Clemens Heni

Wissenschaft und Publizistik als Kritik

Ist Israels und Amerikas Niederlage gegen den Iran auch eine Chance – für Diplomatie und woken Zionismus?

Von Dr. phil. Clemens Heni, Direktor, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

Womöglich ist die klare Niederlage Israels und der USA gegen das islamistische Terrorregime in Teheran auch eine Chance. Eine Chance, dass Israel und auch die USA erkennen, dass man mit Gewalt oft gar nichts erreicht und Terrorstaaten mit Angriffen sogar noch stärkt. Die grundlegende Frage ist: Wird Herzl gegen Rav Kook gewinnen? Was ist woker Zionismus? Das sind die Fragen der Zukunft schlechthin, wenn man am Überleben Israels interessiert ist

Die Niederlage der USA und Israels gegen das islamfaschistische Regime in Teheran

Wer sind die größten Verlierer des Iran-Krieges? Die Menschen im Iran, jedenfalls die anti-islamistischen, die vermutlich die Mehrheit ausmachen. Sie wurden von Anfang an im Stich gelassen und die ca. 35.000 massakrierten Demonstrant:innen von Januar 2026, die einfach von den Muslimfaschisten des Mullah-Regimes hingemetzelt wurden, waren kein Grund für den Krieg.

Im Gegenteil: dieser wahnwitzig irrationale Krieg führt jetzt dazu, dass der Iran 300 Milliarden US-Dollar an Wiederaufbauhilfe bekommen wird, von den USA und arabischen Staaten, wenn er die Straße von Hormus wieder öffnet und sagt, keine Atomwaffen haben zu wollen. Das jedoch hatte der Iran auch davor schon gesagt beziehungsweise nie gesagt, dass sie sie wollen, auch wenn sie offenkundig daran arbeiten und gearbeitet haben. Jetzt weiß der Iran, dass er von der größten Militärmacht der Erde nicht besiegt werden kann. Wie konnte man so dermaßen blöd sein, und diesen Krieg beginnen, wissend, dass man dieses riesige Land mit 90 Millionen Einwohner:innen und im Gebirge versteckten Tausenden Raketen, nicht einfach so besiegen kann? Wie konnte die Pro-Israel-Szene so fanatisiert werden, um diesen Krieg zu loben und preisen?

Die Straße von Hormus war am 27. Februar 2026 locker befahrbar per Schiff, wenn man ein Anhänger der Erdöl basierten Weltwirtschaft und des fossilen Wahns ist. Tausende Tote und Hunderte Milliarden später wird sie jetzt vermutlich wieder offen sein, allerdings immer mit der Option, dass der Iran Gebühren verlangt oder Schiffen verweigert, durchzufahren. Ein geniales Ergebnis der amerikanischen und israelischen Kriegsführung.

Und vor allem ein Schlag ins Gesicht der anti-islamistischen Opposition im Iran.

Aber auch ein Schlag ins Gesicht der israelischen Armee IDF und ihrer Luftwaffe, der IAF. Sie haben völlig versagt und kein einziges Ziel erreicht, im Gegenteil: der Iran ist stärker als zuvor und das massiv.

Die Times of Israel (TOI) berichtet am 18. Juni 2026 über die vorzeitige Unterzeichnung des Abkommens am Mittwoch in Versailles durch Trump und in Teheran durch den Präsidenten Masoud Pezeshkian.

Israel und die USA haben kein einziges ihrer Ziele erreicht: die verbliebenden ballistischen Raketen des Iran bleiben unangetastet, dabei haben sie während des Krieges zu den vermutlich am längsten andauernden Bunker- und Schutzraumaufenthalten der isaelischen Bevölkerung geführt, es gab massive Schäden in Israel an Gebäuden und Infrastruktur und Dutzende Menschen wurden getötet.

Der Iran verpflichtet sich zwar jetzt wiederum, keine Atomwaffen zu entwickeln, was er schon 2015 bei dem vom damaligen US-Präsidenten Obama und der EU ausgehandelten und unterstützten Atomabkommen getan hatte. Schließlich wird der Iran viele Milliarden an eingefrorenen Geldern erhalten, ab sofort, auch das war 2015 ein Teil des Abkommens, die Lockerung von Sanktionen und das Freieisen von Geldern, einem Abkommen, das Trump bekanntlich in seiner ersten Amtszeit kündigte. Jetzt gibt es ein vermutlich schlechteres Abkommen und der Iran ist gestärkt.

Neben der Hoffnung auf Demokratie in Nahost, auf ein Ende der arabischen Regime sowie des islamistischen Regimes in Teheran, eine Hoffnung, die durch diesen irrationalen, völkerrechtswidrigen und sinnfreien Krieg in weite Ferne rückte, ist die Kernfrage in Nahost jene über Israels Zukunft und somit auch die Zukunft Palästinas.

Der Kolumnist der Haaretz Gideon Levy bringt es am 18. Juni 2026 auf den Punkt:

Die Tatsache, dass Israel größenwahnsinnig ist, bedeutet nicht, dass es in der Lage ist, sich gemäß seinen größenwahnsinnigen Maßstäben zu verhalten und zu glauben, dass Bombenangriffe im Nahen und Fernen tatsächlich seinen Interessen dienen würde. Was uns im Iran widerfahren ist, ist keine Katastrophe, sondern eine Chance. Wir haben der Wahrheit direkt in die Augen gesehen – und sie hat ihren Blick gesenkt. Jetzt sind wir an der Reihe, unseren Blick zu senken.

(Alle Übersetzungen aus dem Englischen in diesem Text von CH)

Levy fordert einen kompletten Rückzug der israelischen Armee aus dem Libanon. Er möchte, dass die IDF endlich erkennt, dass weder die Hisbollah noch die Hamas militärisch zu besiegen sind – was Terrorexperten von Anfang sagten, by the way, aber Netanyahu und seine rechtsextreme Bande leben von Gewalt und Krieg, das ist ihr Lebensinhalt geworden und nicht nur, aber vor allem Channel 14, der extrem rechte Fernseh-Propagandasender in Israel, unterstützt die Regierung dabei.

Im Januar 2025 publizierte die Los Angeles Times einen analytischen Artikel, der exakt diese Sinnlosigkeit des israelischen Anti-Terrorkrieges bloßstellt, und das aus einer anti-islamistischen Position heraus:

Wie immer ist Krieg – und insbesondere ein Antiterrorkrieg – Politik mit anderen Mitteln. Israels Militäroperation ist zwar taktisch beeindruckend, stützt sich jedoch ausschließlich auf die militärischen Aspekte des Konflikts. Dabei vernachlässigt es völlig die politische Komponente und verurteilt künftige Generationen auf allen Seiten zum gleichen Schicksal – dem ewigen Krieg.

Und dieser „ewige Krieg“ ist der einzige Lebensinhalt von Benjamin Netanyahu und seiner Clique. Ewiger Krieg gegen woke und den linken Zionismus sowie die unabhängige Gerichtsbarkeit und die Gewaltenteilung, also ewiger neu-rechter Krieg im Innern. Und ewiger Krieg gegen die Feinde draußen, Hamas (super erfolgreicher Krieg, Zehntausene Tote und sie herrscht weiterhin in Gaza!), Hisbollah, Iran, Houthis, Syrien etc.

Und die Pro-Israel-Szene schweigt dazu und kapiert wirklich überhaupt nicht, dass dieser ewige Krieg das Kernproblem ist und nicht der schon immer vorhandene Antisemitismus und der Israelhass, die man eindämmen kann, wie die Friedensabkommen mit Ägypten und Jordanien und sogar die Abraham Verträge zeigen. Aber in den USA kapieren es jüdische Linkszionist:innen sehr wohl, wie wir noch sehen werden. Es bewegt sich was im Pro-Israel Lager – nur der Stillstand in Deutschland und Österreich ist politisch erschütternd und intellektuell desaströs.

Gideon Levy, einer der erfahrensten und ältesten Kolumnisten der Haaretz, sieht glasklar, dass selbst oder gerade die Opposition sich nicht kritisch mit sinnlosen Kriegen der IDF befassen wird, sondern nur proklamiert, wie immer, dass sie es besser könnten als Netanyahu. Von Gadi Eisenkot, der aktuell wohl die größten Chancen hat, Netanyahu zu beerben, wenn es zu Wahlen bis spätestens dem 27. Oktober 2026 kommt, ehemaliger Generalstabschef der IDF, ist keine Selbstkritik der IDF zu erwarten.

Und die extremen Rechten verharmlosen die Shoah und lamentieren angesichts des „Iran-Deals“, so analysiert es Gideon Levy in seinem Text:

Das Gerede, von rechts und von „links“ (Premierminister Benjamin Netanjahu nicht mitgerechnet) über eine israelische Niederlage, geht nun so: Der Kriegsausgang sei eine diplomatische Katastrophe, Trump habe uns den Rücken zugekehrt und Steven Witkoff sei ein „Jewboy“. Die Nation beklagt eine Katastrophe, eine Niederlage und einen Beinahe-Holocaust.
Die Bennetts mischen sich sofort ein und versprechen Abhilfe. Sie werden die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten wiederherstellen und Israel zurück auf die Schlachtfelder bringen, um die Sache zu Ende zu bringen. Das ist ihr einziges Versprechen an einem besonders vielversprechenden Tag.
Aber es ist weder eine Katastrophe noch ein Holocaust.

Zu einer zumindest ansatzweise tiefergehenden Analyse des Konflikts zwischen Rechten und Linken, Religiösen und Säkularen, müssen wir etwas tiefer schürfen und gut 100 bis 130 Jahre zurückgehen.

Theodor Herzl oder Rav Kook? Zionismus oder jüdische Religion?

Dabei ist die Sache eigentlich denkbar einfach: Theodor Herzl muss gegen Rav Kook gewinnen. Das ist die These des Publizisten und Rabbiners Philip Graubart aus Kalifornien in einem Text von 2025.

Theodor Herzl kämpfte gegen den Antisemitismus und sah im Antisemitismus die größte Gefahr für die Juden. Nur ein eigener Staat könne die Juden retten – und zwar gleich auf doppelte Weise. Erstens jene Juden, die den neuen Staat der Juden aufbauen und zweitens jene Juden, die zum Beispiel in Europa verbleiben würden, aber nicht mehr antisemitisch attackiert würden, sie wären nicht wirklich staatstreu. Denn sie hätten sich ja als Juden gegen ein Leben im Judenstaat und für ein Leben in der Diaspora entschieden. Damit lag Herzl offenkundig völlig falsch. Es ist heute eine der häufigsten antisemitischen Erscheinungen, Juden in der Diaspora unumwunden mit allen was die israelische Regierung tut, in eins zu setzen.

Aber völlig richtig und lebensentscheidend für das Judentum weltweit war sein Eintreten für die Gründung des Judenstaates. Ihm war es anfangs auch egal, ob dieser Staat in Argentinien, Uganda oder Palästina errichtet wird. Religion spielte für Herzl keine Rolle.

Ganz anders hingegen Rav Abraham Isaac Kook (1865-1935), der Vorbeter und Vordenker der heutigen religiösen Zionist:innen, die gleichwohl, einem Bonmot des israelischen Zionisten und Publizisten Daniel Goldman zufolge, meistens weder religiös noch zionistisch sind. Kook jedenfalls war extrem religiös geprägt.

Graubart legt dar, warum es Zionist:innen um Tel Aviv geht und nicht um Jericho, Hebron oder Nablus:

Verglichen mit Herzl, könnten Rav Kooks Ziele und Visionen unterschiedlicher nicht sein. Für Kook war das zentrale Problem gerade nicht der Antisemitismus, sondern das blasse, schwache Judentum der Diaspora. „Abgesehen von der Nahrung, die es aus dem lebensspendenden Tau der Heiligkeit von Eretz Yisrael erhält“, schrieb er etwa zehn Jahre nach Herzls Aufsatz, „hat das Judentum in der Diaspora keine wirkliche Grundlage und lebt nur durch die Kraft einer Vision und durch die Erinnerung an unseren Ruhm.“

Ein Leben außerhalb Israels biete lediglich eine Art Halbleben. „Juden können in der Diaspora unseren eigenen Ideen, Gefühlen und Vorstellungen nicht so treu und ergeben sein wie in Eretz Yisrael.“ Das Land Israel ist für Kook kein Weg zur Erlösung; es ist „die Erlösung selbst“, wo „alle göttlichen Gebote in ihrer vollkommenen Form verwirklicht werden“.

Wie Herzl spürt er eine fatale Schwäche in der Diaspora, kommt jedoch zu einer gänzlich anderen Diagnose. Für Herzl ist das Problem der Antisemitismus. Für Rav Kook ist es das Exil, das die jüdische Spiritualität langsam vergifte.

Wer das liest, erkennt wie wichtig der Zionismus gerade für den Kampf gegen den Antisemitismus ist, auch wenn Herzl falsch lag mit seiner Hypothese, dass er mit dem Aufkommen des Judenstaates verschwände. Doch heute geht es gerade liberalen Zionist:innen in den USA darum, eine starke jüdische Community in der Diaspora zu haben und gleichzeitig Israel zu unterstützen. Die Religiösen suchen nur ihr persönliches Erlebnis in dem von ihnen so genannten ‚Heiligen Land‘. Das macht die Religiösen so gefährlich, sie glauben, dass Israel ohne das Westjordanland gar nicht existieren könne, es sei ihr Auftrag, dieses Land zu besiedeln. Und das ist für Israel suizidal und für Palästinener:innen mörderisch.

Religiöser Fanatismus, Teil 1: Rav Kooks Sohn gegen die Zweistaatenlösung, 1948

Dieser religiöse Fanatismus, diese Reduktion von Juden auf Religion, war dann auch Kernbestandteil der Ideologie von Rav Kooks Sohn, wie Graubart herausarbeitet:

Im Gegensatz zu Herzl legt Rav Kook kein konkretes Programm vor, und in seinen Schriften finden sich keine Erwähnungen von Großmächten oder diplomatischen Bemühungen. Doch die Erhabenheit seiner Sprache und seine poetische Leidenschaft fesseln die Leser damals wie heute mit einem einzigen Gebot: Besiedelt das Land.

Für Rav Kook bedeutete das nicht Tel Aviv oder einen säkularen Kibbuz am Küstenstreifen. Es bedeutete das biblische Israel – Jerusalem und das Bergland von Judäa und Samaria.

Tatsächlich trauerte der zweite Rav Kook – Rav Kooks Sohn – bekanntlich im Jahr 1948, als Israel sich innerhalb der Grenzen des UN-Teilungsplans zum Staat erklärte. Zu diesem Zeitpunkt war der erste Rav Kook bereits verstorben und überließ es seinem Sohn, auszurufen: „Sie haben mein Land geteilt! Wo ist unser Hebron – haben wir es vergessen? Wo ist unser Sichem [Nablus] – haben wir es vergessen? Wo ist unser Jericho – haben wir es vergessen?“ 

Vor diesem Hintergrund ist es bezeichnend für unsere in den Autoritarismus und den religiösen Wahn verfallende Welt, dass bei der Fußball-Weltmeisterschaft ausgerechnet junge Deutsche ihren primitiven Christuskult ausleben – auf dem Platz mit Gebeten vor Millionen von Zuschauer:innen – und zugleich der Islamismus und die Kopftuchdichte zunehmen, aber ebenso stark auch der jüdische religiöse Fundamentalismus wie in Israel und in der Diaspora.

Religionskritik jedoch war noch immer die erste und wichtigste aller Kritiken.

Religiöser Fanatismus, Teil 2 – Die ARD und Tuvia Tenenbom gegen die Zweistaatenlösung?

Kürzlich sprach der jüdische Publizist Tuvia Tenenbom in Heidelberg am Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI), dem Kulturzentrum der ‚Neckarperle‘, einer Stadt, die seinerzeit Clemens Brentano und Achim von Arnim zu antisemitischen Gedichten animierte und wo heute die AfD gegen geplante oder jedenfalls zur Diskussion stehende Windkrafträder mobil macht, weil dann ja der idyllische Blick auf den Odenwald und das zerstörte Heidelberger Schloss, die Scheffelterrasse sowie die Alte Brücke, den Brentano und Arnim und unzählige Burschenschaftler bis heute so genießen, getrübt werde.

Wenige Tage zuvor zeigte ein Titel Thesen Temperamente (TTT-) Fernsehbeitrag mit Tenenbom, was er so denkt. Da sagt er, dass in der Bibel 80-90 Prozent der jüdischen Geschichte sich abspiele, wo heute die palästinensische Westbank oder in der religiös-jüdisch-nationalistischen Sprache Judea und Samaria liegen.

Das ist neu-rechte Ideologie, weil es im Zionismus überhaupt nicht um die Bibel geht.

Diese Verknüpfung von Israel und der Bibel in der ARD zu sehen, ist grotesk. Womöglich wollte der laut Wikipedia (und ohne Quellenangabe) einst zum Elektriker ausgebildete und spätere Konkret-Autor Rayk Wieland, der für den TTT-Bericht mit Tenenbom redaktionell mitverantwortlich ist (jedenfalls ein Rayk Wieland, ob es dieser Rayk Wieland ist, ist nicht sicher, aber wahrscheinlich), einfach eine Satire machen, wie es die Titanic gerne tut, die Tenenbom für bare Münze hält?

Wohl kaum, denn dieses minutenlange Gerede über das Westjordanland und die Siedler, die angeblich ach-so-dermaßen vielfältig seien – das ist eine der Neuen Rechten in Israel und hierzulande in die Hände spielende Argumentation. Das Thema Siedler ist dermaßen existentiell für die Palästinenser und für das Überleben der Juden in Nahost, dass man damit keine Spielchen treiben kann.

Und Tenenbom meint es bitter ernst und sagt völlig ernsthaft, dass die Teilung des Landes, wie sie die UN vorschlägt – damit spielt er unzweideutig auf die UN Resolution 181 vom 29. November 1947 an, die von den Holocaustüberlebenden und allen anderen Jüdinnen und Juden damals ekstatisch gefeiert wurde – niemals gehen würde.

Dann bemüht er ein Bild – und die ARD ist sich nicht zu blöde, filmt und sendet das auch noch -, das absurder nicht sein könnte. Die Zweistaatenlösung sei wie ein Glas mit Wasser oder Cola gefüllt, das man in zwei Teile zerschneide und dann könne ja weder die eine noch die andere Partei daraus trinken.

So etwas sendet die ARD ernsthaft und Tenenbom meint das völlig ernst. Oder war es doch als Satire gemeint und Tenenbom und die Zuschauer:innen haben die Satire und die Verarschung Tenenboms durch die ARD nicht geschnallt?

Der Enthusiasmus vieler aus der Pro-Israel Szene in den (a-)sozialen Medien schon bei der Ankündigung der Veranstaltung von Tenenbom in Heidelberg spricht dafür, dass die das ernst meinen mit dem Abfeiern von Tenenbom und seiner Anti-Zweistaatenlösungs-These.

Dass auch noch Suhrkamp ein solches Buch über die Siedler von Tenenbom publiziert, macht den Skandal perfekt. Man sieht in dem TTT-Beitrag, dass er eben raunt, es gebe rassistische Siedler und nicht-rassistische Sielder, rassistische Palästinenser und nicht-rassistische Palästinenser. Dass wir es seit Jahren mit einem jüdischen Terrorismus gegen Palästinenser:innen im Westjordanland zu tun haben und dass Israel dort herrscht und nicht die Palästinenser, das verschwindet dann im Orkus des Geschwätzes oder der äquidistanten Schwurbelei. Alle Menschen können mal gut oder manchmal auch böse sein, so seien sie halt die Menschen, ja so sei der Mensch an und für sich, das ist der Tenor. Eine gezielte Entpolitisierung des jüdischen Terrors, dem sich die Palästinenser:innen seit Jahren und verschärft nach dem 7. Oktober 2023 gegenübersehen.

Also noch einmal zum Mitschreiben: Ob in der Bibel 80 oder 90 Prozent der Märchen oder Erzählungen oder Geschichten im Westjordanland spielen oder nicht, ist für die Entstehung und Entwicklung des Zionismus komplett irrelevant.

Das ist die Pointe: die Bibel und Religion allgemein sind völlig ohne Bedeutung für den ursprünglichen Zionismus wie von Herzl und den 1948 gegründete Staat Israel, wo es dann einen Kompromiss gab zwischen den Religiösen und den Säkularen, aber bestimmend waren die Ben-Gurions, Sozialist:innen und Zionist:innen.

Warum? Weil es dem Zionismus von Herzl, und das ist der maßgebliche Zionismus bis heute, um ein selbstbestimmtes, sicheres und freies Leben der Juden und Jüdinnen geht. In „Der Judenstaat“ taucht das Wort Religion überhaupt nicht auf. Daher ja die Attacke von Rav Kook auf Herzl.

