Wissenschaft und Publizistik als Kritik

Kategorie: Allgemein Seite 58 von 80

Lückenlos

Von Dr. Clemens Heni, 23. Oktober 2017

Wir kennen sie aus dem Alltag, die Lücke. Es gibt sie als Baulücke, Bildungslücke, Gesetzeslücke, Sicherheitslücke, Zahnlücke, Bewusstseinslücke oder als Lücke im Lebenslauf. Das kann einem in den Sinn kommen, wenn man sich die aktuelle Sozialwissenschaft anschaut.

2014 attackierte die Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, Stefanie Schüler-Springorum, mit ihrem Kollegen Uffa Jensen in einem Beitrag für die Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (APuZ) die kritische Antisemitismusforschung:

„Große Bereiche der histo­rischen Forschung untersuchen vornehmlich antisemitische Texte, Bewegungen und Ereig­nisse und verzichten auf eine konzeptionelle Durchdringung des Materials. In einigen Ar­beiten wird Antisemitismus sogar zu einem überzeitlichen Phänomen, das in fast allen nichtjüdischen Gesellschaften auftritt.“

[Dazu die Fußnote: „Vgl. beispielsweise Robert S. Wistrich, A Lethal Obsession: Anti-Semitism from Antiquity to the Global Jihad, New York 2010.][1]

So locker flockig gehen allzu deutsche Forscher*innen über eines der bedeutendsten Werke des wichtigsten Antisemitismusforschers der letzten 40 Jahre hinweg, „Lethal Obsession“ von Robert Solomon Wistrich (1945–2015), langjähriger Direktor des Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism (SICSA) an der Hebräischen Universität Jerusalem.

Das Ressentiment gegen die Forschung zu Antisemitismus als „longest hatred“ hat Tradition am ZfA. So schrieb der Soziologe Werner Bergmann schon im Jahr 1988 in der Fachzeitschrift Leviathan:

„Aber auch wenn der Antisemitismus sicherlich ein integraler Bestandteil des abendländischen ‚Kulturerbes‘ und emotional stark besetzt ist – wie jedes Vorurteil –, so steckt im Begriff des ‚ewigen Antisemiten‘ doch die gleiche falsche Anthropologisierung und Naturalisierung wie im ‚ewigen Juden‘.“[2]

Dieses unwissenschaftliche Herunterdeklinieren des genozidalen Antisemitismus, der mit Verschwörungsmythen, Blutbeschuldigungen und Ideologemen der „Zersetzung“, die Juden betrieben, arbeitet, zu einem bloßen „Vorurteil“ unter vielen, ist seit Jahrzehnten Mainstream in diesem Land und Kennzeichen der Arbeitsweise am ZfA. Zugleich kann man so Kritiker des Antisemitismus schwuppdiwupp zu Nazis machen, beide dächten ähnlich.

Vor gut 10 Jahren, im September 2007, nahm ein Kader der neo-nationalsozialistischen NPD, Stefan Lux, an einer Sommeruniversität des ZfA zu Antisemitismus teil, entgegen dem Protest von Antifaschist*innen, – verantwortlich waren dafür u.a. Werner Bergmann, aber auch Wolfgang Benz. Bergmann schrieb dann 2011 in einer Festschrift für einen Kollegen:

„Im historischen Vergleich mit der Zeit vor 1945, aber auch in den letzten 60 Jahren in Deutschland […] war Antisemitismus gesamtgesellschaftlich wohl selten so sehr an den Rand gedrängt wie heute.“

Angesichts von Hunderten Pro-Hitler- und Pro-Juden-ins-Gas-Statements Ende Mai und Anfang Juni 2010 auf Facebook nach der Mavi Marmara Aktion im Mittelmeer von jihadistischen Gruppen und ihren Freund*innen auch in der Linkspartei schreibt ein führender Soziologe des ZfA so etwas. Das zeugt von einem kompletten Realitätsverlust. Im Sommer 2014 im Zuge des Krieges Israels gegen die Hamas im Gazastreifen hatten wir sodann die vielleicht brutalsten und gefährlichsten antisemitischen Demonstrationen und Aktionen seit Jahrzehnten überhaupt.

Dazu kommt ein Antisemitismus bis weit in die Mitte der deutschen Gesellschaft, sei es die Ablehnung der jüdischen Beschneidung wie 2012 in einem Kölner Landgerichtsurteil und in dessen Gefolge durch die Diffamierung des Judentums und der Beschneidung von der FAZ über die Giordano Bruno Stiftung bis hin zur Postille Bahamas, oder sei es die Trivialisierung des Holocaust durch Joachim Gauck, der meint, jene, die die Einzigartigkeit der Shoah betonten, wollten nur ein „inneres Loch“ stopfen, das der Tod Gottes hinterlassen habe. Seine Gleichsetzung von rot und braun via Prager Deklaration 2008, dem Schwarzbuch Kommunismus oder der Initiative 23. August ist in Deutschland quasi Staatsdoktrin, was nur ein weiterer Ausdruck des sekundären Antisemitismus bedeutet, einer Erinnerungsabwehr an Auschwitz, das wahlweise mit DDR-Kindergärten, der Mauer, Israels Politik oder der Antifa („Linksfaschismus“ bei den G20-Protesten etc.) verglichen wird.

Das alles nicht zu sehen, und zu behaupten, es gebe heute so wenig Antisemitismus wie wohl noch nie seit 1945, zeugt von einem Realitätsverlust am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) und ist typisch für die deutsche Forschungslandschaft, den Zustand von Sozial- wie Geisteswissenschaften. Auch der Wahlerfolg der AfD zeigt, wie massiv Antisemitismus in der Gesellschaft verankert ist und jetzt im Bundestag sitzen wird, mit 12,6%.

2010 lud die damalige Leiterin des Instituts für die Geschichte der Deutschen Juden in Hamburg Schüler-Springorum die israelfeindliche Historikerin Tamar Amar-Dahl ein, 2012 engagierte Schüler-Springorum den antizionistischen Forscher Achim Rohde am ZfA, der es schafft, in seiner Dissertation zu Geschlechterverhältnissen im Irak antiisraelische Agitator*innen wie Jacqueline Rose oder Edward Said zu zitieren, die zu Geschlechterverhältnissen im Irak gar nichts zu sagen haben. Zum Nazi-Doktorvater Karl Bosl ihres Vorgängers Wolfgang Benz schwieg Schüler-Springorum, wie alle am ZfA, der Pädagoge Micha Brumlik war hingegen entsetzt.

Was aber sagt das Zentrum für Antisemitismusforschung neben der Ablehnung der weltweit führenden Antisemitismusforschung von Wistrich sonst noch zur heutigen kritischen Forschung zum Antisemitismus? Schüler-Springorum und Jensen schreiben 2014 in APuZ (S. 18):

„Kommt es doch zu einer theoretischen Ein­ordnung, geschieht dies zumeist mit Bezug auf einen bestimmten Teil der sozialwissen­schaftlichen und sozialpsychologischen De­batten, nämlich der weitgehend empirisch arbeitenden Vorurteilsforschung.“

[Dazu die Fußnote: „Es gibt noch einen zweiten Strang der sozialwis­senschaftlichen Forschungen, der allerdings kaum noch in der historischen Forschung aufgegriffen wird und deshalb hier nur erwähnt werden soll. Ge­meint sind die Sozialtheorien zum Antisemitismus, die in der Tradition der Kritischen Theorie oder/und der Psychoanalyse stehen. Vgl. vor allem Moishe Postone, Die Logik des Antisemitismus, in: Merkur, 36 (1982) 1, S. 13–25; Samuel Salzborn, Antisemitis­mus als negative Leitidee der Moderne. Sozialwis­senschaftliche Theorien im Vergleich, Frankfurt/M. 2010.]

Weder Kritische Theorie und Psychoanalyse noch Samuel Salzborn sind am ZfA wohlgelitten, ja werden wie selbstverständlich abgewehrt. Kritik ist ein No-Go am ZfA. Salzborn hat einige wichtige und interessante Texte zur Kritik am Rechtsextremismus, der Neuen Rechten und der AfD geschrieben.

Am 23. Oktober 2017 schreibt er in der taz über das Versagen der Politikwissenschaft bezüglich der Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus und dem Nazi-Erbe in der Bundesrepublik. Auch wenn er dabei eine der zentralsten Forschungsarbeiten der frühen 1940er Jahre, um die geht es in dem Text, gerade nicht erwähnt und nicht zu kennen scheint, Peter Vierecks „Metapolitics“, die viel umfassender den deutschen Weg in den Nationalsozialismus beschreibt als viele Politologen bis heute, so hat er doch völlig recht mit seiner Kritik an der gegenwärtigen Politikwissenschaft.

Die größte Debatte über die nationalsozialistische Vergangenheit und die Shoah war zweifellos die Goldhagen-Debatte 1996 und in den folgenden Jahren. Und gerade diese Debatte zeigte, wie abwehrend wiederum das Zentrum für Antisemitismusforschung arbeitet. Es gab 1998 einen Sammelband heraus – „Geschichtswissenschaft und Öffentlichkeit“ –, darin ist auch ein Beitrag des Historikers Uffa Jensen. In seinem Text greift er den Politikwissenschaftler Daniel J. Goldhagen wie auch den Sozialphilosophen Jürgen Habermas frontal an.[3] Goldhagen würde „sehr wohl generalisierende Vorwürfe“ über die „ganz normalen Deutschen“[4] erheben und Habermas krönte das auch noch mit einem Demokratiepreis, ja würde Goldhagen vergöttlichen, eine „Apotheose“ betreiben.

Ein Jude und Historiker, der wie kein anderer zuvor eine breite und angeregte Debatte über die Deutschen und den eliminatorischen Antisemitismus entfachte, würde also von einem führenden Intellektuellen des Landes gleichsam vergöttlicht. Neo-Nazis sprechen in ihrer Diktion gleich direkt von „Holocaustreligion“ oder linke Antisemiten von einer „Pilgerfahrt nach Auschwitz“, kann man da nur sagen.

Der Politikwissenschaftler Lars Rensmann hat in seiner Dissertation Uffa Jensen 2004 kritisiert:

„Die antisemitische Identifikation Goldhagens als jemand, der aus bloß materiellem Interesse, als ‚Geldjude‘, aus der Vergangenheit der Deutschen und ihrer ‚kollektiven Verdammung‘ seinen Vorteil ziehen wollte – dieses hervorstechende sekundär-antisemitische Ideologem hat in der Goldhagen-Debatte erstmals in der ‚Berliner Republik‘ öffentliche Fürsprecher in Medien, Politik und Wissenschaft gefunden (…). So steigert sich noch in einem Rückblick auf die Debatte im Jahre 1998 (…) [der Historiker, CH] Uffa Jensen im wissenschaftlichen Duktus zu folgender antisemitischer Zuschreibung:

‚Das Subsystem ‚Geld‘ ist mit Goldhagen in den rational-aufklärerischen Diskurs der Selbstverständigungsdebatte eingedrungen, der sich zwischen Historikern und Lesern entspannen könnte, und droht, ihn zu ‚kolonisieren‘, wenn sich ähnliche publizistische Praktiken in Zukunft [„etablieren“, CH].‘

Hier wird Goldhagen mit ‚Geld‘ identifiziert (…). Ein amerikanisch-jüdischer Autor mit seinem vermeintlich bloß materiellen Interesse avanciert in dieser Vergrößerungsprojektion und in grotesker Applikation einer Mischung aus Luhmannscher und Habermasscher Begriffe zum personifizierten ‚Kolonisator‘, der mit seinen jüdischen Geldinteressen die innerdeutsche Selbstverständigung zerstört.“[5]

Nun wird im Herbst 2017 Uffa Jensen[6] Professor am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA), und Samuel Salzborn wird zeitgleich für einige Zeit Gastprofessor am ZfA, wie die taz in der Personenbeschreibung festhält. Salzborn war an der Uni Göttingen nicht mehr wohl gelitten, was 2016 eine bundesweite Solidaritätsaktion unter Forschungskolleg*innen auslöste. Sein Vertrag endete im Sommer 2017.

Das ZfA hat jetzt doch noch für ein kleines „Zeitfenster“ (so nennt man das heute) erstmals ein Feigenblatt[7] gefunden und zudem wird so eine mögliche Lücke im Lebenslauf eines jungen Menschen präventiv geschlossen. Das nennt die Wissenschaft eine „Win-Win-Situation“.

