deutschland (oder auch der Schweiz und Österreich), welche heute international unter dem Label BDS („Boycott, Divestment, Sanctions“) ähnlich wie die Deutschen im Nationalsozialismus antisemitisch agieren und auch in Berlin ihr Unwesen treiben.

Auf diese Analogie von Nazi-Boykott gegen die deutschen Juden, der wenige Jahre später zum Holocaust führte, und heutiger antizionistischer/antisemitischer Boykotte gegen den jüdischen Staat Israel hat am 15. November 2010 der israelische Historiker und Antisemitismusforscher Prof. Robert Wistrich, Leiter des Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism (SICSA) an der Hebräischen Universität Jerusalem in einem Video-Interview nachdrücklich hingewiesen. Es beginnt mit einem Boykott, entwickelt eine Eigendynamik und wird immer gefährlicher, so Wistrich.

Einer der Betreiber von Muslim-Markt verlor vor einigen Jahren seinen Job an der Universität Bremen wegen seiner islamistischen Aktivitäten und der direkten Verlinkung zur Hezbollah. Der Verfassungsschutz hat häufig über die Betreiber von Muslim-Markt und ihre vielfältigen Aktivitäten berichtet.[i]

Federführender Organisator der Aachener Ausstellung mit ihren Links zu Muslim-Markt im Jahr 2002 war der Rechtsextremismusforscher Prof. Wolfgang Dreßen von der Fachhochschule Düsseldorf.

Nach Kritik an der staatlich unterstützten Ausstellung und ihren Links u.a. zu Muslim-Markt wurde reagiert. In einem Brief des Düsseldorfer „Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein Westfalen“ (NRW) hieß es:

“Wir haben die Organisatoren (von Ex-oriente, d.V.) mit heutigem Fax gebeten, unverzüglich missverständliche, antisemitische oder gar volksverhetzende Hinweise, insbesondere die von Ihnen genannten Links aus der Homepage zur Ausstellung zu entfernen. Im übrigen haben wir auch Herrn Prof. Dreßen gebeten, zu den von Ihnen erhobenen Vorwürfen Stellung zu nehmen” (28.03.2002).

Der Link zum antisemitischen Muslim-Markt war also weg.

Doch was ist seitdem geschehen? Vor einigen Jahren gab Andreas Molau dem Muslim-Markt ein Interview und indizierte damit die Nähe der extremen Rechten zu den Islamisten, wie die FAZ 2007 analysierte.[ii] Heute geben staatlich bezahlte Historiker und Antisemitismusforscher wie der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) an der Technischen Universität Berlin Prof. Wolfgang Benz dem Muslim-Markt ein Interview (so geschehen am 1. November 2010). Dabei ist die anti-israelische Hetze des Muslim-Markt die gleiche wie schon im Jahr 2002. Mit Molau, Hermann Dierkes, Felicia Langer und Menno Aden, die alle auch zu den ausgewählten Interviewpartnern des Muslim-Markt gehören, ist Benz in außerordentlich illustrer Gesellschaft.

2002 protestierte ein Ministerium (jedenfalls ein klein wenig) gegen Antisemitismus und Islamismus und das Verlinken von Seiten wie Muslim-Markt.de – 2010 klatschen Antisemiten, Israelfeinde, Verharmloser oder Fans des Islamic Jihad wie selbsternannte Linke Beifall, Wissenschaftlerkolleginnen und -kollegen schweigen oder stimmen ebenso zu. So ändern sich die Zeiten. Oder nicht?

Die Wissenschaftlervereinigung „Scholars for Peace in the Middle East“ (SPME) mit ihren Sektionen Österreich bzw. Deutschland protestiert gegen das Interview von Muslim-Markt mit Benz, ebenso kommt Kritik von einigen Wissenschaftlern und Autoren.

Die Tatsache dass ein Leiter eines Zentrums für Antisemitismusforschung mit Islamisten kooperiert zeigt Folgendes: Israelhass ist 2010 noch salonfähiger als er es schon 2002 war.

Das Beispiel Muslim-Markt und der Umgang mit dieser Seite belegen das. Und auch NRW hat heutzutage keinerlei Probleme mit Freunden des islamistischen Muslim-Markt: so wird Wolfgang Benz mit Alfred Grosser am 7. Dezember 2010 in Berlin in der Landesvertretung von NRW eine Buchvorstellung bestreiten.

Grosser sprach am 9. November 2010 in Frankfurt am Main in der Paulskirche lieber von Israel und Juden als Täter als von Juden als Opfer der Deutschen und des Antisemitismus.

Damit generiert Grosser eine typische Form des sekundären Antisemitismus und bedient die beliebte Schuldprojektion. Israel zu ‚kritisieren‘, zumal an einem Tag wie dem 9. November, dem Jahrestag der Pogromnacht von 1938, was ist das für eine Leistung! Standing Ovations am Main.

Dies hat Wolfgang Benz offenbar so gut gefallen, dass er umgehend mit Grosser eine Buchvorstellung macht und Grosser den Hauptvortrag halten darf. Als ob Grosser sich nicht längst für alle Zeiten als Redner gegen Antisemitismus diskreditiert hätte. Seit wann wird ein Bock als Gärtner eingestellt?

Was jedoch soll man anderes erwarten von einem Leiter des ZfA, der Antisemitismus und Islamkritik auf eine Stufe stellt wie jüngst wieder in einem Zeit-Interview?

Die Islamisten bedrohen die westliche Welt und machen die Welt für selber denkende Musliminnen (und manche Muslime) zur Hölle auf Erden, schon heute und schon sehr lange.

Islamkritik und Anti-Islamismus haben einen rationalen Grund.

Antisemitismus ist irrational und genozidal.

Das konkrete Verhalten von Islamisten führt zu Islamkritik.

Das konkrete Verhalten von Juden war und ist völlig irrelevant für die Entwicklung des Antisemitismus.

Ist das so schwer zu begreifen?


[i] „Frieden im Herzen – Ein Herz voller Frieden. So lautet der Titel eines Referats, das Yavuz Özoguz am Pfingstsonntag um 11.30 Uhr in der Hamburger Imam-Ali-Moschee halten will. Das Gotteshaus liegt an einem der schönsten Plätze Hamburgs direkt an der Alster. Die Straße heißt nicht umsonst Schöne Aussicht. Özoguz ist gemeinsam mit seinem Bruder Gürhan Leiter des Vereins ‚Islamischer Weg‘, der seinen Sitz in der Provinz hat: in Delmenhorst bei Bremen. Die Schwester der beiden ist Aydan Özoguz. Sie ist verheiratet mit dem Hamburger SPD-Fraktionschef Michael Neumann und sitzt selber für die SPD im Bundestag. Aydan Özoguz ist eine Bilderbuch-Sozialdemokratin und ein gern zitiertes Beispiel für gelungene Integration. Von ihren Brüdern würde das niemand behaupten. Deren Verein der ‚Islamische Weg‘ wird seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Vor einigen Jahren musste Yavuz Özoguz aus den Diensten der Universität Bremen ausscheiden, da man von der Homepage seines Vereins direkt zum Internetauftritt der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah gelangte, die für zahlreiche Anschläge auf israelische Soldaten verantwortlich ist. Sie steht dem Regime in Teheran nahe. Sehr nahe“ (Islamisten mit Alsterblick, Hamburger Abendblatt, 14. Mai 2010, http://www.abendblatt.de/hamburg/article1495294/Islamisten-mit-Alsterblick.html (23.11.2010).

[ii] „Andreas Molau, stellvertretender Chefredakteur des NPD-Organs ‚Deutsche Stimme‘, hatte als deutschen Beitrag des iranischen Karikaturen-Wettbewerbs zu Holocaust und Nahost-Konflikt eine Zeichnung seiner Zeitung eingereicht, die das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas zum israelischen Raketensilo umdeutet. Molau war auch schon Gesprächspartner des fundamentalistischen Internetportals ‚Muslim-Markt‘, wo er seinen Respekt vor dem Islam als einer ‚gewachsenen Kultur‘ bekundete. Nach der deutschen Vergangenheit gefragt, antwortete er: ‚Die Kollektivscham über angebliche oder tatsächliche Untaten haben wir in Deutschland zur Religion gemacht.‘ Das passt zur iranischen Staatspropaganda: Während man die Achtung des religiösen Mythos als Faktum einfordert, wird das historische Faktum als Mythos diskreditiert“ (Islamisten und die NPD. Etwas mehr Kopftuch auch für deutsche Mädel, http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E7C1BAC908B384ADE9D9D5985FA1B8F65~ATpl~Ecommon~Scontent.html (20.11.2010).

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Zur “Versöhnung” eine “Sauerstoffdusche”

Zur „Versöhnung“ eine „Sauerstoffdusche“

 

Da sage noch jemand es gebe keinen Fortschritt in Deutschland. Die Kinder der Nazis machen heute Wellness-Kurse mit „Sauerstoffduschen“[1], sind nicht mehr Mitglied in der Schutzstaffel (SS), dafür „Fitness-Coach“. So z.B. ein Fan von Alfred Grosser, „Dieter Schäfer“ aus Baden-Württemberg. Schäfer hat sich bei www.juedische.at über einen kritischen Text zu Alfred Grosser[2] beschwert und ihn als „Hetzerei“[3] bezeichnet. Grosser wiederum hat diesem sich selbst so bezeichnenden „Nazisohn“ vor Jahrzehnten die „Versöhnung“ angeboten, so von Jude zu „Nazisohn“.

 

Alfred Grosser ist ein jüdischer Entsorger der deutschen Vergangenheit, welcher am liebsten am 9. November über böse Juden anstatt über Antisemitismus und die Verbrechen der Deutschen redet. Grosser hat allerspätestens am 9. November 2010 in der Paulskirche die Wiedergutmachung der Deutschen auf neue Spitzen getrieben. Er hatte angekündigt, an genau diesem 72. Jahrestag der Pogromnacht über Israel und Juden als Täter reden zu wollen und er hat es getan.  Das ist antisemitisch und erinnert an Hohmann. Für sekundären Antisemitismus sind eine Erinnerungsabwehr respektive eine Schuldprojektion auf den jüdischen Staat kennzeichnend.[4]

 

Doch Hohmann war ein kleines Würstchen verglichen mit Grosser, dem preisgekrönten[5] Kronzeugen. Die Stadt Frankfurt hat Grosser eingeladen und die Jüdische Gemeinde bzw. der Zentralrat der Juden spielten das Spiel natürlich mit – um „das Schlimmste“ zu verhüten[6].

 

All das hätte ahnen können wer je von Alfred Grosser etwas gelesen hat. Allein sein Text vom 20. Februar 2007 in der Frankfurter Rundschau zeigt, dass er den neuen Antisemitismus so zielsicher zu bedienen weiß[7] wie die Hamas die Qassam-Raketen.

 

Zu Grosser und „jüdischem Antisemitismus“ hat der Historiker Arno Lustiger am 18. September 2008 in der FAZ alles Nötige gesagt.[8]

 

Natürlich hat Micha Brumlik, der sich mediengerecht als Kritiker von Grosser in Szene setzte, im Ernst gar kein Problem mit der Diminuierung, Derealisierung und – Infantilisierung – des Phänomens Antisemitismus.

 

Nur einen Tag vor Grosser sprach auch Brumlik in Hessen. Er sprach beim „Förderverein zur Geschichte des Judentums im Vogelsberg“. Brumlik sagte demnach, laut einem Bericht des Lauterbacher Anzeigers:

 

„Der Distanzierung der Politiker [gegenüber Sarrazin, d.V.] aus allen großen Parteien stellte Micha Brumlik das Bild des von denselben Politikern geschaffenen „integrationsunwilligen Ausländers“ gegenüber, der nun als Feindbild fungieren könne – so wie in der NS-Zeit die Juden, im Stalinismus die Trotzkisten oder in der BRD der Achtziger Jahre die Asylanten.“[9]

 

Das ist infantil, schon wieder. Grosser und Brumlik möchten offenbar Kindern (als welche die Gesellschaft hier imaginiert wird) sagen, dass Juden sowas wie „integrationsunwillige Ausländer“ waren. Jede Spezifik des Antisemitismus, sein Irrationalismus, seine Rede von der Weltverschwörung, der Blood Libel, den jüdischen Kapitalisten, Kommunisten, Humanisten, Liberalen, Sozialisten etc. etc., oder die Fantasie von den Juden als Christusmörder, als Brunnenvergifter, dem „ewigen Juden“ wird negiert. Brumlik hat demnach kaum Ahnung von der Spezifik und der Geschichte des Antisemitismus.

 

Kinder müssen zudem denken, dass Trotzkisten in Sibirien vergast wurden. Was ist eigentlich Geschichtsrevisionismus?

 

Die Stadt Alsfeld in Hessen wirbt auf ihrer Seite mit dem Slogan „Tradition grüßt Zukunft“[10]. Sie wirbt auf ihrer „Aktuell“-Seite mit einem Zeitungsartikel zu Brumliks Vortrag unter dem Titel „Die Antisemiten von einst sind die Antiislamisten von heute“.

 

Tatsächlich scheint der Professor gesagt zu haben, wie die zitierte Presse berichtet:

 

„‘Die Antisemiten von damals sind die Antiislamisten von heute‘, so Micha Brumlik später in der Diskussion.“

 

Demnach dürfen nicht mal „Islamisten“ als solche benannt und kritisiert, geschweige denn zur Rechenschaft gezogen werden, wie von Drohnen in Afghanistan oder Pakistan.