Wenn man sich dann anschaut, wie altbacken und irrelevant die herkömmliche Antisemitismusforschung und Pro-Israel-Szene arbeitet und was sie publiziert, merkt man: die leben in einer anderen Welt, die merken gar nicht, was passiert. Warum? Darum: Israel ist aktuell so isoliert wie vermutlich noch seit der Staatsgründung im Mai 1948. Es gibt eine Vielzahl an Büchern die letzten Jahre, allein nach dem 7. Oktober, zum Antisemitismus. Aber fast alle Beiträge erzählen die immer gleiche Geschichte: Israel ist bedroht und der linke und islamistische Antisemitismus – manchmal wird auch noch der rechtsextreme Antisemitismus und der mainstreamige erwähnt – sind die größte Gefahr für Juden.

Dass die allergrößte Gefahr für Israel von Israel selbst ausgeht, wird wirklich von keinem einzigen dieser typischen Autorinnen und Autoren thematisiert. Wer also wissen möchte, wie es um Israel steht, sollte nicht solche deutschen Bücher lesen, sondern zum Beispiel die Haaretz oder mit linken Freund:innen in Israel reden. Da gibt es dann Erkenntnisse, die man bei links- wie rechtsantideutschen Autor:innen und allen anderen aus der Mainstream Pro-Israel-Szene in Deutschland oder Österreich vergeblich sucht.

Die SPD, Adis Ahmetovic und Israel

Nach dem nie dagewesenen Massaker an Jüdinnen und Juden durch Palästinenser am 7. Oktober 2023 stellten sich sehr viele Politiker:innen auch in Deutschland hinter Israel. Einer von ihnen war der heutige außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Adis Ahmetovic. Der Tagesspiegel berichtete am 3. November 2023:

Wie Beobachter dem Tagesspiegel berichteten, wurde neben Ex-CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet zuletzt auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Adis Ahmetovic bedroht. Vor allem auf dessen Instagram-Seite riefen Hamas-Sympathisanten dazu auf, den 30-jährigen Sozialdemokraten aus Niedersachsen unter Druck zu setzen. Man müsse Ahmetovic „hängen“, lautete eine Forderung.

Adis Ahmetovic hatte sich unzweideutig hinter Israel gestellt und die Massaker der Hamas, des Islamischen Jihad und der Palästinenser verurteilt.

Was schreibt nun die Jüdische Allgemeine am 2. Juni 2026?

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetović, hat vor wenigen Stunden ein neues Video und einen begleitenden Text zur Lage im Nahen Osten veröffentlicht. Darin macht er keinen Hehl daraus, wen er zum Hauptverantwortlichen für nahezu sämtliche Probleme, Konflikte und Krisen der Region erklärt: den jüdischen Staat.

Hamas? Keine Erwähnung. Hisbollah? Keine Erwähnung.

Der Autor dieses Anti-Ahmetovic Pamphlets ist Sacha Stawski. Ich kenne Sacha seit 2002, als wir beide mit vielen anderen Teil dessen waren, was man die neue Pro-Israel-Szene nennt. Sacha Stawski hat unter anderem die Vereine „I Like Israel“ (ILI) sowie „Honestly Concerned“ mitgegründet, ILI veranstaltet seit 2003 „Israeltage“, Konferenzen, Seminare und vieles mehr. Das ist wichtige pro-israelische und gegen den Antisemitismus gerichtete Arbeit. Gleichwohl: Ich habe mich zum Beispiel 2018 auch kritisch mit I Like Israel auseinandergesetzt („Was hat der rechtsextreme Mord am Vorsitzenden der sozialistischen Partei Japans mit dem Israelkongress in Frankfurt am Main zu tun?“).

Schon damals erkannte ich den gewissen Rechtsdrall bei dieser Art von Veranstaltungen. Doch diese Attacke auf Ahmetovic ist schon ein starkes Stück, weil sie die Position des SPD-Politikers völlig falsch darstellt. Nur kurz zuvor, am 28. Mai 2026, sprachen der ZDF-Journalist Christian Sievers und die Journalistin Helene Reiner in einer Folge des ZDF Heute-Journal Podcasts auch mit Adis Ahmetovic (Min. 16:21 bis Min. 30:26, hier ab Min 21:35), der sagte:

Wir müssen uns davon lösen, Außenpolitik zu betrachten als ein Fußballspiel: Ich bin kein Fan davon zu sagen, ich bin Pro-Israel oder Pro-Palästina. Ich kann auch für beides sein! Und ich bin für beide Staaten. Ich bin für einen israelischen Staat, der in Sicherheit und Frieden leben kann und ich bin auch für einen palästinensischen Staat, der endlich in Selbstbestimmung, Frieden und Freiheit leben kann.

Hört sich so ein Politiker an, der raunen würde „an allem sind … “ die Juden schuld, wie die Jüdische Allgemeine insinuiert?

Vielmehr ist dieses Statement von Ahmetovic ein differenzierter Ausdruck einer pro-israelischen Haltung, die sich völlig bewusst ist, er und Sievers betonen das nachdrücklich, dass Deutschland aufgrund des Holocaust eine einzigartige Verantwortung für den Schutz jüdischen Lebens hat. Aber zugleich wird diese Position auch dadurch pro-israelisch, weil sie auch pro-palästinensisch ist. Das wird in dem Gespräch der drei Protagonist:innen in diesem Abschnitt des ZDF-Podcasts überdeutlich.

Adis Ahmetovic ist ein ganz mainstreamiger SPD-Politiker, mit dem man bei vielen Fragen wie der extremen Aufrüstung, die federführend durch SPD-‚Verteidigungsminister‘ Boris Pistorius durchgepeitscht wird, der Ukraine-Politik oder der Affirmation der kapitalistischen Vergesellschaftung und vielem mehr sicher völlig anderer Meinung sein sollte, wenn man ein Linker ist (auf unseren Demos haben wir in den 1990er Jahren immer bei entsprechenden Anlässen skandiert „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten“, was neben Parolen wie „Hoch die internationale Solidarität“ und vor allem „nie, nie, nie wieder Deutschland“ für gute Stimmung sorgte), aber in puncto Israel sagt Ahmetovic sehr viel sehr Sinnvolles.

Dabei ergänzen sich zumal Sievers und Ahmetovic, auch da merkt man: das sind Menschen, Christian Sievers als einer der bekanntesten Journalisten des Landes, und der junge Ahmetovic, die sich wirklich um Israel sorgen und um den Nahen Osten insgesamt. Das sind keine Judith-Butlers im ZDF-Kostüm. Das sind seriöse Journalist:innen in diesem Teil des Podcasts bzw. Politiker, die sich ganz konkret fragen, wie man Israel und den Juden helfen kann. Und immer Antisemitismus zu schreien, wenn jemand die Politik und keineswegs den Staat Israel attackiert, das hilft nicht weiter. Ja das ist sogar eines der Kernprobleme, das wir haben.

Wie die Jüdische Allgemeine darauf kommen kann, einen Politiker wie Adis Ahmetovic, der wie zitiert 2023 wegen seiner Pro-Israel Haltung Morddrohungen aus dem Hamas-Lager bekam und den ich selbst 2023 in einem Text und unserem Buch „Am Israel Chai“ in Schutz genommen habe gegen die Hamas-Fans und gegen Morddrohungen der Antisemiten, dermaßen zu diffamieren und in die Anti-Israel und Anti-Juden-Ecke zu stellen, das ist vollkommen schleierhaft.

New York Times‘ Bericht über Vergewaltigungen in israelischen Gefängnissen

Wenn die New York Times über Vergewaltigungen von palästinensischen Gefangenen in israelischen Gefängnissen berichtet, ist der Aufschrei der israelischen Regierung groß, ja die israelische Regierung möchte die Zeitung verklagen.

Und so wie es unerträglich war und ist, wenn Gewalt gegen Frauen geleugnet oder heruntergespielt wurde, weil es jüdische Frauen waren – und es gefilmt worden war und es Bildmaterial gibt und Beweismittel ohne Ende, dass palästinensische Männer jüdische und israelische Frauen unschilderbar brutal vergewaltigten, massenvergewaltigten und massakrierten am 7. Oktober -, so schrecklich ist es, wenn auch auf einem anderen Niveau, weil diese Gefangenen nicht ermordet werden, wenn jetzt und schon seit Jahren Israelis Palästinenser und Palästinenserinnen vergewaltigen und die Pro-Israel Szene schweigt häufig dazu und Israel attackiert den Journalisten, der das aufdeckt und übt keine Selbstkritik. Es muss juristisch aufgearbeitet werden, was in israelischen Gefängnissen passiert und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.

PEW-Umfrage: Israel komplett isoliert, weltweit

Die Diskussion über Israel in den USA wird mitentscheidend sein, wie es weiter geht mit dem einzigen Judenstaat. Und die Aussichten sind extrem düster. Eine aktuelle Umfrage des PEW Research Center hat ergeben, dass in fast jedem Land eine überwiegend negative Sicht auf Israel vorherrscht. Dabei wurden zwischen dem 8. Februar und 13. Mai 2026 gut 44.000 Personen in 36 Ländern befragt.

Das betrifft auch die USA, den einzigen wirklichen Alliierten Israels. 60 Prozent der Befragten haben mehr oder weniger starke negative Einstellungen zu Israel – in den USA. Das ist ein schockierender Wert.

Lediglich Länder wie Kenia, Nigeria oder Ghana haben eine positive Sicht auf Israel und die Juden. In Deutschland ist die negative Einschätzung zu Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ohnehin vorherrschend, aber von 2025 bis 2026 stieg der Anteil jener, die ihn negativ sehen, sogar noch von 64 auf 73 Prozent. In Südkorea stieg der Wert derjenigen, die Netanyahu negativ sehen, von 60 auf 70 Prozent, in Australien von 74 auf 79 Prozent.

Man muss sich das mal vorstellen: in keinem einzigen der untersuchten europäischen Länder hat wenigstens eine Mehrheit der Befragten eine positive Sicht auf Israel. Die höchsten Zustimmungswerte zu Israel gibt es in Griechenland (30 Prozent) und Ungarn (32 Prozent), Deutschland hat 23 Prozent und Polen 15 Prozent der Bevölkerung, die Israel positiv sehen. Das zeigt, wie isoliert der einzige Judenstaat derzeit ist, wenn man Umfragen zur Hand nimmt. Die Politik agiert da noch weitgehend am Willen der Bevölkerung vorbei.

Das kann nicht nur am Antisemitismus der Befragten liegen, allein in den USA – wo nur noch 37 Prozent Israel positiv sehen, ändern sich antisemitische Ressentiments nicht in so kurzer Zeit. Laut einer anderen PEW-Umfrage in den USA von 2019 hatten damals 64 Prozent eine positive Sicht auf Israel. Heute sind es wie zitiert 37 Prozent, das ist ein dramatischer Vertrauensverlust, der primär der irrationalen und rechtsextremen Politik von Netanyahu und seiner Regierung sowie der Pro-Israel-Szene in den USA und anderswo zuzuschreiben ist.

In der empirischen Sozialforschung würde kein Mensch die Annahme teilen, dass in wenigen Jahren in einer Demokratie wie den USA (oder England, Frankreich, Deutschland etc.) fast die Hälfte der Bevölkerung oder noch weit mehr plötzlich zu Antisemiten wird. Sie haben keine positive Sicht mehr auf Israel und das liegt primär, wenn auch nicht ausschließlich, an der Politik sowie der Kriegsführung Israels im Gazakrieg (2023-2025) und im Irankrieg (2026).

Liberale Zionist:innen in den USA versus AIPAC

Es gibt daher zunehmend amerikanische Politiker:innen, jüdische amerikanische Politiker:innen, die sich offensiv von der sehr einflussreichen jüdischen Lobbyorganisation AIPAC (American Israel Public Affairs Committee) distanzieren, da diese Israels Politik unkritisch unterstützen würde. Von der Idee her ist AIPAC eine sogenannte bipartisan Einrichtung, bedient als sowohl das Lager der Republikaner, die zu den Hauptsponoren gehören, aber auch jenes der Demokraten.

Zwei aktuelle Beispiele sind Daniel Biss aus Chicago und Brad Lander aus New York City. Beide sind Politiker der Demokraten. Bliss ist der Enkel von Holocaustüberlebenden und sagt von sich, dass er die aktuelle Politik Israels vehement kritisiere, aber nicht anti-israelisch sei. So berichtet es Jonathan Mahler im New York Times Magazine am 12. Juni 2026. Noch bekannter dürfte auch hierzulande Brad Lander aus New York City sein, er trat dort letztes Jahr als Bürgermeisterschaftskandidat an und kandidiert jetzt für das Repräsentantenhaus bei der Wahl im November 2026 (Mid-Term Wahlen). Er sieht sich als liberalen oder linken, gar sozialistischen Zionisten. Er trat nach dem Massaker an Jüdinnen und Juden durch die Hamas und die Palästinenser vom 7. Oktober aus den Demokratischen Sozialisten von Amerika aus, weil diese das Massaker nicht verurteilt, sondern eher gefeiert hatten. Gleichwohl ist er ein Anhänger vom New Yorker Bürgermeister Mamdani, der weiterhin bei den Demokratischen Sozialisten ist. Doch Lander ist pro-israelisch. Aber eben wie so viele Demokrat:innen heute in den USA gegen Netanyahu, gegen die Politik Israels schon vor dem 7. Oktober wie der seit 2023 geplanten „Justizreform“, die sich gegen die Gewaltenteilung wendet.

Es ist genau das, worauf der nicht-jüdische Adis Ahmetovic aus Hannover im ZDF-Podcast hinweist: Wir müssen „Gleichzeitigkeiten“ aushalten lernen, wie er sagt. Gleichzeitig die Freundschaft zu Israel betonen und auch zu „leben“, wie es Sievers in dem Gespräch untermauert, und zugleich die extreme Politik der israelischen Regierung kritisieren, was Ahmetovic unterstreicht.

Wer sich dieses Gespräch von Sievers, Helene Reiner und Ahmetovic anhört, bekommt einen Eindruck davon, was man sehr wohl linken oder woken Zionismus nennen kann: Für Israel, gegen Antisemitismus und parallel dazu mit vehementer Kraft gegen Netanyahu, die aktuelle israelische Regierung, aber auch die israelische Armee (IDF). Die schockierenden Bilder, die der Faschist und Minister Ben Gvir von hinter dem Rücken mit Kabelbindern gefesselten Aktivist:innen auf ihren Schiffen im Mittelmeer postete und abfeierte, Menschen, denen die Augen verbunden wurden und die mit dem Gesicht auf dem Boden lagen und dazu die israelische Nationalhymne Hatikvah (Hoffnung) sich anhören mussten, diese Bilder wurden ja offenbar von der israelischen Armee gemacht, sie hat diese menschenverachtenden und kriminellen Szenen hergestellt.

Man muss wirklich keine Sekunde mit den Zielen dieser großteils antizionistischen Aktivist:innen übereinstimmen. Was man aber muss, ist, diese Menschen als Menschen zu behandeln. Und das hat die israelische Armee und das hat der Faschist Ben Gvir nicht getan. Und dafür müssen sie zur Rechenschaft gezogen werden. Sie haben diesen Menschen extrem geschadet und sie gewaltsam festgehalten und gedemütigt. Und sie haben den Zionismus massiv beschädigt, so wie der Krieg der IDF in Gaza wie im Iran auch den Zionismus extrem beschädigt hat.

Wenn die Jüdische Allgemeine schreibt, dass Ahmetovic von zu hohen Todeszahlen – 80.000 – spreche, so sollte sie sich mit den Fakten auseinandersetzen. 80.000 mag nicht korrekt sein, aber die Haaretz spricht auch von 73.000 bestätigten Toten in Gaza seit Oktober 2023 bis heute, hinzu kämen aber jene, die an Hunger, Verletzungen, Verzweiflung etc. starben, was Zehntausende sein können, so die Haaretz. Dann wären wir bei weit mehr als 80.000 toten Palästinenser:innen. Ahmetovic betont, dass 80 Prozent der Toten Zivilist:innen seien. Bei den Hamas-Kämpfern kann man natürlich nicht von „ermorden“ sprechen, das ist das Ausschalten eines Feindes, der einen selbst töten wollte. Aber es geht um die Unbewaffneten und um die Hungerpolitik bis heute.

Die links-liberale zionistische Organisation J Street sieht AIPAC als riesige Gefahr. AIPAC wird womöglich das jahrzehntelang aufgebaute pro-israelische Dach in den USA zum Einsturz bringen, weil es auf seiner extrem rechten Position verharre, damit beendet Jonathan Mahler seinen Artikel im New York Times Magazine.

Hoffnung auf Woken Zionismus?

Gibt es also gar keine positiven Aussichten? Doch die gibt es und sie heißen, wie bereits angedeutet:

Woker Zionismus

Woker Zionismus verbindet die beiden zentralen Emanzipationsversprechen der Neuzeit überhaupt. Er verbindet einerseits den Kampf gegen die bürgerliche Welt, den Kapitalismus und das Patriarchat, den Rassismus, Kolonialismus und Imperialismus sowie die Naturzerstörung und instrumentelle Vernunft und andererseits den Kampf gegen den Antisemitismus und für jüdische Souveränität in einem eigenen Staat.

Woke ist aber heute noch viel mehr. Die drei Mega-Krisen der letzten sechs Jahre – Corona – Ukraine – Israel/Nahost – zeigten, dass gerade die ach-so-aufgeklärten Woken häufig selbst das Problem sind. Entweder sie sind antisemitisch und gegen Israel oder sie sind autoritär und staatshörig und unterstützten die gesundheitsschädliche und demokratie- wie Public Health- feindliche Coronapolitik.

Da ist dann eine bolivianische kinderfreie Lesbe und prekär lebende Künstlerin, die während der wahnwitzig irrationalen Corona- und Lockdownpolitik sich hinter ihre Obdachlosen stellte, viel näher dran am woken Zionismus und der Kritik israelischer Public Health-Expert:innen als jene privilegiert lebenden Mittelstandskinder aus der Pro-Israel-Szene in Berlin, Hamburg oder Mannheim, die mit FFP2-Maske herumhampelten und ernsthaft meinten, nur Gefolgschaft gegenüber staatlichen Direktiven wäre echter Kampf gegen Antisemitismus, gerade in Doitschland. Da kann man nur lachen – aber die Jahre 2020 bis 2023 waren zu extrem, als dass wir damals hätten lachen können. Die Impf-Apartheid schloss uns ja ohnehin vom öffentlichen Leben komplett aus.

Es ist woke, gegen Rassismus der Polizei aktiv zu sein (Lander in NYC spricht sich für Defunding der Polizei aus!) ohne zu vergessen, dass gerade schwarze Aktivist:innen in den USA, wo der Begriff woke herkommt, häufig antisemitisch agitierten, nicht nur in den 1960er Jahren, sondern bis heute.

Es ist woke, sich gegen den natalistischen Imperativ zur Wehr zu setzen, nicht zuletzt in Israel, wo Kinderkriegen Staatsreligion ist und Putin macht Verlage, die Bücher zum Thema kinderfreies Leben anbieten, zu Kriminellen.

2007 schrieb Barbara Gingold im Lilith Magazine über den Konformismus in Israel, der sowohl das religiöse, als auch das zionistische Lager, Bnei Brak und Tel Aviv, betrifft (auch wenn in ersterem Fall die Frauen womöglich im Schnitt 11 Kinder kriegen und in Tel Aviv ’nur‘ drei):

Das hat sich auch über die Generationen hinweg nicht geändert. Noga Eshed, eine verheiratete Sabra [Einheimische], die nie Kinder hatte, wuchs in den 1950er Jahren in einem Mittelklasseviertel Jerusalems auf. „Jahrelang“, erinnert sie sich, „habe ich mich jede Woche mit meinen Freunden aus der Oberschule getroffen. Zuerst kauften sie sich alle eine Vespa [Motorroller], dann gingen sie alle zum Militär. Mit 25 waren sie alle verheiratet, hatten Kinder, kauften Wohnungen, Kühlschränke und Autos. Das sind die Erwartungen der Israelis: Man hat Arbeit, man hat ein Zuhause, man hat eine Familie.“

Es ist woke, sich gegen diesen Imperativ des Kinderkriegens, Heiratens, Wohnungen, Kühlschränke und Autos kaufen zu wehren, nicht mitzumachen. Aber ist es verdammt hart in Israel ein Punk-Rocker zu sein oder eine nicht angepasste Frau oder Queer, verglichen mit Europa oder den USA. Das Bittere ist, dass gerade in Tel Aviv Schwule sich Leihmütter in Amerika oder sonstwo kaufen, um ein ‚eigenes‘ Kind zu haben, Adoption reicht nicht – es geht also nicht um das Kind an sich, sondern um das eigene Blut und die Ausbeutung armer Frauen aus dem Trikont wie Kolumbien.