 

[1] Uffa Jensen/Stefanie Schüler-Springorum (2014): Antisemitismus und Emotionen, APuZ 28–30/2014, 17–24, 18.

[2] Werner Bergmann (1988): Politische Psychologie des Antisemitismus. Kritischer Literaturbericht, in: Helmut König (Hrsg.), Politische Psychologie. Leviathan. Zeitschrift für Sozialwissenschaft, Sonderheft 9/1988, 217–234, 230f.

[3] Uffa Jensen (1998): Ein Ritterschlag zum Lehrmeister? Die Apotheose des Daniel J. Goldhagen in der Laudatio von Jürgen Habermas, in: Johannes Heil/Rainer Erb (Hg.), Geschichtswissenschaft und Öffentlichkeit, Frankfurt a.M.: Fischer, 148–163.

[4] Jensen 1998, 150.

[5] Lars Rensmann (2004): Demokratie und Judenbild. Antisemitismus in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, 354.

[6] „Mit Prof. Dr. Uffa Jensen konnte die TU Berlin einen herausragenden Wissenschaftler gewinnen, der ein breites Lehr- und Forschungsprofil aufweist und als einer der profundesten Kenner sowohl des modernen Antisemitismus als auch der Emotionsgeschichte gilt.“

[7] Beispiele:

[1] Feigenblätter „sind rund 20 bis 30 Zentimeter lang und fast ebenso breit.“

[2] „Als Metapher bezeichnet das Feigenblatt einen Gegenstand, der vor einen anderen Gegenstand gestellt ist, um diesen in der Absicht zu verbergen, dessen moralisch angreifbare Eigenschaft nicht gewahr werden zu lassen.“

©ClemensHeni

„Mit Nazis reden und mit Nazis Sport treiben“

Von Dr. phil. Clemens Heni, 18. Oktober 2017

Die Salonfähigkeit der Neuen Rechten zerbröselt die Demokratie und zementiert die Alltäglichkeit rechtsextremer Gewalt. Das Feuilleton klatscht, die Leitung der Frankfurter Buchmesse, die größte ihrer Art weltweit, lädt Neonazis ein und wundert sich, dass auch Neonazis kamen. Ein Blick in einen aktuellen Bestseller zeigt, warum das so ist. In dem Buch „Mit Rechten reden“ stellen die Autoren Per Leo, Daniel-Pascal Zorn und Max Steinbeis ihre „25 goldenen Regeln, die sich nach unserer Auffassung durch das Reden mit Rechten für das Leben gewinnen lassen“ auf, darunter: „5. Der andere könnte Recht haben“, „9. Achte Deinen Gegner“, „10. Ein Streit ohne Lachen ist kein guter Streit“, „18. Treibe Sport mit Nazis“ und „22. Bevor du jammerst, mach‘ Musik“.

So etwas wird heutzutage nicht nur gedruckt, sondern sogar ein Bestseller, weil alle geradezu geil darauf sind, zu erfahren, wie es sich anfühlt mit Menschen zu reden, die für den Mord an über 184 Schwarzen, People of Colour, Muslimen, Linken, Punkern, Obdachlosen, Behinderten, Nicht-Deutsch-genug-Aussehenden und anderen mit verantwortlich sind und die wieder stolz sind auf die deutschen Soldaten in zwei Weltkriegen.

Schon die Historikerin Christiane Eisenberg hat vor fast 20 Jahren die Nazifizierung des Sports 1936 in ihrer Habilitationsschrift entgegen den Analysen der kritischen Sport- und Politikwissenschaft euphorisch dargestellt und wurde Professorin. Für sie waren Liegestühle, Blumenbeete und ein Kino für die Sportler der Olympiade 1936 in Berlin so berauschend und modern wie 1932 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles.

Mit Nazis Sport treiben zeigt nicht nur die moralische Verkommenheit des ganzen Landes, es zeigt vor allem, womit man heute Geld verdienen kann.

Umso beschämender, wenn selbst Kritiker der Nazis nicht auf der Höhe der Zeit sind. So sagt der Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung, Timo Reinfrank, im Gespräch mit der taz Folgendes:

„Wir müssen die Situation noch einmal analysieren, das wollen wir auch gern mit der Buchmesse zusammen tun. Man muss für die Zukunft gucken, dass die Nazis ihre Inszenierung nicht noch einmal so durchziehen können. Ich weiß, dass es rechtlich schwierig ist, die Verlage ganz auszuschließen, auch gerade aufgrund der Erfahrung aus dem Nationalsozialismus im Umgang mit jüdischen Verlagen und Autoren. Aber rückblickend fand ich es schwierig, dass sie einfach einer unter vielen Verlagen waren und dass sie sich einen Platz im Programm einfach mieten konnten. Die Buchmesse hat durchaus versucht, damit umzugehen, und es gab auch gute Ansätze. Ich fand es bemerkenswert, dass die Buchmesse selbst eine Demonstration gegen Rassismus durchgeführt hat.“

Es war ohnehin bereits ein Fehler, dass die AAS wie auch andere Anti-Nazi-Gruppen auf diese Buchmesse gegangen sind und ja von vornherein für die Messeleitung als Alibi dienten, dass auch Neonazis eingeladen werden. Doch dieses Zitat ist ungeheuerlich. Reinfrank und die taz insinuieren, man müsse sich die Judenpolitik der Nazis und den nationalsozialistischen Antisemitismus vor Augen halten, wenn man heute Neo-Nazi-Verlage ausschließen möchte von einer Buchmesse.

Erstens ist das juristisch gar nicht belegt, was der AAS-Frontmann hier sagt: welches Gesetz soll es geben, das einem Verlag auf einer privaten (!) Veranstaltung, die Buchmesse ist eine privatkapitalistische Firma, die „Frankfurter Buchmesse GmbH“, das Recht gibt, aufzutauchen? Seit wann kann eine Buchmesse nicht entscheiden, welcher antidemokratische, zur Gewalt aufrufende Verlag nicht teilnehmen darf?

Edeka und Thalia verkaufen das rechtsextreme und verschwörungsmythische Compact-Magazin nicht mehr und das ist auch gut so und Teil einer demokratischen, wehrhaften politischen Kultur. Deshalb jaulten die extremen Rechten 2015 über diese Entscheidungen von Thalia und EDEKA.

Und selbst wenn es ein solches Gesetz gäbe: wie unmoralisch und unethisch muss man sein, um nicht offensiv zu fordern:

„ganz egal welche Grundlage es geben soll, Neo-Nazi-Verlage, die symbolisch für die über 184 seit 1989/1990 von Rechtsextremen Ermordeten und für die Bejahung des Nationalsozialismus und der deutschen Verbrecher und Verbrechen der Wehrmacht stehen, haben hier nichts zu suchen!“

Nein, dazu ringt sich die AAS nicht durch, dafür macht sie einen der größten PR-Fehler überhaupt: sie bietet den Nazis die Opferrolle an. Die hatten die Rechtsextremen schon längst angenommen, mit einem Flugblatt des Antaios Verlags vom 14. Oktober 2017, letzten Samstag, als sie die Kritik am Auftreten von Neonazis auf der Buchmesse zum Anlass nahmen, sich selbst als die Opfer wie die Juden ab 1933 zu präsentieren:

„Es ist das erste Mal seit 1933, daß im Lande der Bücherverbrennungen unliebsame Verlage und unerwünschte Bücher in einer öffentlichen Buchmesse wieder Opfer offener Gewaltakte werden.“ (Flugblatt, offenbar verteilt auf der Buchmesse am 14.10.2017)

Mit Nazis redet man nicht und man treibt auch keinen Sport mit Nazis.

Nazis gehören bekämpft und das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wie einem Ausschluss von einer Buchmesse. Damit soll gar nicht gesagt werden, dass sonst keine problematischen Verlage auf solchen Riesenevents auftauchten, auch antisemitische, ganz sicher. Aber diese Verlage sind zumindest keine körperliche Gefahr für Anwesende, während die diesjährige Präsenz von Junger Freiheit, Tumult, Antaios etc. dazu führte, dass ein Verleger mit einem Faustschlag verletzt wurde und über Tage hinweg für Linke oder dafür Gehaltene eine extreme Bedrohungssituation herrschte.

Wie tief sedimentiert mittlerweile das Gerede über „mit Rechten reden“ ist, zeigt also auf besonders absurde Weise das Interview mit dem AAS-Geschäftsführer in der taz. Evtl. würde ihm ein Geschichtsstudium helfen, zu verstehen, dass man den Ausschluss von Nazis hier und heute niemals auch nur im Ansatz mit dem Nazi-Antisemitismus nach 1933 vergleichen kann.

©ClemensHeni

Historian Jürgen Zimmerer promotes post-colonial Antisemitism

Von Dr. phil. Clemens Heni, 14. Oktober 2017

Times of Israel (Blogs)

In a debate in the German weekly Freitag 34/2017, published October 8, 2017, its publisher Jakob Augstein, known for his anti-Israel stance, and his colleague, Michael Angele, interviewed journalist Alan Posener and historian Jürgen Zimmerer about colonialism and the Holocaust.

Zimmer is a leading ideologue of post-colonial theory. This article analyzes his scholarly shortcomings. Framing colonialism as forerunner of Nazi Germany and the Shoah is antisemitic in effect, if not intent.

Many people obfuscate their anti-Jewish resentments by framing them as trendy or scholarly up-to-date. Antisemitism is a specific phenomenon. Antisemitism is not just a form of racism, it is a complete different category. Antisemitism is constructed on race theories, conspiracy myths, blood libels, tropes of Jewish power and countless other aspects. Antisemitism sees Jews behind capitalism and communism, behind the media, the current refugee crisis (“Soros”), behind 9/11 etc. Antisemitism is not about discrimination, prejudice or mobbing. Antisemitism is the “longest hatred” and a “lethal obsession”, as historian Robert Solomon Wistrich (1945–2015) framed it.

Racism, on the other hand, is based on discrimination, rule and power, not on extermination or conspiracy myths. Slavery was a horrible crime, but it was obviously not developed to eradicate people, let alone a specific people. It was means for exploitation.

In recent decades, it has become mainstream to deny the uniqueness of the Shoah and to accuse Jews as well as Israel to emphasize and even to study that uniqueness. Scholars such as Amos Goldberg from Israel accuse the Holocaust Memorial at Yad Vashem for being exclusive. In his distorted view, the Shoah was not unique. He represents a huge trend in contemporary activism and scholarship regarding our colonial past. Some like Amelia Plumelle-Uribe talk about “concentration universe America” since 1492, accusing America for being a kind of Nazi Germany. This anti-American ideology is well received in Germany in particular. Others, such as Heinz Dieterich in 1991 spoke about a “500 Year Reich” (1492–1992), projecting German guilt of the Holocaust on to America and the West. That kind of ideology is no longer a hard-core left-wing esoteric ideology. It has become mainstream.

Scholar in cultural studies in the Netherlands, Imani Tafari-Ama, currently a fellow of the German Federal Foundation of Culture in the city of Flensburg in the north of Germany, is among the most aggressive deniers of the uniqueness of the Holocaust. June 11, 2017, in the German daily tageszeitung (taz) she claimed, „the diversion of Africans was the worst crime in human history, even bigger than the Holocaust.” That statement is one of the worst forms of contemporary antisemitism. Why? It denies that the industrial killing of six million Jews was unprecedented. That is a form of soft-core Holocaust denial, as scholarship frames it. Slave trade was a huge crime, both in its well-known Christian and in its often-denied Islamic versions. However, these crimes were not at all unprecedented (think about antiquity and slavery etc.), nor were they intended to kill an entire people.

Let us focus on historian Jürgen Zimmerer and his allies:

There is a special trend in historiography to distort the Holocaust by denying its unprecedented character and to frame the murder of Herero and Nama in German South-West Africa in 1904–1907 as Kaiser’s Holocaust. This is the title of a book written by David Olusoga and Casper W. Erichsen in 2010. They claim:

“Our understanding of what Nazism was and where its underlying ideas and philosophies came from is perhaps incomplete unless we explore what happened in Africa under Kaiser Wilhelm.”

First, this approach is far from original. In 1975, historian Peter Schmitt-Egner published a study (in German) about Colonialism and Fascism, where he denied that antisemitism is an ideology sui generis. His attempt is obsessed with “class struggle” and capitalism, therefore colonialism is seen as the forerunner to equally capitalist fascism. Many leftists deny the sui generis dimension of antisemitism and National Socialist Germany. For them, bourgeois rule tends to be fascist and that is more or less the same kind of capitalist exploitation all over the modern world. Any specificity of National Socialist antisemitic ideology and the German antisemitic people are set aside. Post-colonial studies are the worldwide left-wing form of that denial of the unprecedented character of Treblinka, Babi Jar and Sobibor.