 

Kinder sollen offenbar lernen: so wie die Islamisten am 11. September fast 3000 Menschen im World Trade Center in New York City ermordeten; so wie die Islamisten wie Osama Bin Laden oder Yusuf al Qaradawi aufrufen die „Ungläubigen“ zu attackieren, wo immer man sie treffe; so wie die Jihadisten in Madrid, London, Bali, Bagdad, Mumbai, Djerba, Jerusalem, Tel Aviv, Islamabad und vielen anderen Orten ungezählte Menschen zerfetzten – so ungefähr handelten früher die Juden und wurden dafür bestraft, von „Antisemiten“.

 

Das ist die logische Konsequenz der Gleichsetzung von „Antisemit“ und „Antiislamist“.

 

Islamisten sind für die genannten Verbrechen verantwortlich und werde dafür zur Rechenschaft gezogen (so gut es geht). Also müssen die Juden früher auch solche Verbrechen begangen haben, bevor die „Antisemiten“ aktiv wurden.

 

Kinder (somit wir alle) sollen lernen: „böse Amerikaner töten arme Islamisten“, so wie früher Deutsche Juden töteten. Die Welt ist schlecht, aber zum Glück gibt es ganz sensible und kluge Menschen wie Alfred Grosser oder Micha Brumlik (und natürlich Wolfgang Benz und das Zentrum für Antisemitismusforschung), die rücken dann wieder alles ins Lot.

 

Für alle anderen hilft womöglich ein Bad unter der „Sauerstoffdusche“, Nordic-Walking oder ein anderes Fitness-Programm.

 

 

 


[1] „Wege zur Sonne – Hoch oben in Dobel. Westwegwanderer wissen es, Reizklima-Liebhaber wissen es auch: Dobel im Nordschwarzwald liegt hoch oben. Auf dem Weg zur Sonne. Sauerstoffdusche mit Fitness-Coach (…). Jeder Atemzug eine Sauerstoffdusche. Man sollte es mal mit einem Intensivprogramm im Nordic Aktiv Zentrum von Dobel probieren. Als persönlicher Fitness-Coach übernimmt Dieter Schäfer die Regie. Fitness- und Ernährungsberatung, Gewichtsmanagement und Trainingskontrolle aus einer Hand. Das mit dem Premium-Siegel des Deutschen Skiverbandes (DSV) und der Deutschen Sporthochschule Köln ausgezeichnete Ganzjahreszentrum für nordische Fitness bietet beste Voraussetzungen für den Erfolg“, http://wandermagazin.de/page.asp?pageID=803&backID=10&land=bw&region=378 (12.11.2010).

[5] „1975 Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels als „Mittler zwischen Franzosen und Deutschen, Ungläubigen und Gläubigen, Europäern und Menschen anderer Kontinente“. 1978 Theodor Heuss Medaille
1986 Goethe Plakette der Stadt Frankfurt
1994 Wartburg Preis
1996 Schiller Preis der Stadt Mannheim
1998 Grand Prix de l’Academie des Sciences morales et politiques
2001 Dr. h.c. in Birmingham und Minsk
2002 Humanismus Preis der Altphilologen
Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband
Grand officier de la Légion d’Honneu“ (http://www.abraham-geiger-kolleg.de/abraham_geiger_preis/index.php 12.11.2010). 2004 Abraham Geiger Preis: „In der Begründung heißt es: ‚Sie, verehrter Alfred Grosser, haben sich stets als Verteidiger des Erbes der Aufklärung verstanden. Mit Mut sind Sie für die Freiheit der Meinungsäußerung eingetreten und haben für Offenheit und Toleranz plädiert. Selbst jüdischer Emigrant aus Nazi-Deutschland, haben Sie beherzt auch die Position mancher israelischer Politiker kritisiert, wenn Sie es der Wahrheit für schuldig hielten. Das hat Ihnen nicht immer Beifall eingetragen‘ “ (ebd.).

[7] „Warum ich Israel kritisiere. 68 Prozent der Israelis wollen nicht mit Arabern in einem Haus leben. Wer aber nur noch Solidarität mit der eigenen Gruppe übt, verliert etwas Entscheidendes am Menschsein – meint Alfred Grosser“, in: Frankfurter Rundschau, 20. Februar 2007.

[8] Arno Lustiger (2008): Jüdischer Antisemitismus. Kurzer Lehrgang über den Selbsthass, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. September 2008.

[9] „Die Antisemiten von einst sind die Antiislamisten von heute“. 10.11.2010 – ALSFELD. Prof. Micha Brumlik referierte über aktuelle Formen des Rassismus und Antisemitismus, in: http://www.lauterbacher-anzeiger.de/lokales/vogelsbergkreis/alsfeld/9617038_1.htm (11.11.2010). Die Oberhessische Zeitung bringt denselben Bericht. Darin heißt es zu Beginn:

„(gsi). In jedem Jahr bieten die Tage um den Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November 1938 Anlass zur intensiven Auseinandersetzung mit Rassismus und Antisemitismus. Am Vorabend dieses Gedenktages stellte der Förderverein zur Geschichte des Judentums im Vogelsberg den Bezug zur Gegenwart her. Mit dem Erziehungswissenschaftler Prof. Micha Brumlik konnten Joachim Legatis und Michael Riese einen der profundesten Kenner und Analytiker dieses Themas im Alsfelder Regionalmuseum begrüßen. Ein Angebot, das auf großes Interesse stieß, wie die Zuschauerzahlen belegten.

Der Abend startete mit einer Performance der AG „Darstellendes Spiel“ der Jahrgangsstufe 12 der Albert-Schweitzer-Schule. Darin ging es um „Manipulation“: Ausgehend von zwei einzelnen Personen wurde mit immer mehr Menschen die gleiche Bewegung eingeübt. Wie von einem Sog getrieben, machten schließlich alle mit, als sich die Geste am Ende zu einem nach vorn gestreckten Arm verwandelte – alle, außer einem, der als einziger abseits der Gruppe stand und sich auch optisch abhob“ (http://www.oberhessische-zeitung.de/lokales/alsfeld/9617038.htm 12.11.2010).

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Erinnern, um zu vergessen

Erinnern, um zu vergessen

 

Alfred Grosser attackiert Israel am 9. November 2010

 

Die Abwehr der Erinnerung an die präzedenzlosen Verbrechen der Deutschen im Holocaust nimmt tagtäglich zu. Historische Daten wie die Pogromnacht vom 9. November 1938 ziehen die Verharmloser, Schönredner und Erinnerungsverweiger heutzutage besonders an. Am liebsten wird der Holocaust banalisiert und irgendwie klappt es immer, Israel mit ins Spiel zu bringen.

Das Publikum, die Medien und die interessierte Öffentlichkeit sind geradezu geil auf obszöne historische Komparatistik mit Gegenwartsbezug.

 

Wer die Situation von Palästinensern heute mit der Situation von Juden 1938 im Nationalsozialismus auch nur im aller geringsten in Beziehung setzt, agiert antisemitisch.

 

Wer so redet stellt eine Beziehung von Juden als Opfer des Vernichtungsantisemitismus der Deutschen und heutiger Politik des Staates Israel her. Allein die Erwähnung von Menschenrechten und Israel an einem solchen Tag wie dem 9. November ist eine Unverschämtheit aus dem Munde von Menschen, die es besser wissen könnten, wären sie nicht so fanatisiert wie Alfred Grosser.

Grosser betreibt gleichermaßen eine Infantilisierung und Vertrottelung der Erinnerung an die Shoah. Er möchte gar nicht erinnern, vielmehr dient ihm ein solcher Tag wie der 9. November nur dazu, die altbekannten Ressentiments gegen den jüdischen Staat mediengerecht hinaus zu posaunen.

Die Märkische Oderzeitung berichtet über die heutige Rede von Grosser in der Frankfurter Paulskirche:

 

Grosser rief dazu auf, die Leiden anderer anzuerkennen. So sei beispielsweise die Art, wie Ausländer ‚hier und anderswo‘ behandelt werden könnten, eine Verletzung der Grundwerte. An den Anderen zu denken sei eine Voraussetzung für den Frieden, meinte der in Frankfurt geborene Sohn jüdischer Eltern. Man könne von keinem Palästinenser verlangen, ‚dass er die Schrecken der Attentate versteht, wenn man nicht ein großes Mitgefühl hat, die Leiden im Gazastreifen zu verstehen‘.“

 

Terroristen sind für den Redner in der Paulskirche das gleiche wie eine demokratische Armee.

Kein Wunder, dass er sich am Ende positiv auf Luther bezog (nein, sicher nicht ‚nur‘ deshalb, weil auch Luther Synagogen brennen sehen wollte…). Viel ekliger als mit Luther kann man eine solche Rede schwerlich beenden. Aber es ist konsistent, antijudaistischer Antisemitismus und antizionistischer sind eng verwandt.

 

Sodann: Wo wird heute in Deutschland oder Frankreich vom Staat geplant alle Moscheen des Landes anzuzünden, auszurauben, zu zerstören, Muslime oder andere „Ausländer“ in KZs zu stecken, ihre Wohnungen und Ladengeschäfte zu demolieren?

 

„Grosser fasste zusammen: ‚Auschwitz ist die Grundlage dafür, dass man an den Anderen denkt.‘“

 

Das ist vollkommen absurd. Es ist infantil, weil es so tut, Kindern sagen zu wollen, doch bitte lieb zueinander zu sein, ‚den anderen‘ immer und überall zu schätzen und bitte, bitte nicht zu vergasen. Und es insinuiert dass die Palästinenser arme Würstchen seien und ganz a priori keine Antisemiten, sondern ‚die anderen‘, wie früher die Juden.

 

Micha Brumlik hat Grossers heutige Rede scharf kritisiert:

 

„Der Erziehungswissenschaftler der Goethe-Universität in Frankfurt am Main warf Grosser außerdem vor, mit einer solchen Rede historisches Bewusstsein zu zerstören: ‚Gewollt oder ungewollt stellt er nun eine Verbindung zwischen der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern und den Verbrechen der Nationalsozialisten gegenüber den Juden her. Das verfestigt sich im populären Geschichtsbewusstsein und führt dann zu solchen Aussagen, wie dass die Juden auch nicht besser sind, weil sie den Palästinensern dasselbe antun wie die Nazis den Juden.‘“

 

Man kann an einem Tag wie dem 9. November sehr wohl eine Beziehung zu heute ziehen: Antisemitismus ist eine Gefahr, so groß wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Der Iran hat öffentlich angekündigt, eine „World without Zionism“ zu schaffen. Das wird durch jahrzehntelangen arabischen, muslimischen, linken, rechten, jüdischen und zunehmend westlichen Mainstream-Antizionismus ergänzt. Und auch hier ist Deutschland an vorderster Front mit dabei: Geschäfte mit Iran wie auch politische Reisen in den Iran unterstützen den Antisemitismus des Iran.

 

In einem Gespräch mit dem Deutschlandradio sagte selbst Micha Brumlik dass Grosser das „Thema verfehlt“ habe, er sprach einfach kaum oder gar nicht über den 9. November 1938, den Nationalsozialismus und die deutsche Schuld. Die Einladung an Grosser von Seiten der Frankfurter Oberbürgermeisterin Roth war eine „eindeutig falsche Einladung“, die ganze Veranstaltung „skandalös“. Die Zuhörerinnen und Zuhörer, immerhin ca. 900 Leute, waren offenbar ganz happy, was sich darin zeigte, dass das Publikum dem Erinnerungsverweigerer und israelfeindlichen Hauptredner „Standing Ovations“ zollte, auch Dieter Graumann klatschte schließlich, wie die SZ kichernd berichtet.

 

Heutzutage schreibt eine Partei wie die extrem rechte „Die Freiheit“, welche sich kürzlich in Berlin gründete, in ihrem Programm:

 

„Jahrzehnte hindurch haben Meinungsmacher und Politiker dabei mitgewirkt, das Schuldbewusstsein der Deutschen wachzuhalten, was die Identifikation mit ihrer eigenen Nation schwinden ließ. Wir Deutsche dürfen uns nicht auf die zwölf Jahre einer verbrecherischen Periode reduzieren lassen, es muss uns erlaubt sein, auf die kulturellen und historischen Leistungen des Deutschen Volkes stolz zu sein, ohne die Tiefpunkte unserer Geschichte auszublenden.”

 

Das ist Deutschland 2010.

 

Stolz auf Deutschland, eine Leugnung der Spezifik des Antisemitismus und eine täglich frecher, infantiler wie auch vertrottelter werdende „Israelkritik“ sind der Kern des Problems.

 

Das Original dieses Textes ist hier erschienen.

 

 

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Salonfähiger Hass auf Israel

Salonfähiger Hass auf Israel

Ex-Israeli sind die neuen Superhelden in Germany: der Fall Tamar Amar-Dahl

Von Dr. phil. Clemens Heni

Der Jüdische Salon am Grindel e.V. in Hamburg plant mit dem von Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum geleiteten Institut für die Geschichte der Deutschen Juden (IGDJ) am 8. Dezember 2010 eine Buchvorstellung mit Dr. Tamar Amar-Dahl über deren Dissertation zu Shimon Peres.