Barbare Gingold schreibt:

Wo bleibt denn da die Frau, die – sei es aus körperlichen oder anderen Gründen – letztendlich keine Kinder hat? In einer Gesellschaft, in der Mutterschaft als selbstverständlich gilt, in der sich Frauen – und auch viele Männer – seit jeher über die Kinder definieren, die sie zur Welt gebracht haben, in der sich ein Großteil des Alltags von Erwachsenen um Kindererziehung und Familienaktivitäten dreht und in der sogar alleinerziehende Mutterschaft oft als vorteilhafter angesehen wird als kinderlose Single-Existenz, gilt eine Frau ohne Kinder, wie Racheli es ausdrückt, als „nicht normal“. Ist ihre Kinderlosigkeit unfreiwillig, ist sie ein Objekt des Mitleids; entscheidet sie sich bewusst gegen Kinder, ist sie ein Objekt der Neugier, der Kritik und der Verachtung. Und in einem Land, dessen Sprache kein Wort für „subtil“ kennt, kann selbst das beiläufigste Gespräch – im Supermarkt, mit einem Taxifahrer, im Büro – der kinderfreien oder kinderlosen Frau auf quälende Weise klar machen, wo sie steht – und das geschieht durchaus häufig.

Die Kritik am Familialismus, wie es in der aktuellen Soziologie heißt, wird in Israel auf ganz besonders harten Granit treffen. Doch das wäre woker Zionismus. Selbst wenn jede zweite Frau in Israel keine Kinder mehr bekäme, wäre die Geburtenrate immer noch höher als in Italien oder der Bundesrepublik, und das bei einer Welt die ohnehin massiv überbevölkert ist und viel zu viele Ressourcen verbraucht, was primär, aber nicht nur, die Industrieländer betrifft.

Sodann ist es woke, sich wachsam gegen Antisemitismus und Holocaustbejahung in der Ukraine einzusetzen, ein Thema, das wirklich nahezu 100 Prozent der Forscher:innen im Bereich Antisemitismus in Deutschland meiden, weil es zeigen würde, dass nicht nur Russland ein Problem darstellt, was Autoritarismus betrifft, sondern auch die Ukraine und das massiv. Wer kümmert sich schon um Denkmäler und Straßen, die hier und heute in der Ukraine nach Antisemiten, Nazi-Kollaborateuren und Holocausttätern benannt werden?

Woke heißt sich gegen das Militär und Militarismus auszusprechen. Das heißt konkret gegen die Bundeswehr, Deutschland hat nach Auschwitz nie mehr ein Recht auf eine Armee.

Die aktuelle Aufrüstung in Deutschland, Resultat einer völlig durchgeknallten und irrationalen „Zeitenwende“ angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges Russland gegen die Ukraine im Februar 2022, muss komplett gestoppt werden. Würden alle Gelder – 80 Milliarden pro Jahr und bald über 100 Milliarden – die für das sog. Verteidigungsministerium vorgesehen sind, wegfallen, wäre Geld für den sozial-ökologisch-antikapitalistischen Neuaufbau der Gesellschaft vorhanden. Das ist unrealistisch, aber wer nur Realistisches fordert, hat weder Fantasie noch die Kraft der Utopie je auch nur geschnuppert und ist somit langweilig, angepasst, spießig, deutsch-national, gefährlich.

Israel braucht eine Armee als Selbstschutz, umgeben von fanatischen Arabern und feindlichen Staaten. Doch auch die IDF muss kritisiert werden, wenn sie Kriegsverbrechen begeht oder welche zuließ, wie es in ihrer Geschichte – 1948, 1967, 1982, 2023-2025 etc. – immer wieder passierte.

Es gibt auch israelische Teenager, die keinen Bock auf die Armee haben, Linksradikale, die das, was seit dem 7. Oktober passierte, nicht mehr unter „Selbstschutz“ erkennen können.

Sehr wichtig ist ein Aspekt, der in einem Gespräch von Haaretz mit drei Teenagern, die den Wehrdienst verweigern werden, anklingt. Dabei geht es um ein Flugblatt, das sie geschrieben haben und bis nächste Woche Donnerstag, dem letzten Schultag, tausendfach verteilen werden. Darin heißt es, dass es reiner Zufall ist, wo man geboren wird:

„Seit Jahrzehnten unterdrückt der Staat mithilfe der Armee das palästinensische Volk, annektiert Gebiete und übt Gewalt gegen palästinensische Männer und Frauen aus, die im Westjordanland leben – all dies im Rahmen der Politik der ethnischen Säuberung des Landes.“ Weiter heißt es: „Das Einzige, was sie von uns unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie auf der ‚falschen‘ Seite der Grenze geboren wurden.“ Dies, so heißt es, sei keine Selbstverteidigung.

Man kann noch einen Schritt weitergehen und den Song „Anti Alles Aktion“ der Antilopen Gang von 2014 zitieren:

Wir hatten uns nicht vorgenommen jemals auf die Welt zu kommen
Und trotzdem ist es irgendwie passiert

Angesichts des Pessach Festes und der Befreiung des jüdischen Volkes in der Antike von ägyptischer Sklaverei schrieb bekanntlich der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, im April 2026 in der Jüdischen Allgemeinen:

Solange wir die Lektionen der Freiheit beherzigen, solange wir unsere Traditionen ehren und weitergeben – solange wir stolz darauf sind, jüdisch zu sein, werden sie an diesem Ziel immer scheitern.

Das war einer der Gründe, warum ich mein Abonnement der Jüdischen Allgemeinen gekündigt habe. Der allgemeine Rechtsruck seit vielen Jahren war schon übel, aber so eine absurde Aussage – „solange wir stolz darauf sind, jüdisch zu sein“ – hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Man kann nämlich auf die Herkunft nicht stolz sein. Weder als Muslim in Ägypten, als Jude in Israel oder Deutscher in Deutschland. Kein Mensch hat jemals etwas dazu beigetragen, geboren worden zu sein und schon gar nicht, wo das stattfand und wer die Eltern sind. Das sind alles Zufälle. Man kann, wenn man es nötig hat, auf persönliche Leistungen stolz sein, aber niemals auf die willkürliche und rein zufällige Herkunft. Das ist eine philosophische und existentialistische Grundannahme.

Kurt Tucholsky hat in einem gänzlich anderen Staat, der Weimarer Republik – vor dem Holocaust und vor der Gründung Israels – seine Auswegslosigkeit in Deutschland 1932 angesichts der Aufstiegs der Nazis in seinem letzten Text in der Weltbühne zum Ausdruck gebracht:

Worauf man in Europa stolz ist

[115] Dieser Erdteil ist stolz auf sich, und er kann auch stolz auf sich sein. Man ist stolz in Europa:

Deutscher zu sein.

Franzose zu sein.

Engländer zu sein.

Kein Deutscher zu sein.

Kein Franzose zu sein.

Kein Engländer zu sein.

An der Spitze der 3. Kompanie zu stehn.

Eine deutsche Mutter zu sein. Am deutschen Rhein zu stehn. Und überhaupt.

Ein Autogramm von Otto Gebühr zu besitzen.

Eine Fahne zu haben. Ein Kriegsschiff zu sein. (»Das stolze Kriegsschiff . . . «)

Im Kriege Proviantamtsverwalterstellvertreter gewesen zu sein.

Bürgermeister von Eistadt a. d. Dotter zu sein.

In der französischen Akademie zu sitzen. (Schwer vorstellbar.) In der preußischen Akademie für Dichtkunst zu sitzen. (Unvorstellbar.)

Als deutscher Sozialdemokrat Schlimmeres verhütet zu haben.

Aus Bern zu stammen. Aus Basel zu stammen. Aus Zürich zu stammen. (Und so für alle Kantone der Schweiz.)

[115] Gegen Big Tilden verloren zu haben.

Deutscher zu sein. Das hatten wir schon. Ein jüdischer Mann sagte einmal:

»Ich bin stolz darauf, Jude zu sein. Wenn ich nicht stolz bin, bin ich auch Jude – da bin ich schon lieber gleich stolz!«

  • [116] · Kaspar Hauser
    Die Weltbühne, 08.11.1932, Nr. 45, S. 687.

Ob Schuster das meinte mit dem Stolz? Doch heute stehen Juden nicht schutzlos da und müssen keine Nazi-Herrschaft befürchten, wie es Tucholsky im November 1932 tat. Heute gibt es einen staatlichen Schutz für jüdisches Leben in Deutschland und Europa. Und es gibt Israel. Ich sehe das Gerede vom Stolz-Sein eher im Kontext einer weltweit stattfindenden neu-rechten Anti-Kulturrevolution, von „America First“ über die AfD und dem Deutschlandfahnenwahn seit 2006 hin zu Rechtsextremen und Faschisten wie Smotrich oder Ben Gvir. Wobei die jungen Punks und Teenager in Israel gerade auch die Liberalen oder Linken meinen, die ja massiv IDF-mäßig drauf sind, wobei zumindest einer der drei Protagonist:innen selbst linksradikale Eltern hat, wie die Haaretz berichtet, die es cool finden, dass ihr Kind nicht zum Militär möchte.

Das mit der Zufälligkeit der Geburt meinen also sicher auch diese Teenager, die sich übel vorkommen, aus reinem Zufall auf der ‚richtigen‘ Seite des Sicherheitszauns bzw. der Sicherheitsmauer geboren worden zu sein.

Woke heißt definitiv die Trennung von Staat und Religion. Religion ist Privatsache.

Woke Zionism ist eine mini-kleine Minderheitenmeinung. Aber selbst Herzls Zionismus von 1896 war eine zwar nicht mini-kleine, aber doch Minderheitenmeinung. Und sie führte zum Staat Israel, 1948. Auch das war konfliktreich und mit Gewalt und Mord und Totschlag verbunden, auch mit Kriegsverbrechen, auch von Juden, nicht nur von Palästinensern, deren Ablehnung des UN-Teilungsplans gleichwohl der Auslöser des Unabhängigkeitskrieges war und der Kernaspekt des gesamten Nahostkonflikts. Hätten die Araber, die damals noch gar nicht Palästinenser hießen, den Teilungsplan angenommen, hätten sie seit 1948 einen eigenen Staat.

Wir müssen wieder lernen, dialektisch, kritisch, uns selbst hinterfragend denken zu lernen.

Das haben wir, ‚wir‘ in der Pro-Israel-Szene, ‚wir‘ in der Wissenschaft und in der Publizistik die letzten 25 Jahre und vor allem seit 1989 verlernt.

Uns wurde das Märchen von den „blühenden Landschaften“ im Osten erzählt und dass der Kapitalismus gewonnen habe und alles gut wird. Im Kapitalismus wird aber nie etwas gut und in Deutschland schon gleich gar nicht. Wir haben seit 1989 Nationalismus, Neonazi-Gewalt gegen Migrant:innen, Behinderte, Obdachlose, Linke, Juden, Sinti und Roma und viele andere erlebt. Dann kam 9/11 und der Islamismus zeigte seine blutige Fratze, die umgehend durch das massive Tragen von Kopftüchern islamistischer Frauen eskortiert wurde. Parallel kam der Austeritäts-Kapitalismus und Neoliberalismus, der Arbeitslose zu den Sklaventreiber:innen der JobCenter treibt und soziale Kürzungen sind überall an der Tagesordnung. Mehr Geld fürs Militär, extrem viel mehr, und weniger für die wichtigen und lebensnotwendigen Dinge wie Wohnen, Essen, Leben, Dasein. Dann kam der Brexit und der britische Nationalismus. Und dann kommt das Zeitalter des Trumpismus, 2016 bis heute, ein explosionsartiger Aufstieg von antisemitischen Verschwörungmythen und nationalistischer wie hyper-kapitalistischer Gewalt weltweit, von Argentinien über Brasilien, Holland, Ungarn, die Türkei, Israel und Deutschland und viele andere Länder. Wegen meiner luziden Kritik an Trump wurde ich 2017 aus einem dieser typischen ach-so-dermaßen ‚pro-israelischen‘ Vereine gekickt. Auf so einen Rauswurf, einstimmig, darauf könnte man stolz sein, wenn man denn Stolz nötig hat.

Chinas Corona-Diktatur wurde zwischendurch zum Vorbild ‚erfolgreicher‘ Verhinderung von Demonstrationen, wie es unumwunden die damalige Kanzlerin Merkel zum Ausdruck brachte.

Und da sind wir wieder bei woke. Woke heißt umsichtig zu sein, sich im wörtlichen Sinne umzuschauen, wer oder was läuft hinter, vor oder neben einem, was passiert auf dieser Welt?

Dass diese Welt niemals das Ende der Geschichte sein kann.

Dass es eine Utopie braucht, wie es Russel Jacoby nach 9/11 in seinem Buch „Picture Imperfect“ schreibt.

Und nicht zufällig wendet er sich gegen den Anti-Utopismus von Hannah Arendt, Isaac Berlin oder Karl Raimund Popper, aber zugleich betont er die durchaus vorhandenen und bis heute relevanten utopischen Potentiale von Theodor Herzls Altneuland:

Education is free; women’s emancipation is complete; religion is private. (Jacboy 2005, S. 87)

Das wär ein prima Ausgangspunkt für den woken oder linken oder utopischen Zionismus der Zukunft. Als erster konkreter Schritt in der Bundesrepublik und Europa wäre eine Kampagne gegen den islam-faschistischen und frauenverachtenden Gesichtsschleier angesagt. Dazu das Kopftuchverbot in allen öffentlichen Gebäuden und für Mädchen unter 14 auf der Straße und überall. Das wäre woke und ironischerweise auch österreichisch! In Österreich ist die Gesichtsverhüllung – DAS islamfaschistische Symbol neben dem Hamas-Dreieck und dem Halstuch Keffiyah schlechthin – seit 2017 verboten. Deutschland ist da aus einer völlig falsch verstandenen Toleranz weit hinterher und kuscht vor den Islamisten seit Jahrzehnten. Das muss aufhören.

Dazu kommt ganz kategorial und grundsätzlich die woke, also nonkonforme und ’nicht normale‘ Vorliebe für Diplomatie vor Waffen. Isoliert den Iran und seine Proxies und zwar so richtig – und greift sie nicht sinnfrei an, um jeden Krieg dann zu verlieren, vor allem was die öffentliche Meinung betrifft, von den Toten nicht zu schweigen.

Schließlich muss Israel lernen, dass es nicht jede Gefahr einfach wegbomben kann. Die Kriegsverbrechen der IDF im Gaza-Krieg müssen aufgearbeitet und juristisch verfolgt werden.

Die extreme Zunahme an antisemitischer Hetze und Gewalt seit dem 7. Oktober muss zu viel mehr Aufklärung über die Formen des Antisemitismus führen. Doch die meisten Aktivist:innen im Bereich Kampf gegen Antisemitismus sind unwillig oder nicht in der Lage, die israelische Regierungspolitik scharf zu kritisieren. Wer sich die PEW-Umfrageergebnisse anschaut, in Ruhe anschaut, merkt, dass in einem Land wie den USA sicher nicht in wenigen Jahren der Antisemitismus so stark angestiegen sein kann. Aber die extrem brutale Politik von Netanyahu und der israelischen Regierung führt zu einer massiven Abkehr von Israel, auch bei Millionen und vielen Millionen Anhänger:innen der Demokraten, die eigentlich für Israel sind.

Da könnte woker Zionismus helfen, Zionismus wieder attraktiv zu machen – auch im entschlossenen Kampf gegen den Autoritarismus und Rechtsextremismus in Israel und die explizit faschistischen Regierungsmitglieder wie Smotrich oder Ben Gvir sowie weitere. Und nicht vergessen, worauf in der Haaretz immer wieder hingewiesen wird: Kriegsverbrechen wie von der IDF werden auch von einer Nicht-Netanyahu-Regierung kaum aufgearbeitet werden, weil sie alle Teil des IDF-Systems sind. Auch da hilft nur woker Zionismus!

Wehrhaft sein und sich verteidigen ist eine Sache. Wehrlose Zivilist:innen zu töten gehört nicht dazu. Auch das muss und wird Israel lernen, wenn es eine Zukunft haben möchte, sagt sogar der selbst politisch rechtsextreme amerikanische Vizepräsident, der ja für den völkerrechtswidrigen Iran-Krieg war, solange er halluzinierte, die ersten paar Tage, dass er zu gewinnen gewesen sei. Zudem ist ja Vance ein besonders übler Hetzer gegen „kinderfreie Katzenfrauen“.

Und da ist noch mehr zur Reflektion: Dass Juden nicht einmal im Mittelalter nur Opfer der Christen waren, sondern auch selbst innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gewalttätig waren und Morde begingen oder in Auftrag gaben und viele andere Verbrechen, ist nicht verwunderlich, wurde aber jüngst vom israelischen Historiker Ephraim Shoham-Steiner herausgearbeitet, worauf der Journalist Ofri Ilany hinweist.

Woker Zionismus beschäftigt sich mit Antisemitismus, aber auch mit solchen weniger einfach zu klärenden Aspekten der jüdischen Geschichte und der Gewalt im Zionismus, ohne das zionistische Projekt aufzugeben, ja, ganz im Gegenteil: es zu unterstützen und schärfer, dialektischer und somit massiver machen, weil diskursiver. Genau deshalb hassen sowohl die Trumpist:innen wie auch die Antizionist:innen und Queers for Palestine und deren ganze Bagage den woken Zionismus ganz besonders.

Trotz 1. Mai: Machen wir Frieden wieder zu einem Lieblingswort – in einer Welt voll Antisemitismus, Krieg, Kapitalismus und Autoritarismus

Von Dr. phil. Clemens Heni, Direktor, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

Der 1. Mai ist der einzige Tag, wo es überhaupt noch politische Demonstrationen gibt – allerdings ohne Juden. Wer sozialen Protest als läppischen Kampf zuerst „für Jobs“ und dann „für eure Profite“ sieht und damit den Kapitalismus bejaht oder aber – linksradikal „Alles Würg! Deshalb soll die ganze Scheiße zerfallen“ mit Leuten am 1. Mai demonstriert in Berlin auf der Revolutionären 1. Mai Demo um 18 Uhr, die unter Palästina-Solidarität die Zerstörung des einzigen Judenstaates meinen, was man an Grafiken sehen kann, die sie verbreiten, und wo das Land Israel zusammen mit Gaza und der Westbank verschmolzen ist und also nicht mehr existiert -, sieht wie düster die Zeiten sind.

Das Bezeichnende ist: die Demo läuft auch unter dem Motte „no state“, doch der Staat Palästina wird massiv promotet, anstelle des einzigen Judenstaates.

Der 1. Mai könnte ein Tag des zärtlichen Kampfes gegen die Sklaventreiber*innen der Job Center und der deutschen Bundesregierung wie der Arbeitgeberverbände und ihren Zwillingen, den Gewerkschaften, also gegen die kapitalistische Vergesellschaft per sei sein. Aber: Pustekuchen. Der Klassenkampf geht heute von den Herrschenden aus, mehr Arbeit, sich bereits als Baby via Aktien als Teil des Warensystems begreifen etc. pp.

Zwar ist Widerstand gegen die Merz, Weimers oder Trumps essentiell, aber nicht mit solchen Leuten wie heute in Kreuzberg.

Daher lieber Blumen genießen am 1. Mai als mit solchen Leuten ‚demonstrieren‘.

In Italien werden jüdische Verbände und Gruppen mitunter nicht mehr zu den Feierlichkeiten am 25. April eingeladen, dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und Faschismus. So hat ANPI (Associazione Nazionale Partigiani d’Italia), der Verband der Partisan*innen Italiens, in Bologna die jüdische Brigade, die historisch mithalf, den Nazismus und Faschismus in Italien zu besiegen, nicht zu den großen Feierlichkeiten am 25. April eingeladen, sondern nur zu dem Gedenken an die Befreiung Bolognas am 21. April.

Darauf weist ein Text hin, der den historischen Skandal des 25. April 2026 umfassend analysiert. Der Skandal passierte in Mailand, wo die jüdische Brigade zwar anfangs auf der Demonstration vertreten war, mit Israelfahnen, auch US-Fahnen, aber unter Rufen wie

„Mörder!“, „Zionisten raus aus dem Marsch!“, „Es lebe Hitler!“ und „Freies Palästina!“

vertrieben wurde, die Polizei eskortierte den Block aus der Demo. Ein Sieg der Antisemitinnen und Antisemiten!

Gleichzeitig gibt es in Berlin Sprühereien von Antisemiten wie

„Nur ein toter Jude ist ein guter Jude“

oder

„Kill all Jews“

oder

„271K“

ein neonazistischer Code für Holocaustleugnung. Linkradikale Palästina-Aktivist*innen und Neonazis, aber – wie in Italien – auch weite Teile des eigentlich moderateren Mainstream – zusammen gegen die Juden.

Damit die Situation noch komplexer wird, passierte in Rom am 25. April auch Fürchterliches: vermutlich ein jüdischer Aktivist hat mit einer Schreckschusspistole zwei Teilnehmer der Gedenkveranstaltungen zum Befreiungstag vom Faschismus und Nationalsozialismus angeschossen. Die jüdische Gemeinde Rom distanziert sich von ihm, aber das Symbol ist gleichwohl schlimm: ein fanatisierter Jude, der einen nicht zu Unrecht des Antisemitismus verdächtigen Partisanenverband angreift. So etwas geht nicht.

Der muslimische Antisemitismus wiederum zeigt sich auch in Devotionalien in arabischen und muslimischen Läden in Berlin-Neukölln, wie die Sendung „Klar“ des Bayerischen Rundfunks diese Woche gezeigt hat. Es geht um den sog. legalen Islamismus, die Scharia, Hetze gegen kritische Lehrer, die sich mit religionskritischen Karikaturen beschäftigen, was nur die islamistischen Kids dermaßen aufregt, dass sie gegen den Lehrer Todesdrohungen des IS (Islamischer Staat) an die Tafel kritzelten.