The Holocaust was not a form of “Social Darwinism,” nor were the Jews seen as the “weak,” as Olusoga and Erichsen think. Contrary to that, Germans saw Jews as superior, dangerous, and as preparing a world conspiracy. There is no connection between the “People without Space,” as one chapter in Kaiser’s Holocaust reads, and the Shoah, because antisemitism and the Shoah had nothing to do with land gain, imperialism or any other form of political, territorial, economic, cultural, social etc. purpose.

In 1992, historian Wolfgang Benz published in the first volume of his Yearbook on Research on Antisemitism an article by publicist Henning Melber, who argued in the same post-colonial vein. Melber emphasized German continuities and ignored the analysis of antisemitism as distinct from research on racism, colonialism, and the cui bono of that kind of violence and crime.

Historian Jürgen Zimmerer is a leading voice in comparing and equating German colonialism and Nazi Germany and the Holocaust. In 2003, he published an article wherein he stated that “genocides in the colonies” are in the same “category” as “National Socialist murder policies.” In 2011, Zimmerer published a collection of his essays on colonialism and the Holocaust, entitled From Windhuk to Auschwitz? He insists that as early as 1947 American civil rights activist and historian W.E.B. Dubois (1868–1963) said:

“There was no Nazi atrocity – concentration camps, wholesale maiming and murder, defilement of women or ghastly blasphemy of childhood – which Christian civilization or Europe had not long been practicing against colored folk in all parts of the world in the name of and for the defense of a Superior Race born to rule the world.”

That is not true and rather shows an anti-Jewish resentment in the first place. Never before did a country, let alone one of the most industrialized countries in the world, try to eradicate an entire people from the earth. Eliminationist antisemitism was the German ideology, which led to the Holocaust. There is vast literature about the uniqueness and specificity of the Shoah, but most post-colonial authors ignore that scholarship intentionally, as it would show their low scholarly standard and their post-colonial resentment against Jews in general and the emphasis on the uniqueness of the Shoah in particular.

Zimmerer emphasizes that another author posited comparable arguments like DuBois. This is the old superstar of post-colonialism-studies, Aimé Césaire, who wrote in 1950 that the crime of the Holocaust is (supposedly) seen as horrible not because of

“the humiliation of man as such, it is the crime against the white man, the humiliation of the white man, and the fact that he [Hitler] applied to Europe colonialist procedures which until then had been reserved exclusively for the Arabs, of Algeria, the colonies of India, and the blacks of Africa.”

Césaire argued in an antisemitic way and denied that the Holocaust was an unprecedented crime since never before was it the aim of a government or a group to exterminate an entire people. The Holocaust was not based on a cui bono; there was no territorial, political, social, cultural or economic, let alone religious conflict between Germans and Jews. German ideology defamed Jews and wanted to kill them, the long history of antisemitism since antiquity was an essential component of this singling out of Jews.

Zimmerer deals little if ever with literature on antisemitism or the uniqueness of the Shoah. On the other hand, historians such as Steven T. Katz deal extensively with the uniqueness of the Shoah, without ignoring arguments who oppose that view. Zimmerer pleads for a “post-colonial and global approach” to Nazi Germany. He embeds National Socialism completely in the history of colonialism. The scholarly failure of this endeavor can already be seen on the cover picture: there is a picture of several Germans in uniform in 1941 looking at a model of a village, which was part of an exposition “Plan and Composition in the East.” At best, this could be discussed in relation to the Nazi “Generalplan Ost.” However, this has nothing to do with the Shoah. Auschwitz was not a plan for new villages. Treblinka was not about colonialism or exploitation: it was about the destruction of European Jews.

Colonialism was about racism, exploitation, and land gain, as well as about inner-imperialist and inner-colonialist struggle between world powers, including England, France, Spain, Portugal, the Netherlands, Germany, Belgium, the Arabs and Turks (Ottoman Empire), and Japan, among others.

In 2010, historian Jakob Zollmann published his doctoral dissertation about Colonial Rule and its Limits. Colonial Police in German South-West Africa 1894–1915. He did field research in Namibia, too, and argues in line with other historians of colonialism in Africa that the German colonial state was rather weak and not at all totalitarian or fascist in a European sense. The most important aspect may be his claim that Zimmerer and his colleagues ignore that Africans have a history of their own, which may not be seen as a forerunner of Nazi Germany. This is a distortion of African resistance against the Germans, for example. Projecting Namibian history as nothing but the “birthplace” of the “Ostland”, as Zimmerer argues, is a denial of the uniqueness of the Holocaust. Zimmerer deals with a “post-colonial perspective on the National Socialist policies of conquest and rule,” completely distorting that the Shoah was neither about “conquest,” nor about “rule.” The administration of “German South-West Africa,” however, was indeed about rule, as Zimmerer is well aware, since he is the author of a book on German rule over Africans.

Both Zimmerer and Zollmann show in their work how Germans tried to establish rules for their colony and how they failed in controlling the entire territory. Local “gangs” were widespread in the countryside and the German police were well aware of their restricted influence. However, the conclusions both historians are drawing from official documents and diaries of the time are diametrically opposed. While Zollmann puts the story in a rather typical colonial context and not as a forerunner to Nazi Germany, Zimmerer interprets the colonial sources from his “post-colonial perspective on the Nazi policy of conquest and extermination”.

In 2007, Zollmann discussed the German debate about the relationship of colonialism and Nazi Germany:

“I would argue that the gradual re-orientation of German historians towards world history, international history, and the attendant paradigms of comparability, of transnationalism, of entangled and global history lies at the bottom of this (re-)new(ed) interest in the German colonial past.”

Zollmann also criticizes authors Reinhart Kößler and Henning Melber, who are “taking up Hannah Arendt,” and “actually construct a direct connection between settler colonialism and Nazi dictator-ship.” Post-colonial and post-structuralist theory uses Arendt in order to de-specify the Holocaust and to deny the unprecedented character of the Shoah. Particularly for non-Jewish authors such a kosher stamp for distorting the Holocaust is important.

Historians Robert Gerwarth and Stephan Malinowski reject the argument that there was a more or less direct connection from Windhoek to Auschwitz. They can show that the German war against the Herero and Nama (1904–1907) was a typical colonial war, neither unprecedented nor a forerunner to the Second World War, to say nothing of the Shoah. The Spanish-Cuban War (1895–1898) and the American-Philippine War (1898–1902) as well as the Second Boer War in South Africa (1899–1902) were colonial wars that included mass murder and atrocities. These wars were directed against native populations who had attacked or were seen as a concrete (military) threat to the colonial power.

Furthermore, they claim that it’s remarkable that Zimmerer and those who follow the Windhoek to Auschwitz paradigm simply ignore the role played by the First World War 1914–1918. Even a murderer like Lothar von Trotha, who was responsible for the atrocities against the Herero in 1904, was harshly criticized in the German Kaiserreich.

Historian Jakob Zollmann analyzed the methodological, epistemological and theoretical mistakes in Jürgen Zimmerer’s approach:

“Indeed, Jürgen Zimmerer warns against, even rejects, an equation of the Holocaust with colonial genocide (…) German colonial experience is seen by Zimmerer to have acted as a cultural (re)-source (kulturelles Reservoir) from which the National Socialists would have drawn their ideas. These rather ominously formulated ideas of Zimmerer are repeated in his piece titled Die Geburt des ‘Ostlands’ aus dem Geist des Kolonialismus. And they do not become clearer here, as the ominous title – ‘Birth of the ‘Ostland’ conceived by the spirit of colonialism’, demonstrates. His title gives the impression of answering a question which has been posed by those who want to emphasize the continuities, not to say causalities, Zimmerer had just denied in his article. A ‘birth’ has only one reason – it is mono-causal by its very nature. By choosing this title, Zimmerer has de-scribed a situation of a ‘because/therefore…’ In his understanding the spirit of colonialism is the reason for the ‘Ostland’ – and all that has happened there, including the extermination of the Jews. No colonialism, no ideas of Germanised Eastern Europe, no Holocaust? Zimmerer’s arguments do not convince, they confuse – not only the reader, but also the issues.”

Historian Winfried Speitkamp, too, rejects the argument that German South-West Africa was a forerunner to Nazi Germany and the Holocaust. He criticizes Jürgen Zimmerer and Joachim Zeller who still see Africans like the Herero and Nama as passive victims alone, and ignore their resistance and particularly the specifics of African history and German (and other) colonial histories in Africa.  This is all the more important, because the mass murder of Herero and Nama was a result of their initial active resistance to colonial Germany.

The German crimes against the Herero and Nama were in no way connected to National Socialism and the Holocaust. Colonialism has nothing to do with the rise of German eliminationist antisemitism. Post-colonial theory is a huge failure, when promoting these historical lies, promoted by Jürgen Zimmerer and many others. They need to learn: there was no cui bono in the Shoah. Racism and colonialism were about a cui bono. Racism is and was about exploitation or land gain and so on, antisemitism and the Holocaust were about destruction and killing an entire people, the Jews. Racism means rule over people, antisemitism and the Shoah meant destroying an entire people. But most people in the post-colonial camp are unwilling to understand that difference.

However, we are not talking about scholarly mistakes alone. I fear most scholars and activists who deny the uniqueness of the Shoah have anti-Jewish as well as anti-Zionist resentments. That might be among the reasons why post-colonialism is such a huge trend in academia all around the world.

©ClemensHeni

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sich das erste Mal in der Geschichte mit neonazistischen Positionen im Parlament

befassen – doch sind sie darauf vorbereitet?

 

»Wer nach einer Vergewisserung sucht, wo Deutschland heute steht, wird sie in diesem Buch finden. Mit scharfem Verstand und mit angespitzter Feder zeichnet Clemens Heni funkelnde Momentaufnahmen der letzten elf Jahre. Heraus kommt, wie bestürzend sich die zivile Achse des zuvor offenen Selbstverständnisses nach rechts verschoben hat. Wer die Hoffnung auf eine bessere Zukunft teilt, muss die Gegenwart schonungslos kritisch beleuchten. Daraus mag ›eine Alternative zu Deutschland‹ entstehen.«

Gert Weisskirchen, 1976–2009 Mitglied des Deutschen Bundestages (MdB), 1999–2009 außenpolitischer Sprecher SPD Bundestagsfraktion, 2006–2008 persönlicher Beauftragter des OSZE Vorsitzenden im Kampf gegen  Antisemitismus, Prof. (em.).

»Clemens Heni erkennt in der aktuellen politischen Kultur dieses Landes noch immer die Spuren des Judenhasses und des von Deutschen begangenen und zu verantwortenden Mordes an den europäischen Juden. Ohne mit Heni in allen Fällen übereinzustimmen, führen seine Beiträge doch ins Herz der aktuellen Debatte über Deutschland und regen zu fruchtbarem Widerspruch an.«

Prof. Dr. Micha Brumlik, 2000–2013 Professor für »Theorien der Bildung und Erziehung « am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Goethe Universität Frankfurt am Main, 2000–2005 Direktor des Fritz Bauer Instituts, Forschungs- und Dokumentationszentrum zur Geschichte des Holocaust an der Goethe Universität.

»Wo nationalistische Töne sich erheben, ein Schlussstrich unter die deutschen Verbrechen des vergangenen Jahrhunderts gefordert und Judenhass zu einer scheinheiligen Kritik an Israel sublimiert wird, holt Clemens Heni zum grossen Rundumschlag aus: gegen Zyniker, Großaffirmatoren, Antihumanisten und Holocaustverharmloser im Deutschland der Gegenwart. Selbst wenn man ihm nicht immer folgen mag, schreibt er doch mit viel Scharfsinn und Sachkenntnis. Fazit: Unbedingt lesenswert und gerade vor dem Hintergrund der Bundestagswahl von brennender Aktualität.«

Dr. phil. Michael Kreutz, Politologe und Orientalist

»Clemens Heni ist ein Ein-Mann-Korrektiv zum andauernden deutschen Geschichts-Roll-Back, wach, intelligent, unerlässlich in Zeiten der schwächelnden Demokratie.«

Georg Diez, Spiegel-Online-Kolumnist, Buchautor, 2016/17 Nieman Fellow der Harvard Universität, USA

First Neo-Nazi Party to be elected to the German federal parliament on Sept 24?