Schüler-Springorum ist die designierte Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) und wird voraussichtlich im Frühjahr 2011 in Berlin ihren Job antreten. Die Veranstaltung mit Amar-Dahl soll zufällig auf den Tag genau zwei Jahre nach der Tagung „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“ des ZfA stattfinden, welche „Islamophobie“ mit Antisemitismus analogisierte.

Dr. Tamar Amar-Dahl hat 2008 in München an der Ludwig-Maximilians-Universität über Shimon Peres promoviert. Sie ist eine höchst umstrittene Wissenschaftlerin und politische Aktivistin.

Seit 2009 ist sie Lehrbeauftrage an der Humboldt-Universität zu Berlin. Aus Anlass des Krieges Israels gegen die Iran-gesteuerte, antisemitische Terrortruppe Hezbollah im Libanon im Jahr 2006 hat sie ihren israelischen Pass zurück gegeben und ist jetzt Deutsche.

Darüber berichtet die Zeit; in einer Rezension zu ihrer Dissertation in der FAZ heißt es:

„‘Der den Frieden in seinen Himmelshöhen stiftet, stifte Frieden unter uns und ganz Israel.‘ Mit dem Kaddisch-Gebet begann Staatspräsident Peres seine historische Rede am 27. Januar 2010 im Deutschen Bundestag. Das entsprach ganz dem Bild vom Friedenspolitiker, das man insbesondere in Deutschland vom 86 jährigen, dienstältesten Politiker Israels hat. Tamar Amar-Dahl will nun dieses Bild zerstören. Das hat wohl auch etwas mit ihrer Vita zu tun: 1968 als Tochter eines aus Marokko eingewanderten Rabbiners in Israel geboren, dort sozialisiert, mit zwei Jahren Wehrdienst et cetera. Als sephardische – orientalische – Jüdin konnte sie mit dem Holocaust als israelisches Staatsverständnis wenig anfangen, ging 1996 in das Land der ‚Täter‘, erhielt einen deutschen Pass und gab 2006 ihren israelischen ab. Ihr missfällt die Politik Israels vom ersten Tag der Existenz dieses Staates.“[i]

Man bemerkt den flapsigen Tonfall, wenn es heißt, Amar-Dahl könne mit „dem Holocaust als israelisches Staatsverständnis wenig anfangen“.

Auf einer Fachtagung der Friedrich-Ebert-Stiftung am 5./6. September 2005 wurde von „professoraler Seite“ (involviert waren Prof. Dr. Klaus Tenfelde, Prof. Dr. Dieter Schönhoven, Prof. Dr. Dieter Langewiesche, Prof. Dr. Dieter Dowe) scharfe Kritik an Amar-Dahls Verständnis von Wissenschaft und Forschung und ihrem Zugang zu Shimon Peres geübt.[ii]

Bezeichnend ist die Tatsache, dass sich Prof. Dr. Michael Brenner, Historiker mit dem Schwerpunkt deutsch-jüdische Geschichte an der Ludwigs-Maximilians-Universität München (LMU), von seiner Promovendin Tamar Amar-Dahl „im gegenseitigen Einverständnis“ trennte, wie mir Brenner im Oktober 2010 schrieb.[iii]

Schließlich hat Prof. Dr. Horst Möller vom Institut für Zeitgeschichte (IfZ), der auch Professor an der LMU ist, die Dissertation von Amar-Dahl angenommen, Zweitgutachter war Prof. Dr. Moshe Zuckermann von der Tel Aviv University. Diese Informationen sind jedoch in der publizierten Studie gar nicht zu finden[iv], wie auch sonst jeder Dank u.a. an Familie, Freundinnen und Freunde, Bekannte, Kollegen, Gutachter, die Friedrich-Ebert-Stiftung, welche die Studie finanzierte, fehlt[v].

Bei Möller, der am äußersten rechten Rand des Konservatismus beheimatet ist (er redet u.a. vom „roten Holocaust“) und für seine Laudatio auf den revisionistischen Historiker Ernst Nolte im Jahr 2000 selbst von dem Historiker Heinrich August Winkler zum Rücktritt als Leiter des Instituts für Zeitgeschichte aufgefordert wurde, ist Amar-Dahl sicher gut aufgehoben.

Interessant ist, dass am Punkt Israelbashing ein deutscher nicht-jüdischer Akademiker des nationalapologetischen, hardcore antikommunistischen Spektrums mit einem israelischen, antizionistischen und ‚linken‘ Agitator wie Moshe Zuckermann[vi] kooperiert.

Im Mai 2010 war Amar-Dahl Gast im Fernsehen – TV Berlin mit dem Moderator Peter Brinkmann, der ganz verzückt ist ob der ex- und anti-israelischen Autorin (sieht man im verlinkten Video von TV Berlin). Auf die Frage „Wir feiern jetzt – oder die die feiern wollen – diese Tage 62 Jahre Israel – Haben Sie auch gefeiert?“ antwortet Tamar Amar-Dahl: „Nein. Ich feiere nicht.“

Es verwundert nicht, dass der Historiker Hans Mommsen (der Gutachter der Dissertation von Schüler-Springorum[vii] war)[viii], kein Experte der Antisemitismusforschung[ix] oder des Nahen Ostens, oder auch Michael Stürmer, ein Berater Helmut Kohls in ‚nationalen Fragen‘ sowie ein de facto Nolte-Apologet während des Historikerstreits 1986, das Buch der anti-israelischen Agitatorin loben. Auch das Mainstream geschichtswissenschaftliche Portal H-Soz-u-Kult lobt dieses israelfeindliche Machwerk von Amar-Dahl, die Zeitschrift Berliner Republik druckt einen Artikel Amar-Dahls über „Israels Kriege“, der nicht nur unwissenschaftlich und tendenziös ist, vielmehr vom Kern schweigt: die Vernichtungsdrohungen von Israels Nachbarn, die Iranian Threat, der arabische und muslimische Antisemitismus/Antizionismus sind Anathema.

Darüber hinaus: Frau Amar-Dahl sagte 2005 auf einer weiteren FES-Tagung:

„Mich schockiert, dass hier immer wieder das Thema Holocaust und die Juden so stark – wie man sagt – durchgekaut wird. Das ist für mich manchmal viel zu viel.“[x]

Diese sekundär antisemitische Reaktionsweise und Erinnerungsabwehr ist bemerkenswert.[xi]

In ihrem kurzen Eintrag auf der Seite der HU sieht man an Hand ihres Lebenslaufs, dass sie in Zeitschriften wie Inamo publiziert und jüdische Antizionisten in Österreich wie John Bunzl ihre Texte schätzen. In Inamo schreiben auch bekannte anti-israelische Agitatoren wie Noam Chomsky, Amar-Dahl schreibt in der gleichen Nummer wie der antizionistische Linguist im Jahr 2009:

„Besonders nach dem Scheitern des Osloer Friedensprozesses sind die Palästinenser für die Mehrheit der Israelis zum Feindbild schlechthin geworden – vor allem die entrechteten Palästinenser im Gaza-Streifen und in der Westbank.“[xii]

Das hat mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun – Amar-Dahl verschweigt einfach die Vernichtungsdrohungen von Hamas, Islamischem Jihad und anderen palästinensischen Terrorgruppen. Sie erwähnt die Qassam-Raketen nur um Außenministerin Tzipi Livni wegen böser Kriegsführung anzuklagen.

Amar-Dahl möchte den Linkszionismus diffamieren und somit jegliche Form von Zionismus als rassistisch und exklusiv denunzieren. Die Idee einen Judenstaat Israel wieder aufzubauen hält Amar-Dahl für falsch. Sie erwähnt auch nicht, dass Juden historisch eng mit dem Land Israel verbunden sind, lange bevor das Christentum entstand, vom späten Erscheinen der Muslime im Nahen Osten ganz zu schweigen.

Amar-Dahl ignoriert oder leugnet einfach den Antisemitismus von Nassers Ägypten, vom heutigen Syrien, von arabischen Schulbüchern, Politikern, Gegenintellektuellen, Terrorgruppen, Zeitungen und TV- oder Radiostationen von Marokko bis Saudi-Arabien, sie spricht nicht davon, dass die gefälschten “Protokolle der Weisen von Zion” wie auch Hitlers “Mein Kampf” Bestseller sind in der islamischen Welt und vor allem agitiert sie gegen Israel in einer Zeit höchster Bedrohung durch den islamistischen Iran.

Amar-Dahl hat also über den israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres promoviert und ihre Studie 2010 publiziert – „Shimon Peres Friedenspolitiker und Nationalist“. Ihre Arbeit basiert u.a. auf Edward Said:

„Hier wird die These aufgestellt, dass die einheimischen Araber und später die ‚arabische Welt‘ in der Ideologie des maximalistisch-separatistischen Zionismus unter den historischen, politischen und demographischen Umständen in Palästina vor und nach 1948 mit orientalistischen Kategorien nach Edward Said gefasst werden. Das Verständnis des ‚Anderen‘ als rückständig, primitiv und irrational – Eigenschaften, an die Gewaltbereitschaft gekoppelt wird – fügt sich in diese Ideologie und Praxis der Abgrenzung und Ausgrenzung.“[xiii]

Diese ‚anti-orientalistische‘ Ideologie ist in den Nahost- und Islamwissenschaften Mainstream. Said setzte in seinem Werk „Orientalismus“ 1978 Antisemitismus mit ‚anti-arabischen Ressentiments‘ auf die gleiche Stufe und leugnet auf elaborierte Weise das Präzedenzlose und Spezifische des Holocaust. Said schuf mit seinem Bestseller und der Stilisierung von Arabern als den ‚neuen Juden‘ eine ideale Vorlage für das ZfA und viele heutige Forscher/innen zu Islam, Kulturrelativismus, Gender Studies, Antisemitismus, Vorurteilforschung.[xiv]

Der Politikwissenschaftler Gerald M. Steinberg, Direktor des Programms für Konfliktmanagement an der Bar Ilan Universität in Israel, hat jüngst die post-kolonialistische Ideologie, die Denunziation jedes westlichen Nationalstaatsdenkens, den Antizionismus und Israelhass, wie auch die paternalistische Haltung gegenüber den Palästinensern von Seiten der Postkolonialisten und vieler Aktivisten im Westen analysiert. Edward Said, Noam Chomsky, wie auch verschiedene Nichtregierungsorganisationen werden von Steinberg kritisiert.[xv]

Das Coverbild zu dem Buch von Amar-Dahl („Shimon Peres – Friedenspolitiker und Nationalist“) zeigt das Gesicht von Peres in einer eher fratzenartigen Art und Weise und wirkt abstoßend, verbissen und aggressiv. Mit einer wissenschaftlichen Studie hat die Dissertation von Amar-Dahl nur den Namen gemein. Sie führt nur 13 Titel von Peres als Quellen an, zudem sieben Seiten Forschungsliteratur, was für eine geschichtswissenschaftliche Arbeit sehr dürftig ist. Formal hat das Buch von Amar-Dahl auch sonst erhebliche Mängel, Dokumente aus dem Archiv der Knesset oder Akten aus dem „Arbeitspartei-Archiv“ mit Aktenzeichen werden zwar mal in einer Endnote erwähnt, doch im Quellenverzeichnis fehlen sie[xvi]. Um nur ein weiteres Beispiel zu nennen: Die mit antisemitischen Verschwörungstheorien arbeitenden Autoren John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt mit dem Buch „Die Israel-Lobby“ werden von Amar-Dahl als seriöse Quelle zitiert.[xvii]

Sie zitiert Peres mit einer luziden Kritik des „Khomeinismus“, doch leugnet Amar-Dahl jede Gefahr aus dem Iran und fantasiert, dass Peres den heutigen Iran attackiere, um sein „Feindverständnis“ zu stärken.[xviii] Es gibt Vernichtungsdrohungen des Iran gegen Israel und nicht umgekehrt, das derealisiert Amar-Dahl.

Politisch ist Amar-Dahl sehr aktiv. Sie trat am 9. Juli 2010 auf den „Palästina-Tagen“ des Palästina-Komitees München auf, wenige Wochen zuvor war dort die Autorin Felicia Langer Rednerin. Langer erhielt 2009 das Bundesverdienstkreuz, was national und international auf scharfe Kritik stieß, da Langer als Antizionistin aktiv ist und unter anderem Israel als „Apartheid der Gegenwart“ bezeichnet – einer der Gründe warum auch die israelische Regierung diese Verleihung scharf kritisierte. Amar-Dahls Auftritt bei den erwähnten Palästina-Tagen hat die CSU zur Kritik veranlasst:

„Die CSU verlangt Auskunft darüber, in welcher Form das Kulturreferat die Veranstaltung unterstützt, und warum von Seiten des Referates nicht angeregt worden sei, „zumindest auch neutrale Stimmen mit einzubeziehen“. Ein nicht israelkritisches Journalistenteam, das über die Veranstaltung berichten habe wollen, sei dem Vernehmen nach abgewiesen worden, so Quaas und Offman. Die einseitige Tendenz der „Palästina-Tage“ werde besonders offenbar, wenn die Biographie über den israelischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträger Shimon Peres mit dem Titel „,Friedenspolitiker‘ und Nationalist“ angekündigt werde – wobei „Friedenspolitiker“ in Anführungszeichen steht.“

Amar-Dahl sprach nach der Attacke der Gaza Flottille mit der ZEIT. In dem Gespräch sagt die Jungakademikerin Israel alleine trüge Schuld und man dürfe „die Menschen in Gaza nicht einfach verhungern lassen“ – bar jeder Faktenlage über die Ernährungslage im Hamas-regierten Gazastreifen. Dort verhungert niemand und Grundnahrungsmittel oder andere Nahrungsmittel hatten die Schiffe nicht in größerem Umfang geladen, dafür abgelaufene Medikamente.