Es geht um eine Grundschule in Berlin, wo Kinder anderen Kindern während des Ramadan (einer vierwöchigen Fastenzeit im Islam, tagsüber während die Sonne scheint, an die sich primär Islamist*innen halten, es gibt sehr wohl gläubige Muslime, die sich daran natürlich nicht halten) das Pausenbrot klauten und zerstörten. Dazu werden auch gläubige, aber demokratische deutsche Muslime interviewt, die sich gegen den Islamismus wenden.

Wer sich in Berlin oder mit dem Islamismus auskennt, weiß das alles seit Jahren (siehe nur meine Studie „Schadenfreude“ von 2011), aber für die größere Öffentlichkeit ist es sehr wichtig, so etwas im Fernsehen gezeigt und analysiert zu bekommen.

Der Wochenzeitung Die Zeit fiel dazu außer einem recht aussagelosen und abwertenden Kommentar nichts Substantielles ein – man könnte fast meinen, dass der Zeit-Autorin zum Beispiel die widerwärtigen Textilien mit Paraglidern, die symbolisch über Israel fliegen und eindeutig auf die Massaker der Palästinenser und der Hamas an Jüdinnen und Juden am 7. Oktober 2023 anspielen, kein Aufschrei wert sind so wie der BR schockiert ist über diese kaum codierte Form der Affirmation des Judenmordes.

Wer übrigens meint, man könne in der Tat antisemitische Parolen wie „From the River to the Sea“ verbieten, übersieht, dass die Antisemitische Internationale längst weiter ist: die hippen Judenhasser (m/w/d) haben schon jetzt Transparente mit der Parole „From EVERY River to EVERY Sea“, super lustig, ein Augenzwinkern, aus dem Blut tropft, Judenblut.

Es ist somit das eingetreten, was womöglich die Hamas nicht mal ahnte, dass der Israelhass sich zu einem weltweiten Judenhass ausgeweitet hat, von Mordanschlägen wie diese Woche in London auf zwei Juden, auf Angriffe auf jüdische Restaurants wie in München, Freiburg oder dem kaum subtilen Druck des allgemein antijüdischen Klimas, das ein jüdisches Restaurant in Berlin zum Aufgeben bringt.

Gleichzeitig haben wir eine Pro-Israel-Szene, gerade in Deutschland, die kaum in der Lage ist, Kritik an Israel, wirklich substantielle Kritik an der Politik oder an der Kriegsführung wie im Gaza-Krieg zu üben.

Aber es gibt ja auch das Schöne am Mai. Vegane Burger, richtige Würstchen, Pommes, blühende Gärten und Landschaften, und ab heute auch wieder etwas günstigeres Benzin, Klimawandel hin oder her, wer zahlt schon gerne 2,21€ für einen Liter Super, wenn er in Innsbruck nur 1,73€ kostet und auch nicht umweltfreundlicher ist?

Also besser entpolitisiert den Mai genießen, und weder mit den Jihad-Kuschlern und Iran-Verharmlosern in Berlin rumhampeln oder mit den Trumpisten und Bibiisten Israel von innen heraus sich zerbröseln zu lassen.

Besser für einen woken Zionismus kämpfen und dabei auch Spaß haben oder wenigstens gutes Wetter, wenn man nicht gerade eine Pollen- oder Kinderbrüll-allergie hat.

Dafür gibt es Kopfhörer und man kann, Wunderwerk der Technik, sich das Rauschen des Baches oder Flusses auch technisch auf die Ohren liefern lassen, wenn man zu viele nervige Leute um sich herum hat, die den idyllischen Ort mit Lärm belästigen.

Machen wir Frieden wieder zu einem populären Begriff. Kämpfen wir gegen Waffenlieferungen, gegen die Wehrpflicht, gegen die Militärhilfe für die Ukraine und für eine diplomatische Lösung des Krieges. Ausgerechnet der englische König – ein Anachronismus im 21. Jahrhundert und überhaupt – sprach sich für einen verschärften Krieg in der Ukraine aus und forderte Trump auf, die Kriegshilfen für die Ukraine doch freizugeben – und Trump spurte, ein autoritärer Charakter spurt, wenn ein König so was sagt, was nicht heißt dass Trump das in wenigen Wochen wieder vergessen hat, was in der Tat auch ein mentales Problem gerade dieses Präsidenten ist.

Völkerrechtswidrige Angriffskriege, auch jener Israels und der USA gegen den Iran – und seien sie noch so begründet in dem Kampf gegen ein islamfaschistisches Regime – sind komplett kontraproduktiv, da sie weder die Menschen im Land unterstützen, die Opposition gegen die Mullahs, noch erkennen, dass der Iran international weiter sehr gut vernetzt ist, nicht nur mit China und Russland, sondern auch weit darüber hinaus. Eine diplomatische Isolierung des Regimes hätte ganz andere Wirkungen haben können als dieser Krieg, der weder das Atomprogramm beendete, noch einen Regime Change bringen konnte.

Und dann gibt es wirklich noch Hoffnung. Frieden. Kommunikation. Kooperation. Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Hetze. Das zeigte sich gestern in Tel Aviv auf dem Peace Summit (“ ‚Make Peace Popular Again‘: Thousands Call for Israeli-Palestinian Partnership at Tel Aviv Peace Summit„), wo Tausende Juden, Araber, Israeli, Palästinenser*innen und andere über Frieden in Nahost diskutierten, über die Zusammenarbeit wie die Trennung, also die Zweistaatenlösung vorneweg. Dass überhaupt Juden und Palästinenser so regelmäßig wie beim Peace Summit miteinander reden, ist ein Zeichen für die Zukunft. Der Zionist und Friedensaktivist MK Gilad Kariv war mit dabei, er setzt sich gegen die Gewalt von Juden gegen Araber wie im Westjordanland ein, aber auch gegen Antisemitismus weltweit.

Dass solche Gespräche nach den Massakern an Jüdinnen und Juden am 7. Oktober durch muslimische Männer und nach den Kriegsverbrechen der IDF im Gaza-Krieg mit Zehntausenden Toten, noch möglich sind – es sprachen auch Angehörige von Opfern beider Kriege, also des Krieges der Palästinenser gegen Israel wie des Gaza-Krieges, gestern auf diesem Friedenstreffen in Tel Aviv – ist bewegend und von größter Bedeutung.

Diese Leute wollen jeweils eine Zukunft in Nahost und nirgendwo sonst! Juden in Israel, Palästinenser in Palästina und dazu auch Araber in Israel und im besten Fall Juden in Palästina, so unrealistisch das sein mag und so wenige Juden es gibt, die in einem Staat Palästina leben wollen wie der heutigen Westbank. Die Palästinenser wollen das großteils auch nicht, aber in Israel klappt es seit 1948, 20 Prozent der Bevölkerung ist arabisch.

Man stelle sich vor, 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland wäre türkisch oder syrisch oder ukrainisch – undenkbar, und zwar in jeder Hinsicht, das würde die Demokratie nicht überstehen und es wäre auch nicht sinnvoll, Parallelgesellschaften oder eine nach ethnischen Kriterien organisierte Flickenteppich-Gesellschaft wäre das Resultat, das Ende eines gemeinsamen demokratischen Konsenses (wie zum Beispiel niemals religiöses Recht wie die Scharia, in Deutschland oder Frankreich, England etc.).

Machen wir Frieden zu einem populären Begriff. In einer Welt des zunehmenden Autoritarismus, der endlosen Gewalt, dem Feiern von Kriegen und ‚Treffern‘ ist das nicht sehr realistisch, aber die einzige Möglichkeit für die Zukunft. Daher ja auch woke Zionism – weil Israel sonst noch isolierter sein wird und sich noch mehr selbst demontieren wird.

Der Peace Summit mag ein Zeichen dieser Hoffnung sein.

Ob es jedoch nicht längst zu spät ist für Israel mit der Hoffnung, nach über 20 Jahren Netanyahu, meint die Haaretz-Autorin Carolina Landsmann. Netanyahu würde sicher bald von der politischen Landkarte verschwinden, aber mit ihm der Staat Israel. Er habe ihn zerstört, die unabhängige Gerichtsbarkeit, ein seriöses Parlament, professionelle Medien – alles dahin. Sie hat völlig Recht, wenn man sich die jüngsten Einigungen von Bennett und Lapid anschaut, deren Kern der Ausschluss des arabischen Blocks in der Knesset ist, was auch dazu führen kann, dass im Herbst, wenn Wahlen sein werden – aller Voraussicht nach – die Opposition doch nicht gewinnt.

Wer sich wirklich mit Israel auf kritische, seriöse und solidarische, also zionistische Weise beschäftigen will, sollte das Resümee von Carolina Landsmann („Netanyahu Will Go, but the State Will Die With Him“) lesen und darüber nachdenken:

Angesichts des bevorstehenden Endes bleibt eine Frage offen: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Und das weiß nur Gott allein. Wir müssen sterben, um es herauszufinden. Vielleicht wird nach dem Tod des Staates etwas Neues geboren, und wir werden eine nationale Wiedergeburt erleben. Sicher ist jedoch, dass wir das Leben, das wir hatten, nicht wiederbeleben können. Es gibt keinen Weg zurück zu dem, was einmal war. Es gibt keine Zukunft für den Staat, wie er einmal war. Der Staat ist er. Und sein Ende wird das Ende des Staates sein. Er hat ihn getötet.

(Übersetzung aus dem Englischen von CH)

Das ist schwer, so etwas zu lesen und darüber zu diskutieren angesichts dieser unfassbaren Flut von Antisemitinnen und Antisemiten weltweit, nicht nur in Berlin am heutigen 1. Mai oder am 30. April in Heidelberg, wo natürlich auch die „Palästina“-Solidarität mit dabei war und wo es wie in Berlin zu einhundert Prozent ausgeschlossen ist, dass dort Israelfahnen zu sehen sind und sozialistische oder andere linksradikale Zionist*innen mitlaufen könnten, wenn sie wollten.

Wer wirklich Zionist ist und somit für Frieden, für die Rechte der Palästinenser*innen auf einen eigenen Staat und für die gleichen Rechte der Araber, die schon in Israel leben, der oder die sollte die gestrige Rede von MK Gilad Kariv sich nochmal anhören, UnXeptable hat sie live gestreamt und sie wurde aufgezeichnet.

Das ist das wahre Israel, so pathetisch das klingt. Aber so ist es. Das ist Israel. Das ist Zionismus, das ist Linkszionismus, das ist der Kampf für Israel und für Palästina, Seite an Seite. Das ist der Kampf für Frieden, wenigstens im Nahen Osten.

Warum wird der US-Botschafter nicht abgeschoben, wenn sein Präsident mit der „Vernichtung“ des Iran droht?

Von Dr. phil. Clemens Heni, Direktor, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

Donald Trump droht mit der Ermordung von 90 Millionen Menschen, wie die Frankfurter Rundschau berichtet:

Update, 6. April, 19:33 Uhr: US-Präsident Donald Trump verschärft seinen Ton gegenüber dem Mullah-Regime im Iran. Er hat dem Iran erneut mit massiven und verheerenden Luftangriffen gedroht. „Das ganze Land könnte in einer Nacht ausgelöscht werden, und diese Nacht könnte morgen sein“, sagte Trump am heutigen Montag bei einer Pressekonferenz zum Iran-Krieg im Weißen Haus.

Die Abgeordnete im Repräsentantenhaus Yasamin Ansari fordert wegen Kriegsverbrechen die Absetzung des US-Kriegsministers Pete Hegseth.

Man stellt sich als Demokrat die Frage, warum ein Land wie die USA, das solche Kriegsverbrechen ankündigt und schon welche in diesem Krieg begangen hat, weiterhin eine Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland haben darf? Diese Frage stellt sich seit Jahrzehnten bezüglich dem Iran, jetzt auch bezüglich den USA und Israel sollte auch scharfe Kritik, offizielle scharfe Kritik der Bundesregierung erfahren, weil sie bei diesen Kriegsverbrechen und angekündigten Kriegsverbrechen mitmacht, was dem einzigen Judenstaat so stark schadet wie nichts seit 1948.

Der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland Jeremy Issacharoff attackiert Benjamin Netanyahu frontal

Von Dr. phil. Clemens Heni, Direktor, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

In der Times of Israel schreibt am 5. April 2026 der ehemalige Botschafter Israels in Deutschland von 2017-2022 Jeremy Issacharoff  („Netanyahu’s wars and squandered diplomatic gains„) über die politischen Fehler von Benjamin Netanyahu und der aktuellen rechtsextremen Regierung Israels. Laut Issacharoff hätte der Gaza-Krieg spätestens im Januar 2025 beendet werden müssen – und nicht erst im Oktober 2025, wobei er nur die Dutzenden Toten Israelis erwähnt, die in diesem Zeitraum im Krieg getötet worden sind, aber von den Zehntausenden getöteten Palästinenser*innen schweigt. Gleichwohl eine Kritik an Israels Gaza-Krieg, ohne jedoch das Wort Kriegsverbrechen zu verwenden, wie es notwendig ist und in der Haaretz auch regelmäßig getan wird.

Jedenfalls geht die Kritik des Ex-Botschafters weiter. Er sagt, wie es denn sein könne, dass Israel im Juni 2025 laut Netanyahu einen „historischen Sieg, der Generationen halten wird“ errungen habe gegen den Iran, wenn acht Monate später ein viel größerer Krieg gegen den Iran notwendig geworden sei? Das ist komplett inkonsistent und zeigt, dass Netanyahu lügt.

Er möchte Krieg um jeden Preis, weil sich die Israelis grundsätzlich hinter ihre Armee stellen, egal wie sinnfrei oder verbrecherisch ein Krieg ist – und gerade nicht im Sinne des Schutzes des einzigen Judenstaates. So war die libanesische Regierung, so Issacharoff weiter, sehr wohl bereit und in der Lage, die Hisbollah schrittweise zu entmachten und militärisch einzuhegen – doch Israel marschiert lieber ein x-tes Mal in das Land ein, zerstört Infrastruktur und tut so, als könne man die Hisbollah besiegen, was irrational ist, wie jeder weiß.

Netanyahu verspielt alle diplomatischen Erfolge der letzten Jahre und Jahrzehnte, wie das Abraham-Abkommen und macht keinerlei Anstalten, gerade auch mit Saudi-Arabien eine Art Friedensschluss zu erzielen, da die Saudis das entgegen den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain oder Marokko sehr wohl mit der Perspektive für einen Staat Palästina verknüpfen.

Dieser Staat wird durch das E1-Projekt und den Rassismus und die Pogrome gegen Palästinenser*innen im Westjordanland torpediert. Dazu kommt die tatsächliche Apartheids-Politik in Bezug auf die Todesstrafe im Westjordanland, die nur Araber also Palästinenser*innen treffen kann. Eine Regierung, die ein solches Todesstrafen-Gesetz mit einer Sektflasche und Sektgläsern feiert, wie es Ben-Gvir und seine rechtsextremen Knessetfreunde getan haben, hat jegliche Menschlichkeit, jegliche Legitimation verloren und steht jenseits der Demokratie. Eine solche Regierung kann man auch nicht mit Staatsbesuchen einfach so empfangen. Das zerbröselt den Zionismus.

Der Diplomat Jeremy Issacharoff fordert daher am Ende seines Texte angesichts der (vermutlich) bevorstehenden Wahlen zur Knesset dieses Jahr in Israel mehr Diplomatie, Kompromisse und eine rationalere Politik. Immerhin. Das ist weit entfernt von der scharfen und linken Analyse wie man sie in vielen Texten in der Haaretz lesen kann, aber es ist viel für einen Ex-Botschafter, der unter genau diesem Ministerpräsidenten Netanyahu seinen Job ausführte – in Berlin – und wenige Jahre später Netanyahu so scharf attackiert, wie es ein Diplomat eben kann.

Die Kernausage von Issacharoff jedoch sollte wenigstens die nicht komplett Fanatisierten und nicht völlig Realitätsgestörten (gibt es die??) in der europäischen und weltweiten Pro-Israel Szene zum Nachdenken bringen:

Das Ansehen und die diplomatische Legitimität Israels in der Region sowie auf internationaler Ebene waren noch nie so schlecht wie heute, und es besteht die Gefahr einer weiteren Verschlechterung.
(Übersetzung CH)

So ist es. Vermutlich noch nie war Israel seit 1948 so isoliert wie heute, all die Solidarität, die es nach den genozidalen Massakern der Hamas und der Palästinenser vom 7. Oktober 2023 erhalten hatte, hat es mit einem schier unendlichen Militarismus und Extremismus verspielt. Nie wurde der Zionismus so sehr von innen beschädigt, wie durch Benjamin Netanyahu. Leiden tun darunter primär die Palästinenser*innen, aber auch die – allerdings sehr kleine Zahl – linken Zionist*innen in Israel.

Doch auch die Gesamtbevölkerung leidet ja darunter, tägliches Schutzsuchen in Bunkern, Safe-Rooms in Wohnungen, Apartments und privaten Häusern und anderen Schutzräumen sind ein unerträglicher Zustand und sie sind Resultat des israelischen und amerikanischen völkerrechtswidrigen Angriffskrieges. Jeder, der minimal wusste, wie der Iran funktioniert, wusste, dass es so kommen würde, inklusive einer Verschärfung des Regimes nach Ali Khamenei.

Und nicht mal die Ankündigung von Trump, das ganze Land zu zerstören, Kraftwerke, die Strom- und Energieversorung für 90 Millionen Menschen zu zerbomben, wie es in seiner zwischen Infantilismus, Prä-Demenz und faschistischer Gewalt oszillierenden Sprache heißt, schockiert diese Pro-Israel-Szene.

Ich sah die dümmlichen Lachgesichter, Icons, Reels, Kommentare und Memes auf den a-sozialen Medien von jenen, die sich freuten, dass dieser Islamist Ali Khamenei gleich am ersten Tag des Iran-Krieges getötet worden war. Seine Nachfolger sind für Israel noch weit gefährlicher. Am gefährlichsten jedoch für den einzigen Judenstaat ist die aktuelle israelische Regierung.

 

P.S., 06.04.2026, 22 Uhr:

Die Ökonomin Fawzia Naqvi sieht heute in Anlehnung an Experten die realistische Gefahr, dass der Iran mit dem nur 60 Prozent angereicherten Uran eine  Atombombe wie von Hiroshima bauen könnte und vermutlich bauen wird.

Naqvi betont, dass die „militärischen Ziele“ der US-Armee menschenverachtend und völkerrechtswidrig sind und dass es eine Schande für die Menschheit sei, wenn die US-Medien einfach so nachplapperten, was der Fascho Trump sagt, dass „wir unsere militärischen Ziele erreicht haben“. Eines der ersten Ziele war ein Gymnasium mit Schulmädchen, über 170 Mädchen, Lehrer*innen und Eltern wurden dabei ermordet. Heute, 6.4., hätte die US Luftwaffe das „MIT des Iran“, eine Eliteuniversität in Teheran, wo sehr viele anti-islamistische Demonstrant*innen studierten, angegriffen, so Naqvi.

Haaretz ruft Juden und Israelis dazu auf, gegen den Iran-Krieg aufzustehen

Von Dr. phil. Clemens Heni, Direktor, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

Enttäuschte Liebe ist ein heftiges Gefühl. Ein viel heftigeres Gefühl als eine rationale Gegnerschaft zu einer bestimmten Politik. So sind auch manche MAGA (Make America Great Again) Anhängerinnen von Trump dermaßen enttäuscht, dass sie verbal durch die Decke gehen. Einige dieser Kriegsgegnerinnen und -gegner sind durchaus eloquent und intelligent, was eigentlich ein Widerspruch ist zur MAGA-Bewegung. Aber sie meinten das ernst, mit nie wieder Krieg – aus isolationistischen, nicht pazifistischen Gründen. Sie betonen, wie viel man für die Gesundheit oder die Bildung tun könnte, anstatt diese Hunderten (!) Milliarden, die der Krieg schon jetzt allein die USA kostet, auszugeben.

Sieger seien Russland, China und der Iran. Was für ein unschilderbares Versagen der USA und Israels. So die Position nicht weniger MAGA-Anhänger*innen mit Gendersternchen.

Sie sind außer sich, dass Trump so dermaßen fanatisch und dumm ist, wie er eben ist. 700 Millionen US-Dollar kostet das Radar-Flugzeug, Typ Awacs, das jetzt auf einer US-imperialistischen Militärbasis in Saudi-Arabien unschädlich gemacht wurde – von einer iranischen Drohne!

Was für ein Debakel für die weltgrößte Militärmacht, die doch eine hoch entwickelte Industriegesellschaft wie den Iran in „die Steinzeit bomben“ möchte – ein Kriegsverbrechen, das Trump und sein faschistischer Kriegsminister Pete Hegseth ankündigen – wobei Hegseth sagte, es werde „kein Mitleid“, „kein Pardon“ geben im Krieg, was die Ankündigung von Kriegsverbrechen, dem Töten von Gefangenen etc. bedeutet – und niemand haut ihnen dafür in die Fresse, wie damals Beate Klarsfeld dem Nazi Kiesinger eine Ohrfeige gegeben hat.