Von Dr. phil. Clemens Heni, 21. September 2017

Times of Israel (Blogs)

On September 24, 2017, elections will be held for the German Federal Parliament, the Bundestag. For the first time since it was established in 1949, a neo-Nazi party will probably be elected to seats in parliament. It is the “Alternative for Germany” party or AfD. According to recent polls, the AfD will get some 8–12% of the votes, if not more. They might become the third biggest party in Parliament after the conservative CDU and the mainstream left-of-center SPD, who have been in a coalition in recent years with the conservatives.

The media in Germany is responsible for allowing neo-Nazi ideology into the mainstream. All media channels pushed the right-wing extremist ideology by inviting neo-Nazis from the AfD on a daily basis (!) into their studios. That never happened before in the history of the democratic Federal Republic of Germany (FRG). At the one and only TV debate between chancellor Angela Merkel and her challenger Martin Schulz from the Social Democrats, the four leading TV channels ARD, ZDF, RTL and Sat1, behaved rather like the right-wing extremist AfD. They asked questions about non-Germans, they connected terror and immigration as such and they pushed the entire agenda of the AfD, without framing it quote in those terms. The threat of neo-Nazis being elected to the Federal Parliament of Germany was not worthy of a single question. Journalist Stefan Niggemeier tweeted that over half of the 97 minute show sounded “like an AfD-questionnaire”. The failure of the four leading journalists involved, Sandra Maischberger, Maybrit Illner, Peter Kloeppel and particularly Claus Strunz (Sat1) was shocking to many critical observers in Germany. Many other leading TV journalists have also flunked the est. Take Frank Plasberg, for example. On September 18, 2017, he invited right-wing extremist Alice Weidel to his show treating her like a mainstream figure. We will soon learn who Mrs. Weidel is.

Political scientist, professor Hajo Funke from Free University Berlin is also shocked about German media and accuses Plasberg and Illner for their pro-right-wing extremist agenda, which should have no place in public TV, as both work for the two leading TV stations ARD and ZDF respectively.

Who or what is the Alternative for Germany (AfD), and what do they stand for? The party was founded in 2013 by capitalist-nationalist Bernd Lucke. Soon, more outspoken and right-wing extremist forces took power, starting with the election of Frauke Petry as head of the party in 2015. Since 2014 the party has been elected to many state parliaments within Germany (Germany consists of 16 states or Bundesländer). The AfD is anti-EU, defames abortion, promotes ultra-nationalism, racism, hatred of the other, embraces the German past, including the Nazi time, and is supported by thousands of very dangerous neo-Nazi punchers. Since 1990 until 2013 alone, 184 people have been killed by neo-Nazis in Germany for political reasons. The victims are German-Turkish people, leftists, punk-rockers, Muslims, homeless people, refugees, among many others.

The AfD’s head of party, Frauke Petry, wants to reintroduce the core Nazi word “völkisch” in German discourse. The two leading campaigners for the AfD campaign, Alice Weidel and Alexander Gauland are both rather more right-wing extremist than Petry. In an e-mail Weidel wrote in 2013, that members of Angela Merkel’s cabinet are “pigs” and “puppets of the winners of World War II” and Germany is not “sovereign”, the latter being typical neo-Nazi and so-called Reichsbürger (Citizens of the German Reich) language.

The head of the AfD in the Parliament of the State of Saxony-Anhalt (Sachsen-Anhalt), André Poggenburg, has openly used Nazi language against the left in a speech in Parliament. Markus Frohnmaier, who is a candidate for the Bundestag in the state of Baden-Württemberg, head of the Young Alternative, the youth organization of the AfD, and a spokesperson for Alice Weidel, has close connections to neo-Nazis such as the  “German Defence League” (GDL), and has said that he and the AfD would together “clear the country out” of the left.

Dubravko Mandic, an immigrant, who came to Germany in the 1990s from the former Yugoslavia, now agitates against immigration and admits, that the AfD has “concerns” similar to those of the neo-National-Socialist Party (NPD — Nationaldemokratische Partei Deutschlands). Mandic is a candidate for the Bundestag in Baden-Württemberg, in the city of Tübingen. Mandic even frames his and the AfD’s “network” as a “right-wing radical network between the AfD and the Identitarian Movement”.

The Identitarian Movement is based, among other tropes, on the ideology of Renaud Camus from France, who agitates against a supposedly “replacement” of Europeans and the West by people from the Middle East, mainly Muslims. Even some Jews follow this concept, not just in America, the UK, Australia or Israel, but also in Germany. Neo-Nazis and the alt-right in Charlottesville used that slogan and chanted that “Jews will not replace us”, as they believe Jews are behind all evil. This is the same antisemitic ideology of AfD politician and book author Wolfgang Gedeon who promotes the antisemitic forgery “The Protocols of the Elders of Zion.” For him, all evil comes from the Jews, America, Zionism, Muslims, homosexuals and the left.

Jens Maier, AfD candidate for the Bundestag in Saxony, trivialized the mass murderer Anders Breivik and admitted that a book by the neo-Nazi Fjordman inspired him.

At the head of the list for the Bundestag of the AfD in the state of Thuringia is Stephan Brandner. He is a particular vulgar and extremely aggressive agitator. He wants chancellor Angela Merkel to be locked up, and indirectly frames his own party as “Jewish”, by accusing the left-wing Antifa as being “SA”-style Nazis. The SA were the infamous Storm Troopers, who were essential to bringing down the Weimar Republic and helping Hitler and the Nazi Party to gain power in January 1933.

Frank Magnitz, candidate for the Bundestag in the city of Bremen, shares fantasies about the destruction of all of Islam by sharing a picture with the inscription  “If you could push this button and remove Islam from the world forever, would you do it? Like and share for yes!” You see a group of praying Muslims and on the left side a red button. Pushing the button means you support the destruction of Islam and all Muslims. These neo-Nazi fantasies of killing an entire religion is part of the entire project of the AfD. This man too might become a member of parliament.

The leading neo-Nazi politician of the AfD, though, is a Björn Höcke, who is not running for the Bundestag, speaks in a manner imitating Joseph Goebbels, and who frames the Holocaust Memorial as “a memorial of shame,” that no country in the world would place in the center of its capital.

Others, such as Vera Lengsfeld, a blogger and former MP, who  blogs at “Axis of the Good” by journalists Henryk M. Broder and Dirk Maxeiner, is promoting the AfD by joining head of party Petry at an event in the city of Pirna. According to the daily newspaper Der Tagesspiegel in Berlin, this event is co-organized by a group called “Pro Patria Pirna”, which is an ally of the “One Percent Movement” of Kubitschek and his colleague, the right-wing extremist journalist Jürgen Elsässer. However, a last minute decision by the city of Pirna, owner of the location where the event was slated to take place, cancelled the event in its entirety.

Holocaust denier Wilhelm von Gottberg, who is 77, is on the list of the AfD in the state of Lower Saxony.

There is a nasty climate in Germany these days. Right-wing extremists and neo-Nazis can shout the most antisemitic, racist and pro-German slogans on the streets such as “Deutschland Erwache (Germany Awake)” or “Alles für Deutschland (Whatever it takes for Germany)”, both Nazi slogans and legally forbidden in Germany.

Again, agitation against the left supports the AfD, directly or indirectly. Even anti-BDS parties such as the Social Democratic Party (SPD) in Berlin, which had passed an anti-BDS and pro-Israel resolution in April 2016, while voting for Michael Müller to be their head of party, did not help counter the anti-left agitation. The Jerusalem Post and the Simon Wiesenthal Center threatened Müller with being on their Top Ten list of “antisemitic” slurs for2017, if he would not distance himself from BDS and if he would not act against the al-Quds march in Berlin every year. Müller is a pro-Israel politician. He went to Tel Aviv with a delegation in 2015 to increase trade with the Jewish state. He got the anti-BDS resolution passed in 2016 and was patron of “Israel Day” in the heart of Berlin at Wittenbergplatz, alongside with then Israeli ambassador Yakov Hadas-Handelsman. But for some strange reason, none of this prevented the Simon Wiesenthal Center and the Jerusalem Post from considering him a possible candidate for the top ten antisemitic and anti-Israel slurs of 2017. Why? Because he is a leftist. Müller is very anti-Nazi, to be sure, and in 2016 urged the public in Berlin not to vote for the right-wing extremist AfD.

Mainstreaming neo-Nazi ideology involves some very rich and influential people in Europe. According to a report by investigative journalist Tomasz Konicz, the AfD gets money and support from Mövenpick Company and from the “Swiss Goal Corporation” which itself includes leading AfD politicians as Jörg Meuthen, Markus Pretzell and Guido Reil. Billionaire August von Finck junior (born 1930), among the richest people in Germany (he lives in Switzerland), is a supporter of the AfD The Finck company then went ahead and bought the name of the gold company “Degussa”, the very same Degussa that delivered Zyklon B to the gas chambers in Auschwitz. “Evonic Degussa” would melt down the gold from the teeth of the murdered Jewish victims. Today, many Germans run riot about an economic crisis and rush to buy gold. Gold happens to be a more stable currency. August von Finck Jr’s father was a Nazi who “Aryanized” Jewish banks, including the Rothschild Bank and Dreyfus & Co. in Germany. “The Junior”, though, is known for his support for several right-wing parties in recent decades, the most recent being the AfD. AfD politician Beatrix von Storch was for example a member of a “Citizens’ Convent”, dedicated to a hardcore neoliberal campaign against the welfare state. They were supported by the Finck company, as the saga has been analyzed by Konicz.

Journalist Robin Alexander from Die Welt already emphasized in 2013 the connection of billionaire von Finck and the AfD. August von Finck is also owner of Mövenpick hotels & resorts. von Finck was a former ally of the “capitalist establishment” in Germany, from Franz-Josef Strauß (Christian Social Union, CSU) to the Liberal Democratic Party (FDP) to chancellor Merkel. He was a big beneficiary of a tax reform in 2009, carried out by Merkel and the Liberal Party. Ideologically, the von Finck family has a long history of pro-Nazism, perhaps now reaching its culmination in support for the AfD.

Journalist Marcus Engert of BuzzFeed News has analyzed 396 AfD-candidates, exposing the extremist right-wing agenda of many. Professor Hajo Funke says he fears that the Bundestag is not fit to deal with neo-Nazis in Parliament. We never had organized neo-Nazism in a apoliticalparty making it into the Federal Parliament. Of course, Germany had dozens if not hundreds of former individual Nazi Party (NSDAP) members in Parliament since 1949 and small Nazi (not neo-Nazi) parties in Parliament from 1949 through the 1950s. This ugly German history is well known, including Nazis as leading politicians such as Hans Globke, who was responsible for the Nuremberg Race Laws and then became minister under Konrad Adenauer in the 1950s, or Kurt-Georg Kiesinger, who was a Nazi Party member (NSDAP) and then chancellor of the Federal Republic of Germany from 1966–1969, who was famously slapped by anti-fascist Beate Klarsfeld on November 7th, 1968. Or take Hans Filbinger, also from the Christian Democratic Union (CDU), who was prime minister of the state of Baden-Württemberg (1966–1978), a member of the pro-Nazi “Bund Neudeutschland”, a Catholic antisemitic organization, and a member of the Nazi party. Then there is Carl Carstens, also a member of the Nazi party. He was President of the German Parliament (1976–1979) and then President of Germany (1979–1984).

Today, following the September 24, 2017 Federal Election, postwar Germany will for the first time face neo-Nazis in the Bundestag. Contrary to the 1960s, these days we have no Beate Klarsfeld who will tell these antisemites, racists, and pro-Holocaust representatives that their activism will not go unchallenged. These days, neo-Nazism is much more widespread compared to the climate in the 1960s. Today, we have young and old neo-Nazis joining forces in an unprecedented way. In the 1960s the old Nazis never had a chance to form their own party and to be elected in the Bundestag. 2017, neo-Nazis will fulfill that mission: Honoring the German Army, affirming the Holocaust and fighting democracy.

The core of the AfD is not to fight jihad or Islamism, as these folks after all share the very authoritarian personality characteristic of radical Islamists. Both groups detest democracy, the political left, women, gender, heterogeneous societies and multicultural societies. The German mainstream media helped to push a neo-Nazi agenda and for the first time, even some Jews are joining the right-wing extremist agenda of those who embrace the German Wehrmacht, which was part of the killing troops during the Holocaust.

That is all you need to know about September 24, 2017.

*The author would like to thank political scientist Nils Gerster and professor Dovid Katz for help with this article.