Rein akademisch betrachtet stellt sich die Frage, wie kommt Amar-Dahl dazu, am Fachbereich Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus innerhalb des Instituts für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Wildt als Lehrbeauftragte zu unterrichten? Man findet in ihrem arg kurz geratenen Publikationsverzeichnis keinen einzigen Titel zu deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert, schon gleich gar nicht zum Nationalsozialismus.[xix]

Im Rahmen eines „Kollegium Jüdische Studien“ unter der Leitung von Prof. Dr. Christina von Braun und Prof. Dr. Julius H. Schoeps darf Amar-Dahl im Wintersemester 2010/2011 über den „Nahostkonflikt“ lehren und gibt für die Studierenden wenige Titel als Basislektüre an, darunter wiederum John Bunzl.

Der Autor Thomas Schreiber aus Israel kritisiert im Juni 2010 die anti-Peres Studie und das erwähnte Interview in der Zeit mit Amar-Dahl:

„Ich habe selten ein so unseriöses Interview gelesen. Eine Historikerin, die selber ihre politische Zugehörigkeit in den Vordergrund stellt, verliert ihre Glaubwürdigkeit als Akademikerin. Entsprechend auch die Begriffe, mit denen sie um sich wirft. Was ist ein „Friedenspolitiker“, etwa einer, der gegen die Interessen seines Landes oder seiner Nation handelt? Kann ein Ministerpräsident oder gar Staatspräsident überhaupt ein „anti-Nationalist“ sein, wenn er seine Nation vertreten muss? Waren Begin, Sadat oder Hussein etwa keine Nationalisten? Die haben doch Frieden gemacht. „Er war die ganze Zeit daran interessiert, einen Judenstaat aufzubauen“ – ja was denn sonst? Ist das eine Sünde?“

Vor einigen Jahren hat Prof. Dr. Alvin Rosenfeld von der Indiana University in USA analysiert, dass auch Juden Antisemiten sein können und eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Israel darstellen und den weltweiten Antisemitismus aktiv und gezielt befördern.

Schüler-Springorum ist bislang nicht als Antisemitismusforscherin in Erscheinung getreten, sie hat lediglich für die Zeitschrift WerkstattGeschichte drei Artikel anderer Forscher heraus gegeben und selbst eine problematische Rezension verfasst. Heute arbeitet sie federführend als “Bearbeiterin” in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützten Projekt zum Thema “Sport, Körper und Subjekt: Sportgeschichte als Kultur‐ und Gesellschaftsgeschichte der Moderne”.

Sie arbeitet dabei mit Dr. Yotam Hotam von der Hebrew University Jerusalem zusammen, welcher zu Ehren des Historikers Moshe Zimmermann, der schon mal die israelische Armee IDF mit der Waffen-SS verglich, 2006 eine Festschrift herausgab.

Ob angesichts des iranischen Antisemitismus ein aktuelles Projekt über “Sport, Körper und Subjekt” die ideale Ausgangsbasis ist, um sich näher mit der Antisemitismusforschung zu befassen, bevor die Forscherin dann im April 2011 wohl ans ZfA wechselt, sei dahin gestellt.

Schließlich:

Wusste die Leitung des Instituts für die Geschichte der Deutschen Juden nicht, wer Tamar Amar-Dahl ist, wie unwissenschaftlich sie arbeitet und was für Thesen sie vertritt?

Wusste die Leiterin dieses Instituts nicht, dass ihr Kollege Brenner in München sich von seiner Promovendin Amar-Dahl mehrere Jahre vor Einreichung der Dissertation trennte?

Wieso bezahlt die Humboldt-Universität eine anti-israelische Akademikerin?

Der Fall Tamar Amar-Dahl zeigt die Salonfähigkeit des Antizionismus – Wird er zur Gretchenfrage der neuen Leitung am Zentrum für Antisemitismusforschung?

 

 


[i] Rolf Steininger (2010): Militärisch. Israel und Shimon Peres. Rezension zu Tamar Amar-Dahl: Shimon Peres. Friedenspolitiker und Nationalist. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2010. 471 S., 39,90 [Euro], FAZ, 16. August 2010 http://www.faz.net/s/RubA330E54C3C12410780B68403A11F948B/Doc~E17CED31603054F7A99BB19729A96FBB4~ATpl~Ecommon~Scontent.html (22.10.2010).

[ii] “Amar-Dahl befindet sich im dritten Jahr ihrer Dissertation über Shimon Peres und nach der Trennung von ihrem ursprünglichen Doktorvater auf der Suche nach einem neuen Betreuer. (…)Amar-Dahl stellte zwei Hypothesen vor: Erstens sei Peres’ „Security orientation“ derart ausgeprägt, dass sie den Charakter einer „säkularen Religion“ habe und „zivilen Militarismus als das organisatorische Prinzip der israelischen Gesellschaft“ betrachte, und zweitens sei sein Nationalstaatsbegriff „exklusiv“, d. h., er betrachte die Diaspora als gefährlich, den eigenen, starken, jüdischen Staat als alternativlos und schließe davon Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft aus (Beispiel: Vertreibungen 1949-76). Ferner sei sein Demokratieverständnis womöglich „instrumentell“ und die arabische Welt in seinen Augen „rückständig“. Als Sozialist sei er kaum zu bezeichnen, auch weil er die Arbeiterpartei von ihrer ursprünglichen Klientel entfernt habe.

Die Diskussion wurde von professoraler Seite mit dem Vorwurf eröffnet, die Arbeit verfolge keinen mentalitätsgeschichtlichen, sondern einen werkimmanenten und bekenntnishaften Ansatz, der – insbesondere durch die sehr eingeschränkte Quellenauswahl, mangelnde -kritik und die Ignorierung von Peres’ gesamten Umfeld – nicht zu fruchtbaren Ergebnissen führen könne. Dem Ansatz mangele es sowohl an Distanz als auch an kritischer Fundierung und genauer Begrifflichkeit, so dass die Resultate der Dissertation in dieser Form nur völlig unbefriedigend ausfallen könnten.“ (Dokumentation Fachtagung „Zeitgeschichtliche Biographieforschung“ 5./6. September 2005, FES – Tagungsstätte Bonn – Venusberg, http://www.fes.de/fes_stuf/inhalt/documents/Fachtagung_Zeitgeschichte.pdf (22.10.2010)).

[iii] E-Mail von Prof. Dr. Michael Brenner vom 20. Oktober 2010.

[iv] Ich habe die Information über die Gutachter der Dissertation von Amar-Dahl vom Sekretariat Möller in München am IfZ in einem Telefonat vom 22.10.2010 erhalten.

[v] Es gibt lediglich den Hinweis auf Seite 4: “Für ihr Promotionsprojekt erhielt Tamar Amar-Dahl ein Stipendium der FES-Graduiertenförderung.”

[vi] „The next stage at Trondheim university has now started with a seminar on the Middle East. All lectures are to be given by known anti-Israelies, such as Ilan Pappe, Moshe Zuckerman, the American Stephen Walt as well as local scholars” (Manfred Gerstenfeld (2009): NTNU: A NORWEGIAN HATE UNIVERSITY, in: http://www.spme.net/cgi-bin/articles.cgi?ID=5977 (23.10.2010)).

[vii] Schüler-Springorum hat 1993 über die „jüdische Minderheit in Königsberg/Preußen 1871-1945“ promoviert, „Supervisors: Prof. Dr. Helga Grebing, Prof. Dr. Hans Mommsen“, http://bucerius.haifa.ac.il/stefanie.html (23.10.2010).

[viii] „Der mutige Schritt von Tamar Amar-Dahl, eine kritische Biographie über Peres vorzulegen, bedarf der Anerkennung“ (Hans Mommsen, 26.05.2010: http://www.fr-online.de/kultur/literatur/in-der-wagenburg/-/1472266/4464122/-/index.html (23.10.2010).

[ix] Man vergleiche Mommsens Lob für die Antizionistin Amar-Dahl mit seinen früheren Äußerungen zu Antisemitismus. Ein Beispiel mag als Hinweis genügen: Bezüglich der Debatte um Antisemitismus, die Deutschen und der Holocaust, welche durch die publizierte Dissertation „Hitler’s Willing Executioners“ des Politologen Daniel J. Goldhagen im Frühjahr 1996 ausgelöst wurde, schreibt der Politologe Lars Rensmann in seiner Dissertation 2004: „Parallel zu und nach den Fernsehereignissen und Goldhagens Rundreise erreicht die Dynamik des Mediendiskurses und der politischen Kommunikation über Goldhagen ihren negativen Höhepunkt. Ausgerechnet Hans Mommsen leitete in der Zeit eine neue Qualität der Vorwürfe gegenüber Goldhagen ein, indem er als einer der ersten suggeriert, Goldhagen selbst fördere antijüdische Vorurteile, und damit ein gängiges antisemitisches Muster repliziert: ‚Die ätzende Schärfe, mit der Goldhagen den Deutschen den Willen zum ‚dämonischen Antisemitismus‘ zuspricht und sie nicht nur als Komplizen, sondern pauschal als lustvolle Täter hinstellt, ist sicherlich nicht geeignet, Ressentiments stillzulegen‘“ (Lars Rensmann (2005): Demokratie und Judenbild. Antisemitismus in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland, 1., durchgesehener Nachdruck, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, S. 346f.).

[x] I S R A E L – TAGE 9.-10. Mai 2005 der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin und Bonn anlässlich des 40. Jahrestages der Aufnahme deutsch-israelischer diplomatischer Beziehungen, http://www.fes.de/international/nahost/pdf/Doku_Israeltage.pdf (21.10.2010), S. 182.

[xi] „Doch zunächst die Klärung der Bedeutung von »sekundärem Antisemitismus«. Es ist der Antisemitismus nach Auschwitz, wie der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex es auf den Punkt brachte: »Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.« »Sekundärer Antisemitismus« ist ein Begriff von Peter Schönbach, einem Mitarbeiter von Theodor W. Adorno.2) Während es damals, um 1960, generationsspezifisch um das »Nachleben des faschistischen Antisemitismus« ging (genauer hätte von »nationalsozialistischen« gesprochen werden müssen), stellt sich das Problem heute umfassender. Gerade Generationen von nach 1945 und auch nach 1968 Geborenen vertreten heute häufig nicht plumpen, leicht erkennbaren Judenhass, sondern unter dem Deckmantel der »Seriosität« seine salonfähige sekundäre Variante“ (Clemens Heni (2008): „Sekundärer“ Antisemitismus. Ein kaum erforschter Teil des Post-Holocaust-Antisemitismus, in: Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, Jg. 47, Nr. 187, S. 132-142, hier S. 132). In Ergänzung sollte angemerkt werden, dass nicht nur Deutsche eine solche Reaktionsweise haben könne.

[xii] Tamar Amar-Dahl (2009): Gaza-Krieg und die Palästinenserfrage, in: Inamo, Nr. 57, S. 59-61, hier S. 59.

[xiii] Tamar Amar-Dahl (2010): Shimon Peres. Friedenspolitiker und Nationalist, Paderborn u.a.: Ferdinand Schöningh, S. 102.

[xiv] In seinem auch von dem Historiker Ulrich Sieg, der es auf die shortlist des ZfA für die Nachfolge Benz schaffte (Clemens Heni (2010): „Bio-Politik“, Antizionismus oder doch Antisemitismusforschung? Die Nachfolge am ZfA gestaltet sich schwierig, http://clemensheni.wordpress.com/2010/05/09/%E2%80%9Ebio-politik%E2%80%9C-antizionismus-oder-doch-antisemitismusforschung-die-nachfolge-am-zfa-gestaltet-sich-schwierig/ (04.08.2010)), als „Meisterwerk“ (Ulrich Sieg (2006): Rezension von Ian Buruma, Avishai Margali, Okzidentalismus. Der Westen in den Augen seiner Feinde, in: WerkstattGeschichte, 15. Jg., H.43, 137-139, 137: „Seit Edward Saids Meisterwerk aus dem Jahre 1978 ist eine breite Literatur entstanden, die sich mit den ästhetischen, kolonialistischen, rassistischen und religiösen Motiven des Orientalismus auseinandersetzt, der im Europa des ausgehenden 19. Jahrhundert eine weltanschauliche Großmacht wurde.“ In der Redaktion für Buchrezensionen der Zeitschrift WerkstattGeschichte sitzt Stefanie Schüler-Springorum.) gepriesenen Buch heißt es:„Yet after the 1973 war the Arab appeared everywhere as something more menacing. Cartoons depicting an Arab sheik standing behind a gasoline pump turned up consistently. There Arabs, however, were clearly ‘Semitic’: their sharply hooked noses, the evil mustachioed leer on their faces, were obvious reminders (to a largely non-Semitic population) that ‘Semites’ were at the bottom of all ‘our’ troubles, which in this case was principally a gasoline shortage. The transference of a popular anti-Semitic animus from a Jewish to an Arab target was made smoothly, since the figure was essentially the same” (Edward Said (1978)/1979: Orientalism, New York: Vintage Books, 285f.). Edward Said setzt den Antisemitismus mit ‚anti-arabischen Ressentiments‘ (die, wenn es sie gab, den ‚kleinen‘ Unterschied hatten, dass die Ölkrise von 1973 Realität war und arabische Länder ihre Macht des Ölhahns spielen ließen) gleich. Wenige Jahrzehnte nach dem Holocaust, ja bevor auch nur irgendwo auf der Welt eine größere oder substantielle Erinnerung an die Shoah einsetzte, verharmloste Said die Ermordung von sechs Millionen Juden. Es ist eine Art Holocaustleugnung, welche Said hier betreibt, ganz subkutan, klammheimlich. Konflikte zwischen den Erdöl-produzierenden Staaten und den zumeist westlichen Abnehmern haben kategorial eine komplett andere Dimension wie der Hass auf Juden, nur weil sie Juden sind.