Was neben den toten Zivilist*innen im Iran oder im Libanon beim aktuellen Krieg ebenso unverzeihlich ist, ist die Tatasche, dass Trump und Netanyahu und die ganze Bande einen dazu gebracht haben, unwillkürlich Schadenfreude zu empfinden, wenn ein US-Kampfjet (F-35) ausgerechnet von den Islamfaschisten des Iran abgeschossen wird.

Der völkerrechtswidrige Krieg gegen das islamfaschistische Regime des Iran vom Faschisten Donald Trump und seiner faschistischen US-‚Regierung‘ sowie in Kooperation mit der rechtsextremen Regierung des Antizionisten Benjamin Netanyahu muss sofort aufhören.

Bedingungslose Kapitulation der USA und von Israel sowie freie Fahrt für alle Schiffe durch alle Weltmeere, was ein Ende der Herrschaft des Iran über die Straße von Hormus sowie des Roten Meers bedeutete.

Dass es diese beiden Meerengen gibt, war den USA und Israel zuvor nicht bekannt. Sie ahnten nicht, dass die gesamte Welt in eine massive Energie-, Wirtschafts- und somit Sozialkrise stürzen würde, wenn es so gut wie kein Öl oder Flüssiggas etc. über die Straße von Hormus mehr gibt, obwohl ja ’nur‘ 20 Prozent des weltweiten Öls über diesen Schifffahrtsweg transportiert wurden bislang.

Sie dachten, der Iran würde sofort kapitulieren, weil sie sich die letzten 47 Jahre überhaupt nicht mit dem Iran befasst haben und keine – keine! – Ahnung haben, auch der Mossad und der CIA nicht – wo die Tausenden Rakten gelagert sind und dass viele nie erreichbar sein werden, weil Granit stärker noch ist als Beton. Wussten die Expert*innen in Jerusalem und Washington, D.C. nicht. Und niemand sagte es ihnen vorab.

Wir sind im Krieg, auch Deutschland, das ja weiter eine zentrale Militärbasis für die USA ist. Und mehr noch, wie jetzt bekannt wurde, müssen sich junge Männer in Deutschland im Alter von 18 bis 45 in Zukunft – man fühlt sich an die Nazi-Zeit wirklich direkt erinnert! – abmelden, wenn sie länger als drei Monate dieses elende Land verlassen wollen. Abmelden! Das sind ukrainische Verhältnisse oder russische, mitten in diesem nicht mehr post-, sondern prä-faschistischen Land.

Dazu passt, dass die Nazi-Gründung VOLKswagen jetzt teils umsattelt und nicht mehr nur Autos, sondern auch Militärgüter herstellt, auch in Kooperation mit Israel. Viele die das kritisieren, mögen Antisemiten sein, unzweifelhaft. Aber viele sind auch Anti-Militarist*innen und Antifaschist*innen und hätten es lieber gesehen, wenn VOLKSwagen 1945 komplett platt gemacht worden wäre.

Nach allem, was wir nach fünf Wochen Iran-Krieg wissen, ist Folgendes:

Die USA und Israel haben kein konkretes Kriegsziel.

Das Regime im Iran scheint eher gestärkt zu sein und nicht geschwächt.

Wenn nach fünf Wochen extremen Bombardements der Iran noch locker 50 Prozent seiner Raketen besitzt und Israeli täglich bis zu vier Mal in die Schutzbunker gehen müssen, dann ist das ein Versagen Israels.

Wenn US-Kampfjets abgeschossen werden können, haben die USA eben nicht die Lufthoheit, sondern sind jederzeit – jederzeit – verwundbar.

Dazu kommt dann die Kriegsunterstützung durch die Jüdische Allgemeine wie durch den Präsidenten des Zentralrats der Juden Josef Schuster. In der aktuellen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen schreibt er auf Seite eins:

Zu viele erheben bereitwillig die Stimme gegen den angeblich »völkerrechtswidrigen« Krieg gegen das Mullah-Regime, um dann zu schweigen, sobald das Leid der Menschen im Iran und in Israel seit Beginn dieses Krieges zur Sprache kommt.

Würde Schuster zum Beispiel die Haaretz lesen oder Texte von J Street, wüsste er, dass dieser Krieg tatsächlich völkerrechtswidrig ist und dass Zionist*innen wie in der Haaretz oder bei J Street den Islamfaschismus des Iran seit vielen Jahren thematisieren und kritisieren.

Weiter schreibt Schuster dann am Ende seines Essays:

Diese Resilienz und die Liebe zur Freiheit sind es, die wir als jüdische Gemeinschaft an Pessach feiern und das ganze Jahr über unter Beweis stellen. Antisemiten werden weiterhin versuchen, jüdisches Leben unsichtbar zu machen und uns an den Rand der Gesellschaft zu drängen. Solange wir die Lektionen der Freiheit beherzigen, solange wir unsere Traditionen ehren und weitergeben – solange wir stolz darauf sind, jüdisch zu sein, werden sie an diesem Ziel immer scheitern.
Dieses Pessach feiern wir im vollen Bewusstsein darum, wie kostbar unsere Freiheit ist.

Man kann nur auf etwas „stolz“ sein, was man selbst erreicht hat. Die Herkunft ist völlig beliebig und zufällig. Darauf kann man nicht „stolz“ sein. Wer darauf „stolz“ ist, welcher Gruppe man von Geburt an angehört (oder durch Konversion zu einer dann wieder nur Religionsgemeinschaft konvertierte), sollte vielleicht einfach nochmal ganz von vorne anfangen.

Ich hab jedenfalls mein Abonnement der Jüdischen Allgemeinen endlich gekündigt – als Zionist lese ich die Haaretz, die häufig wohltuend intellektuell vielfältig ist und in einer ganz anderen publizistischen Liga spielt als die Jüdische Allgemeine.

Ich hab schon 2008 den rechtsextremen Kurs von Netanyahu kritisiert, es ist also ein schleichender und kontinuierlicher Prozess der Kritik. Gleichzeit habe ich vor allem durch Texte der Haaretz und in Teilen, geringeren Teilen, auch in der Times of Israel viele zionistische Stimmen gelesen, die nicht nur gegen Netanyahu sind, sondern auch diesen Krieg ablehnen und die Kriegsverbrechen des Gazakrieges nicht unter den Teppich kehren, sondern zum Thema machen wollen.

Und dann geht es wieder um Liebe. Die Liebe zu Israel, dich ich nie als solche bezeichnen würde, aber egal, die Haaretz jedenfalls wendet sich an die Israelis, die ja ihr Land lieben und schreibt zu den jüdisch-zionistischen Israel Liebenden IN ISRAEL:

Verstehst du denn nicht, dass du ausgenutzt wirst, dass sie dich (wieder einmal) über den Tisch ziehen? Dass sie, wie schon am 7. Oktober und unzählige Male zuvor, deine Liebe zu diesem Land und seinen Menschen, dein Bekenntnis zur Überparteilichkeit und sogar deinen Respekt vor dem jüdischen Bund und der jüdischen Tradition ausnutzen?
Es ist einfach, aber bedrückend, diese Gedanken in Haaretz zu äußern – sozusagen vor dem Chor zu predigen. Aber es gibt viele Menschen, die sich mit den ursprünglichen Zielen dieses Krieges identifiziert haben – bevor er zu einem gescheiterten Krieg um Öl wurde –, die vermuten, dass ihr Leben nicht so sein muss, dass man ihnen direkt ins Gesicht lügt. Sie sind sich nicht einmal sicher, ob sie so denken dürfen. (Übersetzung aus dem Englischen von CH)

So schreibt Ravit Hecht am 2. April 2026 in der Haaretz („Israel’s Center Must Rise Up Against the Iran War“).

Was für eine intellektuelle Kluft, ja was für zionistische Welten liegen zwischen diesem Text und jenem von Josef Schuster?

Angesichts der Pogrome gegen Palästinenser*innen in der Westbank, beinahe täglich, und der brutalen Ideologie und Praxis jener, die sich „religiöse Zionisten“ nennen und fast immer weder das eine noch das andere sind, wie Daniel Goldman im Oktober 2024 herausragend analysiert hat („The Religious Zionist Party leadership: Neither religious, nor Zionist“), gilt es Distanz zu wahren und Kritik zu üben.

So wie es zum Beispiel der deutsche Botschafter in Israel Steffen Seibert tut und damit massiv in Konflikt gerät mit der rechtsextremen israelischen Regierung, die sich schon freut, dass er bald turnusmäßig abgelöst werden wird.

Absolut zentral ist die Analyse des Historikers Moshe Zimmermann in der ZEIT, wo er in einem Interview sagt:

Die ursprünglichen Zionisten sprachen nicht vom jüdischen Staat, sondern vom Judenstaat. Ein Staat für Juden, in dem sie ihr Recht auf nationale Selbstbestimmung verwirklichen möchten. Für frühe Zionisten umfasste „jüdisch“ vor allem Tradition, Sprache, Geschichte. Die Religion galt als Privatsache.

 

Zionismus am Ende? Texte der Haaretz lesen und nachdenken

Von Dr. phil. Clemens Heni, Direktor, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

Wenn man sich die Irrelevanz und Realitätsferne der Pro-Israel-Szene in Deutschland anschauen möchte, reicht ein Blick in die einzige jüdische Wochenzeitung, die Jüdische Allgemeine. In der Ausgabe vom 26. März 2026, 8. Nissan 5786, also letzten Donnerstag, steht auf Seite 1 ein Text mit der Überschrift „Ist das wirklich nicht unser Krieg“? Der Autor, Roman Haller, „ist ehemaliger Direktor der Jewish Claims Conference für Deutschland“ und schreibt:

Es ist eine gefährliche Illusion zu glauben, dass dies nicht unser Krieg ist und die Folgen der atomaren und ballistischen Bedrohung durch das iranische Regime allein Jerusalem betreffen.

Bebildert ist der Aufmacher der Jüdischen Allgemeinen mit einer Grafik, die die Weltkugel zeigt und den Radius der Reichweite iranischer Raketen – einmal 2000 km und einmal 4000 km, das würde also bis nach Berlin reichen.

Nun, nach vier Wochen Krieg haben die USA und Israel wohl nur ein Drittel der ballistischen Raketen des Iran zerstört. Der Angriff des Iran auf eine 4000 km entfernte Insel zeigt doch, wie militärisch irrelevant dieser Krieg ist. Der Iran ist super raffiniert und hat viele seiner militärischen Anlagen unterirdisch versteckt und zumal dezentralisiert. Und er wird jetzt noch viel mehr am Atomprogramm arbeiten als zuvor. Die aktuelle Energiekrise ist Schuld der USA und von Israel und betrifft wirklich die ganze Welt.

Es geht darum, dass der Iran durch diesen Krieg zwar geschwächt ist, aber vermutlich näher an einer Atombombe als je zuvor – weil jetzt der unbandige Wille des gesamten Regimes da ist, wirklich eine Bombe zu bekommen. Das war zuvor nicht so, wie alle, die sich auskennen, bestätigen. Wenn Ali Khamenei ‚harmloser‘ war als seine Nachfolger, wissen wir, mit was für einem Regime wir es zu tun haben.

Israel und die USA haben von Tag eins dieses sinnfreien Krieges keine konkreten Kriegsziele genannt. Also wissen die Israelis, die gleichwohl fanatisch hinter dem Krieg stehen, zu immer noch ca. 90 Prozent, gar nicht, was das Ziel ist.

Keine Raketen mehr auf Israel? Das Gegenteil ist der Fall.

Regime Change? Weit gefehlt.

Keine atomare Gefahr mehr aus dem Iran? Noch weiter gefehlt.

Gestern gab es Massendemonstrationen in den USA gegen Trump, Autoritarismus und diesen Krieg sowie gegen die Faschos von ICE und die Morde an US-Bürger*innen. Millionen waren auf den Straßen – NO KING. Die USA sind eine Demokratie mit einer lebendigen Zivilgesellschaft, noch.

In Israel gab es gestern auch Demonstrationen gegen den Krieg – von einigen Hunderten bis Tausenden.

Die ganze Welt ist ökonomisch von der Sperrung der Straße von Hormus durch das islamistische Regime in Teheran betroffen. Die ‚genialen‘ Armeen der USA und Israels hatten das nicht antizipiert, dass der Iran diese Meerenge schließen könnte.

„Ächte Käpsele“, wie sarkastische Schwaben sagen würden.

Die ganze Welt hat jetzt mit Energieknappheit zu kämpfen, von Südkorea, wo die Menschen weniger duschen sollen, bis nach Europa, wo die Spritpreise noch auf unabsehbare Zeit über 2 Euro pro Liter liegen.

Dazu kommt, dass Fluggesellschaften Israel wieder über Monate nicht anfliegen werden, kaum Tourismus, ziemliche Isolation. Wie während des im Laufe der Zeit immer fanatischer sich entwickelnden Gaza-Krieges, wo Israel massenhaft Kriegsverbrechen begangen hat und Zehntausende palästinensische Zivilist*innen ermordet hat. Zehntausende unbewaffnete Zivilist*innen, durch Schusswaffen, Bomben und auch einige auch durch Hunger.

Das sagen die wahren Freund*innen Israels, die noch einen Sinn für die Realität haben.

Auch die weiteren Texte in der Jüdischen Allgemeine, die wirklich pars pro toto für die gesamte Pro-Israel-Szene in Deutschland stehen, zeigen keinerlei substantielle Analyse oder Kritik an diesem fürchterlichen Krieg, sondern fast nur Bejahung.

Das einzig minimal Lustige in dieser Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen ist das „Zitat der Woche“ und bezieht sich darauf, dass der Pianist Igor Levit offenbar angekündigt hat, sich einen Hund zu kaufen, der dann den Namen „Miles Davis“ bekommen wird (Seite 2).

Wer sich für die reale Situation und nicht für Propaganda interessiert, liest besser die Haaretz, die einzige Zeitung – die englische Ausgabe -, die zeigt, dass es noch zionistische Kritik an der israelischen Politik und Gesellschaft gibt.

Carolina Landsmann schreibt in der Haaretz am 27. März 2026 („Israel Can’t Survive by Ignoring Its Conflict With the Palestinians. History Demands Action“), dass Israel seit seiner Gründung vom Konflikt mit den Palästinensern /Arabern geprägt ist. Den Konflikt einfach zu negieren und einfach so weitermachen, weil es ja seit 1948 oder 1967 auch ‚geklappt‘ habe, so oder so, sei nicht möglich. Es brauche eine Zweistaatenlösung oder eine echte Alternative, aber ohne Plan wird der Konflikt beide Seiten, Juden wie Araber, zermürben und Israel in seiner Existenz gefährden.

Der Psychoanalytiker und Psychiater Eran Rolnik schreibt am 16. März 2026 in der Haaretz („Between Freud and Epstein, the Zionist Left’s Crisis in the Diaspora Is Uncanny to the Extreme„):

Hier kommt es zu einem Bruch, der nicht nur politischer, sondern auch sprachlicher und psychologischer Natur ist. Kritik an Israel, die einst auf einem Zugehörigkeitsgefühl und der Annahme beruhte, dass „über das eigene Lager alles gesagt werden darf“, wird plötzlich verdächtig – nicht weil sich die Kritik geändert hat, sondern weil sich das Publikum geändert hat. Dieselben Sätze, die einst in einem jüdischen oder kritisch-zionistisch-linken Umfeld gesprochen wurden, erreichen nun fremde und nicht selten feindselige Ohren. Von zionistisch-linken Juden wird immer wieder verlangt, entweder ihre Kritik an oder ihre Verbindung zu Israel aufzugeben, sich für ihre Haltung zu entschuldigen oder eine Seite zu wählen, als sei der bloße Versuch, eine Unterscheidung zu treffen, ein moralischer Makel.

Diese Erfahrung lässt sich mit dem Begriff beschreiben, den Sigmund Freud als „Unheimliches“ bezeichnete: den Moment, in dem etwas Vertrautes und Geborgenes gerade wegen seiner Nähe fremd und bedrohlich wird. Für viele liberale Juden in der Diaspora bricht der Raum, in dem sie erzogen wurden, nicht von außen zusammen, sondern wird von innen heraus fremd.

Begriffe wie Gerechtigkeit, Menschenrechte und Universalismus kehren in einer verzerrten Version zurück, die sich schwer tut, jüdische Ängste, jüdisches Leid oder das jüdische Recht auf Selbstbestimmung anzuerkennen. Dies ist keine einfache Entfremdung, sondern etwas weit Beunruhigenderes: Die Heimat hört auf, eine Heimat zu sein.

(Alle Zitate in diesem Text sind von CH aus dem Englischen übersetzt)

Das bettet der Autor in die Krise des Liberalismus und der Linken ein. Dass linke Zionist:innen sich kaum noch äußern, liege an dieser riesigen Krise, dem Backlash, der Neuen Rechten, dem Autoritarismus, den wir seit vielen Jahren erleben, in den USA, Europa, weltweit – von den Regimen, die schon zuvor autoritär waren, abgesehen.

Das Schockierende ist ja, dass die Forderung, die Kritik an Israel aufzugeben, gerade von den angeblichen Freund:innen Israels kommt, während die nicht-jüdischen Linken mit Israel ohnehin ein Problem haben und Linkszionist:innen einfach nicht verstehen können oder wollen.

Überspitzt drückt es die palästinensische Autorin Hanin Majadli am 27. März 2026 in der Haaretz aus („Today’s Zionism Is on a Mad Dash Toward a Messianic Colonialist Project“): es sei für sie irrelevant, ob sie von einem zögerlichen linken Zionisten der IDF oder von einem überzeugten rechtsextremen jüdischen Siedler erschossen wird.

Ihr Text hat viel Wahres, aber es fehlt doch die Tatsache, dass weite Teile der Palästinenser:innen seit 1948 auf ihren Antisemitismus nicht wirklich reflektiert haben. Das rechtfertigt nicht Kriegsverbrechen, die es auch 1948 gegeben hat und die die israelische Linke sehr wohl anerkennt – ohne zu vergessen, dass die Araber den UN-Teilungsplan abgelehnt hatten, ein historischer Fehler.

Und wir wissen, dass zumal die postkolonialen Theoretiker*innen und Aktivist*innen sich nicht um Kriegsverbrechen zum Beispiel in Afrika kümmern, weil die Täter schwarz sind und jedenfalls nicht israelisch oder jüdisch, häufig muslimisch oder christlich. Das betrifft die ganze Weltgemeinschaft: Verbrechen werden häufig goutiert, wenn sie von Gruppen oder Staaten begangen werden, die einfach nicht im Fokus stehen.

Das zeigt, analytisch gesprochen, die kategoriale Differenz von Antisemitismus und Rassismus. Antisemitismus meint immer auch das Unheimliche, das Mythische, das Nicht-Greifbare, das Verschwörerische, Mächtige. Rassismus meint primär Unterwürfigkeit, Nichtbeachtung, Ausbeutung und Mord. Niemand hat Angst vor einer Weltherrschaft des Sudan („Massenhinrichtungen, Vergewaltigungen, äußerste Brutalität – Berichte über die Situation im sudanesischen Al-Faschir bestätigen die Hinweise auf Gräueltaten an Zivilisten“, 2025), von Ruanda („Der Völkermord in Ruanda dreißig Jahre danach„) oder des Kongo („Kriegsverbrechen im Kongo Bericht aus der Hölle“, 2010; „Demokratische Republik Kongo. Immer mehr Belege für Mord und Folter“, 2025), egal wie fürchterlich Kriegsverbrechen in diesen Ländern in den letzten Jahrzehnten waren und bis heute sind.

Doch diese Hinweise sind auch eine Falle, viele Unterstützer*innen Israels und rechte Zionist*innen bringen solche Beispiele auch, aber nicht, um Kriegsverbrechen zu erinnern oder zukünftige womöglich zu verhindern, sondern um von den Kriegsverbrechen Israels wie im Gazakrieg oder jetzt im Irankrieg, der juristisch eindeutig völkerrechtswidrig ist, abzulenken!

Eran Rolnik betont, dass viele Psychoanalytiker*innen gar nicht mehr verstehen können oder wollen, warum auch der israelischen Regierung und (Kriegs-)Politik kritisch gegenüberstehende jüdische Kolleg*innen gleichwohl ein Gefühl der kollektiven Zugehörigkeit zum jüdischen Volk und zum Staat Israel haben können. Diese Entfremdung, diese Nicht-Verstehen-Können würde sehr tief reichen.

Es sei eine Krise des Liberalismus, der weder individuelle Rechte noch die Rechte eines Kollektivs – wie dem der Juden – mehr verstehe oder verteidigen wolle. Warum? Weil ja offenkundig nur die regierungstreuen und Kriegsverbrechen-Befürworter*innen pro-israelisch seien.

Das ist das unentrinnbare Dilemma von linken Jüdinnen und Juden in der Diaspora, wobei man anfügen muss, dass es die ohnehin nur in den USA gibt, einige in UK und Frankreich, aber in Deutschland oder Österreich so gut wie gar nicht.