©ClemensHeni

Kein BDS und keine antisemitische Propaganda auf dem Kongress „Democracy and Freedom“ im Haus der Berliner Festspiele am 9. September 2017: Der Fall Stefan Weidner und Selma Dabbagh

Von Dr. phil. Clemens Heni, 9. Septermber 2017

Die Nazis oder „Rechtsradikalen“ von Pegida und der AfD bestimmen die politische Diskussion und mit der AfD wird erstmals im „neuen“ Deutschland seit 1990 eine rechtsextreme Partei, die das Naziwort schlechthin – „völkisch“ – wieder positiv besetzen möchte (Frauke Petry), am 24. September 2017 in den Bundestag einziehen, wenn nicht noch ein Wunder passiert. Die Antinazis sind die Guten. Sie sind links, liberal, linksliberal, gebildet, Literatur affin und Diskurs liebend.

So das „internationale Literaturfestival“ in Berlin. Dieses Jahr gibt es vom 8.–10. September 2017 einen großen „international congress for democracy and freedom“. „Hauptförderer“ des Kongresses ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Initiative „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ der Bundesregierung, sowie die Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, „Förderer“ sind die Bundeszentrale für politische Bildung, die Heinrich Böll Stiftung, Allianz Kulturstiftung … for Europe, die BertelsmannStiftung, Zu Gast im Haus der Berliner Festspiele, die BMW Foundation Herbert Quandt und die Sergej Mawrizki Stiftung und „Partner und Medienpartner“ sind der Klett-Cotta Verlag sowie das Kulturradio 92,4 des rbb.

Eine Mainstream-Veranstaltung, mehr kulturelle und kulturpolitische Elite geht nicht. Jeder Mensch sollte aber spätestens seit der zweiten Intifada im Herbst 2000 und dem 11. September 2001, der sich am Montag, wo es auch noch Veranstaltungen gibt, jährt, aber im Programm überhaupt nicht erwähnt wird, alarmiert sein, wie Israel, Juden und der Zionismus thematisiert werden.

Es gibt auf dem Kongress ein Panel zum Nahen Osten. Was wäre naheliegender als Israel als Beispiel für Demokratie und Freiheit den arabischen, jihadistischen, islamistischen Regimes und diktatorischen Herrschern gegenüberzustellen? Man könnte sogar linkszionistische Kritiker*innen zu Wort kommen lassen. Das passiert nicht. Das liegt auch an Katar:

Was haben nämlich der brasilianische Fußballnationalspieler Neymar vom Pariser Club PSG und die britisch-palästinensische Autorin und Rechtsanwältin Selma Dabbagh, die am 9. September 2017 auf diesem Kongreß „Für Demokratie und Freiheit“ auftreten wird, gemeinsam? Beiden werden auch vom islamistischen Regime in Katar finanziert.

Die „Qatar Sports Investment“ zahlte die 222 Millionen Ablösesumme für Neymar, damit er von Barcelona nach Paris wechseln kann. Die vollkommen absurden Preise dieses Menschenhandels werden durch den islamistischen Hintergrund noch massiv verschärft.

Die Schriftstellerin und Anwältin Selma Dabbagh ist für die antisemitische BDS Bewegung gegen Israel aktiv, wie sie auf einer Veranstaltung in London im Oktober 2012 sagte. Sie ist Stammautorin einer der berüchtigtsten antiisraelischen und antisemitischen Agitationsseiten im Internet: „Electronic Intifada (ei)“.

Sie tritt für das Rückkehrrecht der Palästinenser nach Israel ein, was Israel zerstören würde, wie auf einer Veranstaltung in London deutlich wurde, wo sie u.a. neben dem antizionistischen Agitator Ilan Pappé saß und die mit den Tags „RightofReturn“ oder „Anti-Zionism is not Antisemitism“ den eigenen Antisemitismus in typischer Manier verschleiern wollte. In ihrem Roman „Out of it“ vergleicht sie Nazis und Zionisten, wie eine kritische Rezension im englischen Independent schreibt. Dieses Buch „Out of it“ wurde von Qatar finanziert.

Am 25. August 2017 dankte ein Kollege Dabbaghs und Mitbegründer von Electronic Intifada (ei), Ali Abunimah, den Künstler*innen, die aus antisemitischen und BDS-Motiven heraus das Berliner Pop-Kultur-Festival boykottierten. Dieser BDS-Boykott hatte bundesweit für einen Aufschrei gesorgt, von Monika Grütters von der Bundesregierung bis Klaus Lederer, Kultursenator von Berlin, und vielen Journalist*innen war die Abscheu vor dieser Neuauflage von „Wir-spielen-nicht-mit-Juden“ laut hörbar.

Und nun kommt ein finanziell super ausgestattetes und vom Kulturmanager und Gründer des internationalen literaturfestivals Ulrich Schreiber zu verantwortender Kongress daher und gibt Selma Dabbagh einen Podiumsplatz auf dem einzigen Panel, das unter anderem Israel behandelt.

Noch vor wenigen Wochen protestierten viele jüdische Gruppen und andere pro-israelische Aktivist*innen gegen einen vermutlich problematischen ARTE-Film zu „Gaza“, wobei explizit die Internetseite „Electronic Intifada“ kritisiert wurde.

Eine der mutigen antiislamistischen Unterzeichnerinnen war Seyran Ates mit ihrer Ibn Rush-Goethe Moschee. Nun wird Ates auch auf diesem sehr großen Kongress für Demokratie und Freiheit auftreten, wo exakt eine Vertreterin der antisemitischen „Electronic Intifada“ mit dabei sein wird.

Ja, mehr noch: Ates wird den gleichen Moderator haben wie Selma Dabbagh: den Islamwissenschaftler Stefan Weidner, der seit Jahren umstritten ist für seine Verharmlosung des Islamismus (siehe dazu Clemens Heni, Schadenfreude. Islamforschung und Antisemitismus in Deutschland nach 9/11, Berlin: Edition Critic, 2011).

Auf dem Kongress werden sicher sehr interessante und kritische Diskussionen geführt, namentlich mit Can Dündar über die Türkei, mit Marina Weisband über eine „zeitgemäße Demokratie“, mit Georg Diez nochmal zur Türkei, mit Doris Akrap auch nochmal zur Türkei, mit Frank A. Mayer über das „bürgerliche Denken“ oder mit Carlo Strenger über das „Leben mit Unsicherheit“.

Das mögen alles sehr differenzierte, kritische und wichtige Vorträge, Moderationen oder Beiträge sein.

Das absolute Elend und das Typische für den ganzen Kongress, der für den Mainstream des kulturpolitischen Establishments in der Bundesrepublik steht, ist die Einladung an Selma Dabbagh.

Das macht den über 120 Referent*innen und den Hunderten, wenn nicht Tausenden Besucher*innen nichts aus. Alle Referent*innen sind friedlich mit Bild und Personenbeschreibung im 56seitigen Programmheft versammelt. Auch Selma Dabbagh und somit die „Electronic Intifada“. WTF.

Wenn ein Kongress, der noch dazu „Demokratie und Freiheit“ fördern möchte, eine antisemitische Agitatorin einlädt, die seit Jahren gegen Israel agitiert und auf einer der führenden BDS-Seiten ständige Autorin und Mitarbeiterin ist, dann zeigt dass, wie heute antizionistischer Antisemitismus goutiert wird. Das gehört halt dazu.

Wir fordern: Eine klare Distanzierung von BDS, antizionistischem Antisemitismus und Selma Dabbagh durch Ulrich Schreiber, die Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik e.V. (Träger) und dem Moderator Stefan Weidner.

Machen wir doch mal ein Gedankenspiel: angenommen, es würde über Gewalt und Politik gesprochen, wäre es nicht völlig ausgeschlossen, dass ein Holocaustleugner wie Horst Mahler ganz normal als Diskutant eingeladen würde? Das wäre für alle Referent*innen ein Skandal und alle würden absagen, sähen sie ihn im Programm. Aber er würde natürlich niemals eingeladen werden und das ist gut so. Das kann sich nämlich schnell ändern, sobald die AfD im Bundestag sitzt, dann gilt „Feuer frei“ für die Rechtsextremen und Neonazis.

Hat eine Referentin oder hat ein Referent abgesagt, nachdem sie oder er die Hetzerin Dabbagh im Programm entdeckten? Wie viele Wochen oder Monate ist das Programm den Referent*innen denn schon bekannt? Selbst die pro-israelischen Referent*innen, die es sicher gibt, merken das nicht, sie kümmern sich nicht aktiv darum, wer zu Israel spricht. Sie sind gefangen im Kokon des Narzissmus, tauchen in einem großen Programmheft mit Bild und Personenbeschreibung auf und sind stolz wie Emma oder Oskar.

Sobald das Thema Israel ist, fallen alle Schranken, gerade bei den Linksliberalen und Linken. Damit muss Schluss sein.

  • Nein zu BDS.
  • BDS ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.
  • Nein zu Antisemitismus in all seinen Formen.
  • Nein zum „international congress for democracy and freedom“ im Haus der Berliner Festspiele, der offenbar Freiheit für alle meint, nur nicht für Israel.

©ClemensHeni

Berlin Pro-Israel Politician on SWC list of “antisemitic slurs”?

Von Dr. phil. Clemens Heni, 5. September 2017

The Times of Israel (Blogs)

Since when is activity to increase trade, business and political relations with Israel part of the antisemitic BDS movement?

This question come to one’s mind if we consider a recent article by Jerusalem Post’s Benjamin Weinthal, who reported that the Los Angeles based Simon Wiesenthal Center (SWC) is considering putting Michael Müller, mayor of Berlin, the capital of Germany, on their 2017 list of the “Top Ten antisemitic slurs”, or Top Ten “worst cases of anti-Israel and antisemitic activity in 2017,“ which will be made official in December.

In 2015, Müller and his delegation travelled to Tel Aviv to increase trade relations with the Jewish state. In 2016, when he was re-elected as head of the Berlin chapter of the Social Democratic Party (SPD), the party convention passed a resolution condemning the “antisemitic BDS movement” and declaring “we condemn anti-Zionist antisemitism”, and “we stand in solidarity with Israel.”

In May 2017, Müller was “patron”, alongside with the then Israeli ambassador to Germany, Yakov Hadas Handelsman, of the “Israel Day,” organized by the German-Israel Friendship Society (Deutsch-Israelische Gesellschaft, DIG) in the heart of West-Berlin at Wittenbergplatz.

Of course, Müller should be much more outspoken about antisemitism, no doubt about this. In general, he is not really a vibrant or good politician (think about the disaster of the still not built Berlin International Airport, BER). He just got really upset, when in summer 2017 a politician of the party of the Greens decided to use parking slots directly in front of Müllers home in the neighborhood of Berlin-Tempelhof, for a better infrastructure for bicyclists. Müller does not want a “war against car drivers.” This makes him really furious …

Perhaps, BDS may not make him furious – but he never ever is a supporter of BDS. Müller is a pro-Israel politician. His own party attacks BDS, anti-Zionist antisemitism, and stands by israel.

Müller did not prohibit the antisemitic al-Quds rallies, which take place in Berlin every year. Legally spoken, it is unclear, if he could ban it, as we have a judiciary working independently. Many neo-Nazi rallies, for example, which were banned by majors of cities, could take place after a different judgment by courts.

Still, many pro-Israel activists, including myself, pressure Müller to at least symbolically ban the antisemitic al-Quds march. Ironically or not, former head of the Center for Research on Antisemitism (ZfA) at Technical University Berlin, historian Wolfgang Benz, gave the German internet portal Muslim-Markt a supportive and friendly interview in November 2010. Muslim-Markt is among the main supporters and organizers of the al-Quds rally and has been promoting the boycott of Israel at least since 2002, when I first attacked them for their antisemitism.

Contrary to the Simon Wiesenthal Center, most leading pro-Israel activists in Berlin are shocked, outraged or at least irritated by the very idea to put Müller on the list of the worst “antisemitic slurs” in 2017 – as Müller obviously is pro-Israel and has not made any antisemitic statement. Even the SWC cannot quote an antisemitic statement by him – since when is a non-statement proof for an “antisemitic slur”?

What about the neo-Nazis, the alt-right and others, who shouted “Jews will not replace us”? Who was the American, who then said that “very fine people on both sides” (neo-Nazi versus Antifa) were among those who rallied in Charlottesville?