[xv] Gerald M. Steinberg (2009): Postcolonial Ideology and the Arab-Israeli Conflict, in: Brigitte Bailer (Hg.), Israel – Geschichte und Gegenwart, Wien: Braumüller, S. 103-119.

[xvi] Amar-Dahl 2010, S. 413, Anm. 103 bzw. 104.

[xvii] Amar-Dahl 2010, S. 419, Anm. 26 (zu Seite 114).

[xviii] Amar-Dahl 2010, S. 105.

[xix] Tamar Amar-Dahl gibt auf ihrer HU-Seite folgende Publikationen bzw. Arbeitsvorhaben an:

„Monographien

Moshe Sharett: Diplomatie statt Gewalt. Der „andere“ Gründungsvater Israels und die arabische Welt, Martin Meidenbauer Verlag, München, 2003, http://www.m-verlag.net/programm/shop/fachgebiete/1-geschichte-politik-philosophie/amar-dahl-tamar-moshe-sharett-diplomatie-statt-gewalt-br-der-andere-gr/
Resonanz: http://www.genfer-initiative.de/genferinitiative/ge_rezensionen/Rezensionen-3-Amar-Dahl.pdf

Shimon Peres: Friedenspolitiker und Nationalist, Ferdinand Schöningh-Verlag, Paderborn, März 2010: http://www.schoeningh.de/katalog/titel/978-3-506-76910-7.html?tx_mbooks[department]=95&cHash=16ab7ebc10, http://www.schoeningh.de/uploads/tx_mbooks/9783506769107_iv.pdf
Resonanz: Hans Mommsen, In der Wagenburg, Frankfurter Rundschau, 26.5.2010
Gemma Pörzgen, “Mr. Sicherheit“, Das Parlament, Nr. 11 2010, 15.3.2010
Michael Stürmer, “Wie die Auslandspresse schreibt”, in Deutschlandradio, Lesart, 25.4.2010
Dominik Peters, “Der Ritter aus Wischnewa“, Zenithonline: http://www.zenithonline.de/kultur/literatur/?article=735&cHash=ca92b149ee
John Bunzl , „Die Gewalt der anderen“, die Presse, 28.05.2010

Aufsätze, Beiträge, Rezensionen

“Juli 1954: Die Lavon-Affäre – Operation Susanna“, Zeitensprung, INAMO 52, Winter 2007, S. 56-57

“Israels Kriege“, Berliner Republik 1/2009, S. 6-9: http://b-republik.de/b-republik.php/cat/8/aid/1441/title/Israels_Kriege

“Gaza-Krieg und die Palästinenserfrage“, INAMO 57, Frühling 2009, S. 59-61

“Hilferuf eines verzweifelten Israeli“, Buchbesprechung: Avraham Burg: Hitler Besiegen. Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss, Campus Verlag, Frankfurt 2009, in: Deutschlandradio Kultur, Lesart, Sendung von 8.11.2009

“Identitätskrise eines Linkszionisten“, Buchbesprechung: längere Version: Avraham Burg: Hitler Besiegen. Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss, Campus Verlag, Frankfurt, in: INAMO, 60, Winter 2009, S. 72-73.

„Shai und Dror und die israelische Ordnung“:  Haokets-Online: 12.6.2010, heb:  http://www.haokets.org/default.asp?PageID=10&ItemID=4833

In Vorbereitung

Postdoc.-Forschungsprojekt: Holocaust-Diskurse in Israel

Rezensionen von:
Moshe Zimmermann, Angst vor dem Frieden – Das israelische Dilemma, Aufbau, Berlin, 2010
Steffen Hagemann, Die Siedlerbewegung – Fundamentalismus in Israel, Wochenschau, Schwalbach/Ts., 2010

Last Updated on Sunday, 27 June 2010 10:22 http://www2.hu-berlin.de/deutsche-geschichte/en/staff/tamar-amar-dahl (23.10.2010).

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“Hineni” (I am here) – Prof. Dr. Phyllis Chesler: Struggling for Women’s freedom against Islamism

“Hineni” (I am here) – Prof. Dr. Phyllis Chesler: Struggling for Women’s freedom, against Islamism

On October 19, 2010, Prof. Dr. Phyllis Chesler published an article, “Anti-Semitism cannot be equated with Islamophobia”. Chesler is an outspoken critic of Islamic Jihad, “Islamic

gender apartheid,” the burqa and the veiling of women, of Muslim anti-Semitism and anti-Western ideology in general. Chesler wrote a book about the “new anti-Semitism” in 2003.

She is a leading voice in the ‘war of ideas’ against Islamism.

Chesler has been a world famous feminist since the 1960s/1970s; her book “Women and Madness” has sold some 2.5 million copies so far.  She has published twelve other books and a huge number of articles, and she is often on TV, radio, interviewed and invited as a speaker.

Talking to Phyllis Chesler is a wonderful, heartwarming, inspiring experience – strongly recommended.

Particularly fascinating and encouraging is her criticism of the Western failure to analyze, decode and fight anti-Semitism, anti-Westernism/anti-Americanism and Islamism after the Second Intifada in 2000 and 9/11.

In her book, “The Death of Feminism,” Chesler writes about her personal experiences with Islam. She was captured in 1961 in Afghanistan. She has an inside view of Islam, gender, and violence. A passionate Zionist, Chesler is very much concerned and shocked about the Western world and its ignorance to understand the threat deriving from Islamic Jihad and Muslim anti-Semitism/anti-Zionism.

Chesler writes in “The Death of Feminism”:

“For example, according to what Professor Leanna Keith told me, on August 30, 1945, on his flight to Tokyo to accept Japan’s surrender, General Douglas MacArthur handwrote his agenda as follows: ‘First destroy the military power. Punish war criminals. Build the structure of representative government. Modernize the constitution. Hold free elections. Enfranchise the women. Release the political prisoners. Liberate the farmers. Establish a free labor movement. Encourage a free economy. Abolish police oppression. Develop a free and responsible press. Liberalize education. Decentralize political power. Separate the church from the state.’

Mac Arthur’s list might well apply to the Arab and Muslim world of today.”[i]

This is an interesting argument. And now have a short look at German mainstream ‘feminists.’ Christina von Braun (born in 1944) is a full professor at the Humboldt University in Berlin, a leading Gender Studies scholar. In one of her books, co-written by Bettina Mathes, she compares the invention of the Bikini in 1946 with the atomic bomb – because of the Bikini atolls, where atomic tests have been made at the very same time! Read: for a German cultural studies and gender studies professor like von Braun, the Bikini is a symbol of Western power and violence. She literally says that the Bikini is just a symbol of a “coercion of denudation,” the Western world forces women to show their body in their view. Western freedom to show hair or to wear a Bikini is equalized with Islamist violence. What a cultural relativist ideology, though – mainstream. Blaming the West and Israel, the only democracy in the entire Middle East, and embracing political Islam is fashionable.

For von Braun and Mathes unveiled women sometimes are even much worse than veiled women. They embrace Muslim women around the world who wear the headscarf with “pride.” Of course they attack moderate Muslims who are critical about Islamic Gender apartheid like Necla Kelek, Seyran Ates, or Ayan Hirsi Ali. Von Braun and Matthes go so far as to claim that Hirsi Ali lied when applying for Asylum in the Netherlands in the early 1990s. They say it was not true that Hirsi Ali was threatened by a forced marriage – while in fact she was. Several authors have criticized von Braun and Mathes, though these two gender studies superheroes, who defend the veiling of women and make fun of Western scholars and feminists who are critical about Islamism, are representing a majority in this field of pro-Islamist, pro cultural relativist, post-modern and anti-feminist scholarship and activism. Bettina Mathes was Associate Professor at Pennsylvania State University; she now lives in Manhattan.

What was Chesler’s experience with the Bikini and the Islamic world in Afghanistan in 1961?

“One day I was sunning myself on a private family terrace in my pink-and-purple bikini when a ruckus began below. It seemed that some men who had been building or repairing a house a mile away were able to see a near-naked woman on her own private balcony. I was forced to go indoors and ordered never to do anything like that again. It is no accident that Osama bin Laden chose Afghanistan to train his al Quaeda suicide killers. It is one of the most inaccessible and backward countries in the world and the easiest place for a criminal to hide himself in; as such, the routine crimes perpetrated against women in the name of Islam or Islamic custom are also least visible here.”[ii]

Chesler’s book on death of feminism could be a great tool for those interested in analyzing Islamic Jihad, Islamic misogyny and anti-feminism, including criticism of Western scholars, gender studies activists who support Islamism and make fun of true moderate Muslim women who detest Islamic gender apartheid. Equating the veiling of women with Western lifestyle like the Bikini is a denial and an affirmation of Islamist ideology at the same time.

Bettina Mathes and Christina von Braun are typical German examples of academics appeasing or even supporting of Jihad, denying Islamic gender apartheid, and displaying anti-Western resentment.

This is related to a statement by Wolfgang Benz (the head of the Center for Research on Antisemitism (ZfA) at Technical University Berlin, he will retire on October 21, 2010, though remaining the head of the ZfA until next year) made two days after 9/11 (!).

Scholar and Journalist John Rosenthal writes in 2008:

“As noted by Henryk Broder in his 2002 book No War, Nowhere [Kein Krieg, nirgends], in a panel discussion that took place merely two days after the September 11 attacks in 2001, Wolfgang Benz described the twin towers of the World Trade Center as “symbols of pride and wealth and arrogance.” And he continued: ‘To put up such buildings is the most extreme sort of arrogance, and vulnerability is thus built into them. And the attacks against these buildings — by way of these attacks, one can erase one’s own feelings of powerlessness and one’s own humiliations and transform them into the powerlessness and humiliation of one’s opponent.’ “

Taking this statement seriously, it was not at all by accident that Benz and his institute, ZfA, organized a conference on December 8, 2008, equating anti-Semitism and Islamophobia.

I was among the first to criticize this equation with this article in the Jerusalem Post on December 3, 2008.

Thanks to Chesler, the equation of anti-Semitism and Islamophobia is now a topic in the international debate about Islamism. There is still much to be done.

With the power, courage, and spirit of scholars, activists and public intellectuals like Phyllis Chesler victory in the war on ideas against Islamism and its Western fans will be ours.

Picture: Phyllis Chesler and Clemens Heni in New York City, Manhattan, October 2010


[i] Phyllis Chesler (2006): The Death of Feminism. What’s next in the Struggle for Women’s Freedom, New York: Palgrave Macmillan, p. 183. This is the paperback edition, the same book was published by the same publisher in 2005 as a hardcover, too.

[ii] Chesler 2006, 83.

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Spitzenforschung am Bodensee

Spitzenforschung am Bodensee

Zustimmung zu suicide bombing kann böse gemeint sein, muss es aber nicht…

Die Proteste gegen das Infrastrukturprojekt Stuttgart 21 mögen anzeigen, dass viele Schwaben, die derzeit Bäume umklammern und heulen sowie einen präfaschistischen Bahnhof schützen und dessen „Führer“-treuen Architekten, der er ab 1933 war, verehren, nicht ganz knusprig sind. Dabei wird übersehen, dass im Ländle echte Spitzenforschung betrieben wird, jedenfalls aus Sicht der Protagonisten.  Nehmen wir die Antisemitismusforschung in Konstanz am Bodensee.

Die Welt ist besessen vom Judenstaat und vor allem sehr aktiv, ihn zu destabilisieren und zu isolieren.

Manche Mainstream-Forscher, welche seit Jahrzehnten als Professor für Frieden auf der Welt aktiv und zudem sicher (in der Selbstwahrnehmung) pro-israelisch sind, erarbeiten Studien, die es in sich haben.

Nun: natürlich sind die Deutschen seit dem 8. Mai 1945 große Friedensfreunde. Seither wissen sie, dass jeder größere Krieg irgendwie fies ist und Deutschland eh verliert (vom Sieg im eigentlichen Krieg gegen die Juden mal abgesehen).

„Wir sind ein friedliches Elternhaus und wenn du das immer noch nicht kapiert hast, schlag ich dir den Schädel ein“, sagte einmal ein Kabarettist, deutsche (oft christliche, heute kommt hinzu: muslimische) Alltäglichkeiten betrachtend.