In einem faszinierenden Gespräch in Haaretz von Ayelett Shani mit Assaf Sharon, der an der Universität Tel Aviv als Professor Philosophie unterrichtet, vor allem politische Ethik und politische Philosophie, wird die Situation ununwunden klar auf den Punkt gebracht.

In dem Gespräch geht Sharon auf die frappierende Analogie der israelischen Reaktion nach der Ermordung von Präsident Jitzchak Rabin 1995 und der Reaktion in Israel nach dem 7. Oktober 2023 ein und sagt:

Es ist eine Falle, in die das liberale Israel immer wieder tappt: beim Attentat auf Rabin, bei den Protesten für soziale Gerechtigkeit, beim Regimesturz, in diesem Krieg, der ein Fehlschlag ist. Als würde etwas Schreckliches passieren, wenn wir sagen, dass es politisch ist. Politisch gesehen ist Israel ein krankes Land.

Die Rechte hat eine extreme Politisierung durchlaufen, für die das Oslo-Abkommen einer der Auslöser war. Ich habe von Geburt an Politik gelebt und geatmet. So war es. Für alle. Die Linke hingegen hat eine Entpolitisierung durchlaufen. Die Proteste von 2011 waren historisch. Eine halbe Million Menschen gingen auf die Straße. Daraus ist keine politische Partei und keine politische Fraktion hervorgegangen. Es ist einfach eine Krankheit.

Einen so scharfen und luziden philosophischen, politischen und zionistischen Denker wie Assaf Sharon gibt es in Deutschland nicht wirklich, wer die Ausgaben der Jüdischen Allgemeinen der letzten Jahrzehnte liest und auch nur einen Tag die auf der Startseite der Haaretz (English Edition) verfügbaren Texte anklickt, weiß was ich meine.

Georg Stefan Troller (1921-2025) hat die Situation für Juden und Israel in seinem sensationellen Gespräch mit Harald Wieser und Moritz Aisslinger in der ZEIT im August 2024 erkannt:

Solange Netanyahu an der Macht ist, sehe ich keine. Er will den Konflikt nicht lösen, sondern verschärfen. (…) Aber was im Moment passiert, ist der Selbstmord Israels vor der Welt. Sie haben all die Sympathien verloren, von denen sie früher gelebt haben.

Assaf Sharon sagt heute das Gleiche, nur in anderen Worten:

Sie argumentierten, es bestehe keine Notwendigkeit, den Konflikt [mit den Palästinensern] zu lösen, man könne ihn bewältigen und behaupten, wir befänden uns im ruhigsten Jahrzehnt in der Geschichte Israels. Die extreme Rechte, wie [Bezalel] Smotrich, sagte uns sogar, es sei unmöglich, den Konflikt zu entscheiden. „Lasst die israelischen Streitkräfte gewinnen“ – wenn uns nur der Oberste Gerichtshof und der Generalstaatsanwalt nicht in die Quere kommen.

Bullshit.

Wir haben Gaza dem Erdboden gleichgemacht. Wir haben Verbrechen begangen, mit denen wir noch über Generationen hinweg leben müssen. Hat uns das geholfen? War es entscheidend? Wie kam es, dass der 7. Oktober nicht zu der Erkenntnis führte: „Leute, ihr habt versagt“? Der 7. Oktober wird als Ausrutscher wahrgenommen. Unsere politische und zivile Führung weigert sich, sich gegen Netanjahu zu stellen und ihm zu sagen: „Du hast nicht nur am 7. Oktober versagt, du versagst seitdem jeden Tag.“

Weil mich immer wieder interessierte und kritische, pro-israelische, aber auch selbst denkende Leser*innen meiner Texte fragen, was denn eigentlich Zionismus sei und wo ich stünde, kann ich nur auf das letzte Zitat von Assaf Sharon verweisen.

Er macht glasklar, was Zionismus ist, Linkszionismus:

Abgesehen von den äußersten Randgruppen war die Position der Linken nie, dass die Palästinenser zu „Zion-Liebhabern“ würden, wenn wir nett zu ihnen wären. Das ist rechte Propaganda. Rabin glaubte das nicht.

Die Linke war immer der Ansicht, dass es hier einen tiefen, nationalen, religiösen Konflikt gibt, der nur durch Trennung gelöst werden kann – während die Rechte davon träumte, den Konflikt zu „bewältigen“ oder zu „entscheiden“. Wer ist also der Naive? Warum glauben wir der Propaganda der Rechten über die Linke?

Das ist Zionismus. Das ist Selbstdenken. Das ist Reflektion. Das ist eine links-zionistische Analyse.

Nur die Rechten, die rechten Israelis, dürften Dinge kritisieren, die Linken sollen das Maul halten oder maximal eine Justizreform stoppen, aber keineswegs eine aktive linkszionistische, klare Anti-Netanyahu und Anti-Neue Rechte und vor allem antimessianische und Anti-Religiöser-Zionismus-Politik betreiben dürfen.

Assaf Sharon sagt:

Rabin war wütend darüber, dass Netanjahu eine Plattform erhielt, um zu sprechen, nachdem er die Gemüter derart aufgeheizt hatte. Er sah die Dinge so, wie sie waren. Das war damals das Spiel, und das ist auch heute noch das Spiel: Gebt uns nach, oder wir werden euch vernichten. Seht mal, sich gegen Einheit zu stellen, ist ein bisschen so, als würde man sich gegen Welpen stellen. Aber es ist nicht wirklich Einheit; es ist Gleichförmigkeit. Es ist die Neutralisierung der Streitigkeiten. Die Neutralisierung der Unterschiede. Es ist faschistisches Denken.

Und auch das Thema psychische Gewalt und Gaslighting kommen hier massiv ins Spiel. Also es werden Gewaltvorgänge wie häusliche Gewalt entwirklicht und die Frauen, die sie erinnern, werden dafür auch noch bestraft oder ihnen eine falsche Erinnerung angedichtet. Wir sehen das aktuell im Fall Collien Fernandez.

In dem Gespräch von Ayelett Shani und Assaf Sharon heißt es weiter:

Selbst ein gewalttätiger Ehemann sagt zu seiner Frau nicht: „Ich werde dich vernichten.“ Er sagt: „Ich liebe dich, und deshalb lasse ich dich nicht aus dem Haus.“

Und deshalb müssen wir ihnen sagen: „Freunde, wir sind nicht an Einheit interessiert. Wir wollen keine Einheit. Wir wollen Gerechtigkeit. Wir wollen nicht als Kriegsverbrecher dastehen. Wir wollen hier Frieden. Manipuliert uns nicht. Wir wollen keine Einheit mit euch.“

Und es ist genau diese Einheit, die aus jeder Zeile der deutschen Pro-Israel-Szene und ihrer Veröffentlichungen schreit – keine Reflektion, keine Gesellschaftsanalyse, keine Kritik, nichts, nur „Einheit“ des jüdischen Volkes und wer nicht mitmacht, ist Antisemit. So dümmlich und einseitig denken und reden und schreiben und handeln diese Leute wirklich.

Daher: Wer wirklich verstehen will, was in Israel und Nahost passiert, sollte besser Haaretz lesen.

Der größte Feind Israels im Innern sei der „religiöse Zionismus“, so Sharon:

Ich habe kein Verlangen nach Kompromissen oder Einigkeit, nicht weil ich ein Extremist bin, sondern weil es so etwas im Bereich der Logik nicht gibt. Es gibt keinen Mittelweg. Es gibt kein Zentrum. Es gibt nur Entweder-oder. Entweder wird Israel ein liberales, demokratisches Land sein, oder es wird Smotrichs Land sein.

Das wird ergänzt durch eine Replik in Haaretz vom 25. März 2026 von Ilan Goldenberg und Nadav Tamir von der amerikanisch-jüdisch-zionistischen NGO J Street  („American Jews Won’t Be Silenced. We Have Every Right to Oppose the Iran War„) auf eine ziemlich erbärmliche Attacke von Chuck Freilich in der Haaretz ein paar Tage zuvor („Deconstructing J Street’s Self-indulgent, Delusional and Immoral Reasons for Opposing the Iran War„).

Goldenberg und Nadav betonen, dass es sehr wohl richtig sei, den aktuellen Iran-Krieg Israels und der USA abzulehnen, und das gerade weil J Street eine zionistische, pro-israelische NGO ist. Sie gehen sogar soweit, dass sie einen weiterhin völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA und Israels auf den Iran befürwortet hätten, wenn denn die Kriegsziele erstens klar benannt und zweitens auch realistisch erreichbar gewesen wären.

Doch die Attacke von Freilich in der Haaretz ist Ausdruck dessen, dass auch Anti-Netanyahu Israeli sehr aggressiv mit Gegner*innen dieses Krieges umspringen.

Schließlich kritisiert Yossi Klein am 27. März 2026 in der Haaretz („The Silence of the Cannon Fodder as Israel’s Stasi State Takes Shape„), dass Israelis zu „Kanonenfutter“ für ein korruptes, nationalistisch-religiös-fanatisches Lager geworden seien.

Und jene, die kritische Fragen stellen, werden als „Verräter“ diffamiert – und gesucht:

Wer entscheidet, wer loyal ist und wer ein Verräter? Jemand, der das Gesetz beugen oder ändern kann. Jemand, der zur Einheit aufruft, während er alles tut, um sie zu unterdrücken. Jemand, der die Polizei losschickt, um online nach Verrätern zu suchen.

Es ist Udi Ronen, der Leiter der polizeilichen Einheit zur Bekämpfung von Aufwiegelung, der online jeden verfolgt, der fragt, was die Ziele des Krieges sind. Seid vorsichtig, die Stasi beobachtet euch! Wenn ihr die Operation „Roaring Lion“ in „Operation Squeaking Mouse“ umbenannt, werdet ihr vielleicht von Ronen festgenommen, während er eine bestimmte Körperhöhle durchsucht.

Ich denke, die meisten jüdischen und nicht-jüdischen Leser*innen der Jüdischen Allgemeinen wollen mit solchen tiefschürfenden Analysen nicht wirklich verunsichert werden. Viel lustiger und vor allem relevanter ist es doch zu wissen, dass der neue Hund des Pianisten Igor Levit Miles Davis heißen wird.

 

 

 

 

 

Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik an Dietmar Dath – dazu Pogendroblem, doch Ulf P. heult…

Von Dr. phil. Clemens Heni, Direktor, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

Es nervt den neu-rechten Kulturkämpfer des Springer-Konzerns Ulf Poschardt zu Tode („Der linke Kulturbetrieb ist unbesiegbar“), dass er einfach nie so lässig, cool und angesagt sein wird wie zum Beispiel der preisgekrönte Buchautor Dietmar Dath.

Letzterem wurde auf der Leipziger Buchmesse der Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2026 verliehen. Für das Foto zur Preisverleihung machte sich Dath extra schick: Bluejeans, braunes Sakko, Brille und ein T-Shirt mit der Aufschrift „The Golden Shop“. Das Börsenblatt des deutschen Buchhandels hat das Bild veröffentlicht:

Das ist cool, das ist ein Statement, das ist Kultur, das ist Solidarität mit einem kleinen und von der deutschen Bundesregierung via Kulturstaatsminister Wolfram Weimer („Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien“) diffamierten Buchladen in Bremen: Golden Shop.

Dem Golden Shop wurde ja wie der Roten Straße aus Göttingen und der Schwankenden Weltkugel aus Berlin Prenzlauer Berg die Auszeichnung Buchhandlungspreis wieder aberkannt, wegen angeblich turbo krassen verfassungsschutzrelevanten ‚Erkenntnissen‘ – schon das Nomen „Erkenntnis“ im Zusammenhang mit „Verfassungsschutz“ ist eine contradictio in adjecto, wenn wir „Erkenntnis“ als Reflektion auf die Gewaltörmigkeit der bürgerlichen, kapitalistisch-patriarchalen Welt begreifen.

Mein Verlag Edition Critic hat natürlich auch schon Bücher an den Golden Shop verkauft, ebenso haben wir Bestellungen des Buchladens Rote Straße erhalten und früher per pedes oder mit dem Fahrrad Bücher auch direkt in die Schwankende Weltkugel in Berlin gebracht.

In diesen Büchern der Edition Critic geht es um den Zionismus und die Kritische Theorie, um Kritik an der Neuen Rechten, die Geschichte des Holocaust und des Nationalsozialismus, Kritik am Antisemitismus wie Postkolonialismus oder auch am Ukraine-Krieg und der deutschen Unterstützung des selbigen und nicht zuletzt um die wissenschaftliche und politisch linke Analyse der antidemokratischen und gesundheitsschädlichen Coronapolitik.

Doch was ist angeblich der politische Kern dieser drei Buchläden, für was stehen sie für den Ulf?

Den postkolonialen Ideologie-Müll, der die schlimmste Flut von Antisemitismus nach 1945 erzeugt hat und das jüdische Leben im Land real bedroht, findet man in all diesen Buchläden.

Nun ist die Kritik am postkolonialen Antizionismus und Antisemitismus wichtig und Usus in der linken Szene, die zugleich pro-israelisch ist wie der Verlag Edition Critic.

Doch wer unter den Holocaustforscher*innen und den Wissenschaftler:innen im Bereich politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland würde folgenden Satz nicht als Holocaust verharmlosend einschätzen?

Definiert man den Antisemitismus als Wesenskern des deutschen Nationalsozialismus, so muss man voller Entsetzen festhalten, dass die aktuell wirkmächtigsten neuen Nazis in Deutschland eher rot lackiert sind als blau.

So denkt der Ulf, so schreibt der Poschardt und Springer freut es.

Nicht jene, die Mitglieder haben, die womöglich den Hitlergruß zeigen („Anklage zu Vorfall im Bundestag AfD-Abgeordneter soll ‚Hitlergruß‘ gezeigt haben“), Nazi-Devotionalen sammeln („AfD-Spitzenkandidat handelt mit Hakenkreuzen„) oder wegen dem Verwenden von NS-Parolen verurteilt werden („Landgericht Halle Höcke erneut wegen Nazi-Parole verurteilt“), sind die neuen Nazis. Sondern Linke. Wer hätte das geahnt?

Schon die Assozation von „rote“ und  „Nazis“ ist ein Kernelement der totalitarismustheoretischen Holocaustverharmlosung, zu der übrigens auch – das will kaum jemand hören, weil hierzulande, entgegen Frankreich, kaum jemand Emmanuel Faye liest und auch versteht („Emmanuel Faye: Hannah Arendt und Martin Heidegger: Zerstörung des Denkens. Aus dem Französischen übersetzt von Leonore Bazinek. Unter Mitwirkung von Michael Heidemann“) – Hannah Arendt zählt.

Poschardt und der Springer-Konzern wollen die Hegemonie der Neuen Rechten im Stile Trumps festigen, sie wollen Homogenität, keinen Widerspruch und alle staatlichen Gelder für den Erhalt der kulturellen und medialen Vielfalt streichen, einfach komplett streichen, keine staatlichen oder Gebührengelder mehr für die ARD, das ZDF oder den Deutschlandfunk, keine Gelder für antifaschistische NGOs, nichts:

Bürgerliche Politik hat keine Chance, wenn sie dem etablierten Kulturbetrieb, den ÖRR und den NGOs nicht die staatliche Finanzierung entzieht.

Und dann heult der Ulf, dass ihn niemand mag. Dabei haben doch sehr viele dieser NGOs bei der Unterstützung des Militarismus und der Ukraine-Politik und zuvor bei der irrationalen Verteidigung von 2G oder der Impfpflicht mitgemacht – hat nix genutzt, Springer hasst sie trotzdem.

Niemand nimmt Poschardt ernst, das weiß er, und jene, die ihn tätscheln sind jene, von denen er weiß, dass es ihm nichts bringt, dass gerade sie ihn tätscheln oder ein Forum bieten, um seinen neu-rechten (aus seiner Sicht: „bürgerlichen“) Müll zu publizieren.

Doch politisch ist er gefährlich, er möchte den Kulturkampf verschärfen, er möchte Leute wie Karin Prien dazu führen, noch aggressiver gegen linke, ja sogar links-liberale, mainstreamige Kultureinrichtungen vorzugehen, solange die auch Buchläden tolerieren, die selbstverständlich auch diesen Slogan (oder ähnliche wie „Nie nie nie wieder Deutschland“) kennen oder mögen oder Bücher und Musikträger verkaufen, die ihn promoten:

Deutschland muss sterben, damit wir leben können.

Ein Lied der Punkband Slime aus Hamburg, bekanntlich der Slogan – früher! – auf Antifa-Demos, und zudem gerichtlich bestätigt: auch das ist Teil einer liberalen Demokratie.

Die taz bringt den neu-rechten Kulturkampf von Karin Prien (CDU) gegen das Projekt „Demokratie Leben“ der Bundesregierung am 28. März 2026 auf den Punkt:

In einer Zeit, in der die rechtsextreme AfD Rekordergebnisse auch im Westen des Landes einfährt, in der Umfragen sie in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern derzeit vorne sehen, in der rechte Gewalt auf Höchstständen liegt, sich bundesweit neue Jungnazi-Gruppen bilden und Antisemitismus und Queerfeindlichkeit um sich greifen.

In Kürze wird die neue Kriminalstatistik präsentiert, das Erschrecken wird wieder groß sein. Und dennoch werden diejenigen, die diesen gefährlichen Entwicklungen entgegenarbeiten, aus dem Spiel genommen. Und die, die grade noch weitermachen dürfen, klagen über immer mehr Bürokratie, mehr Auflagen, eine neue Extremismusklausel.

Viele kritisieren die geplanten Kürzungen:

Kathrin Sonnenholzner, Präsidentin der Arbeiterwohlfahrt: „Die Arbeiterwohlfahrt steht solidarisch an der Seite der vom geplanten Förderstopp betroffenen Projekte. (…) Mir ist vollkommen schleierhaft, was damit guten Gewissens erreicht werden soll. Einsparungen können jedenfalls nicht das Ziel sein: Der Bund fördert die Zivilgesellschaft sowieso schon mit nur 0,11% des Bundeshaushaltes. Was wir brauchen, ist ein Demokratiefördergesetz und nicht die Axt am Fundament unseres demokratischen Miteinanders.“

Es wird einem schwindelig, wenn jetzt die Times of Israel berichtet, die angeblich „sehr beliebte“ Karin Prien hätte sehr gute Chancen, die nächste deutsche Bundespräsidentin zu werden. Eine jüdische Kulturkämpferin gerade auch gegen die linke Kritik am Antisemitismus oder an der AfD, das ist ja mal ne Pointe!

Aber jene, die meine, sie seien „bürgerlich“, wie Poschardt, sind eher die Stiefellecker von Elon Musk, dem Frauenverächter und Antidemokraten, oder dem anti-woken Militaristen und Kriegstreiber Donald Trump.

Was sagt der intellektuelle Mainstream zum neu-rechten Kulturkampf von Wolfram Weimer, Karin Prien oder Ulf Poschardt?

Die Literaturwissenschaftlerin Franziska Bomski hielt die Laudatio (Video) auf Dietmar Dath als Alfred-Kerr-Preisträger für Literaturkritik 2026 und sagt:

Zunächst einmal freue ich mich sehr, dass der Alfred Kerr-Preis für Literaturkritik dieses Jahr an einen Autor verliehen wird, der deutlich und bekennend links von der inzwischen nach rechts verschobenen Mitte steht – das ist ja leider 2026 in Deutschland nicht mehr selbstverständlich. Die Jury hat sich davon nicht beirren lassen und die Reihe ihrer Preisträger:innen als unabhängige Intellektuelle, die sich der ideologischen Einschüchterung oder Instrumentalisierung erfolgreich entziehen, konsequent fortgesetzt.

Weiter analysiert sie die Affinität von Dath zu Science-Fiction, die emanzipatorisch und nicht affirmativ-gewaltförmig oder herrschaftssichernd sich äußere:

Den machttrunkenen und weltflüchtigen, im Kern antisozialen Tech-Visionen von Elon Musk, Jeff Bezos und Peter Thiel möchte Dath mit Mira „viele lebbare Zukünfte entgegensetzen“. Er fordert: Wir brauchen „Fiktionen, die wissen, was sie träumen“ – eine solche entwirft auch sein jüngster, im vergangenen Jahr erschienener Roman Skyrmionen oder: A fucking Army.

Schließlich ist die Dankesrede von Dietmar Dath mitsamt seinem „Golden Shop“ T-Shirt Ausdruck dessen, was wir Gesellschaftskritik nennen oder intellektuelle Dissidenz:

Wir sind an dem Punkt, an dem Leute mithilfe von KI Texte herstellen und mit ihrem eigenen Namen verzieren, die gar nicht richtig lesen können. Das wird uns noch viel Ärger machen.