The very same man intentionally did not mention Jews at Holocaust Remembrance Day 2017. Will the SWC consider to put him on their list of the worst “antisemitic slurs” 2017? Rather not, as they prayed for him, January 20, in Washington, D.C.

Or will the SWC consider to put the major of the village of “Herxheim am Berg” in the south-west of Germany, on their list, a Ronald Becker? As the TV program, Kontraste in the first channel ARD reported on August 31, 2017, he is enthusiastic about a “Hitler-bell” in their church, which has been hanging there for some 83 years. Besides a former organist at the church, no one in that very typical German village has a problem with Hitler. On the contrary, some like it, that Hitler built the “Autobahn” etc.

That church bell has a swastika on it, with the inscription “Alles Fuer’s Vaterland. Adolf Hitler.” (“Everything for the Fatherland…”) The major and the priest are very proud and happy about that bell, as it “sounds so well,” every 15 minutes it indicates the time.

This indicates the pro-Nazi and far right discourse in Germany today. Rejection of the remembrance of the Shoah is widespread. Many do not think honoring Hitler might hurt anyone. On September 24, millions of Germans will probably vote (up to 8 or 10%) for the far right “Alternative for Germany (AfD),” the first right-wing extremist or even neo-National Socialist party to be elected in the German Federal Parliament, the Bundestag in Berlin.

The AfD has members like Wolfgang Gedeon who promotes the antisemitic Protocols of the Elders of Zion, some agitate like Goebbels (Björn Höcke), others want to expel German politicians of the Federal Government (born in Germany to immigrants) and “dispose” them in “Turkey” (Alexander Gauland), and head of the party Frauke Petry likes the core word of National Socialism “völkisch” – think of the leading paper of Nazi Germany, the “Völkischer Beobachter”.

However, as there is much more on stage here. We can see a nasty campaign against the Left (whatever left-wing means) by many conservative and far right activists and authors in the pro-Israel camp in Germany, and the US. In Germany, in June 2017, many praised a ridiculous, poorly made pro-Israel propaganda film, full of historical distortions. Others, like Marxist Gerhard Scheit from Vienna and his ally Alex Feuerherdt, a blogger, felt hope after the election of Trump. Reuven Rivlin talked to Gabriel.

Former Israeli ambassador to Germany, Shimon Stein, who formerly was a favorite speaker at the pro-Israel community, alongside with historian Moshe Zimmermann accused the German anti-antisemitism camp to devaluate the very term antisemitism. They also attacked that pro-Israel propaganda film.

Many in Germany do not accept and understand that left-wing Zionism or the not so pro-Bibi camp, in the US, the UK, Europe, and Israel is part of the fight against antisemitism, Islamism and jihad.

After the 2016 US presidential election, right-wingers think they are the only ones who have anything to say. They embrace the defamation of all leftists, of gender discourse, climate change discourse, anti-racist debates, many equate the Antifa to neo-Nazis and also compare Hitler to Stalin, and distort the Shoah, as the Washington Post does. The far right also does of course not need any anti-capitalist discourse, and they defame those who fight jihad and antisemitism from an anti-occupation point of view, for example. For some of them, left-wing Zionists are “worse than Kapos.”

The almost fanatical idea to put a politician on a list of “antisemitic slurs”, who in 2017 was “patron” of the “Israel-Day” in Berlin alongside with the Israeli ambassador, speaks volumes about the mindset of the Jerusalem Post, the Simon Wiesenthal Center and their followers in Germany.

The Berlin based correspondent of the Jewish Telegraph Agency (JTA), Toby Axelrod, wrote an article about the Müller/SWC case. She quotes several representatives of the pro-Israel and anti-antisemitic camp in Berlin, who oppose putting Müller on that list, including S. Königsberg, Sergey Lagodinsy, both from the Jewish Community, Joseph Schuster, head of the Central Council of Jews in Germany, who frames the idea of the SWC to put Müller on that list “grotesque.” Anetta Kahane from the Amadeu Antonio Foundation, an antifascist, pro-Israel activist NGO from Berlin, also opposes to put him on that list.

Antisemitism is too serious a problem, we should not let that issue being hijacked by people who want to promote their own agenda, but have not really an idea how antisemitism in Germany looks like today.

©ClemensHeni

TV-Duell: AfD-Propaganda-Show der vier führenden TV-Journalist*innen in ARD, ZDF, RTL und Sat1

Von Dr. phil. Clemens Heni, 4. September 2017

Das „TV-Duell“ von Merkel und Schulz war eine Fragestunde der AfD an die beiden Kandidat*innen, alle vier Journalist*innen – Sandra Maischberger, Claus Strunz, Maybrit Illner und Peter Kloeppel – haben von der ersten bis zur letzten Minute die Agenda der AfD gepusht.

Der Journalist Stefan Niggemeier sprach auf Twitter aus, was der minikleine denkende Teil der Bevölkerung dachte bzw. selbst auf Facebook oder anderen sozialen Medien gepostet hatte:

„Jetzt seit 40 Minuten nonstop: Die AfD fragt, die Große Koalition antwortet. #tvduell

Einziger Feind im Land: Nicht-Deutsche. Die reale Gefahr durch den Jihad wurde zur einzigen Gefahr stilisiert.

Die seit 1989 über 150 durch Neonazis und Rechtsextreme Ermordeten? Nicht der Erwähnung wert, peanuts.

Ganz normale Bürgermeister, die eine „Hitler-Glocke“ im Kirchturm von Herxheim in Rheinland-Pfalz feiern und stolz auf sie sind? Keine Erwähnung.

Der gleiche Bürgermeister (!) dieses wohlhabenden, sehr deutschen und strunzdoofen Weindorfes, ein Ronald Becker, möchte endlich wieder betonen, dass „Hitler“ doch auch Gutes gemacht habe – das Magazin Kontraste der ARD hatte am 31. August darüber berichtet, aber für die vier Superjournalisten ist dieser unfassbare Naziskandal keine Frage wert:

Sie ist eine der letzten ihrer Art: Die ‚Hitler‘- Glocke in Herxheim. Seit 83 Jahren hängt sie in der Dorfkirche und ruft die Gläubigen regelmäßig zum Gebet. Und das soll auch so bleiben, meinen Bürgermeister und Pfarrer. Trotz Hakenkreuz und ‚Führerspruch‘ – die Glocke klingt so schön und gehört einfach zum Ort dazu. (…)

Ronald Becker, Bürgermeister Herxheim:

„Wenn man den Namen Adolf Hitler nennt, dann ist immer gleich die Judenverfolgung und die Kriegszeiten als erstes oben auf. Wenn man über solche Sachen berichtet, soll man umfangreich berichten. Dass man sagt, das waren die Gräueltaten und das waren auch Sachen, die er in die Wege geleitet hat und die wir heute noch benutzen.“

So ein unglaublicher Skandal, der die politische Kultur in diesem Land aufs Erschreckendste kenntlich macht, ist den vier Mainstreamjournalisten, den Systemapologeten sozusagen, völlig wurscht. Das kümmert die nicht. Das ist keine Frage für eine Bundeskanzlerin oder einen Herausforderer, ob sie sich von einem Bürgermeister und seiner ihn verehrenden, widerlichen rheinland-pfälzischen, urdeutschen Dorfbevölkerung distanzieren und sie als das bezeichnen, was sie sind: Hitler-Anhänger.

Ein anderer Bürger dieses Dorfes sagte:

„Bürger

„Ich will sie auch gern vergessen. Das ist 70 Jahre her und für mich kein Problem.“

Diese beiden Männer haben die Nazi-Zeit in Herxheim als Kinder noch miterlebt. Später saß Bernd Schmidt sogar für die SPD im örtlichen Gemeinderat. Und dennoch ist er der Meinung:

Bernd Schmidt

„Es war nicht alles schlecht. Ich will nicht sagen, wir bräuchten heute noch mal einen Adolf Hitler, das brauchen wir nicht mehr, aber es war nicht alles schlecht, was Adolf Hitler gemacht hat.“

Kontraste

„Was war denn gut?“

Bernd Schmidt

„Als der Hitler an die Macht kam, wurden die Leute beschäftigt, die Autobahnen wurden gebaut, es gab keine Arbeitslosen mehr. Die Leute waren zufrieden.“

Dieser Bernd Schmidt ist also die männliche Ausgabe von Eva Herman, der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin. Die AfD fragt sich, warum sie bislang nur in Goebbels-Manier (Björn Höcke) hetzte, den Schießbefehl auf Nicht-Deutsche an der Grenze ins Spiel brachte (Beatrix von Storch), das Naziwort „völkisch“ wieder einführte (Frauke Petry) und Deutsche zu Nicht-Deutschen machte und rassistisch erledigen („in Anatolien entsorgen“) will (Alexander GAUland), aber nicht so offen Hitler lobte!

Die AfD sollte den vier Starjournalist*innen Illner, Maischberger, Strunz und Kloeppel die Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit geben. Denn diese vier Journalist*innen sind mit verantwortlich, dass die rechtsextreme Agenda der AfD weiter tief im Mainstream verankert ist und solche Skandale, die die Wahrheit über Deutschland kenntlich machen, wie Herxheim, eben nicht auf die ganz große Tagesordnung vor dutzenden Millionen Zuschauer*innen gleichzeitig in ARD, ZDF, RTL und Sat1 kommen.

Die Agenda der extremen Rechten, von Boris Palmer (Grüne) über Ulrich Greiner und Matthias Matussek (Zeit) zu den Internetportalen Achgut, Politically Incorrect (PI), unzähligen verschwörungsideologischen Portalen, allen möglichen rechtsextremen Seiten, den Zeitschriften Compact Magazin, Junge Freiheit bis hin zu Pegida und vorneweg der AfD, wurde von den vier Vorzeigejournalist*innen gewissenhaft auf die Tagesordnung gesetzt. Islam, Doppelpass, In-die-Kirche-gehen (!): das waren die Fragen.

Vernichtungsfantasien gegenüber Linken durch AfD-Politiker im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern? Peanuts.

Nazis bei der Bundeswehr oder der Polizei? Kann man ignorieren. Dabei ist das Problem so groß, dass kürzlich bei einem Polizeieinsatz in Rostock die örtliche Polizei vom BKA, Bundesanwaltschaft und anderen Einheiten nicht vorab informiert wurde, weil nicht sicher war, ob die Rostocker Polizei Nazis in den eigenen Reihen schützen und warnen würde.

Polizeigewalt und Entzug von Akkreditierungen von Journalisten beim G20-Gipfel? Peanuts, „wir“ loben die Polizei und wollen sie besser ausstatten.

Mit der AfD wird erstmals in der Geschichte dieses Landes eine Nazipartei in den Bundestag einziehen – kein Thema für die Journalist*innen. Merkel meinte ganz am Schluss, sie würde weder mit der AfD NOCH der Linkspartei koalieren, als ob Rassismus und Nazismus das gleiche seien wie eine bescheidene linke Agenda.

Da lachen die Nazis, denn eine solche Abgrenzung ist keine: David Duke bedankte sich bei Trump, als dieser sich von BEIDEN Seiten, die in Charlottesville gewalttätig gewesen seien, den Nazis wie der Antifa, distanzierte.

Ein solches Braun=Rot-Spielchen erkennen die Nazis sofort als Weißwaschung.

Das TV-Duell zeigte, wie die AfD in wenigen Jahren dieses Land vollends zerstört hat, die politische Kultur ist eine rechtsextreme. Die Journalist*innen in diesem Land wurden durch diese vier Persönchen zu Fürsprechern der Agenda der AfD. Kein eigenes Denken, keine Kritik, sondern Affirmation des rassistischen, nationalistischen und antisemitischen Diskurses der extremen Rechten.

Der einzige minikleine Lichtblick dieses unerträglichen 97-Minuten-Fernsehspektakels für die AfD war eine Rand-Bemerkung von Martin Schulz: beim Thema Jihad und Islamismus erwähnte er als einziger die Gefahr für „Israel“. Es mag ein Lippenbekenntnis sein, aber es war eines – sonst hat niemand den Judenstaat auch nur erwähnt!

Die Absurdität, Michael Müller auf die Liste des Simon Wiesenthal Centers der schlimmsten antisemitischen Äußerungen 2017 zu setzen, weil er sich z.B. nicht ausreichend von der antisemitischen BDS-Kampagne distanziert habe und gar nicht gesagt wird, dass sich seine Partei, die SPD Berlin, per Beschluss von BDS distanziert und sein Kabinett im Berliner Senat mit Klaus Lederer (Die Linke) einen der schärfsten Kritiker des Antisemitismus und pro-israelischen Redner auf Pro-Israel-Demos in seinen Reihen hat – kein Thema. Selbst die jüdische Gemeinde zu Berlin ist gegen die Aufnahme Müllers in diese Liste.