Also entwickelte sich nach dem Nationalsozialismus eine Sehnsucht nach Frieden.

Es gibt sogar „Friedensjournalismus“, die Begründer sind offenbar Johan Galtung, ein Norweger, und Wilhelm Kempf, ein in Konstanz am Bodensee forschender Österreicher.

Während Kempf in den 1980er Jahren sich vornehmlich mit „US-Propaganda“ in Mittelamerika befasste („Nicaragua“, später dann mit der New World Order etc.)[i], liegt ihm seit neuestem Israel am Herzen. So hat Kempf im Juni 2009 in der irischen Hauptstadt Dublin auf einem Jahreskongreß der International Society for Political Psychology über Antisemitismus und Israelkritik gesprochen („Israelkritik und moderner Antisemitismus“).[ii]

Seinen Text hat er, umgearbeitet, 2010 noch einmal publiziert.[iii] Darin heißt es wie schon 2009:

„The same holds even for the statement in example No. 6 (“The Palestinian suicide attacks are an appropriate means to combat Israel”), which takes sides with the Palestinians and involves military logic, but as long as it is not associated with the denial of Israel’s right of existence, its acceptance does not necessarily embody any anti-Semitic content.“ (Hervorhebung von Kempf)

Wer also dem Satz „Die palästinensischen Selbstmordanschläge sind ein angemessenes Mittel um Israel zu bekämpfen“ zustimmt, unterstützt damit laut Kempf „nicht notwendigerweise“ einen „antisemitischen Inhalt“, „solange dies“ „nicht verbunden ist mit der Ablehnung von Israels Existenzrecht“.

Das klingt akademisch und hoch differenziert.

Was würden die zerfetzten Juden dazu sagen?

Sarkastisch gefragt: Sind Judenmord und die Zustimmung dazu tatsächlich mit einem „antisemitischen Inhalt“ direkt verbunden?

Zum nächsten Zitat des Wissenschaftlers:

„A statement like in example No. 7 (“What the Israelis do to the Palestinians resembles what the Nazis did to the Jews”) may result from a Peace Frame and aim at warning Israel not to abandon the high moral standards of Jewish culture, or it may result from a pro Palestinian War Frame and aim at delegitimizing Israel, or it may result from secondary anti-Semitism and aim at trivializing the Holocaust.“

Wiederum ausgesprochen differenziert argumentiert hier der Friedensforscher. Die Aussage „Was die Israeli den Palästinensern antun ähnelt dem was die Nazis den Juden antaten“ könne demnach von Friedensbewegten (jenen, die im „Peace Frame“ zu Hause sind) freundschaftlich warnend gemeint sein, die Juden mögen doch bitte “nicht die hohen moralischen Standards der jüdischen Kultur aufgeben“; andererseits könne der Vergleich von Juden/Israeli und Nazis auch negativ gemeint sein, wenn man einen „pro-palästinensischen“ Standpunkt einnimmt („pro Palestinian War Frame“) und danach ziele, „Israel zu delegitimieren“; ein Israel-Nazi-Vergleich könne sogar drittens „von sekundärem Antisemitismus herrühren, um den Holocaust zu trivialisieren.“ Ist nicht wahr!

Wie Kempf sagt: israelische Politik und Existenz mit den Nazis und somit dem Holocaust zu vergleichen kann zwar eventuell antisemitisch gemeint sein. Genauso gut mag es als Hinweis an die Juden gesehen werden, bloß nicht „ihre hohen moralischen Standards der jüdischen Kultur“ zu beflecken.

Somit mag aus dem Vergleich von Israel mit Auschwitz eine ungeheure Hochachtung vor der jüdischen Kultur Wiens um 1900 gemeint sein, nur etwas verschroben oder umständlich formuliert.

Wenn Palästinenser Juden im suicide bombing ermorden, kann das und die Zustimmung dazu antisemitisch gemeint sein, sagt die Forschung, die den Mainstream repräsentiert (Kempf bezieht sich primär auf Werner Bergmann, Wolfgang Frindte, sich selbst, Klaus Holz und Moshe Zimmermann[iv]).

Aber keineswegs muss eine Zustimmung zu solchen Morden an Juden antisemitisch gemeint sein.

Man kann anschließend Israeli und Juden mit den Nazis vergleichen, gerade um Juden zu schützen, damit sie die „hohen moralischen Standards der jüdischen Kultur“ nicht vergessen.

Das ist der letzte Schrei: Antisemitismus aus Sorge um Frieden und die jüdische Kultur.

Sage noch jemand Forschung könne nicht innovativ sein.

Herausgeber dieser Spitzenforschung ist Roland Imhoff. Seine Doktorarbeit wurde von der Evangelischen Studienstiftung Villigst e.V. bezahlt. Zufällig leitete Klaus Holz dieses Studienwerk von 2000 bis 2009. Imhoff und Holz sind (wie auch Matthias Lorenz und andere) Mitglieder im Villigster Forschungsforum zu Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus e. V. Jüngst hat Imhoff Samuel Salzborn positiv rezensiert und die Bezugnahme von Salzborn auf Holz zitiert und hervorgehoben. Nun gibt Imhoff Kempf heraus und sitzt mit ihm auf einem Panel in San Francisco.

Früher, in ganz anderem Kontext, nannte man das Seilschaften. In Wahrheit ist das heute Ausdruck von selbständigem Denken und von Kritikfähigkeit.


[i] Hier ist eine Liste von Texten von Wilhelm Kempf, alles ging demnach los mit den „mathematischen Modellen“ in der Sozialpsychologie. Sicher eine herausragende Basis auch für die Forschung zu Antisemitismus:

  • 1977. Mathematical Models for Social Psychology. New York, Wiley (mit B. Repp).
  • 1978. Konfliktlösung und Aggression. Zu den Grundlagen einer psychologischen Friedensforschung. Bern, Huber.
  • 1982. Aggression. Naturwissenschaftliche und kulturwissenschaftliche Perspektiven der Aggressionsforschung. Bern, Huber (mit R. Hilke).
  • 1990. Medienkrieg oder »Der Fall Nicaragua« Politisch-psychologische Analysen über US-Propaganda und psychologische Kriegsführung. Hamburg, Argument.
  • 1994. Manipulierte Wirklichkeiten. Medienpsychologische Untersuchungen der bundesdeutschen Presseberichterstattung im Golfkrieg. Münster, LIT.
  • 1997. Psychologie. Eine Einführung. Grundlagen, Methoden, Forschungsfelder. München, dtv (mit J. Straub und H. Werbik).
  • 1998. Krieg, Nationalismus, Rassismus und die Medien. Münster, LIT (mit I. Schmidt-Regener).
  • 2000. Konflikt und Gewalt. Münster, agenda.
  • 2001. Los Medios y la Cultura de Paz. Berlin, regener (mit S. Gutiérrez Villalobos).
  • 2002. Journalism and the New World Order. Vol. II. Studying War and the Media. Göteborg, Nordicom (mit H. Luostarinen).
  • 2003. Constructive Conflict Coverage – A Social Psychological Approach. Berlin, regener.
  • 2003-2009. Forschungsmethoden der Psychologie. Zwischen naturwissenschaftlichem Experiment und sozialwissenschaftlicher Hermeneutik. Berlin, regener.
    • Band 1: Theorie und Empirie (2003).
    • Band 2: Quantität und Qualität (2008).
    • Band 3: Natur und Kultur (2009, mit M. Kiefer).
  • 2008. The Peace Journalism Controversy. Berlin, regener.
  • 2010. Readings in Peace Journalism. Foundations – Studies – Perspectives. Berlin, regener.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Kempf_%28Psychologe%29 (14.10.2010).

[ii] Kempf bedankt sich u.a. bei dem ‚Kommunikationspsychologen‘ Wolfgang Frindte für die empirische Basis für seine Analyse, sprich: für Umfrageergebnisse. http://www2.uni-jena.de/svw/instpsy/abteilungen/kompsy.html (14.10.2010).

[iii] http://www.cco.regener-online.de/2010_1/pdf/kempf-2010.pdf (14.10.2010). Zur Kritik an der ersten (sehr ähnlichen) Version siehe meine Kritik vom 9. November 2009: http://clemensheni.wordpress.com/2009/11/09/suicide-bombing-is-not-necessarily-antisemitic/ (14.10.2010).

[iv] Siehe die kurz gehaltene Literaturliste hier http://www.cco.regener-online.de/2010_1/pdf/kempf-2010.pdf (14.10.2010).

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Journal for the Study of Antisemitism (JSA) conference on Muslim anti-Semitism

Most recently, during the first annual conference of the Journal for the Study of Antisemitism (JSA), which was held in New York City, Manhattan, at the Doubletree Metropolitan Hotel on october 2 and 3, 2010, I was awarded a price for the “best investigative article.” This article – “Riga and Remembering ” – was published in the current issue of JSA, vol. 2, no. 1.

Many thanks to Dr. Neal Rosenberg and Dr. Steven K. Baum, co-editors and founders of JSA, for establishing this journal and for organizing this conference!

Other people who have been awarded at the conference in the category “best book” include Prof. Dr. Robert Wistrich for his “Lethal Obsession. Anti-Semitism from Antiquity to the Global Jihad,” New York 2010, among others.

From my article:

” (…) For me it was a shocking event to see so many Nazis, SS-men and
their friends, including today’s youth of a European country like Latvia.
Many scholars and activists, particularly in the West, do not take Eastern
European antisemitism seriously. Many people even think any kind of anti-
Russian government, society, or action is appropriate. It is not. On May 8,
2010, we are celebrating the 65th anniversary of the unconditional surrender
of National Socialism. Without the heroic fight of the Red Army, this
would not have happened. Bad politics of the Soviet Union, crimes like the
occupation of the Baltics, deportations, and political crimes including
Soviet anti-Zionism cannot overshadow the fight against Nazi Germany.
Current trends in equalizing Hitler and Stalin have been called the “Holocaust
Obfuscation Movement” by Brooklyn-born Dovid Katz, professor of
Yiddish in Lithuania, who joined me in our anti-fascist protest in Riga.
Maybe the honoring of the Waffen-SS is a wake-up for scholars and activists,
including those in the United States. Antisemitism exists in several forms.

Anti-Zionist, anti-Israel antisemitism is the most dangerous form
today. The Riga experience, however, can tell us that European history has
not ended. Nazis are still living and we are now facing the rewriting of
textbooks of the Second World War and the Holocaust. This may not happen;
it is hoped at least that an international movement will stop the next
march of Latvian Waffen-SS members in 2011.”

Here are two reports about the conference:

JanSuzanne from before it’s news writes:

“The guest speakers and attendees were scholars, writers, theologians, educators and interested individuals that came from around the world. They traveled from as far as Melbourne, Berlin, Toronto, and Sheffield, as well as CA, RI, FL AL, MS, MD, NJ, CT and NY. They represent many of the people who have spent years of their lives investigating, writing, teaching and actively speaking out about their findings on Muslim Anti-Semitism. There were about 60 people in all, which offered a rare opportunity for all participants to connect and dialogue.

Saturday evening began with a cocktail hour, followed by opening remarks from the JSA’s co-editors, Steven Baum and Neal Rosenberg.  Baum stated that “the world has not been right since 9/11 and we are here because we care… Read the published book titles about this subject and see how logic is leaving the world. Something is terribly wrong. As students, scholars and people who care, we see that much work has to be done, and we are here to see what we can do.”

Neal Rosenberg then spoke about the purpose of the JSA and this conference. “The JSA addresses the ever growing problem of Anti-Semitism… and this conference is a place where people can listen and develop ways to find solutions.” Global Anti-Semitism has become a “war of ideas and words and we are losing it because the information is not getting out. We must address these words and ideas and make people more informed.”  The highlight of the evening was Rabbi Richard L Rubenstein, who gave a riveting Keynote Speech. His latest book titled ‘Jihad and Genocide’ was the topic of his presentation.”

And from Prof. Dr. Phyllis Chesler, who spoke at the conference and chaired a panel, too:

“Yesterday in New York City, I was part of another important conference about Muslim anti-Semitism which was sponsored by the Journal for the Study of Antisemitism. I both spoke and chaired a panel with my esteemed colleagues, Daniel Jonah Goldhagen of Harvard and Mark Weitzman of the Simon Weisenthal Center. At the end of our presentations, before the assembled could raise their hands, I asked them to allow me to ask the first question—and of the audience.

“What must we do, what must be done to stop this very specific genocidal threat to the Jewish state—and the overwhelming jihadic threat against civilians everywhere? I do not think that all our documentation will be enough. I do not think we have enough time to reason with the brainwashed, one by one. Only a military victory will do it. But in the 21stcentury, military victories may look different, they may look like Stuxnet, and may include targeted assassinations that we never get to hear about.”

People were very, very quiet. (…)

Here’s what else is important. More sober people are coming together, driven to find others with whom they may speak the truth, ready for new political and social friendships.

I had coffee with German scholar Clemens Heni, who also spoke yesterday. Heni is based in Berlinand has written two books about German anti-Semitism. He described the way in which most German activists are falsely equating anti-Semitism with “Islamophobia,” still trying to universalize the very particular hatred towards Jews whose history is both ancient and unique. When I asked him why he felt so strongly about this subject, here was his reply:

“I am a German. I have a responsibility to learn the right lessons of the Holocaust. When other Germans learn exactly the wrong lesson, they are continuing that Holocaust. I cannot remain silent.”