Wir brauchen alle Werkzeuge, die helfen, den unausweichlichen Schaden zu begrenzen. Wir brauchen Leute, die uns James Joyce erschließen, weil er der erste große Fall in der Literaturgeschichte war, der sich sprachlich in Wissenslandschaften so weite Reisen zugemutet hat, wie sie die Dichtung früher nur in Naturlandschaften wagen konnte. Wir brauchen Leute, die Literaturbegegnungsstätten leiten und pflegen, Literaturhäuser und Buchhandlungen. Wir brauchen akademische Forschung und Lehre zur Literatur. Wir brauchen das Erbe, zum Beispiel die Hinterlassenschaft von Alfred Kerr, nach dem der schöne Preis heißt, den man mir hier so freundlich verleiht. Am besten gefällt mir an diesem Erblasser, dass er so offensiv fehlbar war. Mal lag er richtig, mal falsch, genau das ist der Beruf. Er hat den kommunistischen Dichter Johannes R. Becher verteidigt, als der wegen eines Gedichtbandes politisch schikaniert wurde. Das gefällt mir sehr, ich kann nur hoffen, dass ich denselben Mut und dieselbe Geistesgegenwart habe wie Kerr sie damals hatte, wenn es mal drauf ankommt. Kerr hat einen anderen kommunistischen Dichter, Bert Brecht, angegriffen, weil der aus älteren Gedichten etwas geklaut hat. Das gefällt mir weniger, ich würde eher KI-Konzerne angreifen wollen, wenn sie Texte stehlen, denn sie machen nur KI-Matsch daraus, während Brecht aus den alten, geklauten Gedichten neue, gute Gedichte gemacht hat.

Eines der besten aktuellen Musikalben ist „Great Resignation“ von der Kölner Band Pogendroblem. Es sind genau die Autoaußenspiegel von Porschefahrern, die die Band im Visier hat, die sie nachts abschlagen, um wieder mal was „zu spüren“, diesen tödlichen Alltag zu durchbrechen. Oder wenn sie überteuerte Lindt-Osterhasen klauen, nicht wegen „Kleptomanie“, sondern dem „Adrenalin“ (Markenklamotten klauen). Es ist ein linksradikales Album, also ein pessimistisch-realistisches, wie es im Song „Von gar nichts haben wir uns befreit“ heißt:

Von gar nichts haben wir uns befreitVon gar nichts haben wir uns befreitVon gar nichts haben wir uns befreitEs tut uns leid Es tut uns leid

Ja manchmalWenn die Hoffnung durchscheintBin ich geneigtMich hinzugebenDoch manchmalWenn das Grauen durchscheintBin ich geneigtAufzugeben

Aber meistensJa meistensAlles gleichJa meistensUnbehagenUnd Alltag verleben

Es tut mir leidVon gar nichts haben wir uns befreit.

Es geht in dem Album um Kapitalismus, Adorno, gegen die Hamas, den Kampf zwischen Theorie und Praxis (auch innerhalb der Band offenbar) – und natürlich um Walter Benjamin. Ein Album nicht nur für Student*innen der Politikwissenschaft, by the way, sondern auch für Lohnarbeiter*innen, Essensausliefer*innen, Dialyse-Patient*innen Kutschierer*innen oder Lehrbeauftragte an führenden europäischen Universitäten.

Es ist aber auch linxradikal, weil es kämpft, das Album von Pogendroblem („Unser Jahrzehnt“):

The old world is dying. The new world struggles to be born. Now is the time of Monsters.

Schließlich der Slogan für „unser Jahrzehnt“ – „WIR entscheiden, wie es ausgeht“:

Emanzipation oder Ende?

Wie es aussieht, stehen der Börsenverein des deutschen Buchhandels und das kulturelle Establishment im Bereich Literatur und Literaturkritik für die Emanzipation und der Springer-Konzern wie eh und je für das Ende, also die Affirmation des Bestehenden.

 

Die Menschen haben die Schnauze gestrichen voll und sind gegen Krieg – und sind deswegen noch längst nicht alles Antisemiten

Von Dr. phil. Clemens Heni, Direktor, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

Ein Beispiel für einen Realitätsverlust und für ein religiös-verblendetes Leben zeigt sich in einer jüngsten Äußerung des Bürgermeisters der israelischen Stadt Dimona, Benny Biton. Nach dem Einschlag mehrerer iranischer Raketen mit Dutzenden Verletzten, massiven Schäden in der Stadt wie abgedeckten Häusern, sagte er:

Dennoch hob Biton die wundersame Seite des Vorfalls hervor. Im Gespräch mit einem Reporter von Channel 14 am Ort des Einschlags sagte er mit einem Lächeln, dass zwei Bilder in einem der Schutzräume wie durch ein Wunder unversehrt geblieben seien: das Bild des verstorbenen marokkanischen spirituellen Führers Baba Sali und das des Premierministers. Diese beiden rechtschaffenen Männer wachen wahrhaftig über uns.

(Übersetzung CH)

So berichtet es die Haaretz-Journalistin Noa Limone am 24. März 2026. Auf eben diesem Channel 14 wird jetzt täglich zum Sendeschluss Folgendes gesendet:

Wir danken dem Heiligen, gesegnet sei Er, für die Wunder, die Er für uns und unsere Soldaten vollbringt. (Übersetzung CH)

Krieg als Religion und Religion als Krieg. Da scheint es wenig Unterschied zwischen den Monotheismen zu geben, wenn wir an die Rechtfertigungen für Kriege durch Christen oder Muslime denken.

Vor dem Krieg wurde im israelischen Kabinett in Jerusalem unter anderem über Finanzhilfen für die Stadt Dimona für mehr Schutzräume diskutiert. Resultat? Es gab das Geld, aber nicht für Schutzräume, sondern für religiös-messianische Propaganda-Aktionen und für mehr Geldautomaten für die aggressive, rassistische, antipalästinensische und imperialistische sog. Hügeljugend, so Limone.

Trump droht weiterhin mit noch weitergehenderen Kriegsverbrechen, wie der Zerstörung von Kraftwerken im Iran, was die ganze Bevölkerung von 90 Millionen Menschen, davon eine Mehrheit, die gegen das islam-faschistische Regime ist, betreffen würde. Schon jetzt leiden Millionen unter Schadstoffen, die durch die Angriffe auf Ölanlagen entwichen und weiter entweichen sowie die Böden verunreinigen und somit potentiell das Grundwasser.

Dazu kommt die Offensive Israels im Libanon, weil es Israel diplomatisch wieder nicht geschafft hat mit der eigentlich kooperativen libanesischen Regierung gegen die Hisbollah gemeinsam vorzugehen. Jetzt wieder ein Krieg, wo doch schon die Libanonkriege seit 1982 keinerlei Frieden gebracht haben.

Netanyahu hat Panik vor dem Gefängnis und kann nur Krieg führen, gegen den demokratischen Teil Israels, der gleichwohl täglich kleiner wird und aktuell kaum aufzufinden. Ca. 90 Prozent der Bevölkerung stehen hinter dem Krieg, wie es in einem Podcast von Alison Kaplan Sommer von Haaretz mit der ehemaligen Mossad-Mitarbeiterin Sima Shine vom 24. März 2026 heißt. Shine sieht die Gefahr, dass der Iran jetzt wirklich zur Bombe greifen könnte, weil das die einzige Möglichkeit sei, weitere Angriffe auf das Land zu verhindern.

Und dann gibt es jene, die zwar den Krieg zurecht als „völkerrechtswidrig“ kritisieren, aber das unter anderem deshalb tun, weil damit der Fokus von der Ukraine wegführen würde. Mit dem Militarismus Deutschlands und der fanatischen Aufrüstung haben weder der Bundespräsident Steinmeier noch Jörg Lau von der ZEIT ein Problem.

Und doch sind sie gegen diesen Krieg, was die unfassbar erbärmliche sog. Pro-Israel Szene nicht ist, von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) über die Jüdische Allgemeine hin zu vielen lokalen Gruppen, Grüppchen, WhatsApp-Gruppen und einigen irgendwie „Akademiker*innen“, die mit irrationaler Israel-Lobbyarbeit eine Verdienstquelle gefunden haben, aber mit Unterstützung des Zionismus und dem Kampf gegen Netanyahu so gar nichts am Hut haben.

Es gibt mittlerweile eine riesige Gruppe von Menschen, die bislang gar nicht gegen Israel war – ohnehin kritische, aber nicht antizionistische Bürger*innen, aber auch sehr viele einfache Leute, Arbeiter:innen, Renter:innen, Menschen, die die Mainstreammedien konsumieren und nicht politisch aktiv sind, aber besorgt über die Zukunft dieser Welt.

Ich höre diese Stimmen tagtäglich und sehe die unfassbare Arroganz und Dummheit dieser sog. Pro-Israel-Szene, die de facto gegen Israel arbeitet, vorneweg die israelische Armee und die israelische Regierung und die israelischen Medien und ihre Fanbasis.

Zionismus sieht völlig anders aus.

 

Der Iran-Krieg wird den Iran näher an eine Atombombe bringen – sagt ein israelischer Militär- und Iranexperte; dazu Grundsätzliches über unsere Welt…

Von Dr. phil. Clemens Heni, Direktor, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

Die Neue Rechte beherrscht unser Leben täglich mehr. Der Kulturstaatsminister möchte keinen Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig:

Begründet hatte Weimer die Entscheidung damit, die Sammlung gedruckter Werke sei nicht mehr zeitgemäß und die DNB solle stattdessen stärker auf digitale Inhalte setzen.

Zuvor hatte Wolfram Weimer drei linken Buchläden – dem Golden Shop in Bremen, der Roten Straße in Göttingen und der Schwankenden Weltkugel in Berlin – den ihnen von einer unabhängigen Jury zugesprochenen Buchhandlungspreis abgesprochen, was ein juristisches Nachspiel haben wird.

Das ist jedenfalls neu-rechte Kulturpolitik.

Dabei haben sich Buchläden wie Verlage, aber vor allem auch Restaurants und Veranstaltungsorte wegen der gesundheitsschädigenden Coronapolitik ohnehin nur schwer halten können, viele gingen auch bankrott, was den ganzen Einzelhandel, inklusive große Ketten betrifft. Der jetzt verstorbene Sozialphilosoph Jürgen Habermas hatte gegen Ende seines Lebens seinen autoritären Zug während Corona deutlich gemacht, was nahezu niemand erinnert, dabei ist das nur wenige Jahre her.

Dazu hatte ich in meiner Studie „Pandemic Turn“ von 2023 Folgendes geschrieben:

Jürgen Habermas stellt die ganze Debatte über Demokratie, Menschen- und Grundrechte auf den Kopf und möchte in Carl Schmittscher Manier dem Staat alle Rechte für den Ausnahmezustand geben, ja es sei eine Pflicht, dass der Staat so rigoros durchgreift, wie nur möglich, ohne mit der Wimper zu zucken. Habermas ist der extreme Rechte, der Schmittianer und nicht nur ein Teil der Kritiker*innen der Coronapolitik, der auch unzweifelhaft rechts ist. Habermas schreibt in aggressiver Diktion:

„Das Ziel, die Rate der auf Corona zurückzuführenden ‚Übersterblichkeit‘ der Bevölkerung so niedrig wie möglich zu halten, deckt sich ja keineswegs mit dem Ziel zu verhindern, dass die Zahl der schwer erkrankten und behandlungsbedürftigen Corona-Patienten die Grenze der vorhandenen Betten und Beatmungsgeräte üb­er­schreitet. Das aber bedeutet faktisch eine Verschiebung der Zielbestimmung, mit der die eigentlich entscheidende Frage aus der politischen Öffentlichkeit verdrängt worden ist: ob denn ein demokratischer Verfassungsstaat bei der Verfolgung des Ziels der Pandemiebekämpfung überhaupt das Recht hat, Politiken zu wählen, mit denen er die vermeidbare Steigerung von Infektionszahlen und damit der wahrscheinlichen Anzahl von Sterbefällen stillschweigend in Kauf nimmt.“[1]

Raphael Gross hat in seiner Dissertation den Antisemitismus von Carl Schmitt detailliert untersucht und kritisiert. Im Zusammenhang mit Corona passt seine Analyse des Begriffs „Dezisionismus“, wie er bei Schmitt 1922 in „Politische Theologie“ Verwendung findet:

„Etwa ein Jahrhundert später führt Schmitt, de Maistres Thema wieder aufgreifend, Hobbes Satz gegen denjenigen von Locke an: ‚the Law gives authority.‘ In diesem Kontext führt Schmitt seinen Begriff des Dezisionismus ein; dieser wurde später zur Kennzeichnung seines eigenen Denkens verwendet: ‚Der klassische Vertreter (wenn ich dieses Wort bilden darf) dezisionistischen Typus ist Hobbes.‘ Hobbes‘ dezisionistische Formel ‚Auctoritas facit legem‘ sollte Schmitts Entscheidung gegen das Gesetz, gegen die ‚Herrschaft des Gesetzes‘ und für die Autorität stützen. Denn schließlich sage ‚das Gesetz‘ nicht, ‚wem es Autorität‘ gebe.“[2]

Exakt so handelte Kanzlerin Angela Merkel zu Beginn der Coronakrise. Es wurde nicht im Parlament gestritten, debattiert und Kompromisse oder die bestmögliche Antwort auf eine Krisensituation gesucht, sondern es wurde beschlossen, dieser dezisionistische Akt war schockierend für eine parlamentarische Demokratie, die nicht mehr funktionierte. Für Merkel und die gesamte Politik zählte nicht das Gesetz, sondern die Autorität, nicht die Legislative, sondern die Exekutive.

[1] Jürgen Habermas (2021): Corona und der Schutz des Lebens. Zur Grundrechtsdebatte in der pandemischen Ausnahmesituation, September 2021, https://www.blaetter.de/ausgabe/2021/september/corona-und-der-schutz-des-lebens#_ftn3.

[2] Raphael Gross (2000): Carl Schmitt und die Juden. Eine deutsche Rechtslehre, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 164 f.

***

Dann kam der Ukraine-Krieg im Februar 2022 und der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands wurde nicht engehegt, was diplomatisch möglich gewesen wäre – Stichwort: die Ukraine erklärt, kein NATO-Mitglied werden zu wollen, worauf es jetzt, nach Hunderttausenden Toten und massiven Gebietsverlusten für die Ukraine auch hinauslaufen wird -, aber nicht gewollt.

Auf einmal war Geld da, „Sondervermögen“ für die Bundeswehr, davor bei Corona auch schon, ohne sich demokratisch über die Konsequenzen Gedanken zu machen. Die kapitalistische Austeritätspolitik des Neoliberalismus seit den 1970er/80er Jahren war wie hinweggefegt – mit noch mehr Kapitalismus, steigenden Mieten, der ökologischen Krise, aber staatliche Ausgaben (Schulden!) en masse, jetzt vor allem für die Bundeswehr.

International ist die Neue Rechte also seit vielen Jahren am Ruder, wenn wir die irrationale Coronapolitik unter neu-rechte Politik subsumieren wollen, wofür – siehe Carl Schmitt – einiges spricht. Zudem gibt es die Anti-Sozialstaatspolitik der Bundesregierung (CDU/CSU/SPD), die den Armen noch mehr Druck macht und das erst jüngst eingeführte Bürgergeld wieder abschafft, über Italiens Meloni und ihrer antifeministischen Familienpolitik sowie Trumps Anti-Diversitäts und Anti-Woke Agenda hin zur Kriegspolitik, zumal im Nahen Osten, ohne aber die Aggressionen der USA in Lateinamerika zu vergessen.

Der völkerrechtswidrige Krieg Israels und der USA gegen das islamfaschistische Regime in Teheran könnte den Iran näher an eine für Israel lebensbedrohliche Atombombe bringen als gedacht.

Ist klar: wer auch nur vom „Völkerrecht“ redet, ist ein Antisemit, so denken die irrationalen, unstrategischen, extrem rechten und völkerrechtswidrigen angeblichen Pro-Israel-Leute, inklusive der israelischen Regierung und ihrer Lakaien.

Wer Israel wirklich existentiell schadet, ist nicht nur der islamistische Iran, sondern auch Benjamin Netanyahu und seine rechtsextreme Bagage und natürlich Donald Trump mit seiner aggressiven, irrationalen, machistischen, kriegslüsternen, antikommunistischen, turbo-kapitalistischen, anti-ökologischen, rassistischen, verschwörungsmythischen, antifeministischen und anti-woken Politik.

Doch verhindert der zweite Krieg Israels gegen den Iran in acht Monaten wenigstens, dass der Iran „die Bombe“ kriegt?

Nein, es könnte den Weg des Iran zur Bombe beschleunigen.

Das wäre der exakt gegenteilige Effekt von den Märchen, die uns Netanyahu und Trump erzählen und die von ihren – allerdings täglich weniger werdenden – Anhänger*innen im Westen geglaubt und propagiert werden.

Und das sagt nicht irgendjemand, sondern einer, der sich wirklich auskennt, ein Israeli, Zionist, Soldat, Geheimdienstler.

In einem bemerkenswerten Gespräch der Times of Israel mit Danny Citrinowicz, einem führenden Iran-Experten des israelischen Militärs, vom 13. März 2026 heißt es nämlich:

Nun stehen dem Iran also zwei Optionen zur Wahl: sein Atomprogramm vollständig aufzugeben oder die Entwicklung einer Bombe voranzutreiben.
Danny Citrinowicz, der die Iran-Abteilung der Forschungs- und Analyseabteilung des israelischen Militärgeheimdienstes leitete, vertritt die Ansicht, dass ein bedrohtes Iran sich eher für die zweite Option entscheiden wird, insbesondere angesichts der Tatsache, dass es nun von Khameneis Sohn Mojtaba geführt wird, der entschlossen ist, den Tod seiner Familienangehörigen zu rächen, die zusammen mit ihm getötet wurden.

(Übersetzung CH)

Weiter heißt es:

Während der Iran in den Gesprächen weiterhin darauf bestand, sich das Recht auf Urananreicherung zu bewahren, erklärte der vermittelnde Außenminister von Oman, Badr al-Busaidi, Teheran habe zugestimmt, das von ihm angereicherte Uran nicht zu horten.

„Das war eine wichtige Entwicklung, denn es bedeutete, dass der Iran lediglich darauf abzielte, sein Anreicherungsprogramm aufrechtzuerhalten, um sein Gesicht zu wahren“, erklärte Citrinowicz, der derzeit als Senior Fellow am Institut für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv tätig ist.

„Wenn man den Iran daran hindern wollte, eine Bombe zu bauen – und genau das haben die Iraner ja angeboten –, dann war eine solche Vereinbarung eigentlich keine schlechte Option“, sagte er und wies darauf hin, dass eine solche Vereinbarung auch ein Inspektionsregime beinhalten würde, sodass es nicht darauf hinausgelaufen wäre, der Islamischen Republik einfach zu vertrauen.“

(Übersetzung CH)

Citrinowicz betont, dass der Iran-Krieg ohne ein realistisches Kriegsziel begonnen wurde. Natürlich ist er für einen Regimewechsel, aber der ist äußerst unrealistisch. Er betont, dass der Iran diplomatisch hätte eingehegt werden können, ja dass sogar der ehemalige oberste Mullah Ali Khamenei harmloser gewesen sei als sein Sohn oder andere Nachfolger:

„Ich weiß nicht, ob Mojtaba [der Sohn von Ali Khamenei] den Tag nach dem Krieg noch erleben wird, und der Iran wird ohnehin einen schweren Stand haben, was seine innenpolitischen Probleme angeht“, sagte Citrinowicz. „Aber [Ali] Khamenei war ein Ausgleichsfaktor zwischen den IRGC [Revolutionsgarden, CH] und den gemäßigteren Kräften innerhalb des Regimes. Jetzt haben wir jemanden, der von den IRGC kontrolliert wird, und ich glaube, dass sich das in der künftigen Nuklearstrategie des Iran niederschlagen wird.“

(Übersetzung CH)

Schließlich resümiert Citrinowicz:

„Ein Regimewechsel braucht Zeit. Wir können jemanden aus der Opposition finden, wir können die Opposition bewaffnen, wir können vieles tun, aber ich bin mir nicht sicher, ob das in absehbarer Zukunft etwas bringen wird“, sagte er. „Wir sind wirklich ohne jeglichen strategischen Plan in diesen Krieg gezogen.“

Eine Strategie hat Israel schon: den Machterhalt von Netanyahu, um wirklich jeden Preis.

Laut amerikanischen Geheimdienstinformationen läuft Israel Gefahr, immer weniger Abwehrraketen und andere Möglichkeiten zu haben, iranische Geschosse oder Angriffe der Proxies des Iran abzuwehren. Wir sahen das die letzten Tage, Tote in Israel wie in der Westbank. Ja, sogar ein Einschlag in der Altstadt Jerusalems, nur 400 Meter von der Klagemauer und der Al-Aqsa-Moschee entfernt.

Und dann kommt der Antisemitismus und der Verschwörungswahn ins Spiel. Isolationistische und extrem rechte einflussreiche Stimmen in den USA wie Tucker Carlson, Megan Kelly, Candace Owens oder der Holocaustleugner Nick Fuentes behaupten, Israel habe die USA in den Krieg gezogen, wie Arno Rosenfeld im Jewish Forward analysiert und kritisiert. Das erinnert ihn an die antisemitische Dolchstoßlegende nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland, oder an Äußerungen des damaligen US-Präsidenten Nixon, der meinte, besonders viele Juden seien Gegner*innen des Vietnamkriegs gewesen. Viele ziehen heute eine direkte Verbindung des kriminellen Sexualstraftäters und Frauen- und Mädchenhassers Jeffrey Epstein und seinem großen Kreis von männlichen Mittätern hin zu Israel, den Juden und Trump.