Wer darauf gehört, ist der Bürgermeister von Herxheim, Ronald Becker, mit seiner volksgemeinschaftlichen Dorfbevölkerung.

Oder Donald Trump, der sagte, bei denen, die in Charlottesville „JEWS will not replace us“ schrien, seien „fine people“ dabei gewesen. Das ist ein Top Ten Platz der schlimmsten antisemitic slurs 2017.

Auf absolut schockierende Art und Weise wurde in der ARD, dem ZDF, RTL und Sat1 am Sonntag, den 3. September 2017, ab 20. Uhr 15, also Prime Time 97 Minuten lang die Wahrheit gezeigt: so elendig ist der deutsche Journalismus, Maischberger, Strunz, Kloeppel und Illner haben das wahre Gesicht des extrem rechten Mainstreamjournalismus, der den Nazis nach dem Maul redet, gezeigt. Die Journalist*innen waren noch viel übler, angepasster an den rechtsextremen AfD-Diskurs, als die Kanzlerin bzw. Schulz, die mit ihren Plattitüden einfach nur Schlaftabletten waren wie immer (Ausnahme von Schulz siehe oben).

Die AfD war gar nicht geladen zu dem Duell und doch der einzige Sieger. Verlierer sind die Flüchtlinge, die Demokratie, linke Gesellschaftskritik und die Kritikfähigkeit des Journalismus.

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‘Jews will not replace us’ – for US-President Trump, the Alt-Right are ‘fine people’

Von Dr. phil. Clemens Heni, 17. August 2017

The Times of Israel (Blogs)

Charlottesville is the 9/11 of the political culture in America. 9/11 was an attack from the Muslim world and encouraged jihadists and scholars to embrace Islamism, to fight America, the West, Jews and Israel. Charlottesville, on the other side, is a turning point in the American history, as is comes from inside the country.

For the very first time, an American President said that people, who have flags with a swastika, who shout, “Jews will not replace us,” are “fine people.”

For Trump, part of the neo-Nazi rally included “fine people” – mainly the alt-right. In fact, every single participant de facto embraced hatred of Jews, and endorsed Nazi Germany. People who join a rally with swastika flags are pro-Holocaust.

For Trump, some of these people are “fine people.” Donald J. Trump said so on Tuesday, August 15, 2017, in his third statement on the shocking neo-Nazi and alt-right rally to fight Jews and support racism, slavery and statues in support of the Confederacy. At the rally one anti-Nazi protester, 32-year-old Heither Heyer was killed by a domestic terrorist attack by a neo-Nazi.

Even celebrities who condemned Trump are not referring to the first scandal – in terms of chronology and ideology – of the entire event: antisemitism and neo-Nazism, as Jenny Singer points out in the Forward.

The slogan “Jews will not replace us” at the “Unite the Right” rally in Charlottesville on August 11 + 12, 2017, is based on the writings of Renaud Camus in France. First, since 2010 Camus aims at the “Great Replacement” of the Europeans (and the West) by Muslim from the Middle East. However, the alt-right of course also understand the subtext here: Jews are behind all evil, also behind the refugee crisis – think about Hungarian prime minister Orban’s antisemitic attacks on George Soros, insinuating he was behind the refugee crisis to intentionally “destabilize European nation-states”.

I am wondering what those Jews, who embraced Trump and prayed for him or wrote policy papers for him, how he could fight BDS (Boycott Divestment Sanctions against Israel), restrict or end Muslim and/or Islamist immigration or stop talking about climate change, are now saying. Some credited Trump for supposedly concerns about “Campus antisemitism.”

This is also a message to those supposedly left-wingers, who love Linda Sarsour or Rachel Gilmer, leaders of Black Lives Matter, and their hatred of the Jewish state (and Sarsour’s Islamism) while speaking out against “antisemitism” (as Sarsour insidiously does after Charlottesville, as if she wasn’t a nasty antisemite herself when defaming Israel).

These left-wingers, whether in the US, Canada or England and Germany run riot against the alt-right and for good reason, for example because the alt-right is promoting Renaud Camus, the French theorist who talks about “replacement” and a possible “genocide” of the West and white people, aiming at Muslim immigration as such.

Almost all left-wingers in Germany are against Trump, but a growing number has no problem with antisemitism at all. The world famous art exhibition in the city of Kassel, the documenta 14, includes a show August 24—26 by Italian Franco “Bifo” Berardi, Fabio Stefano Berardi und Brazilian Dim Sampaio, entitled “Auschwitz at the Beach.” They equate salt water of the Mediterranean Sea to “Zyklon B” at Auschwitz, refugees who die to Jews who were murdered. Middle East expert and publicist Thomas von der Osten-SackenThomas von der Osten-Sacken criticizes this antisemitic event, as does the “Information Center on Antisemitism” and the “Sara-Nussbaum Center for Jewish Life” in Kassel.

Franco Berardi (born 1948) is a far-left Italian activist and author of many books, including one in 2016 in Germany, published by Matthes & Seitz. Will they dismiss their antisemitic author Berardi?

The event “Auschwitz on the Beach” is Holocaust denial, as if the death of refugees in the sea is the same as the industrial production of corpses, the destruction of European Jews by the Germans in Auschwitz.

These left-wing antisemites feel fine, as we know. They believe they are on the cool side of history, always antifascist, against Renaud Camus and his nasty replacement theory. Left-wing antisemitism is often based on Holocaust distortion, and even more often includes hatred of the Jewish state, like at the documenta 14, where the initial (and meanwhile slightly changed) description of the “Auschwitz at the Beach” event included the mentioning of Israel as “Gauleiter” in the fight against the refugees.

This antisemitism of “Auschwitz at the Beach” goes unchallenged, the American Embassy in Athens supports the documenta (which this year is based both in Athens, Greece, and Kassel, Germany), as does Volkswagen (the Nazi founded car company VW) and many leading publishing houses such as Random House, Fischer Verlag, Kiepenheuer & Witsch, Rowohlt, C.H. Beck Verlag, among many other institutions.

The conservatives are no better either. Most of them share Camus’ racism and neo-Nazi agenda, that the white people (or the “West,” for the more sophisticated supporters of Camus) are threatened by “replacement.” Those Camus-supporters are now silent about Charlottesville’s antisemitism. I came across a Facebook post by someone I met at the Global Forum for Combating Antisemitism in Jerusalem in 2015, a young Jew who just had made Alijah a few years ago. After Charlottesville, he shares a video by alt-right activist Mike Cernovich, who equates left-wingers in the US, who destroy racist, Confederate statues to ISIS jihadists, who destroy art and statues in the Muslim world. He compares green fascism (Islamism and Jihad) to left-wing antifascism. In just a few days, more than five million people clicked that nasty pro-Nazi and anti-Left video.

The German Jewish weekly Jüdische Allgemeine and its Michael Wuliger  are crystal clear. For them, Jews, who support Trump or right-wing extremism like the Alternative for Germany (AfD), the first right-wing extremist, antisemitic, neo-National Socialist (head of the AfD, Frauke Petry, promotes the Nazi word “völkisch”) and racist party to be elected in the German Parliament, the Bundestag, on September 24, 2017, are “perhaps even worse.” These Jews are against “Ahavat Yisrael,” love of the Jewish people.

John Podhoretz is outraged. He is a true conservative, to be sure, and was shocked when Trump did not mention Jews as victims of the Holocaust on Holocaust Remembrance Day (Jan. 27). After Trump’s third statement on Charlottesville, his Trump-Tower Press Conference in New York City, Tuesday, Aug. 15, 2017, Podhoretz, editor of Commentary, wrote in the New York Post:

The president did something absolutely horrifying in that press conference. He bristled at the use of the term ‘alt-right’ by a reporter and demanded to know from her what she meant by it. He drew a distinction between the neo-Nazis — ‘very rough’ — and the members of the alt-right who rallied with torches on Friday night, chanting ‘Jews shall not replace us.’

It was this group, these alt-rightniks, that Trump said featured ‘some very good people.’ By saying this, he was not only committing an infamy. He actually seemed to be doing constituent service for a group that supported him. (…) That such words could actually emerge from the mouth of the president of the United States is one of the most disheartening facts of my lifetime.

©ClemensHeni

Koscherstempel für faschistische Autoren und das Goutieren des Massenmords an Linken durch Breivik? Die von Israelis betriebene Berlin-Neuköllner Buchhandlung „Topics“

Von Dr. phil. Clemens Heni, 27. Juli 2017

Der Berliner Tagesspiegel (Nantke Garrelts) berichtet mit der reißerischen Überschrift „Buchladen schließt nach Attacken von links“[i] über die Schließung der Neuköllner Buchhandlung „Topics“, einer von zwei Israelis betriebenen Einrichtung in der hippen Weserstraße. Die Grüne Bezirksbürgermeisterin von Kreuzberg, Monika Herrmann, findet die Schließung demnach „verstörend“. Einer der Betreiber des Ladens, Doron Hamburger, teilte dem Tagesspiegel schriftlich mit, ein Gespräch mit „mehreren Vertretern der antifaschistischen Szene scheiterte“.

Linke gegen einen von Israelis geführten Buchladen: das ist natürlich für die Springer-Tageszeitung Die Welt (Hannah Lühmann) ein gefundenes Fressen.[ii] Lühmann schreibt unter der Überschrift „Nach Drohungen der Antifa muss Buchladen schließen“: „Die Enkel von Holocaustüberlebenden werden in Berlin von wild gewordenen Antideutschen vertrieben“ und resümiert:

„Amir und Doron wollen jedenfalls nicht mehr; sie haben sich entschieden, aufzugeben. Die beiden sind natürlich weit davon entfernt, rechts zu sein, der Vorwurf ist völlig abwegig. Man hat das Gefühl, sich mit Leuten zu unterhalten, die nach dem suchen, was intellektuell stimulierend ist, und die nicht in den langweiligen Bahnen vorgeformten Diskurshipstertums bleiben, das leider vielfach das weltanschauliche Milieu junger, linker Akademiker ausmacht. Mit Leuten, die nachdenken, neugierig sind, offen, radikal, die sich für die moralische Ambivalenz interessieren, und für das Dunkle.“

Lühmann ist total begeistert, dass das Topics „Abgründe ausloten“, also gerade nicht aufklärerisch und antifaschistisch, sondern kokettierend über Faschismus und Nazismus reden wollte.

Die neurechte Junge Freiheit berichtet ebenfalls geknickt über die Schließung des Topics, immerhin war schon mal ein JF-Autor dort Referent (wie der Freitag berichtet),[iii] und auch die Wochenzeitung Die Zeit schreibt sehr wohlwollend und mit einer Attacke auf die bösen „Antideutschen“ über die beiden israelischen Buchhändler. Der Zeit-Autor Armin Langer[iv] hingegen war bislang eher für seine Trivialisierung des Islamismus und muslimischen Antisemitismus (namentlich in Neukölln) bekannt.

Die Deutsche Welle (DW) informiert auf Englisch (Ben Knight) über das Aus des Buchladens,[v] die Berliner Zeitung (Tanja Brandes) ist ebenso entrüstet und betont die „psychischen Folgen der Hetze“ gegen die Betreiber[vi] und der Freitag (Mladen Gladic) redet von „intoleranten Linksaktivisten“.[vii]

Kritik an der geplanten Evola-Veranstaltung kam offenkundig am 27. Februar 2017 via Facebook (worüber sich die Gruppe selbstironisch lustig macht) von der Gruppe Top Berlin,[viii] die ein vielfältiges Spektrum an linker Gesellschaftskritik zu repräsentieren scheint, Kritik an der islamistischen Hamas und anderen Formen des Antisemitismus wie auch Veranstaltungen zum Gedenken an die Shoah gehören dazu.[ix]

Ob jedoch die sich radikal vorstellende Kritik von Top Berlin, die Gruppe ist Teil des bundesweiten Bündnisses „Ums Ganze“,[x] versteht, dass ihre Kritik an jeder Staatlichkeit auch Israel und den Zionismus meinen müsste und somit dem Antisemitismus Vorschub geben würde, ist unklar. Es gab anarchistische Zionisten wie Gershom Scholem, der gleichwohl erkannte, wie überlebensnotwendig (!) Staatlichkeit ist, wenn man sich nicht wehrlos von arabischen, muslimischen oder sonstigen Judenhassern abschlachten lassen möchte. So ist eines der Motti von Top Berlin „No Border, no Nation“ angesichts Israels völlig realitätsfern und selbstmörderisch. Der von Ariel Scharon initiierte Sicherheitszaun schützt Israelis vor Selbstmordattentaten und anderen (Mord)Anschlägen. Top Berlin ist also kaum eine „antideutsche“ Gruppe, sondern eher Teil der traditionellen radikalen Linken.