Furthermore, in another piece, Phyllis Chesler draws attention to today’s feminists who are silent about Jihad (or embrace it) or  openly attack the Jewish state of Israel – this is the reason why Chesler joined the JSA conference against Muslim anti-Semitism, alongside with Daniel Goldhagen, Daniel Pipes, Alex Joffe, Neil Kressel, Frederick Schweitzer, Richard Rubenstein, Andrew Bostom, Alyssa Lappen, Lesley Klaff, Richard Landes, Samuel Edelman, Charles Jacobs, Mark Weitzman, Florette Cohen, Kenneth Lasson, Kenneth Marcus, among others:

“When Angela Davis was in jail, I marched on her behalf. Now that she is involved in the Women’s Studies program at the University of Santa Cruz, in California, neither she nor her communist colleagues, Bettina Apteker among them, bothered to come and hear me speak about the demonization and scapegoating of Israel for the very real gender apartheid crimes of Arab and Muslim countries.  I have just been told that when Berkeley Professor Judith Butler recently [in January 2009, C.H.] lectured in Berlin the crowds numbered 5,000. People came not only because she represents the ruling, fashionable post-modern, post-structural, anti-colonialist academy, but because she is known as a prominent boycotter of Israel. Butler is both prominent as a philosopher and as a lesbian feminist, but since she is also a Jew, her real credential is her passionate advocacy against the Jewish state.  The spectacle of 5,000 Berliners cheering her on for this precise reason is a chilling one. Indeed, I have recently interviewed Clemens Heni, who confirmed that many so-called scholars of German anti-Semitism are now more interested in “Islamophobia” than in anti-Semitism. According to Dr. Heni, this is another form of either Holocaust denial or a way to continue the Holocaust”.

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Antisemitismus, Antizionismus, Bonatz, Reclam und Stuttgart

Antisemitismus, Antizionismus, Bonatz,


Reclam und Stuttgart

Während es in Stuttgart so große und viele Demonstrationen wie selten zuvor gibt, werden die wirklichen Probleme unserer Zeit selbstverständlich ignoriert. Ahmadinejad verbreitet den gefährlichsten Antisemitismus seit 1945, er möchte Israel zerstören und eine „World without Zionism“ blutig erkämpfen. Ein großer Stuttgarter Verlag publiziert ein Buch zu Antisemitismus von einem anti-israelischen Autoren, der Ahmadinejads wahnsinnigen, irrationalen Judenhass verharmlost bzw. gar negiert.[i]

Um was also sollte es heute in Stuttgart gehen?

Am 15. Januar 1941 schrieb der Architekt „Professor Paul Bonatz“ einen Brief an „den Herrn Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ und bat ihn nachdrücklich, einige Kollegen vom Dienst in der Wehrmacht zu befreien, für „die grossen Berliner Aufgaben“ des Architekten, unterzeichnet „Heil Hitler! Paul Bonatz“.

Das „Amt Wissenschaft“ hatte bereits am 7. März 1939 bestätigt, dass Bonatz geeignet sei im Rahmen des „Deutschen Volksbildungswerkes Vorträge über baukünstlerische Themen“ zu halten, zudem sei er „als Mitschöpfer des monumentalen neuen Bahnhofs in Stuttgart rühmlich bekannt“.

Schließlich schreibt die „Partei-Kanzlei“ aus München am 10.10.1941 einen Brief an die „Gauleitung Wuerttemberg-Hohenzollern der NSDAP Stuttgart“ sowie an den „Beauftragten des Fuehrers fuer die Ueberwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP z.Hd. Pg. Haertle Berlin“ und bittet um Auskunft, ob es Einspruch gebe gegen die Verleihung der „Goethe-Medaille fuer Kunst und Wissenschaft“ an den „ordentlichen Professor Architekten Dr. Paul Bonatz“. Begründung: „zu seinen bekanntesten Arbeiten zaehlen der Stuttgarter Hauptbahnhof und die Stadthalle in Hannover. Beim Bau der Reichsautobahnbruecken ist Bonatz weitgehendst herangezogen worden.“[ii]

Dem Antrag wird mit Brief vom 22.10.1941 vom „Hauptamt Wissenschaft“ an die „Partei-Kanzlei“ im „Führerbau“, „München 33“ zugestimmt.

Während also die Demonstranten von K21 kopflos in und vor den Hallen des von den Nazis hoch verehrten Paul Bonatz heulen, gäbe es Grund hier und heute in Stuttgart zu protestieren. Der Reclam-Verlag hat eine lange Verlagstradition, im Zweiten Weltkrieg hatten deutsche Mörder der Wehrmacht den ein oder anderen Reclam-Band im Marschgepäck. Kein einziger Schüler in der alten BRD, jedenfalls in Baden-Württemberg, ist ohne die gelben oder orangenen Reclam-Bücher ausgekommen.

Heute vertritt der Reclam-Verlag folgende Position:

„Insofern ist die Antwort auf den Antisemitismus letztlich nicht ein jüdischer Staat, sondern die Schaffung eines wahrhaft globalen Systems des liberalen Pluralismus.“

Das ist der letzte Satz des Heftes 18643 der „Universal-Bibliothek“ (UB) des Reclam Verlages, Autor ist Steven Beller. Es handelt sich um die Übersetzung des Büchleins „Antisemitism. A very short introduction“, erschienen 2007 in einer modischen Buchreihe von Oxford University Press aus England. Diese wird in vielen Buchläden auch in USA oft neben der Kasse angepriesen, da die Bücher handlich, bunt und günstig sind, thematisch pop-postmodern vielfältig und beliebig mit Titeln wie „Animal rights“ über „Feminism“ hin zu „Antisemitism“.

Beller erläutert in den Absätzen zuvor, warum er gegen Israel als jüdischen Staat ist:

„Antisemitismus in Gestalt einer politischen Bewegung, die darauf zielt, Juden zu verfolgen, zu diskriminieren, zu entfernen oder sogar zu vernichten, stellt in unserer globalisierten Welt keine bedeutende Bedrohung mehr dar.“

Angesichts iranischer Vernichtungsdrohungen oder dem Aufruf zum Judenmord von sunnitischen Agitatoren wie Scheich Yusuf al-Qaradawi im Januar 2009, angesichts von 10.000 Kassem-Raketen, welche aus dem Gaza-Streifen seit Jahren in Richtung Israel abgefeuert wurden, angesichts der Entführung von Gilad Shalit und der Ermordung von anderen israelischen Soldaten durch islamistische Terroristen der Hamas, der Hezbullah und anderer, und angesichts von hunderten ermordeter Israeli durch suicide bomber und andere Sprengsätze im Laufe der Zweiten Intifada seit September 2000 ist das eine völlig realitätsferne Behauptung.

Im nächsten Satz verharmlost Beller den Antisemitismus und spricht, ebenso modisch, von einer immer gleichen Vorurteilsstruktur, welche jede x-beliebige Gruppe treffen könne:

„Antisemitismus in Gestalt des Grolls über jüdischen Erfolg und jüdische Macht, ob eingebildet oder tatsächlich, sowie in Gestalt gesellschaftlicher und kultureller Abneigung oder Vorurteile, wird es so lange geben, wie es Juden gibt, wie im Falle jeder anderen identifizierbaren ethnischen oder religiösen Gruppe.“

Der Antizionismus jedoch ist hübsch verpackt, Beller plädiert für „die Schaffung eines wahrhaft globalen Systems des liberalen Pluralismus“. Hört sich herzlich und zärtlich an, die „Schaffung eines wahrhaft globalen Systems des liberalen Pluralismus“, oder nicht?

Wer angesichts von Israel sagt, dass ein „jüdischer Staat“ Israel „nicht“ „die Antwort auf den Antisemitismus“ sei, möchte diesen Staat allerdings nicht haben.

Das zeigt sich auch in einem Artikel von Beller für das Institute for Jewish Policy Research in London, in dem er sich gegen “Alarmismus” in der heutigen Debatte um Antisemitismus wendet und zumal die jüdische Tradition des Zusammenlebens in Europa mit den Nicht-Juden preist und als Modell für alle Juden sieht (offenbar nach dem Motto: ‚hat ja bis 1945 auch prima geklappt mit der europäisch-jüdischen Symbiose, von ein paar negativen Erfahrungen mal abgesehen, nicht‘?), wenn denn Israel endlich als jüdischer Staat aufgelöst wäre:

„But for the present and in the future it is the diasporic Jewish tradition, whose experience has resulted in a full appreciation of the merits of liberal pluralism, that should be the basis of the Jewish role in this world. It is the path of inclusion and connection, the pluralist path that modern-day Europe is following, that is the best way forward, not a relapse into exclusive ethnocentricity and the nationalist temptation.“

Andernorts attackiert Beller die Forscher Andrei S. Markovits, Jeffrey Herf oder Robert Wistrich, die den heutigen, neuen Antisemitismus analysieren und kritisieren:

„Andy Markovits similarly loses perspective when discussing the anti-Semitism and anti-Americanism of his erstwhile friends in the European left. He states, for example, that the BBC, Guardian and Independent share a ‘hostility towards Israel, Jews, and the USA’ (222). Israel and the USA perhaps, but Jews? As an online reader of the Guardian and BBC, I do not think their criticism of the United States and of Israel is based on a distorting ‘hostility’ so much as an astute objectivity and a refreshing outsider’s perspective, although I can see why many Americans I know are, like Markovits, antagonized by it. But why would Markovits claim that the BBC, Guardian and Independent are hostile to ‘Jews’, that they are effectively antisemitic? That is a grievous misrepresentation of these institutions, ignoring their decades of combatting prejudice and championing the rights of individuals and minorities, Jews very much included.”[iii]

Mit dem Brustton der Überzeugung derealisiert Beller, dass Aufstachelung zum Antizionismus eine Form des Antisemitismus ist und dass das Abfeuern von Raketen auf Aschkelon oder Sderot ein antisemitischer/antijüdischer Angriff ist. Beller möchte Antizionismus reinigen und als harmlos darstellen. Er ignoriert die Geschichte des Antizionismus seit 1948 ganz bewusst, denn er wird natürlich ob der antizionistischen Ideologie der Sowjetunion, der arabischen Staaten und der Neuen Linken sowie der Neonazis und des Mainstream wissen. Doch Beller selbst plädiert ja gegen einen jüdischen Nationalstaat Israel, weshalb ihm Attacken gegen Israel von Jihadisten oder säkularen Linken gerade Auftrieb geben.

Bemerkenswert ist lediglich, dass seine Agitation in der Zeitschrift Patterns of Prejudice erschienen ist, Nr. 2, 2007. Beller sagt, dass der arabische Antisemitismus gar kein wirklicher sei, lediglich Resultat der Gründung Israels, habe also einen rationalen Grund.[iv]

Ahmadinejad ist der gefährlichste Antisemit derzeit auf der Welt. Er drohte am 26. Oktober 2005 Israel mit der Vernichtung, leugnet den Holocaust und droht mit einem zweiten. Er leugnet die islamistischen Hintergründe für die Massenmorde des 11. September (und redet von einem “Inside job”), obwohl doch al-Quaida stolz ist auf diese Morde. Der Wahnsinn des iranischen Führers ist offenkundig, wenn man bedenkt, dass er auch ernsthaft auf die Ankunft des zwölften Iman, des Mahdi, wartet.

Nun gibt es mit Beller und vielen anderen Autoren und Forscher Leute welche leugnen, dass Israel existentiell bedroht ist. Der Reclam-Verlag Stuttgart (Ditzingen) publiziert die anti-israelische wie auch die heutige Gefahr des Antisemitismus negierende Position von Steven Beller. Universitäten wie die Viadrina in Frankfurt an der Oder[v] preisen Bellers Buch für die Studierenden an, nicht zuletzt da es ja mit 5 Euro super billig ist.

Das Leo Baeck Institute New York machte eine Buchvorstellung mit Beller.

Es verwundert nicht mehr, dass sich Beller in dem Buch ganz grundsätzlich gegen weite Teile der internationalen Antisemitismsusforschung wendet (namentlich wieder gegen Wistrich, S. 13), da diese Antisemitismus als „irrational“ analysiere und so tue, als ob Juden keinen Anteil spielten beim Entstehen und Kreieren von Antisemitismus.

Beller hingegen favorisiert eine solche von der Forschung in der Tat großteils abgelehnte Korrespondenztheorie. Er schreibt:

„Man kann nicht behaupten, wie man es so häufig mit Blick auf den Rassenantisemitismus in Europa getan hat, der arabische ‚Antisemitismus‘ habe keine rationale Ursache“ (S. 163).

Oder natürlich, als Klassiker der Antizionistischen Internationale:

„Antizionismus ist nicht notwendigerweise mit Antisemitismus gleichzusetzen“ (S. 164).