Im Schatten des aktuellen Iran-Krieges herrscht weiterhin Nahrungsmangel in Gaza, in einem nahezu vollständig zerstörten Gebiet. Dazu kommt: die Hamas gibt es weiterhin! Die IDF hatte – logisch, weil unmöglich – die Hamas nicht zerstört, aber Zehntausende Zivilist*innen ermordet in einem Krieg, der alsbald nach seinem Beginn seine Rechtfertigung verloren hatte.

Dazu kommen pogromartige Ausschreitungen, tagtäglich, von Siedlern gegen Palästinenser*innen in der Westbank. Alles religiös oder nationalistisch oder messianisch ‚abgesichert‘ und von der israelischen Regierung ermuntert und geduldet.

Wie Arno Rosenfeld betont, sind Halbwahrheiten oder das „Gerücht über die Juden“, wie Adorno sagte, extrem gefährlich. Es ist nicht alles falsch, was Antisemiten sagen, weil sie Antisemiten sind. So waren viele Jüdinnen und Juden gegen den Vietnamkrieg, doch das waren nicht „die Juden“.

Das Ganze wird noch verschärft dadurch, dass sowohl die amerikanische wie israelische Öffentlichkeit keine klaren Aussagen ihrer Regierungen über die konkreten Ziele des Iran-Krieges erhalten, wie Dan Perry im Jewish Forward betont.

Schließlich schreibt der israelische Brigadegeneral (Reservist) Itzhak Brik in der Haaretz, dass mit Hilfe Chinas und Russlands Iran in absehbarer Zeit an 10 Atombomben kommen könnte, die arabischen Staaten ihren Widerstand gegen Iran aufgeben könnten, weil sie sehen, dass der Beschuss ihrer ökonomischen Infrastruktur und die Blockade der Straße von Hormus existentiell ist für ihre Regime.

Das alles ahnten Expert*innen in den USA wie Israel. Allein die Sache mit dem Öl- und Gaspreis war völlig absehbar, Trump war gewarnt worden, dass die Blockade der Straße von Hormus enormes, ganz enormes Konfliktpotential auch innenpolitisch in den USA haben wird.

Doch die Neue Rechte sieht sich gleichwohl im Aufwind, Trump ist ihr großer Führer, Netanyahu jener neu-rechte Israeli, der seit 30 Jahren versucht, den zionistischen Traum zu zertrümmern, um seinen eigenen Interessen zu dienen und nur militärisch die iranische Gefahr meint eindämmen zu können. Und vermutlich hat Netanyahu den Iran näher an die Bombe gebracht als alle anderen, weil er nicht verstehen will, wie Machtpolitik und Weltpolitik funktionieren. China und Russland stehen hinter dem Iran, auf die eine oder andere Weise, ökonomisch wie politisch, ohne den Jihadismus teilen zu müssen.

Die israelische Journalistin Noga Tarnopolsky erläuterte vorgestern, am 19. März 2026, auf France 24, wie Netanyahu in einer seiner super seltenen Pressekonferenzen eigentlich nur zu einem Mann sprach: Trump. Netanyahu hat panische Angst davor, dass Trump einen Sieg im Iran-Krieg erklären wird – ohne dass zentrale Ziele erreicht worden wären, bis auf das Ausschalten von Führungsköpfen, was – wie oben geschildert – den exakt gegenteiligen Effekt haben kann: mehr Macht für die fanatischen, muslim-faschistischen Revolutionsgarden und eine Verschiebung hin zu noch mehr Extremismus im iranischen Regime.

Schon wenige Tage nach Kriegsbeginn hatte Noga Tarnopolsky in einem langen Gespräch mit UnXeptable unterstrichen, wie schockierend sie es findet, dass sich die israelischen Medien nahezu vollständig hinter den Kriegskurs und somit Netanyahu stellen würden.

Es wäre eine äußerst schwierige, gefährliche und unrealistische Bodenoffensive nötig, um das verschüttete oder noch versteckte angereicherte Uran – ca. 450 kg – zu bergen, wie US-Wissenschaftler*innen betonen (zudem: „Iran was nowhere close to a nuclear bomb, experts say“).

Wenn der Iran und die Hisbollah weiterhin täglich Israelis in die Schutzräume und Bunker zwingen können, nach drei Wochen Krieg – nachdem Israel ja laut Netanyahu (!) schon im Juni 2025 das Atomprogramm des Iran völlig ausgeschalten hatte -, dann sieht es düster aus, weil alle wissen: Netanyahu lügt. Er log damals und er lügt heute. Goldene Zeiten für antisemitische Verschwörungsmythiker aller Art.

Zionismus heißt Kampf für Selbstbestimmung und nicht Krieg um jeden Preis – gegen einen Feind, den man auf diese Weise offenkundig gar nicht besiegen kann.

Es braucht ganz andere Wege, um Israel zu retten, als nur die militärische Option. Doch die internationale und sehr starke Solidarität mit Israel nach den genozidalen Massakern vom 7. Oktober durch die Hamas und die Palästinenser, schwand wenige Monate später, was primär mit dem unverhältnismäßigen und immer verbrecherischen Krieg in Gaza durch die israelische Armee zu tun hat.

Jetzt der nächste Krieg, weil Netanyahu keine anders Sprache versteht und ohnehin große Angst vor dem Gefängnis hat, in das er gehört, wenn sich alle Anklagepunkte als wahr erweisen, wovon viele Menschen ausgehen. Aber selbst das Anti-Netanyahu Lager ist ja derzeit voll und ganz hinter diesem Krieg, Texte in Haaretz oder Reportagen von Noga Tarnopolsky sind die kleinen, würdevollen und echt zionistischen Ausnahmen in einer Welt im Ausnahmezustand.

 

P.S., 22.03.2026, 9:13 Uhr:

Das Handelsblatt berichtet über den oben zitierten Danny Citrinowicz, der betont, dass der jüngste Raketenangriff des Iran auf das 4000 km entfernte Pazifik-Atoll Diego Garcia – ein militärstrategisch wichtiges Relikt des Kolonialismus, das Großbritannien und die USA als Militärbasis nutzen – zeigt, dass es im Vergleich zur Zeit unter dem Islamisten Ali Khamenei jetzt noch offensiver vorgeht, da die Revolutionsgarden jetzt de facto die Macht im Staat hätten:

„Danny Citrinowicz, einer der führenden Iran-Experten, erklärte auf X, der jüngste Raketenangriff sei eine direkte Folge der sich wandelnden Machtverhältnisse im Iran – insbesondere der zunehmenden Dominanz der Revolutionsgarden und des Todes von Revolutionsführer Ali Chamenei.“

Handelsblatt, 21.03.2026

Update, 22.03., 15:00 Uhr:

„Consequently, Iran’s decisions are far less theological and far more military, existential, and strategic.

The lack of clarity regarding the condition of the new supreme leader, Mojtaba Khamenei — who is thought to have been wounded on the first day of the war — only strengthens the assessment that decisions are now mainly being made on a hardline axis, between parliament speaker Mohammad Bagher Ghalibaf and IRGC commander Ahmad Vahidi.“

The Times of Israel, 22.03.2026

Update, 23. März 2026, 9.20 Uhr:

Der Spiegel berichtet in Bezug auf die Washington Post, dass Israel und die USA offenbar gar nicht mehr davon ausgehen, einen Regimechange oder ein Ende des Atomprogramms des Iran erreichen zu können. Das Hauptziel sei jetzt, die Straße von Hormus wieder schiffbar zu machen – die ja nur wegen diesem Krieg aktuell nicht befahrbar ist für Öltanker, Flüssiggas-Tanker etc. pp. Was für ein absoluter Irrsinn, den jede Expertin und jeder Experte VOR diesem Krieg ahnte. Aber die wirklich faschistische Kriegsideologie von Trump, der einfach so ein ganzes Land ‚plattmachen‘ will und meint zu können (wie Israel in Gaza), hat weiterhin ihre Anhänger:innen in der offiziell Pro-Israel-Szene, die de facto eine Anti-Israel-Szene ist.

Der neue Iran-Krieg: Trump und Netanyahu treiben das Völkerrecht und den Zionismus in den Abgrund

Von Dr. phil. Clemens Heni, Direktor, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

Der aktuelle Krieg von Israel und den USA gegen die Islamische Republik Iran wird Israel weiter isolieren, das Völkerrecht zerbröseln und den Zionismus massiv beschädigen.

Kaum jemand wird über Islamfaschisten wie Chamenei trauern.

Aber die USA unter Trump sind ein nahezu faschistischer Staat, der einfach so Länder überfällt und niemand stoppt die USA. Weil die USA eine der größten Militärmächte der Welt sind, allerdings nicht tödlicher, unterm Strich, wie Russland oder China, die auch Atomwaffen besitzen und die ganze Welt zerstören können mit ihrem Arsenal, so wie die USA im August 1945 die ganze Menschheit zur „letzten Generation“ bombte. Seit Hiroshima ist alles Leben nur noch befristet auf der Erde, Atomwaffen können alles auslöschen, wie der Philosoph Günther Anders (1902-1992) als einer der Allerersten erkannt hatte.

Nun jauchzen jene, die meinen, pro-israelisch zu sein. Darunter zählt der sehr weit rechts stehende Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen Philipp Peyman Engel, der auf Welt.TV die Angriffe feiert.

Das ZDF hingegen zeigt eine journalistisch wie politikwissenschaftlich, juristisch und völkerrechtlich differenzierte Position, die keineswegs antiisraelisch ist, im Gegenteil.

In einem Interview von ZDF-Heute Journalist Christian Sievers vom 1. März 2026 mit dem Juristen und Professor für Völkerrecht, Europarecht und Öffentliches Recht an der TU Dresden, Dominik Steiger, wird deutlich, dass dieser Krieg völkerrechtswidrig ist, auch wenn kein Zweifel daran bestehen kann, dass die Islamische Republik Iran ein Terrorstaat ist, der die eigene Bevölkerung hinmetzelt, antisemitisch agitiert und agiert, auch mit Proxys in der Region.

Das knappe Gespräch ist aufschlussreich, weil man darin eine juristische Position für das Völkerrecht und das Verbot, mit Gewalt ein anderes Land zu überfallen, begründet sieht, ohne gleichwohl auch nur die geringste Sympathie für den Islamfaschismus im Iran zu hegen.

Wann darf ein Land Gewalt gegen ein anderes Land anwenden? Ausnahmen sind, so Professor Steiger, UN-Sicherheitsratsresolutionen, was hier nicht vorliegt, das „Selbstverteidigungsrecht“, aber die USA und Israel waren nicht angegriffen worden.

Das „Atomwaffenprogramm“ des Iran verstößt gegen den Nicht-Verbreitungsvertrag. Der Iran verstößt gegen mehrere UN-Sicherheitsratsresolutionen und übt mit „Proxys“ wie den „Houthis“, der „Hizballah“ und der „Hamas“ Terror gegen Israel aus.

Aber das alles macht den Angriff deshalb nicht völkerrechtskonform, so Professor Steiger.

Das „Existenzrecht Israels“ wird von dem Iran und seinen Verbündeten in Frage gestellt, wie der Jurist und Wissenschaftler aus Dresden betont, aber das sind gleichwohl keine Gründe für diesen Angriff hier und heute – immerhin leugnet die Islamische Republik Iran seit bald 50 Jahren das Existenzrecht Israels, das ist keine Neuigkeit, könnte man ergänzen.

„Das ist alles fürchterlich“, so Steiger, aber „das ist nicht ein unmittelbar bevorstehender Angriff“. Auch eine „humanitäre Intervention“ sei völkerrechtlich kein Grund für diesen Krieg, wobei Steiger den Kosovo-Krieg (1999) erwähnt.

„Auch ganz schwere Menschenrechtsverletzungen dürfen nicht dazu führen, dass das Gewaltverbot ausgehebelt wird“, wie „wir“ 1999 im Fall „Kosovo“ diskutiert hätten – nun, damals führte Deutschland den ersten Krieg nach 1945, gegen einen alten Feind, Serbien. Das sagt Steiger jedoch nicht. Schon damals war die Kritik konsequenz- und zahnlos, wie heute. Aber es braucht „Protest“, wie er betont, und Sievers sieht darin durchaus zu Recht einen Appell an den wie immer dermaßen erbarmungswürdigen Kanzler, der gar kein Problem mit dem Bruch des Völkerrechts hat und um den heißen Brei redet.

Resümee dieses wichtigen ZDF-Gesprächs:

„Man darf nicht nur den Iran kritisieren, und den MUSS man in jedem Fall kritisieren, das ist gar keine Frage, sondern man muss natürlich auch Israel und die USA für den Verst0ß gegen das Gewaltverbot kritisieren“, so Dominik Steiger von der TU Dresden.

Das ist ein professionelles Gespräch im Fernsehen gewesen und Äonen entfernt von der Kriegspropaganda des Springer-Konzerns wie dem erwähnten Welt.TV-Gespräch mit Engel von der Jüdischen Allgemeinen oder den Nachrichten in den ach-so-proisraelischen Gruppen oder von Möchtegern-Forscher:innen im Bereich Antisemitismus, die doch großteils nur Propaganda mit akademischem Anstrich machen.

Von Zionismus und dem Kampf für ein demokratisches und jüdisches Israel haben diese Leute keinerlei Ahnung. Das zeigte sich bereits in deren Lob für Trump 2016/17, als manche gar meinten, der große Hegel sei Pate des Anti-Iran Trump. Als ob man mit amerikanischem Faschismus den Islamfaschismus des Iran bekämpfen könnte, ohne den Westen, die Demokratie und das Völkrrecht komplett zu pulverisieren. Als ob es dem kapitalistischen Westen oder dem staatskapitalistischen Osten (China, Russland und Proxys) je um das Völkerrecht gegangen wäre…

Das Gespräch im ZDF vom 1. März kann man in eine zionistische Kritik am Krieg gegen den Iran von Seiten liberaler und linker Zionist:innen auf dem J Street Kongress in Washington, D.C., einbetten. J Street ist eine zionistische, aber demokratisch-zionistische NGO in den USA. Ihr Präsident Jeremy Ben-Ami wendet sich gegen diesen Krieg und betont, dass die jüdische Lobby-Organisation AIPAC in den USA weder pro-amerikanisch noch pro-israelisch sei. Darüber berichtet die israelische Tageszeitung Haaretz.

Zugleich organisiert J Street ihre größte Kampagne zur Unterstützung von Kandidat:innen für die Midterm-Wahlen im November 2026. Der zionistische und demokratische Charakter von J Street, den J Street auf seiner Homepage auch entgegen bekannter Mythen aus dem Lager der Rechtszionist:innen hervorhebt und dokumentiert, wird hierbei deutlich:

The J Street Action Fund said it will back candidates who support a two-state solution, oppose West Bank annexation and settlement expansion, and advocate for democratic values in Israel and the United States.

Das ist Zionismus: Kampf für den jüdischen und demokratischen Staat Israel und Kampf für ein freies Palästina, eine Zweistaatenlösung (ohne „Rückkehrrecht“ nach Israel für die Palästinenser:innen, logisch).

Der US-Senator Chris van Hollen sprach ebenfalls auf dem J Street Kongress und wandte sich massiv gegen den Iran-Krieg von Trump und Netanyahu. Da er bei J Street sprach, zeigt er, dass er für den Zionismus und ein demokratisches Israel eintritt. Das verstehen weiteste Teile der selbst ernannten deutschen Pro-Israel-Szene natürlich nicht. Sie plappern nur nach was das israelische Außenministerium und Netanyahu so von sich geben. Wer den Krieg kritisiert, ist ein Islamist oder Antisemit. So einfach ist deren Weltsicht.

US-Senator aus Maryland Chris van Hollen hingegen hat sich während des letzten Gaza-Krieges in einem Gespräch mit der Washington Post klar für die Lieferung von Defensivwaffen für Israel wie den Iron Dome ausgesprochen, aber skeptisch bezüglich offensiven Waffen geäußert. Das ist eine liberal-zionistische Position, ganz klar.

Mitunter differenzierter als die herkömmliche deutsche Pro-Israel Szene ist die Studentin, politische Aktivistin und Deutsch-Iranerin Daniela Sepheri, die ja auch in Talkshows und im Fernsehen auftritt. Sie sagt in einem Facebook-Post gleich zu Beginn dieses neuerlichen Krieges, dass wir lernen müssten, „Gleichzeitigkeiten“ auszuhalten, also die Freude vieler Iraner:innen ob der militärischen Angriffe auf die Islamische Republik Iran bei gleichzeitiger Angst vor den Bomben oder der nicht abnehmenden Repression und den Massakern wie Hinrichtungen von Oppositionellen durch das islamfaschistische Regime in Teheran.

Erst Venezuela, jetzt der Iran, dann Kuba. Trump ist ein Kriegstreiber und Faschist, ein Sexist, Verschwörungsantisemit, Rassist (ICE-Terror), Antidemokrat. Donald Trump bekommt gleichwohl selbst mit seiner widerwärtigen MAGA-Bewegung massive innenpolitische Probleme, weil er mit seinem zentralen Versprechen gebrochen hat: Kriege zu beenden und nicht zu beginnen.

Wohin völkerrechtswidrige Kriege führen sahen wir am Irak-Krieg oder im Libyen-Krieg, beides failed states mit Hunderttausenden Toten und Millionen Flüchtlingen, nicht zuletzt in Europa.

Doch der Haupttreiber dieses Krieges ist offenkundig Benjamin Netanyahu. Er will sein unendliches Versagen vom 7. Oktober, seine Unterstützung der Hamas im Kampf gegen die moderatere Palästinensische Autonomiebehörde, wettmachen und sich als großen jüdischen – nicht nur israelischen – Helden präsentieren, der den heutigen Haman besiegt habe.

Das ist eine unglaublich zynische Kriegsideologie. Um den Iran geht es Netanyahu überhaupt nicht, es geht ihm um sein eigenes Schicksal. Die Gefahr für Israel aus Iran war vor Jahren größer. Letztes Jahr wurde ja angeblich das Atomprogramm völlig dem Erdboden gleichgemacht, wie im Sommer 2025 Trump brüllte. Offenbar doch nicht, denn im März 2026 geht es wieder gegen das Atomprogramm.

Also: Zionismus heißt, das Völkerrecht zu bewahren und für es einzutreten. Zionismus heißt Gerechtigkeit und Demokratie. Im besten Fall heißt Zionismus wie früher auch Sozialismus, aber davon sind wir sehr weit entfernt, weil ja selbst die Opposition maximal liberal ist, in Israel, aber nicht sozialistisch. Aber wen wundert das nach Jahrzehnten neoliberaler und kapitalistischer Propaganda, seit Margret Thatcher, Helmut Kohl und sodann Gerhard Schröder, Tony Blair und wie sie alle heißen. BlackRock-Kanzler Merz ist nur die Extremversion dieser jahrzehntelangen anti-sozialistischen Agitation, die auch in Israel sich seit sehr langer Zeit durchgesetzt hat.

David Ben-Gurion und die sozialistischen Gründer:innen Israels würden weinen.

In jedem Fall gilt: Trump und Netanyahu sind Feinde des Völkerrechtes, Feinde von Gerechtigkeit und Demokratie und einem jüdischen und demokratischen Staat Israel Seite an Seite mit einem Staat Palästina, also sind beide und ihre Anhänger:innen Antizionisten.

 

P.S., 21 Uhr: Letzte Nacht (MEZ) gab es ein extra Zoom-Meeting der israelisch-amerikanischen Gruppe UnXeptable zum Iran-Krieg. Exakt wie ich es heute Vormittag in meinem Text darstelle, gehen auch UnXeptable sehr kritisch mit der Kriegspolitik von Netanyahu und von Trump um.

Ich kann Wissenschaftler:innen und Interessierten nur raten, sich dieses Video anzuschauen, da lernt man exakt unendlich mehr als beim Lesen von Stellungnahmen oder Kommentaren wie von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) oder von den üblichen Verdächtigen aus dieser gar nicht pro-israelischen Szene bezüglich des aktuellen Iran-Krieges.

Eran Etzion hat entgegen diesen deutschen Super-„Experten“ wirklich Ahnung von Israel und dem Nahen Osten:

Eran Etzion is a diplomat and strategist with more than 20 years of experience in senior government positions. He was head of policy planning at Israel’s Ministry of Foreign Affairs, and deputy head of the National Security Council in the Prime Minister’s office.

In 2014-2015, he was a visiting scholar at the Leonard Davis Institute for International Relations, and the Truman Institute for the Advancement of Peace, both at the Hebrew University, Jerusalem.

In 2015, he founded ICSF, Israel Center for Strategic Futures, a Think-Do NGO dedicated to introducing innovative foresight into the Israeli decision-making process and public discourse.

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