Die Kritik von Top Berlin bezog sich zudem ausschließlich auf Evola. Doch der Skandal ist noch viel krasser.

Der vorgesehene Topics-Referent und Freund des Betreibers Doron Hamburger, DC Miller, hätte also am 2. März 2017 in der Buchhandlung Topics in der Neuköllner Weserstraße über Evola referieren sollen. Am 28. Februar sagte der Laden die Veranstaltung ab, wie man in einer Stellungnahme auf Facebook lesen kann. Dort meldet sich auch der vorgesehene Referent DC Miller zu Wort. [xi]

In seinem Text für die Veranstaltung schreibt Miller über Evola, dieser habe zwar bekanntlich Beziehungen zu Faschisten und Nazis gehabt, er sei „aber“ halt auch „Dadaist, Philosoph, Historiker und Magiker“ gewesen, ja sei von Rechten als „unser Marcuse, nur besser“ bezeichnet worden. Theoretiker wie der Russe Alexander Dugin, ein Übersetzer Evolas ins Russische, oder der Amerikaner Steve Bannon, ein Einflüsterer Trumps und Symbol der Alt Right im Weißen Haus, seien Anhänger des faschistischen Theoretikers. Das schreibt Miller nun nicht in einem aufklärerisch-antifaschistischen Duktus oder wenigstens in einem distanziert-neutralen Text, sondern in einer euphorischen, begeisterten, affirmativen Tonlage.

Am 22. Februar hatte die englische Tageszeitung The Guardian kritisch über die Galerie LD50 und deren Bezüge zum Neonazismus berichtet.[xii] Namentlich erwähnt der Guardian Brett Stevens, der eine rechtsextreme Konferenz im LD50 im August 2016 mit vorbereitete und an eben jenem 22. Februar 2017 als Reaktion auf den Guardian-Bericht noch einmal klarstellte, was seine Position ist:

„Ich bin Anders Breivik aus anderen Gründen unendlich dankbar, als viele vermuten. Die meisten Rechten, die gewalttätig werden und sich der Gefahr eines weißen Genozids bewusst sind, tendieren dazu, den Anderen umzubringen; ich singe ein Loblied auf Breivik, weil er gerade anders handelte, er erschoss Mitglieder von UNS, die Linke geworden waren und machte klar, was für einen Preis man zahlen muss, wenn man links wird. Breivik trieb die Leute davon weg, bei dieser pathologischen, kultmäßigen Gang von Zivilisationszerstörern mitzumachen.“[xiii]

Diese Bejahung von Terror und Mord ist unfassbar und wohl nur in USA, wo er das wohl im Netz publizierte, straffrei. DC Miller jedoch möchte genau einen solchen Hetzer wie Brett Stevens reden lassen. Und das Topics wollte DC Miller reden lassen. Das ist der Skandal, der für die Welt, die Zeit und den Tagesspiegel keiner ist.

Am 25. Februar 2017 protestierte eine lautstarke Gruppe von über 100 Antifaschist*innen gegen die Galerie LD50 im Osten Londons im Bezirk Hackney, übrigens einer Partnerstadt von Haifa. Der Bürgermeister von Hackney, Philip Glanville, spricht sich gegen die Galerie aus, wie das Magazin Vice (Yohann Koshy) berichtet.[xiv] Slogans wie „Death to Nazi Hipsters“, die laut Vice Demoparolen waren, sind angesichts von Nazigewalt nachvollziehbar, aber sicher nicht sinnvoll, die Betonung der Kombination von vorgeblich apolitischen Hipstern und Nazis ist gleichwohl von einiger Bedeutung.

Vice betont, dass die Galeriebetreiberin, Lucia Diego, zugibt, Brett Stevens erlaubt zu haben, für die Konferenz zu werben. Auf die Vice-Nachfrage, warum denn dann sogar Anmeldungen zu ihrer Konferenz im August 2016 über den E-Mail Account von einem Brett Stevens aus USA gingen, der selbst Redner, aber in London nicht dabei war, gab es keine Antwort mehr.

Die New York Times (Christopher D. Shea) berichtete noch am Tag der Demonstration in London über die Proteste gegen die Galerie LD50 und zitiert die spanische Betreiberin, die seit 12 Jahren in England lebe, dass sie zwar „Antisemitismus, Homophobie und Misogynie“ nicht teile, aber die „Linken“ würden doch „Juden, Homosexuelle und Frauen“ viel zu „doktrinär“ verteidigen.[xv]

Der für Neukölln von Topics vorgesehene Referent DC Miller spielte auf der Demonstration gegen das LD50 den Helden und protestierte am Samstag, den 25. Februar 2017, alleine für die Galerie und hielt einen Pappkarton mit der Aufschrift „the right to openly discuss ideas must be defended.“[xvi] Da lacht die Internationale der Holocaustleugner.

Die allgemeine rechtsextreme Agitation, eine Ausstellung kurz nach der Wahl Trumps zu allen möglichen Pro-Trump Äußerungen der extremen Rechten während des Wahlkampfs, wie auch die rechtsextreme Konferenz im August 2016 sind der Hintergrund, vor dem die 2015 eröffnete Galerie LD50 in London so massiv in der Kritik steht. Die irische Künstlerin und Schriftstellerin Megan Nolan schreibt, dass Kunst sehr wohl ihr Recht habe, aber wenn „Faschismus im Gewand der Kunst“ daherkomme und die „Menschlichkeit von uns“ oder der „Nachbarn“ (im Osten Londons) bedrohe, dann sei Widerstand nicht nur „akzeptabel, sondern obligatorisch.“[xvii]

Was wir im Zuge der Reaktionen auf die angekündigte Schließung des Topics erleben, ist eine ganz neue Volksgemeinschaft in Deutschland: extreme Rechte (Junge Freiheit), vorgeblich liberaler Mainstream (Die Zeit), konservative, rechte Mitte (Welt) und viele andere Zeitungen und Autor*innen promoten einen von zwei Israelis betriebenen Buchladen, der einen Referenten vorgesehen hatte, der wenig zuvor eine Londoner Galerie verteidigte, die mit Leuten wie Brett Stevens kooperiert, der ganz offen den Massenmord an Jungsozialisten durch Anders Breivik im Juli 2011 feiert!

Das sind die Töne im neuen Deutschland. Wir haben es hier mit einer anti-linken Volksgemeinschaft zu tun, die Juden oder Israelis benutzt, um Kritik am Faschismus oder Nazismus und dem Massenmord an Linken in Norwegen zu diffamieren und sich hinter Unterstützer (DC Miller) von Verteidigern und Fans (Stevens) eines antilinken, neonazistischen Massenmörders (Breivik) stellt. Die bösen sind die Antifas, die den Agitator DC Miller kritisieren. Antifaschismus ist böse, nicht Faschismus. Das ist Deutschland. Never again kommt zu spät.

Dieser von zwei Israelis betriebene Laden Topics machte freudestrahlend mit, weil sie selbst mit einer Verteidigung eines Massenmords an Linken oder dem Promoten von faschistischen Autoren ganz offenkundig kein wirkliches Problem haben und alles unter die erbärmliche und gerade von Holocaustleugnern seit Jahrzehnten propagierte „freie Rede“ rubrizieren. Da lacht die Anti-Antifa deutscher Neonazis.

Es ist gut, dass ein Laden wie Topics zugemacht hat.

Das reaktionäre, antilinke, pronazistische Denken, das Liebäugeln mit historischen Faschisten wie Evola und das Goutieren des Massenmords an Jusos durch Breivik von Freunden der Topics-Betreiber indizieren hingegen eine politische Kultur in Amerika im Zeitalter des Trumpismus und in Deutschland, die bleiben wird.

Sicher ist so ein Liebäugeln und Goutieren in der Bundesrepublik mit jüdischem Koscherstempel besser zu verkaufen, so wie auch der Israelhass sich mit jüdischem Koscherstempel (vornweg: Adorno-Preisträgerin Judith Butler) besser promoten lässt, aber Deutschland hat doch reichlich Erfahrung damit, antilinke und pronazistische Ideologie gerade ohne und gegen Juden oder Israelis zu formulieren.

 

[i] Tagesspiegel, 23.07.2017, http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-neukoelln-buchladen-schliesst-nach-attacken-von-links/20096078.html (eingesehen am 27.07.2017).

[ii] Die Welt, 24.07.2017, https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article166945195/Nach-Drohungen-der-Antifa-muss-Buchladen-schliessen.html (eingesehen am 27.07.2017).

[iii] Junge Freiheit, 24.07.2017: „‘Es ist schlimm genug, eine Veranstaltung über die Idee einer suprafaschistischen Person in deinem eigenen Geschäft auszurichten, aber es ist nochmal etwas völlig anderes, wenn sich dein Geschäft auch noch inmitten von Neukölln befindet, einem Einwandererviertel‘, beschreibt Hamburger den Grundtenor der Kritik. Er habe sich daraufhin gefragt, ob es besser gewesen wäre, in Marzahn oder Lichtenberg über Evola zu diskutieren (ls)“, https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2017/israelischer-buchladen-muss-nach-antifa-attacken-schliessen/ (eingesehen am 27.07.2017). Link zu dieser neu-rechten Agitationsseite absichtlich deaktiviert.

[iv] Die Zeit, 25.07.2017, http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-07/topics-berlin-neukoelln-juden-israelischer-buchladen-schliessung/komplettansicht (eingesehen am 27.07.2017).

[v] Deutsche Welle (DW), 24.07.2017, http://www.dw.com/en/berlin-bookstore-shuts-down-after-leftist-boycott/a-39818955 (eingesehen am 27.07.2017).

[vi] Berliner Zeitung, 24.07.2017, http://www.berliner-zeitung.de/berlin/neukoelln-warum-ein-buchladen-israelischer-betreiber-schliessen-muss-28022990 (eingesehen am 27.07.2017).

[vii] Freitag, 24.07.2017, https://www.freitag.de/autoren/mladen-gladic/are-the-kids-alt-right (eingesehen am 27.07.2017).

[viii] https://www.facebook.com/TOPB3rlin/posts/10154945432445256 (eingesehen am 27.07.2017).

[ix] http://top-berlin.net/de/tags/antisemitismus (eingesehen am 27.07.2017).

[x] https://umsganze.org/ueber-uns/ (eingesehen am 27.07.2017).

[xi] https://www.facebook.com/topicsberlin/posts/2005480709696833 (eingesehen am 26.07.2017).

[xii] The Guardian, 22.02.2017, https://www.theguardian.com/uk-news/2017/feb/22/art-gallery-criticised-over-neo-nazi-artwork-and-hosting-racist-speakers (eingesehen am 27.07.2017).

[xiii] Brett Stevens, 22. Februar 2017, http://www.amerika.org/politics/the-guardian-doubles-down-on-lugenpresse-narrative-about-ld50-gallery/ (eingesehen am 27.07.2017), Übersetzung vom Verfasser. Ich habe den Link zu dieser Naziseite deaktiviert.

[xiv] Vice, 28. Februar 2017, https://www.vice.com/en_uk/article/78qzpx/should-free-expression-include-normalising-far-right-ideas (eingesehen am 27.07.2017).

[xv] New York Times, 25. Februar 2017, https://www.nytimes.com/2017/02/25/arts/design/london-gallery-ld50-alt-right-show-protest.html?mcubz=0 (eingesehen am 27.07.2017).

[xvi] Man kann DC Miller mit seinem Pappkarton hier sehen: https://pics.me.me/the-right-to-openly-discuss-ideas-must-be-defended-k-20808184.png (eingesehen am 27.07.2017). Ein Bericht zur Demonstration ist hier zu finden: Hackney Gazette, 27.02.2017, http://www.hackneygazette.co.uk/news/politics/ld50-gallery-anti-fascist-protesters-march-through-dalston-1-4907083 (eingesehen am 27.07.2017).

[xvii] Megan Nolan, 3. März 2017, https://thebaffler.com/latest/ld50-nolan (eingesehen am 27.07.2017).

©ClemensHeni

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