Beller geht noch weiter: er sagt, dass Europa gelernt hätte, nach 1945, dass der Nationalstaat keine Lösung, sondern das Problem und verantwortlich für die „Ursachen des Antisemitismus“ sei. Lediglich die Juden hätten diese Lektion nicht gelernt und schickten sich an, einen eigenen, bösen, ausgrenzenden Nationalstaat, den jüdischen Staat Israel zu gründen. (vgl. S. 166-170)

Das Problem, mit welchem sich die Verlags- und Autostadt Stuttgart konfrontiert sieht, ist nicht das Ende eines überkommenen Kopfbahnhofes in einer prä-nationalsozialistischen Halle, nein: Antizionismus und Antisemitismus, die Delegitimierung des jüdischen Staates und eine Verharmlosung des heutigen Antisemitismus sind das Problem, beispielhaft gezeigt an der Publikationspraxis eines Stuttgarter Verlages.

Nicht nur in Berlin werden Juden auch heute, im 21. Jahrhundert verfolgt, geschlagen und bedroht, weil sie Juden sind.[vi] Das derealisiert Beller.


[i] Steven Beller ist der Autor, siehe unten. Hier seine an Absurdität nicht zu überbietende Einschätzung zu Ahmadinejad: „OUP: President Mahmoud Ahmadinejad of Iran famously made a statement about wiping Israel off the map. With such outward proclamations of antisemitism, should the international community be worried about anti-Jew violence on the scale of the Holocaust?

BELLER: We should always be vigilant about genocidal threats to any people or nation, especially Jews, given the Holocaust. And I cannot see into the Iranian president’s head to know whether he really meant what he has said, on various occasions. Frankly, however, I am deeply sceptical whether he has any real intention to murder six million Israelis, and I also do not think he will ever have the power to do so. I would put such statements on a par with Khruschchev’s assertion “We will bury you”. That statement sounded deeply threatening but was apparently simply claiming that Soviet communism would outlast Western capitalism—whatever its supposedly threatening nature, we now see that it proved false. That was because the West not only proved to have the willpower to stand up to the Soviet Union, but also the confidence and wisdom not to over-react to such threats, but rather to practice a policy of containment and later détente. Similarly as regards the remaining threat of anti-Jewish violence in the world, especially in the Middle East, it is most important that cool heads prevail on both sides, not only on the “anti-Zionist” side but also in Israel and among Israel’s supporters. I realise that in the last few years, given developments in Israel and increased Muslim migration to Europe, “antisemitic” incidents have been on the rise in many European states and the tenor of the European media has often pushed up against the line where reasonable, even justifiable criticism of Israeli government policy and actions shades off into anti-Zionism, and worse still, into antisemitism. Yet the extent to which criticism and hostility toward Israel has transformed into a “new antisemitism” where Israel as “the big Jew” has replaced “the Jew” as the target of antisemitic ire, is, I think, highly exaggerated.“ http://blog.oup.com/2008/09/vsi_beller/ 28.09.2010. OUP heißt Oxford University Press und stellt die Fragen des Verlages in diesem Gespräch mit Beller.

[ii] Im Original der Brief in Kleinschreibung.

[iii] Steven Beller (2007a): In Zion’s hall of mirrors: a comment on Neuer Antisemitismus?, in: Patterns of Prejudice, Vol. 41, No. 2, 2007.

[iv] Vgl. folgende Passage aus Beller 2007a: „Matthias Ku¨ ntzel and Wistrich both show how the Nazi propaganda machine influenced the Arab leadership in the 1930s, especially the Grand Mufti of Jerusalem. Yet the mere presence of an ideology explains little. Nazi-inspired antisemitism would have got nowhere had there not been a use for it in opposing and explaining the Jewish colony in Palestine; the intensity of Arab anti-Zionism and antisemitism would never have reached current levels without the founding of Israel and its occupation of Gaza and the West Bank. The question is whether Muslim antisemitism has now taken on a life of its own or whether it is, as Gerd Koenen suggests (187), more likely a means, in all its conspiratorial trappings, by which Arabs have attempted to rationalize their defeats and humiliation at the hands of Israel. I believe that Koenen has it about right when he suggests that, as a rationalization and not a delusion, Arab antisemitism is still provisional, still capable of being discarded, should circumstances change. If so, then delineating a delusional and vile ideological perversion, replete with a television serialization of the Protocols of the Elders of Zion, should not be our main task. Rather, we should be trying to understand what has given rise to this desperate intellectual tactic.“?

[v] So die Ankündigung für das Sommersemester 2010 an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät: „Christian Hörnlein ‚Antisemitismus in Deutschland und Italien zwischen Nationsbildung und Faschismus‘ Seminar: BA, Vertiefung Kulturwissenschaften, Vertiefung Kulturgeschichte, 8 ECTS Mittwoch: 11:15 Uhr – 12:45 Uhr, Beginn 14.04.2010 GD 04“. Literatur: Zur Anschaffung, vor allem aber zur Lektüre empfohlen: Steven Beller, Antisemitismus, Stuttgart 2009 (Reclamband für 5 €)“ http://www.kuwi.euv-frankfurt-o.de/de/lehrstuhl/kg/kulturneu/Sommersemester_2010/index.html (28.09.2010).

[vi] „Ein jüdischer Junge an einer Schule in Berlin. Die Mitschüler sprechen nicht mit ihm, rufen ihm Schimpfworte hinterher, nennen ihn »Scheißjude«. Lauern ihm an der Straßenecke auf, um ihn zu verprügeln. Wann spielt die Geschichte? Das kann nur in der Hitler-Zeit sein, in den dreißiger, vierziger Jahren. Und die anderen Kinder sind Deutsche, die Kinder von Nazis. Aber Arye Shalicars Geschichte spielt in der Gegenwart. Im Berlin unserer Tage. Und die Kinder, die den jüdischen Jungen verhöhnen und verprügeln, sind »Deutsche mit Migrationshintergrund«, junge Türken, Libanesen, Araber. Als Arye Shalicar dieses Buch in Israel schrieb, konnte er nichts von den Thesen Sarrazins und der ganz Deutschland elektrisierenden Debatte über »Integration« wissen. Er wollte sich die bedrückenden Erinnerungen von der Seele schrei­ben: an seine Kindheit und Jugend in Berlin. Arye, geboren 1977 in Göttingen, ist der Sohn nach Deutschland eingewanderter Perser. Von den anderen Einwanderern aus islamischen Ländern unterscheidet sie nur dies: Sie sind Juden“ (Chaim Noll (2010): Ein Berlin des Hasses. Arye Shalicar schildert in seiner Autobiografie, warum er von Deutschland nach Israel geflüchtet ist, in: Jungle World Nr. 38, 23. September 2010).

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“Global Mufti” Qaradawi and German Middle Eastern Studies

The original of this article was published in Norway, with an entry in Norwegian, here.

By Clemens Heni, Ph.D.

The failure of German Middle Eastern Studies becomes crystal clear when we look at an event at the 2010 international literature festival in Berlin. On September 16 there will be a presentation focusing on scholarly works about Yusuf al-Qaradawi, probably the most influential and best known Islamist worldwide, particularly in the Sunni world. The Qatar-based ideologist is called the “Global Mufti”. This is, as it happens, the title of one of the books being presented at the event. 

Global Mufti, which appeared last year, is edited by the German scholar Dr. Bettina Gräf and the Danish scholar Prof. Dr. Jakob Skovgaard-Petersen. Gräf works at the Center for the Modern Orient in Berlin; Skovgaard-Petersen is a professor at the University of Copenhagen. They are thrilled that Qaradawi is a media star in the Muslim world, thanks in part to his online fatwas, which were the topic of Gräf’s Ph.D. dissertation. (That dissertation will also be presented at the event.)

They know everything about Qaradawi, for example about his relationship to Al-Azhar University in Egypt, his close ties to the Muslim Brotherhood, and his efforts to Islamize Europe.  But they have no problem with Qaradawi.  They like him. Gräf even met with Qaradawi in person in Qatar. Gräf, who examines Qaradawi’s concept of being “centristic” (“wasatiyya”), considers Qaradawi a “moderate.”

Gräf and Skovgaard-Petersen say that their “book is not intended to be a defense of, or an attack on, Yusuf al-Qaradawi.”  Yet those who have learned the lessons of the Holocaust know that it is necessary to criticize anti-Semites.  When it comes to anti-Semitism, you can’t take a neutral position. Anti-Semitism and Islamism are tremendously important issues in our world today and silence is the wrong way to deal with them. Worse, silence most often is a way of conveying support.

For example, Barbara Freyer Stowasser, Professor of Arabic and Islamic Studies at Georgetown University, endorses Qaradawi in Global Mufti because he allows women to kill Jews without asking their parents’ or husband’s permission. Women are even allowed to commit such crimes unveiled!  Stowasser portrays these crimes as acts of “defensive jihad” against Israel. For Stowasser, Qaradawi’s fatwa on women and suicide bombing is a sign of “true gender equality.”

Gudrun Krämer, head of the Institute for Islamic Studies at the Free University of Berlin, will also take part in the event at the literature festival. She wrote a foreword to Global Mufti, and as early as 2006 described Qaradawi in an article as a “representative of moderate Islam.” She portrays him as someone who “does not invite or condone violence against others, be they Muslim or non-Muslim (the exceptions are foreign occupation, colonialism, Zionism and Israel)”.

Although Qaradawi is well known for calling for suicide bombing against Jews and Israeli, as well as for his condemnation of fatwas that criticized acts of suicide bombing such as one that took place in 2001 in Israel, Krämer insists that Qaradawi, while supporting violence against “Zionists,” does not “invit[e]” violence.

Krämer is also the author of a long German monograph, published in 2002, which describes the “Palestinian” Izz ad-Din al-Qassam as a martyr. Qassam was killed by the British in 1935 after he had murdered a Jew in the British Mandate. Today Hamas names its missiles after him – the unfamous “Qassam rockets.” Krämer is not disturbed by this, although German historians Martin Cüppers and Michael Mallmann criticized her harshly for her position in 2006.

Krämer wrote her 1982 Ph.D. dissertation about the Jews as a minority in Egypt between 1914 and 1952. In this study, which was published in 1989 by the University of Washington Press, she played down the role of anti-Semitism, and in the original German version she literally attacked brochures about anti-Semitism in Egypt which were issued by the American Jewish Committee (AJC) in 1957 (“The Plight of the Jews in Egypt “) and early studies on anti-Semitism in Egypt by the Swiss writer Bat Ye’or and the British author Sir Martin Gilbert.

Describing the latter as “tendentious,” Krämer denounced the AJC as “particularly tendentious,” which is all the more astonishing because the AJC brochure is an early attempt to analyze Egyptian anti-Semitism of the time and the role of former Nazis in spreading anti-Semitism alongside Arabs and Muslims in the Middle East.

In 2006 Krämer served as special editor of an issue of the German-based International Journal for the Study of Modern Islam (Die Welt des Islams) which was devoted to anti-Semitism. Here, too, she downplayed Islamic anti-Semitism and attacked scholars like Matthias Küntzel.  (Interesingly, Küntzel has quoted Krämer positively in several of his books and articles, a fact that displeases Krämer.)

Krämer was especially rough on Robert Wistrich, head of the Vidal Sassoon  International Center for the Study of Antisemitism (SICSA) at the Hebrew University in Jerusalem. She accuses these scholars of being “openly polemical.” She also criticizes Wistrich for his “more aggressive approach.” Krämer takes exception, for instance, to the term “Islamofascism.” Her own analysis is based on the work of scholars like the anti-Zionist Edward Said, Saleh Bashir, and Hazim Saghiyeh.

The latter two argued some years ago in an article, “Universalizing the Holocaust,” that the Arab and Muslim world should not deny the Holocaust, but should rather accept and “universalize” it – their point being that the Shoah was not an unprecedented crime against the Jewish people, but a crime comparable to the historical treatment of Palestinians. Like Said, Bashir and Saghiyeh even accuse Jews of not having learned the “lesson” of the Holocaust.

Krämer praises Bashir’s and Saghiyeh’s criticism of “political Islam” and agrees with their argument that there is an effort to “silence criticism of Israeli politics” and that it amounts to a “Jewish and Israeli exploitation of the Holocaust.” If we look at the central sentence in the above-mentioned article by Bashir and Saghiyed, we can easily decode the anti-Semitic attempt to trivialize the Shoah by equalizing it with totally different issues:

The Turk in Germany, the Algerian in France, and always the black in every place, head the columns of victims of racism in the world and in them, albeit in different proportions and degrees, is the continuation of the suffering of the Jews of which the Holocaust was the culmination.

The Holocaust was not just a kind of “suffering”; racism in Germany or France in our time is not at all the “continuation of the suffering of the Jews”; and the black “in every place” had a quite different history (blacks were, for example, victims of Islamic slavery and later of Western slavery).  The intention here is clear: Bashir and Saghiyed accept the reality of the Holocaust only so that they may then proceed to de-emphasize its specifically anti-Semitic nature and, most important, attack Israel.  Today Muslims and scholars alike are operating in much the same manner when they wield the term “Islamophobia.”

So now Krämer and Gräf are going to be embracing the Islamist Qaradawi at the international literature festival in Berlin, where they will describe him as a “moderate.” This is the ultimate proof of the failure of German Middle Eastern Studies: one of its leading scholars, Gudrun Krämer, who has been awarded honorary doctorates and won prizes, has been busy since the early 1980s defaming critiques of anti-Zionist anti-Semitism and Islamic anti-Semitism while supporting one of the leading Islamists of our time, Qaradawi, a man who argues for a kind of gender mainstreaming when it comes to justifying suicide bombing in Israel.

This is the Islamist way to modernity and equality among the sexes.

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